Ist der Bauboom der Grund für die Arbeitsmarktkrise der USA?

In einem Eintrag habe ich kürzlich die Verantwortung der Fed für den Bauboom in den USA diskutiert. Davon unberührt bleibt die Frage, ob denn das Platzen der Hauspreisblase wirklich der Grund für die Arbeitsmarktkrise ist, in der die USA stecken, ob es sich also um strukturelle Arbeitslosigkeit handelt. Diese Frage hatte ich schon im Zusammenhang mit Rajans Zahlendreher diskutiert.

Die Antwort, die sich in meinen Augen herauskristallisiert ist: Nein! Und die Indizen, die David Beckworth dafür zusammengetragen hat, werden langsam erdrückend.

Zunächst unterlegt er die These, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in den USA ab Juni 2008 eingebrochen ist, mit einem Graphen des monatlichen nominalen BIP, um dann die Arbeitsmarktdaten des Bausektors und des Gesamtmarktes gegenüber zu stellen. Die Beschäftigungszahlen des Bausektors erreichen einen Höchstwert im April 2006. Bis Juni 2008 scheint die Wirtschaft den folgenden Rückgang aber gut aufgefangen zu haben. Erst, als die nominalen Gesamtausgaben einbrachen, schnellten die Entlassungen des Gesamtmarktes in die Höhe:

Das ist nun schon sehr deutlich, oder?

Befeuerte die Fed den Bauboom?

Wenige Dinge sind so umstritten in der aktuellen Krise wie die Frage nach der Verantwortung der amerikanischen Zentralbank Fed für die Hauspreisblase. Dabei geht es um zwei Faktoren.

1. Zinsen

Dies ist der scheinbar offensichtliche Punkt: durch die angeblich niedrigen Zinsen der Fed zwischen 2001 und 2005 wurden Investoren dazu gezwungen, nach Rendite zu suchen und fanden im Immobiliensektor ihr Eldorado – oder besser: ihre Fata Morgana.

2. Bankenregulierung

Der vielleicht wichtigere Punkt der beiden, denn wenn die Zinssetzung gesamtwirtschaftlich notwendig war, hätte hier der Schlüssel gelegen, die aufkommende Hauspreisblase zu dämpfen.

Zunächst weiß man nicht, welches Ziel die Fed genau hat. Auf Grund ihres dual mandate ist es die gleichzeitige Erfüllung von Preisstabilität und maximaler Ausnutzung des Produktionspotentials, so viel ist klar. Das bedeutet wohl, die Politik gerade so locker zu setzen, dass das Potential ausgeschöpft ist. Diese Politik führte im Endeffekt zu einem stabilen nominalen BIP Wachstum über 2 Jahrzehnte. Daher kommt diese Politik wohl einem nominalen BIP-Ziel recht nahe, wenn auch mit situationsbedingten Abweichungen.

Ist sie also von diesem Ziel abgewichen, die Zinsen dementsprechend zu setzen, und hat damit den Bauboom befördert? Eine Antwort gibt die Fed selbst (HT David Beckworth):

Die Fed analysiert selbst, dass zwischen 2001 und 2004 die Zinsen am unteren Rand des Gleichgewichtsbandes liegen, 2004 selbst sogar darunter. David Beckworth analysiert in einem weiteren Eintrag, dass auch andere Indizien dafür sprechen, dass die Fed in dieser Zeit zu lockere Geldpolitik verfolgte:

[This graph] shows the Laubach and Williams natural interest rate minus the real federal funds rate. This spread provides a measure on the stance of monetary policy–the larger it is the looser is monetary policy and vice versa.  This figure shows that monetary policy was unusually accommodative during the 2002-2004 period.

Aber seine Anlyse hört nicht hier auf, denn die Fed hatte auch (scheinbar?) gute Gründe für eine solche Zinssetzung: Disflation. Disflation nennt man den Zustand, wenn die Inflation zu niedrig ist, aber man nicht Deflation sagen kann, weil die Preise immer noch steigen. Die Disflation in dieser Zeit machte die Fed nervös, und ich erinnere mich an Berichte über „Angst vor japanischen Verhältnissen“ und ähnlichem. Aber laut Beckworth war dies Folge eines Produktivitätsbooms zu jener Zeit:

The Fed saw the disinflation and acted as if it were created by weak aggregate demand (AD). Instead, it was strong aggregate supply (i.e. the productivity gains) creating the disinflation at the time. AD, in fact, was not falling during this time and could not have been the source of the low inflation. [This figure] … illustrates this point.

