Ein Gastbeitrag von Henry Kaspar
Am Montag kreuzte Hans-Werner Sinn die Klingen mit EZB-Chefökononom Jürgen Stark bei einer Veranstaltung an Sinns ifo-Institut, und wiederholte dabei seine heftig debattierten Thesen zur Target2. Sinn betonte insbesondere dass in den USA offene Interdistrict Settlement Account Balances zwischen Federal Reserve Distrikten (das US-Gegenstück zu Target2-Salden) einmal im Jahr abgeglichen werden müssen durch den Transfer von Federal Treasury Bills oder goldgedeckter Assets. Diese These habe ich in meinen ursprünglichen Beitrag nicht diskutiert, deswegen hier ein Nachtrag.
Sinn hat hier in meinen Augen formal recht, aber er vergleicht Unvergleichbares. In Europa sind die Schicksale von Staat und Bankensysytem eng zusammengeschweisst: wenn ein Staat in Zahlungsschwierigkeiten gerät schneidet das die Banken dieses Staates ebenfalls von Marktfinanzierung ab (siehe Griechenland). Umgekehrt kann ein in Turbulenzen geratendes Bankensystem den Staat in Schwierigkeiten bringen (siehe Irland).
Nicht so in den USA: wenn Kalifornien vor der Pleite steht verlieren kalifornische Banken deshalb nicht den Marktzugang – weil hinter ihnen nicht der Staat Kalifornien steht, sondern die amerikanische Bundesregierung und das Federal Reserve Board. D.h. im Gegensatz zu Europa hängen die Finanzierungskonditionen einer U.S. Bank nicht davon ab, in welchem Federal Reserve Distrikt ihr Hauptquartier liegt. Die griechische oder irische Situation – die Banken haben keinen Marktzugang, und der Staat kann ihnen nicht helfen weil er selbst am Rande der Insolvenz steht – kann in den USA so nicht auftreten, solange der amerikanische Bundesstaat von den Märkten als solvent betrachtet wird.
Damit entfällt aber die Notwendigkeit für den Aufbau offener Interdistrict Settlement Account Balances, selbst in Zeiten der Finanzkrise.


Neueste Kommentare