Der Monetarismus ist zurück?

Worum geht es? Die Geldpolitik durch Inflationssteuerung (der sich implizit viele Zentralbanken verschrieben haben) hatte sich nicht nur der Geldmenge als Kontrollgröße entledigt, sondern auch dem Kreditwachstum keine Beachtung geschenkt. Sie hatte etwas versucht konsequentialistisches: was zählt ist makroökonomische Stabilität, wovon eine ausreichende Nachfrage und ein stabiles Preisniveau (wegen sticky wages) ein wichtiger Teil ist, und sollte es zu Finanzkrisen oder ähnlichem kommen, dann räumen wir eben geldpolitisch auf. So lange die Nachfrage und das Preisniveau stabil ist, ist alles andere zweitrangig.

Meine Sicht ist: Finanzkrisen sind sicherlich nicht wünschenswert, und die Geldpolitik und vor allem die Regulierung muss diesbezüglich verbessert werden. Aber man kann nicht etwas verteufeln, was nicht getestet wurde. Die wichtigsten Ideen bezüglich des Aufräumens nach einer Krise und dem Entrinnen aus der Liquiditätsfalle (z.B. level targeting) kamen schlicht nicht zur Anwendung. Ich frage mich, warum Kritiker wie Gerald das nicht zur Kenntnis nehmen und feststellen, dass auch Ben Bernanke die Rezepte, die er Japan einst empfahl, jetzt nicht zur Anwendung bringt.

Nun wird in der Makro viel Hirnschmalz darauf verwendet, den Finanzsektor zu integrieren und Indikatoren zu suchen (wie Kreditmengen, leverage, Fristentransformation, Brunnermeiers CoVaR etc.), die auf eine Gefahr für die Finanzstabilität hindeuten und daher von der Geldpolitik eventuell mit einbezogen werden sollten, auch wenn nach meinem Verständnis die meisten eher auf Änderungen in der Regulierung hinauswollen. Das sind alles interessante und wichtige Fragen. Nur: was hat das mit Monetarismus zu tun?

In meinen Augen nicht viel. Der Monetarismus war, nach dem eklatanten Scheitern des Keynesianismus, eine Rückbesinnung auf die Essenz von gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und Inflation, warum auch Rezessionen immer und überall ein monetäres Phänomen sind (um Friedman mal etwas freier zu interpretieren, wie Nick Rowe es tut), und wie Inflation wieder verankert werden kann. Die Geldmenge war ein (nicht sonderlich guter) Versuch, ein Maß zu finden, mit dem man den Wirtschaftskreislauf in dieser Hinsicht stabilisieren und Fehler wie 1930 ff. verhindern kann. Friedman ist selbst später davon abgerückt.

Das neue Denken bezüglich Finanzmarktstabilität und Kreditmengen kommt aus einer ganz anderen Ecke. Hier geht es darum, anhand von sinnvollen Aggregaten (zu denen die Geldmenge für sich genommen nicht zählt) oder anhand von was auch immer das Risiko einer Finanzkrise zu erkennen. Zum Beispiel, ob Kreditmengen einen hohen leverage bei Banken ermöglichen und ähnlichem. Das hat wohl mehr mit Minsky und anderen zu tun, als mit Monetarismus (wegen mir braucht es ohnehin keine Labels). Geralds etwas verzweifelt anmutende Versuche, die Geldmenge zu retten und die Zweisäulenstrategie der EZB zu loben, ändern daran nichts. Hätte Gerald dem von ihm interviewten Shin etwas besser zugehört, wüsste er das auch (emphasis mine):

Es besteht eine oberflächliche Ähnlichkeit der Analysen und daraus folgenden Empfehlungen. Aber die Monetaristen und die Bundesbank wollten über die Steuerung der Geldmenge die Inflationsrate beeinflussen. Das ist nicht mein Ansatz. Mein Anliegen ist die Bewahrung der Finanzstabilität.