Political Economy = bullshitting ?

Nick Rowe, one of my favorite bloggers, recently made a claim that I strongly disagree with:

When I hear the words “political economy” I usually reach for my shovel. … “Political economy” has two (modern) meanings. It can mean political scientists bullshitting about economics. Or it can mean economists bullshitting about politics.

Being a trained economist, with a research focus on political economy, I hope I am not bullshitting in my academic work. But Nick’s statement did challenge my thinking: why do I tend to share his view on “political scientists bullshitting about economics”, while dismissing the other? Isn’t that inconsistent?

I don’t think it is. Economics is a social science just as political science. Both shared more or less a common methodology prior to the use of mathematics in modern economics (let’s leave out the mathematics of voting rules and other political issues). However, to understand economics, theoretically and empirically, the methods of traditional political science and economics have exhausted themselves a long time ago.

Since then, economics has opened up and developed two very useful methodological avenues: the strict mathematical treatment of human behaviour as rational utility maximization, and the empirical methods for dealing with “dirty data”, that is, non-experimental data.

The methods of political science have evolved as well, but not necessarily in a direction that is useful to understand economics. And why should they? Political scientists want to study political science, not economics. Economists did not develop these methods to understand politics either.

And yet, the new methods in economics can be applied to sub-fields of political science. Is that “bullshitting”? For some political scientists, it may well be. Chris Blattman describes an extreme view that political scientists may hold:

A caricature of economists: they only respect papers, they tend to like small questions answered ridiculously precisely, and they use a narrow set of mathematical tools for the job or simply don’t bother with the question.

There is some truth to this, but that is exactly why these methods are only useful for certain subsets of questions in political science. However, younger scholars in political science (!) departments do use these methods, which in Nick’s view means that political science professors like James Snyder or the young German Jens Hainmüller and many others are bullshitting about political science. Doesn’t sound right, does it?

There are other concerns about “political economy”, but I will leave it at that for the moment: political science methods are mostly unsuitable to understand economics beyond a certain point, which is why “political economy” from a political science perspectives should make Nick reach for his shovel. Economic methods on the other hand can (can!) be used to tackle some (some!) political questions. It is not the same thing.

PS: One side note on empirical work. The attempt by economists to answer empirical questions “ridiculously precisely” is not even a criticism to me. It is a praise. Being “ridiculously precise” is a precondition for the empirical results to be taken seriously at all. Non-ridiculously-precise empirical work is misleading and dangerous and often plain useless. Of course, the search for such “ridiculously precise” issues can have side effects.

Ein Blogguide für VWL-Studenten

Da ich wenig Kontakt zu deutschen Bachelorstudenten habe und es zu meiner Zeit noch nicht so viele Blogs gab, bin ich mir nicht sicher, ob dieser Eintrag nicht völlig unnötig ist, weil der moderne VWL-Student von Welt ohnehin die richtigen Blogs kennt. Aber auch für mich war es interessant, einmal eine Bestandsaufnahme zu machen, welche VWL-Blogs für VWL-Studenten – je nach Spezialisierung und Interesse – wichtig sind.

Allgemeine VWL

Hier könnte man viele Blogs wählen, aber ich möchte eine kompakte Liste erstellen, kein Literaturverzeichnis, daher hier nur die wichtigsten.

  •  Marginal Revolution, natürlich. Neben unterhaltsamen Einträgen über “Markets in everything”, kommentieren Alex Tabarrok und vor allem Tyler Cowen fast alles in der VWL. Position: eher liberal.
  • Paul Krugman gehört zu den sehr politischen Bloggern, und ist daher manchmal mit Vorsicht zu genießen. Dennoch, unterhaltsam und fundiert. (eher links-lastig)
  • Interfluidity, einen Blog, den wohl wenige hier erwartet hätten, aber ich finde jeden der seltenen und eher langen Einträge sehr intelligent und was man im englischen “thought-provoking” nennt.
  • Econlog, der Blog von Arnold Kling, Bryan Kaplan und David Henderson, wird deutsche VWL Gemüter sicher mehr als einmal provozieren, denn eine solch liberale Haltung traut sich noch nicht mal Hans-Werner Sinn. Auch mich als eher links-lastigen Ökonomen provozieren die Thesen, aber wenn man offen bleibt, lernt man dadurch vielleicht am meisten.
  • Free Exchange ist der Blog des Economist, der in Ryan Avent einen pro-(monetary)-Stimulus Blogger hat, was man vielleicht beim Economist nicht unbedingt erwarten würde. Sehr lesenswert auch, was aus Asien berichtet wird.
  • Der sechste im Bunde ist Modeled Behavior, ein Blog von jungen Professoren aus den USA, der sich immer aktiv in die Diskussionen einschaltet, gerade in Person von Karl Smith. Die anderen beiden Autoren schreiben allgemeiner und weniger aktuell, was aber deshalb nicht weniger interessant ist.