Da zeigt sich wieder mal, dass Inflation ein denkbar schlechtes Kriterium ist. Aber auch andere Länder reagierten ähnlich – oder ließen sich von der Fed treiben. Beckworth verweist auf eine Deutsche Bank Studie, in der gezeigt wird, dass in den „G5 Staaten“ (USA, „Euroland“, Japan, UK und Kanada) zwischen 2001 und 2004 excess liquidity kreiert wurde, also die Wachstumsrate der Geldmenge deutlich über der des nominalen BIP lag:

Dies sind schon beeindruckende Indizien. Allerdings ist dies nicht die ganze Wahrheit. Denn für Ökonomen, die vor allem von der Fed fordern, sie solle das nominale BIP oder die nominalen Gesamtausgaben stabilisieren, hat sie diese Aufgabe zu erfüllen versucht und auch erfüllt. Hier beginnt nur das Problem, was man als „stabilisieren“ bezeichnet. Das hängt vom Basisjahr ab, das man für seinen Trend wählt, und von der Definition der nominalen Gesamtausgaben. Bill Woolsey zeigt, dass die Fed diese Aufgabe genau erfüllt, und kaum übererfüllt hat, wohingegen David Beckworth zeigt, dass mit seiner Definition von „nominale Gesamtausgaben stabilisieren“ die Fed zu viel getan hat, und dies übrigens schon 1998. Entscheidet selbst.

Wenn also die Indizien dafür sprechen, dass die Fed zu locker war, 1998 – 2000 und 2001-2004, musste dies denn gleich zu einer Kreditorgie ausarten? Tim Duy, der die damalige Zinssetzung selbst für angemessen hält, sieht hier den Hauptfehler der Fed:

The Fed was probably too captured by a free markets ideology to seriously question the  wisdom of channeling so much capital into housing, which was really less about capital investment and more about consumption.  And, in their defense, attempting to direct capital flows is indeed tricky business fraught with peril.  But allowing everybody and their cousin to get a half million dollar mortgage with no income documentation?  Addressing that issue seems like it should have been doable.

Auch dies ist plausibel: die Fed hätte, gerade nach den Erfahrungen in Japan, wo ebenfalls eine Hauspreisblase der Anfang des verlorenen Jahrzehnts war, hier ansetzen und laxe Kreditvergaben unterbinden müssen.

Aber wer weiß schon, was passiert wäre, hätte die Fed anders gehandelt? 1998 bestand große Sorge um die Weltwirtschaft, 2001 ebenso. Vielleicht hat die Fed auch einfach schlimmeres verhindert? Ich bleibe skeptisch. Die Indizien sprechen dafür, dass die Fed die nominalen Gesamtausgaben überhitzt hat, und zu großen Fokus auf Inflation gelegt zu haben scheint. Zudem hat sie ihre Bankenregulierungsaufgabe nicht wahrgenommen, obwohl sie die Gefahr hätte sehen können.

PS: Davon unabhängig ist die Frage, wie die Fed nach dem Platzen der Blase reagierte. Und dort kristallisiert sich heraus, dass die Fed viel zu restruktiv war. Und nein, das ist kein Widerspruch zu oben.

HT: David Beckworth, dessen ganzer Eintrag (und sein Blog im allgemeinen) sehr lesenswert ist.

Update: Mein Kommentaor Dietmar Tischer weist mich auf diesen Artikel von Olaf Storbeck im Handelsblatt hin. Er beschreibt die Forschung zweier Ökonomen zu Bankenderegulierung in den USA. Die Arbeit zeigt in einem überzeugenden empirischen Design deutlich, dass die Deregulierung ein wichtiger Faktor war. Olaf Storbecks Artikel dazu ist sehr lesenswert, dem gibt es nichts hinzuzufügen. Pflichtlektüre!

