10 Fakten zu Griechenland

Wer kann schon von sich behaupten (außer der BILD-Zeitung natürlich), dass er die griechische Wirtschaft wirklich kennt? Da ist es gut, wenn ein griechischer Blogger wie Nikos Tsafos uns aufklärt. Seine “10 überraschenden Fakten zur griechischen Wirtschaft” (HT cangrande), leicht verkürzt in meiner Übersetzung (nein, ich kann kein Griechisch, er schreibt zum Glück auf Englisch):

1. Das griechische BIP ist auf dem Niveau von 2004 und wird wohl 10 Jahre brauchen, um wieder auf dem Vorkrisenniveau zu sein.

2. Tourismuserlöse sind (real) seit 2000 um 28% gefallen.

3. Netto Exporterlöse aus dem Handel sind um 27% gefallen.

4. Die Eintreibung von 40% der Steuerrückstände (d.h. 40% von ca. 41 Mrd. €) würde das Budgetdefizit in 2011 komplett decken. 90% dieser Steuerrückstände wiederum sind bei 6.500 Einzelpersonen und 8.200 Firmen zu finden.

5. Arbeitnehmer in Staatsunternehmen verdienen im Schnitt das doppelte gegenüber Arbeitnehmern in Privatunternehmen.

6. Griechen zahlen so häufig Bestechungen wie Nigerianer und Pakistanis, nämlich 18% aller Haushalte laut Transperency International.

7. Staatsschulden und Privatschulden zusammen gerechnet sind vergleichsweise gering gegenüber dem europäischen Durchschnitt.

8. Die griechischen Schulden wurde zumeist in den 80ern und frühen 90er Jahren angehäuft.

9. Griechenland hatte 1980 einen vergleichsweise kleinen Staatssektor.

10. Der griechische Lebensstandard ist seit 1980 relativ zum europäischen Durchschnitt gesunken, von 5% unter Schnitt auf 30% in 2000.

Ein paar Anmerkungen meinerseits.

Punkt 2 überrascht mich doch, auch wenn der vergleichsweise teure Tourismus in Griechenland diejenigen vermutlich vermehrt abgeschreckt hat, die statt dessen in die Türkei oder nach Spanien geflogen sind. Warum Nikos meint, der Fehler sei gewesen, mehr Touristen anzulocken, die weniger Geld ausgeben, verstehe ich nicht ganz. Aber er wird es besser wissen.

Steuerrückstände sind eher eine stock, als eine flow Größe. Natürlich ist die Zahl erschreckend, aber sie bietet sich nur an, um einmalig etwas zu begleichen und ist kein jährlich zu hebender Schatz. Leider gibt er zur jährlichen Hinterziehung keine Daten. Aber diese seriös zu beschaffen, ist wohl mehr als schwer.

Arbeitnehmer in Staatsunternehmen könnten höher ausgebildet sein, d.h. man müsste eine Art “Staatssektorprämie” erst noch rausfiltern, indem man für das Ausbildungslevel und gegebenenfalls andere Dinge wie Rentenversicherung kontrolliert. Dennoch ist das zweifache enorm. Irgendjemand, der Daten aus, z.B. England kennt? Oder Schweden?

Damit zusammenhängend noch eine Sache, die Nick Rowe kürzlich ansprach: der Staat kann bei Staatslöhnen kürzen, ohne damit die Wirtschaft kurzfristig zu treffen. Wie? Indem er die Lohnsumme, die er zahlt, konstant lässt und statt dessen neue Leute einstellt. Steuerfahnder zum Beispiel.

Die Schuldenquote von 1993-2008 noch zu erhöhen, von einem Niveau von 98% des BIP, während man (scheinbar) einen veritablen Boom erlebt, mit zu hoher Inflation gemessen am Zentralbankziel, heißt für mich eine Weiterführung der Verschuldungspolitik von davor. Das jetzige Ausmaß der Verschuldung zeigt in Teilen schlicht, was der Boom vorher verborgen hat.