Ja, liebe Freunde des gepflegten Holzfällersteaks, das hört Ihr nicht gerne. Es geht um die Tendenz steigender Rohstoffpreise, zu denen Nahrungsmittel nun mal auch im weiteren Sinne gehören.
Aber der Reihe nach. Tyler Cowen und Matthew Yglesias diskutieren die Tendenz steigender Preise und was dahinter steckt, Yglesias unterscheidet hierbei zwei Arten des Wachstums:
One is leap-ahead growth in which technologically advanced societies dream up even more advanced technology. The other is catch-up growth in which technologically backwards societies learn to use the advanced technology that already exists in the advanced countries.
Wenn dann die Ressourcenextraktion auch in weniger entwickelten Ländern schon auf dem neuesten Stand ist, sich aber gleichzeitig ein enormer catch-up Prozess vollzieht, so die These von Cowen, müsste dies steigende Preise zur Folge haben.
There is a long history of falling real resource prices, but is this simply reflecting the fact that the last three hundred years don’t offer many periods of catch-up growth?
Daraus leitet Yglesias folgende Prognose ab:
For rich countries, that’s inconvenient but we’ll deal. For China, it’s fine—the whole point is that incomes will be rising faster than prices. But for poor countries that aren’t growing rapidly, it’s potentially a disaster. This kind of trend is what’s driving the current instability in North Africa and will probably be a major story for years to come.
Was spricht zunächst einmal gegen diese These? Erstens sind gerade in Afrika, aber auch in Zentralasien einige Regionen noch wenig erkundet, bezogen auf Ressourcen (z.B. Afghanistan, oder Zentralafrika). Sollten es die politischen Bedingungen erlauben, könnte hier noch einiges an Potential schlummern. Das gilt auch und gerade für die Landwirtschaft. Zweitens werden die Technologien, die Ressourcen sparen, stetig weiter entwickelt, sei es wegen steigender Preise oder politischer Unsicherheit der Versorgung (z.B. Seltene Erden aus China). Beim Verbrauch von Lebensmitteln ist es mit der Sparsamkeit allerdings nicht weit her.
Insofern hat Yglesias wohl Recht: gerade bei Nahrungsmitteln sind viele Länder Afrikas derart verwundbar, dass schon kleinere Preissteigerungen zu dramatischen Situationen führen können. Und diese Preissteigerungen werden wir wohl erleben, unabhängig von Spekulanten.
Was also könnte man tun, zum Beispiel hier in Europa? Wie wäre es, den Fleischkonsum einzuschränken? Neben den ethischen Gesichtspunkten (Vegetarier bin ich allerdings selbst nicht), und Problemen des Klimawandels, spricht auch ökonomisch einiges dafür.
Bezüglich Nahrungsmittelpreisen haben wir es mit einer Externalität zu tun: unser Fleischkonsum erhöht den Marktpreis für z.B. Weizen und Mais, und macht es für arme Stadtbewohner in Afrika schwieriger, sich zu ernähren. In der reinen Theorie führt dies zwar nicht zu Effizienzproblemen, denn da wir bereit sind, mehr zu zahlen, kommen die Nahrungsmittel dort an, wo sie “den größten Nutzen stiften”. Man merkt schon, wie absurd das ist.
Um dieser Externalität entgegen zu wirken könnte man den Fleischkonsum Pigou-besteuern. Und was spräche eigentlich dagegen? Fleisch ist ab einer kleinen Menge bestenfalls unschädlich, vermutlich aber eher schädlich für den Konsumenten selbst. Es wäre also schon vor diesem Hintergrund zu begrüßen, ähnlich wie bei Tabaksteuern. Wichtiger aber ist, dass eine derartige Steuer den Fleischhunger der Europäer reduzieren würde – also auch die Nachfrage der Fleischindustrie nach Inputs, zu denen auch das gehört, was andere als Grundnahrungsmittel verwenden. Und wenn nicht direkt, so doch indirekt auf Grund der Anbauflächen. Noch besser wäre es, gleichzeitig die Auflagen für den Tierschutz für in Europa verkauftes Fleisch zu erhöhen, was vermutlich ebenfalls steigende Fleischpreise zur Folge hätte und das peinliche Missverhältnis zwischen zivilisatorischem Anspruch und Wirklichkeit etwas korrigieren würde.
Ist das auch nur entfernt realistisch? Ich denke, steigende Nahrungsmittelpreise und die Folgen in den ärmsten Ländern dieser Welt werden auch in Europa zunehmend wahrgenommen werden. Leider wird es aber viele geben, die hauptsächlich Spekulanten am Werk sehen, was kurzfristig einen Anteil haben mag, und dort den Hebel ansetzen wollen – und dabei die wirkliche Probleme aus den Augen verlieren. In meinen Augen erweist man damit den Ärmsten der Welt, um das wohlige Gefühl des ausgelebten Spekulantenhasses willen, einen Bärendienst.
PS: Zu pekuniären Externalitäten empfehle ich einen anderen Eintrag von Tyler Cowen:
The distinction between pecuniary and non-pecuniary externalities is useful, and hard to do without, but its foundations are shaky. In practical terms the weakness of the foundations matters most when we are doing health care economics or analyzing food subsidies (or comparable forms of aid) in poor countries. The richer and healthier the people are, the more likely the distinction can be invoked without much trouble.


Neueste Kommentare