“Filterblogs”

Manche Blogs schreiben relativ wenig selbst, sondern sammeln Berichte und Analysen von anderswo, bieten damit vielen Leuten einen ersten Filter. Natürlich sind es keine reinen Filterblogs, das wäre sicher unfair, aber sie werden wegen ihrer Filtertätigkeit von vielen Leuten gelesen. Daher auch für VWL-Studenten ein guter Einstieg, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll. Das einzige Problem vielleicht ist, dass beide Blogs für US-Verhältnisse eher links-lastig sind, das sollte man wissen.

  • Mark Thomas Economist’s View ist der bekannteste und wichtigste “Filterblog”, und wird gerade wegen seiner täglichen Linklisten gerne gelesen, u.a. von Krugman. Zwei unserer bisherigen drei Links von Krugman verdanken wir mit ziemlicher Sicherheit Mark. Aber seine eigenen Einträge sind ebenfalls sehr gut.
  • Brad DeLong ist weniger Filterblog als Mark, hat aber durchaus Elemente davon und landet deshalb hier. Wie bei Mark auch sind die von Brad selbst geschriebenen Einträge sehr lesenswert. Brad ist sicher einer der scharfzüngigsten links-lastingen Kommentatoren in der Blogosphäre, für Freunde der gesalzenen Debatte ein Muss.

Kolumnen”blogs”

Eigentlich sind sie keine Blogs, sondern Essaysammlungen von Ökonomen im Internet, aber für VWL-Studenten sicher sinnvoll und interessant. Dennoch muss ich sagen, dass die Qualität durchwachsen ist, und es mir scheint, dass sich gerade bei VOX mittlerweile einige tummeln, die einfach sehr mitteilsam sind.

  • Der ökonomische Teil von Project Syndicate ist vermutlich das weniger akademische, aber auch das Beste dieser Portale (aber nicht deswegen). Bhagwati, Eichengreen, Rogoff, Rodrik, Feldstein, … sind einfach immer lesenswert und auch sehr gut geschrieben – ärgerlich, dass es keinen reinen Economics-feed gibt.
  • VOX ist das glaube ich erste Onlineportal für Ökonomenessays, und reicht von wirtschaftspolitischen Essays zur leicht verdaulichen Vorstellung neuerer Forschungsarbeiten. Wenn letzteres dazu verwendet wird, schwache Papiere zu bewerben, ist es etwas anstrengend.
  • Ökonomenstimme ist das deutsche Pendant zu VOX, und sollte von uns allen mehr Beachtung finden, wollen wir eine deutsche ökonomische Debatte in Gang bringen. Es gilt aber in Teilen die gleiche Kritik wie bei VOX.

Development Economics

  • Development Impact, absoluter Pflichtblog, auch für Leute die an empirischer Mikro interessiert sind wie Education, Labor etc. Wenn ich empirisch-mikroökonomisch orientierten VWL-Studenten einen einzigen Blog empfehlen müsste, wäre es dieser.
  • Dani Rodrik, der etwas weniger bloggt als in der Vergangenheit, aber immer noch interessant zu lesen ist.
  • Chris Blattman, mit jeder Menge interessanter Links und auch praktischen Hinweisen für Studenten. Sehr lesenswert.

Makro

Alle Blogs unter “Allgemeine VWL” diskutieren auch Makro, insbesondere seit 2008. Genauso wie die Blogs unten unter “Banken und Finanzmärkte”. Vier Blogs aber beschäftigen sich fast ausschließlich mit Makro und sind daher hier gesondert gelistet.

  • Nick Rowe, einer der Blogger von Worthwhile Canadian Initiative, ist der wichtigste Blogger hier, denn er führt weniger die politischen Diskussionen, sondern bespricht die Probleme und kleinen Rätsel der Makro – für Studenten, die sich ernsthaft mit Makro auseinander setzen wollen, eine Goldgrube.
  • Fault Lines, der Blog von Raghu Rajan, Chicagoökonom und Autor des gleichnamigen Buches, fordert mein Denken über Makro jedes Mal aufs Neue heraus. Er schreibt selten, aber sehr interessant.
  • TheMoneyIllusion, der Blog von Scott Sumner, diskutiert seit Anfang 2009 die gegenwärtige Krise aus einer anfangs völligen Außenseiterposition, die aber populärer wird. Seine Expertise ist die Große Depression der 30er Jahre, in seinem Blog geht es fast ausschließlich um Geldpolitik. Ein Vorteil für Studenten ist, dass Scott nach eigener Aussagen nicht gut in Mathematik ist und Makro daher intuitiv erklären muss.
  • Der Blog von Noah Smith, einem PhD Studenten in Michigan, ist ebenfalls immer einen Blick wert, nicht nur wegen des hohen Humorfaktors, sondern auch wegen seiner engen aber sehr kritischen Verbundenheit mit moderner Makro. Er schreibt aber auch über vieles andere und gehört streng genommen nicht unter “Makro only”.