Raghuram Rajan verdreht die Zahlen

Mein verehrter Gastautor Henry Kaspar zitiert gerne den Chicago-Ökonomen Raghuram Rajan als denjenigen, der die Finanzkrise mit samt ihrer Transmissionswege kommen sah (ein in der Tat beeindruckender Artikel).

Um seine Thesen zu halten, muss er allerdings zeigen, dass man die Wirtschaftskrise nicht einfach mit Nachfragepolitik seitens der Fed bekämpfen kann – obwohl sehr prominente Ökonomen genau das fordern, in meinen Augen völlig zu Recht, auch für Europa. Zum Beispiel, dass die Arbeitslosigkeit zu einem erheblichen Teil nicht konjunkturbedingt, sondern strukturell ist, besonders wegen des Bausektors (via FT alphaville):

In other words, were it not for construction, the US unemployment rate would be 6.5% – a far healthier situation than today.

Allerdings wird diese Interpretation nicht von allen geteilt:

However, Mike Konczal isn’t so sure that the data support this conclusion. While states such as Nevada [dieser US-Staat wurde besonders hart vom Boom und Zusammenbruch des Bausektors getroffen] have unsurprisingly suffered more in both absolute and relative terms than others, they’re not complete outliers. Rather, looking at the ratio of November 2010 U3 unemployment rate to November 2007, he finds a common pattern: “they’ve basically all doubled their unemployment rates.”

Was ein Glück, dass zumindest derjenige, auf dessen Forschung sich Rajan stützt, ihn verteidigt:

Raghu reported that we are finding that upwards of 3 percentage points of total U.S. unemployment can be explained by structural forces. That is not what we have found.

Ups.

Scott Sumner hat schlicht ein paar Daten zu Neubauten (housing starts) und Arbeitslosigkeit zusammengetragen, zu denen die strukturelle Erklärung schlicht nicht passt:

Yes, housing output was low in 2009 and unemployment was high.  But is there a causal relationship?  I say no.  Housing starts peaked in January 2006, and then fell steadily for years:

January 2006 — housing starts = 2.303 million, unemployment = 4.7%

April 2008 — housing starts = 1.008 million, unemployment = 4.9%

October 2009 — housing starts = 527,000, unemployment = 10.1%

So housing starts fall by 1.3 million over 27 months, and unemployment hardly changes.  Looks like those construction workers found other jobs, which is what is supposed to happen if the Fed keeps NGDP growing at a slow but steady rate.

Ich habe es schon an anderer Stelle geschrieben: Leute wie Rajan, die uns viel über das moderne Zustandkommen solcher Krisen lehren können, sind nicht deshalb schon gut bei der Beantwortung der Frage, was zu tun ist, wenn man einmal im Schlamassel steckt. Der Bergführer sollte auch nicht die Knochenbrüche operieren, vor denen er seine Bergsteiger gewarnt hat.

Ich frag mich nur, was ihn bewegt, warum er so sehr auf seinem Weg aus der Krise beharrt, obwohl wenig dafür spricht. Ist er bereit, 10% Arbeitslosigkeit zu ertragen, um „seine“ Form der US-Wirtschaft erreicht zu sehen? Also den Leidensdruck hoch zu halten, damit die regulatorischen Maßnahmen ergriffen werden, die nötig sind, um Finanzkrisen solchen Ausmaßes in Zukunft zu verhindern?

Das wäre geradezu zynisch, schließlich führt wegen Hysterese jeder Monat mit höherer Arbeitslosigkeit zu strukturell immer schlechteren Arbeitsmarktresultaten, also genau zu dem, was Rajan mit Bildung und Fortbildung für Arbeitslose bekämpfen will.

Und wenn eine revolutionäre Fed-Politik (nominales BIP target, targeting-the-forecast (und zwar radikal)) nun die Auswirkungen einer Finanzkrise auf den Rest der Wirtschaft tatsächlich verhindern kann – und hätte verhindern können? Was, wenn die Fed mit ihrer extrem restriktiven Politik Mitte/Ende 2008 erst für den wirklich schlimmen Teil der Krise verantwortlich ist? Dann hätte Rajan Unrecht, und dann wären 10% Arbeitslose nicht nur zynisch, sondern eine Katastrophe.

