Die unteren Klassen haben Griechenland geplündert?!

Als ich meinen ersten Beitrag an das Fazit richtete, hatte ich den ersten Beitrag noch garnicht gelesen.

Jetzt aber habe ich ihn gelesen, und muss sagen: ich bin schockiert. Der Autor Rainer Hank suggeriert doch allen Ernstes – unter Rückgriff auf den armen Wicksell – dass die unteren Klassen (u.a. in Griechenland) die Macht genutzt haben, um die Besitzenden und ich nehme an er meint: Leistungsträger, wie es die FAZ doch so gerne nennt, auszubeuten. Da das aber nicht ohne Weiteres geht, suchten sie ihr Heil in Verschuldung und sind dann irgendwann pleite.

In Griechenland?! Zusammen mit der „Wohlstandsparty“, welche die Griechen angeblich gerne weiter feiern würden, gerät sein Eintrag fast zur Beleidigung. Denn wenn in Griechenland eine Gruppe ungeschoren davon kommt, dann sind es die Reichen, die sich mitsamt Yachten längst ins Ausland abgesetzt haben, nachdem sie jahrelang keine Steuern gezahlt haben, sowie die politisch protegierten Kreise. Während bei einfachen Griechen die Selbstmordrate steigt.

Rainer hat Recht, dass die Märkte den Demokratien nun die Grenzen aufzeigen, aber das hat weniger mit einem pathetisch dagegen gehaltenen Rechtsstaat zu tun, und auch nichts mit feuilltonistischer Post-Demokratie a la Habermas, sondern mit einem ökonomischen Grundsatz: der Budgetrestriktion.

Wenn Rainer eine runde Kritik daraus hätte machen wollen, dann hätte er für Griechenland das Fehlen einer vernünftigen Demokratie vor der Krise diagnostizieren müssen, die der Ausbeutung durch Lobbyisten, Großbürgertum und Gewerkschaften das Gemeinwohl entgegen hält. Dann erleben wir nämlich gerade keine post-Demokratie wie Habermas meint, sondern das vom Markt erzwungene Zerschlagen sklerotischer Machtstrukturen und die Wiederherstellung einer Demokratie.

Als Deutscher aber darf man sich nicht derart plump aufs hohe Ross begeben. Das letzte Mal, als Deutschland unter Überschuldung litt, die ihm eine idiotische Elite (unter den Jubelschreien des Volkes) eingebrockt hatte, und sich durch Deflation und default qualvoll zurück arbeiten musste, hat das Volk nicht nur protestiert, sondern Hitler gewählt. Und nachdem es die Welt danach mit dem größten Horror der Menschheitsgeschichte überzogen hatten, hat das Ausland ihm auch noch, durch einen skandalösen „Bruch der Rechtsstaatlichkeit“, die Schulden zum Großteil erlassen.

Im Ausland muss ich Deutschland immer verteidigen, das moralisierend und besserwisserisch daher kommt. Ich bestreite das immer, weil ich denke, dass die Deutschen schlau genug sind, um zwischen den verschiedenen Gruppen in Griechenland zu unterscheiden. Zudem hoffe ich immer, dass sie ökonomisch-analytisch gut genug sind, um die wirklichen Ursachen der Krise zu verstehen. Rainer nimmt das natürlich für sich auch in Anspruch, beweist aber das genaue Gegenteil.