Banken & Finanzmärkte

Ich bin selbst kein Experte auf dem Gebiet, aber vielleicht qualifiziert mich das ja gerade, hier für Einsteiger die fünf wichtigsten Blogs zu empfehlen – obwohl ich vermutlich hier am ehesten welche vergessen habe weil ich sie schlicht nicht kenne.

  • Natürlich ist FT alphaville der entscheidende Blog hier, es werden viele Analysen von Banken diskutiert, teilweise sehr technisch für Nicht-Experten, aber auch für Studenten der Makro wichtig, so etwas zu verstehen. Der britische Humor der Autoren ist zudem unschlagbar.
  • Felix Salmon, Blogger bei Reuters, schreibt nicht nur über Finanzmärkte, aber oft und sehr informativ. Er ist aber allgemeiner als FT alphaville, und daher vielleicht leichter zu verstehen.
  • Calculated Risk ist ein weiterer, prominenter Blog mit Analysen und Hintergründen. Nicht immer einfach, aber wenn man sich einliest und etwas Background nachliest, kann man sehr viel daraus ziehen.
  • The Baseline Scenario von Simon Johnson und anderen, war während der Finanzkrise in den USA ein wichtiger nicht-technischer Blog, schreibt jetzt weniger aber immer noch interessant, gerade im Bezug auf die politische Diskussion um Bankenregulierung.
  • Naked Capitalism ist der letzte im Bunde. Ich sollte ihn öfter lesen, denn meist finde ich die Einträge sehr gelungen. Gerade im Bezug auf Banken findet man hier viel Interessantes.

Eurokrise

Es schreiben sehr viele der Blogs oben mehr oder weniger regelmäßig über die Eurokrise, allerdings gibt es drei, die ich herausheben möchte, weil das ihr Hauptthema ist:

  • Eurointelligence  schreibt in Person von Wolfgang Münchau und anderen regelmäßig über die Eurokrise. Das Morning Briefing ist leider mittlerweile kostenpflichtig, sehr ärgerlich. Aber 60 Euro im Jahr ist es vielleicht manchem wert.
  • Den Blog The Irish Economy, der natürlich meistens im Kontext von Irland die Eurokrise analysiert und vor allem auch immer wieder interessante Links zu anderen Quellen enthält. Deckt mittlerweile aber auch andere Themen ab.
  • Yanis Varoufakis ist eine kritische, und im besten Sinne anstrengende Stimme in Europa, sein Modest Proposal für Europa hat es mittlerweile zu einiger Berühmtheit gebracht. Mit seiner Skepsis gegenüber der VWL übertreibt er es bisweilen, aber auch das muss man sich anhören, wenn man etwas Distanz zum eigenen Fach bekommen möchte.

Political Economy

In den USA übernehmen die Politikwissenschaftler das Bloggen über politische Ökonomie, sicher interessant für Studenten, die sich für diese Richtung interessieren.

  • “Aus dem Crooked Timber (krummen Holz) der Menschheit ist noch nie etwas gerades entstanden”, in diesem Sinne beschäftigen sich dort die Autoren mit Politik in einem etwas akademischen Sinne und posten häufig.
  • “Democracy is the art of running the circus from The Monkey Cage” ist der Untertitel dieses Blogs. Ökonomen fehlt wohl einfach die Kreativität, ihre Blogs interessant zu benennen… Beide Blogs, “CT” und dieser, sind sich sehr ähnlich aber gleichermaßen lesenswert.

Sonstige

Und natürlich gibt es noch die Paradiesvögel:

  • Overcoming Bias ist der Blog von Robin Hanson, der sehr unabhängig und intelligent aus der Perspektive eines Ökonomen über die Welt, die Zukunft, Medizin, Aliens und Roboter, und vieles mehr sinniert. Eher liberal, manchmal schockierend auf den ersten Blick, regt aber immer zum Nachdenken an.

Da ich nun die Fragen schon erahnen kann, gebe ich hier direkt die Antwort in einer Art FAQ.

Warum hast Du Blog XY nicht mit aufgenommen?

Die Antwort kann sein, dass ich ihn nicht kenne, oder aber, dass ich ihn für nicht gut genug befunden habe um in diese kurze Liste aufgenommen zu werden. Es ist kein vollständiges Blogverzeichnis, sondern ein Guide für Leute, die anfangen wollen, die VWL auch auf Blogs zu verfolgen. Und er ist sehr subjektiv.