Rajans Thesen sind interessant und voller Einsichten. Aber das ist kein Grund, die Zahlen zu verdrehen, damit seine Thesen scheinbar noch besser da stehen.

HT: FT alphaville, Yglesias

Update: Kommentator Jonas weist mich darauf hin, dass Rajan auf seinem Blog bereits auf die Kritik reagiert hat. Danke.

Sticky wages…?

Vor einigen Tagen habe ich ausgeführt, wie man gesamtwirtschaftlich über Nachfrage nachdenken kann und wie starre Preise und vor allem Löhne dies hervorrufen. Passend dazu diskutieren Ryan Avent und Brad DeLong über sticky wages und die Frage, warum – anekdotisch belegt – fallende Löhne in den USA nicht den Beschäftigungseffekt haben, den sie haben sollten. Ryan Avent analysiert:

So what we see is a two-track labour market. Workers who never lost their jobs saw, on average, a slight decrease in hours worked and a pause in wage increases, but since that time they’ve been able to work more and have potentially enjoyed pay increases. But this could coincide with a group of jobless workers who have struggled to find work and who can generally only do so at a significant wage cut relative to their previous pay.

Warum ist dann die Arbeitslosigkeit weiterhin bei fast 10%, wenn Löhne doch nicht so starr sind? Eine Erklärung liefert Ryan Avent mit, die auch Brad DeLong für richtig hält:

Why wouldn’t firms swap out older, more expensive workers for the cheaper unemployed ones available to them? One possibility is that firms are worried about the disruptive impact of such workforce turnover and have decided that it’s better to keep employing existing labour at existing wages. (Ryan Avent)

That appears to be the answer–that has been the rule for nearly two centuries: firms are scared that swapping out their current workforce for a new one or even cutting nominal wages by threatening to swap out their current workforce for a new one is devastating for worker morale and thus productivity. (Brad DeLong)

Also brauchen diese Arbeitslosen neue, oder expandierende Firmen, die sie einstellen, schreibt Ryan Avent:

But then we might expect new firms to start up and hire jobless workers; if the unemployed were just as productive as the employed, new businesses could operate at a significant cost advantage over competitors. But Robert Hall argues that credit conditions remain tight for new businesses, who are the big job creators.

Nun weisen beide darauf hin, dass ein Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage der Kern des Arbeitslosigkeitsproblems ist. Da aber sind wir an einer Kreuzung angekommen: denn wenn Löhne gar nicht so starr sind, wie kommt es dann zur mangelnden Nachfrage? Ich hatte gehofft, die Frage sei auch für mich leichter zu beantworten, aber ich muss etwas ausholen.

Für neue oder expandierende Firmen sind Kredite nötig. Diese Kredite müssen von solchen gegeben werden, die entweder sparen oder Geld schöpfen (=“Enthorten“) können (also Banken), und sie müssen nachgefragt werden von Firmen, die bei gegebenen Realzinsen eine Investition als lohnend erachten. Für beides sind Inflationserwartungen nötig: sie erhöhen die Kosten der Geldhortung und senken Realzinsen. Das bedeutet, selbst wenn ein Teil der Löhne sehr flexibel ist, führt die Starrheit der übrigen Löhne immer noch zu Nachfrageproblemen, solange man über den Kreditweg argumentiert.

Wie kommt das genau zu Stande? Wenn nicht alle Löhne unmittelbar fallen können, dann sind die Inflationserwartungen ab diesem Zeitpunkt kleiner als wenn alle Löhne fielen (und ab da wieder steigen). Und in einer Verschuldungssituation wie der momentanen, in denen der Privatsektor und vor allem Banken ihre Bilanzen reparieren, wären Inflationserwartungen das Beste, um sie zu einem Angebot an Krediten zu bewegen. Die Nachfrage nach Krediten wiederum ist ebenfalls größer, je höher die Inflationserwartungen sind, da sie Realzinsen senken. Nur partiell fallende Löhne sind dafür eben zu wenig.