Gibt es keinen Blog zum Thema [Themenbereich der VWL einfügen]?

Mit Sicherheit gibt es zu jedem Bereich der VWL Blogs, und ich bin hier für Hinweise dankbar, weil ich irgendwann aus dem etwas Makro/Finanzmarkt-zentierten Lesen etwas raus kommen möchte. Einen Blog über Ökonometrie (eine heroische Aufgabe!) habe ich schon gefunden, Econometrics Beat.

Warum hast Du außer Ökonomenstimme keine deutschen Blogs aufgenommen?

Ich habe rein nach Qualität entschieden, die Sprache ist mir egal. Gegenüber den besten Blogs im englischsprachigen Raum fallen die deutschen Blogs aber eben doch ab. Das ist wohlgemerkt ein relatives Statement, manche deutschen Blogs sind gut. Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob ich meinen kleinen VWL-Blog hier aufgenommen hätte. Es kann natürlich sein, dass ich neue Perlen der deutschen Bloglandschaft schlicht nicht kenne.

Klimaschutz? Familienplanung!

Via Chris Blattman bin ich auf eine Untersuchung aufmerksam geworden, in der die klimatischen Folgen von Entwicklungspolitik durchleuchtet und mit herkömmlichen Maßnahmen (Solarzellen, Wärmeisolierung…) verglichen werden. Genauer geht es um entwicklungspolitische Projekte zur Familienplanung. Und siehe da, jeder Euro, der in Familienplanung und Ausbildung von Mädchen in Entwicklungsländern gesteckt wird, hat einen mehr als 7 mal so hohen Effekt für das Klima als der gleiche Euro in Solarzellen.

Diese Berechnung stammt von Owen Barder, basierend auf dem Papier des Center for Global Development:

The logic, of course, is that if there are fewer people on the planet, then we will generate fewer greenhouse gas emissions.  Population policies are important because there are many people in developing countries who want smaller families, but don’t have access to the family planning services they need to achieve this.  Education is important because educated girls want (and are more able to insist on) smaller families.  That’s why these interventions are important and cost effective, both individually and especially when done together.

Verglichen werden die Zahlen mit einer McKinsey Studie zu den Kosten anderer Klimaschutzmaßnahmen. Nun müssen weder die Zahlen der CGD-Studie, noch die von McKinsey verlässlich sein. Aber die Methoden der CGD-Studie sind zumindest nachvollziehbar. Bei der Familienplanung sind Projekte einer Stiftung die Datenbasis, also wie viel eine geringere Geburtenrate gekostet hat. Das ist nicht unproblematisch (Stichwort: external validity), aber vertretbar. Bei der Mädchenbildung nehmen sie die Durchschnittsausgaben für Bildung in den einzelnen Ländern als Basis. In einem Modell berechnen sie zudem eine Art Interaktionseffekt, also den Wert kombinierter Familienplanung mit Mädchenbildung:

However, our results  strongly  indicate  that  these  two options  are complementary  rather  than competitive.   The econometric  result  for  secondary  education  in  Table  4 presents important  evidence  in  this  context:   Family  planning  programs  are more  productive  in societies  with  higher  female  education  rates, so the cost per birth  averted  is  lower.

Es ist schon beeindruckend, wie sich die Sicht auf die Dinge ändern kann, wenn man Ideologie beseite schiebt und nur auf die Zahlen schaut. Über den positiven Effekt für die Entwicklung der Länder und das Schicksal dieser Frauen haben wir noch garnicht gesprochen. Da will man garnicht darüber nachdenken, dass Deutschland, in 2011 allein, ca. 13,5 Mrd. Euro (!) für die Förderung erneuerbarer Energien zahlt.

PS: Daher musste ich auch etwas schmunzeln bei diesem Satz:

We should make informed choices to reduce carbon emissions in the most cost-effective and sustainable way we can with the resources available, to secure the biggest and broadest benefits.

Als wäre es jemals darum gegangen. Die Leute möchten vor allem ihr Gewissen beruhigen, auch wenn es dem Klima nicht viel, manchmal sogar überhaupt nichts bringt. In der Klimapolitik spielen die Grenzkosten der Vermeidung von CO2 fast nie eine Rolle. Oder würden wir sonst Häuser mit Solarzellen bestücken, anstatt Kohlekraftwerke in Indien zu sanieren? In Zukunft werde ich mich mal mit Björn Lomborg beschäftigen. Ich selbst habe immer gedacht, er sei schlicht ein Provokateur, der den Klimawandel leugnet. Aber nach diesem Artikel sehe ich das etwas anders.

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