Wenn man nun noch über Realzinsen hinausdenken möchte (und das sollte man!), ist es vor allem die zukünftige erwartete Nachfrage, die Firmen zur Expansion oder neue Firmen zur Gründung animiert. Das bedeutet, neben Inflationserwartungen sollten auch die nominalen Gesamtausgaben steigen. Dies verhindern die nur partiell fallenden Löhne ebenfalls: denn steigende Löhne sind von den starren Löhnen nicht zu erwarten, nur von den flexiblen, die vorher gefallen sind.

In der Summe bedeutet dies, dass auch nur partiell starre Löhne ein Nachfrageproblem hervorrufen können. Wichtig ist dann natürlich, dass die Zentralbank dieses Nachfrageproblem mit aller Härte bekämpft.

PS: Die Amerikaner wundern sich etwas, warum ausgerechnet in den USA das Beschäftigungsproblem so groß ist, obwohl das BIP der USA sich besser durch die Krise gerettet hat als das jedes anderen vergleichbaren Landes (außer Kanada), inklusive Deutschland (siehe den wie immer exzellenten, aber eben auch ehrlichen Nick Rowe, denn auch er kennt die Antwort nicht). Insbesondere seine Graphen zum BIP und zur Beschäftigung sind beeindruckend.

Matthew Yglesias sieht darin eine Chance für die USA, mit aggressiver Geldpolitik (trotz Recht guter BIP Aussichten) ihre Produktivität, zumindest über ein paar Jahre, dramatisch zu steigern: das BIP/Erwerbstätigem in den USA hat sich nämlich stark verbessert, und das in einer großen Rezession!

Aber trotzdem würde ich diese außergewöhnliche Entwicklung in den USA gerne besser verstehen. Irgendwelche Ideen?

Update: Paul Krugman präsentiert seine Ideen.

Staaten brauchen Geld? Ökosteuern könnten helfen…

Wer erinnert sich nicht an den harten Kampf, den die Einführung der Ökosteuer in Deutschland begleitete. Vermutlich war vieles davon die Entrüstung des deutschen Bürgertums darüber, dass rot-grün ihnen ihren natürlichen Machtanspruch streitig gemacht hatte – und was eignet sich besser, als sich auf die Seite deutscher Autofahrer zu stellen? Mittlerweile, 12 Jahre später, wird die Ökosteuer als Innovation in den USA (leider kein freier Zugang zum Artikel) vorgeschlagen, und zwar vom Yale-Ökonom William D. Nordhaus:

This is a … proposal for a carbon tax. Simply put, there is no better fiscal instrument to employ at this time, in this country, and given the fiscal constraints faced by the U.S.

It is an instrument that has been used in other countries and is well understood. It is virtually the only tax under consideration that will increase economic efficiency because it reduces the output of an undesirable activity (carbon dioxide emissions). Every  other  tax  that  is  under  discussion will reduce economic efficiency.

Die Effizienzsteigerung der Ökosteuer besteht im Übrigen nicht darin, dass man das Geld für Umweltprojekte ausgeben könnte (was der Ökosteuer oft vorgeworfen wurde: warum „Öko“, wenn sie in die Rentenkasse fließt?). Die Effizienzsteigerung liegt einzig und allein darin, dass man gesamtwirtschaftlich gesehen schlechtes Verhalten mit der Steuer bestraft und damit verringert. Wohin die Einnahmen fließen, ist irrelevant. Und genau deshalb ist die Steuer in einer finanziell angespannten Situation, in der sich die USA momentan befinden, so gut.

Und was ist mit Europa? Auch dort gäbe es Möglichkeiten, mit ökologischen Steuereinnahmen die Budgets der Staaten zu verbessern. Aber haben wir in Deutschland nicht schon die Ökosteuer, die Mineralölsteuer, das EEG und die CO2 Zertifikate, die alle de facto Steuern sind? Doch, haben wir. Aber gerade bei den CO2-Zertifikaten ist seit Jahren ein Skandal im Gange, der mich sprachlos macht vor Wut und bei dem die deutschen und europäischen Ökonomen auf ganzer Linie versagt haben.

Worauf will ich hinaus? Die Energielobby hält seit Jahren die gesamte Politik und Presse zum Narren und hat sich die CO2 Zertifikate umsonst zuteilen lassen, obwohl es dafür kaum einen ökonomischen Grund gibt.

Wie hoch die ungerechtfertigten Gewinne (windfall profits) sind, will ich garnicht wissen. Sie gehen auf jeden Fall in die Milliarden, die den europäischen Staatsbudgets gut zu Gesicht stünden. Und dieser skandalöse Zustand hält an: zwar muss die Energieindustrie ab 2013 alle Zertifikate ersteigern (nachdem sie sich 8 Jahre dumm und dämlich verdienen durfte), in den 10 neuen Teilnehmerländern aber bekommt sie diese weiterhin geschenkt – die Politik scheint nichts zu lernen. In der Luftfahrtindustrie werden mickrige 15% der Zertifikate versteigert, der Rest veschenkt. Ökonomischer Grund: Fehlanzeige. In der gesamten Periode 2013-2020 werden nur etwas mehr als die Hälfte insgesamt versteigert.

Aber die Industrie muss doch wettbewerbsfähig bleiben! Natürlich, und ich bin der Letzte, der aus ideologischer Verblendung Ökosteuern möchte. Aber wer meint, durch das Verschenken von Zertifikaten an die Energiefirmen würde man dies erreichen, der ist meines Erachtens auf dem Holzweg. Der Grund ist, dass der Preis eines Zertifikats (ob geschenkt oder nicht) in die Kostenkalkulation Eingang findet.

Den Produktionsunternehmen selbst die Zertifikate zu schenken, ist schwierig, denn die Art wie Produktionsentscheidungen beeinflusst werden ist für die Politik/Regulierer schwer zu überblicken: lassen wir Prozess X im Ausland durchführen und übernehmen nur Prozess Y hier in Deutschland etc., wer will das durchschauen? Mein pragmatischer Vorschlag: auch Unternehmen müssen alle Zertifikate ersteigern, aber müssen nur einen Faktor e<1 an Zertifikaten pro erzeugter Tonne CO2 entrichten, wobei sich e nach der Energieintensität des Produkts richtet. Das enlastet die Unternehmen, ohne ihnen sinnlos Geld zu schenken. Es reudziert allerdings auch den Anreiz, CO2 zu sparen.

Ich hoffe sehr, dass die Europäer ihre Budgets, und auch das der EU, etwas aufräumen, und neben den Landwirtschaftssubventionen auch das Zertifikatshandelssystem durchleuchten. Hoffentlich, hoffentlich!, fällt ihnen dann auf, dass sie grundlos jedes Jahr Milliarden verschenken.

PS: Kann man juristisch von Unternehmen Geld zurück verlangen, was man durch dämliche Politikfehler zu viel verschenkt hat? Umgekehrt geht es doch auch…

PPS: Dass der Preis eines Zertifikates auf den Storm-, Flugticket-, oder Industrieproduktpreis draufgeschlagen wird, ist der Sinn der Zertifikate! Wenn man die Zertifikate verschenkt, damit sie nicht auf den Preis aufgeschlagen werden (was nicht simmt, das werden sie natürlich trotzdem!), dann stellt man den Sinn der Zertifikate auf den Kopf.

Wenn Demokraten und Republikaner sich streiten freut sich… die Konjunktur

Ein Gastbeitrag von Henry Kaspar

Vor einem Monat diskutierten Paul Krugman und Raghuram Rajan bei CNN die Folgen des amerikanischen Wahlergebnisses – ein etablierter und ein künftiger Ökonomie-Nobelpreisträger (der Diamond/Rajan/Zingales-Nobelpreis ist in meinen Augen nur eine Frage der Zeit). Von der Lust an der Debatte und argumentativer Brillanz abgesehen war beiden nur eins gemeinsam: die Einschätzung, dass Blockade zwischen einem republikanisch dominierten Repräsentantenhaus und einem demokratischen Präsidenten ein Desaster für die US Volkswirtschaft wäre.

Jetzt liegt das erste Ergebnis vor: der Kompromiss zwischen den Republikanern im Senat und Präsident Obama zum 2011 Budget. Die Republikaner bekamen die Verlängerung der Bush Tax Cuts bis 2012, die Demokraten die Verlängerung der (von der Zentralregierung bezahlten) Arbeitslosenversicherung.

In der kurzen Frist ist der Kompromiss meiner Ansicht nach positiv. Eine expansivere Fiskalpolitik hilft den krisenbedingten privaten Nachfrageausfall zu kompensieren, und entlastet eine überbeanspruchte und überforderte Geldpolitik (ich weiß, mein Gastgeber Kantoos sieht das anders). So haben denn auch die meisten Analysten die Prognose für das Wirtschaftswachstum in 2011 um knapp einen halben Prozentpunkt erhöht, auf 3–3½ Prozent—zusammen mit einer Revision des erwarteten Fiskaldefizit um rund einen Prozentpunkt auf fast 10 Prozent des Sozialprodukts.

Das Problem ist die lange Frist. Wie Jeffrey Sachs in einem lesenswerten, wenn auch schon etwas älteren, Beitrag (Juni) herausarbeitet, benötigt Fiskalstimulus einen Plan, wie der Stimulus langfristig zurückgefahren werden kann. Dafür fehlt in der amerikanischen Politik selbst minimaler Konsens.

Meine Befürchtung: Krugman und Rajan behalten recht. Langfristig.

Wikileaks bei der Fed

Ein Gastbeitrag von Henry Kaspar

Der Julian Assange der Federal Reserve heißt Bernie Sanders. Der parteifreie, linksliberale Senator von Vermont schrieb einen Passus in den Dodd-Frank Financial Reform Act, der die Fed zwingt offenzulegen, welchen Institutionen sie 2007–09 wie viel Geld lieh.

Die Zahlen liegen nun vor, und so wissen wir jetzt, dass die Fed in der Krise nicht nur viel Geld verlieh (1½ Billionen Dollar ausstehender Kredit Ende 2008), sondern auch an viele verschiedene Gläubiger, von der Harley Davidson Motor Company über Goldman Sachs und die Bayerische Landesbank bis zur Zentralbank Norwegens.

Donald Kohn, Vizechef der Fed zu Krisenzeiten, sagt dazu nur das Offensichtliche:

I think our actions prevented an even more disastrous outcome. Without the Fed’s help, liquidity would have dried up even more than it did, asset prices would have fallen even more than they did, and economic activity and employment would have fallen further and faster then they did.

Doch das ist nicht die Lesart der Politik. Bernie Sanders:

After years of stonewalling by the Fed, the American people are finally learning the incredible and jaw-dropping details of the Fed’s multitrillion dollar bailout of Wall Street and corporate America. Perhaps most surprising is the huge sum that went to bail out foreign private banks and corporations.

Also: wenn die Fed – ihres Zeichen „lender of last resort“ – Geld verleiht an amerikanische Firmen, die auf dem Trockenen sitzen, dann ist das schlimm. Wenn sie Geld verleiht an Ausländer, dann ist das ein Verbrechen. Dass ohne jene Ausländer der U.S.-Zahlungsverkehr zusammenbräche, von dem wiederum die gesamte US-Volkswirtschaft abhängt – zu kompliziert für das poltische Geschäft.

Sanders Intervention steht symbolhaft für die Schwierigkeiten der Fed, im politisch aufgeheizten Umfeld Washingtons das Rational ihrer Geldpolitik zu erklären: an der Erklärung ist einfach niemand interessiert. Erst vor gut einer Woche kommentierte Paul Ryan, wirtschaftspolitischer Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, quantitative easing wie folgt:

There is nothing more insidious [heimtückisch] that a government can do to its people than to debase its currency.

Schwer mehr Unsinn in einem kurzen Satz unterzubringen. Bei der Fed gilt wie beim U.S. State Department: Transparenz ist eine gute Sache, wenn die Öffentlichkeit echten Erkenntnisgewinn daraus zieht. Sie ist eine zweifelhafte Sache, wenn sie Institutionen daran hindert ihre Arbeit zu machen.

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