Von Henry Kaspar
Patrick Bernau von der FAS (und Fazit) schrieb Anfang Dezember einen vielbeachteten Blog-Artikel zur angeblichen „Geldschwemme“. Bernau setzte sich darin kritisch mit geldpolitischen Aktionen wie Quantitative Easing der Fed oder Staatsanleihenkäufe der EZB auseinander, und warnte vor latenten Inflationsgefahren – eine durchaus verbreitete Ansicht unter konservativen Ökonomen.
Nun versprach ich schon vor einiger Zeit, Bernaus Thesen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieser Artikel ist die Einlösung meines Versprechens. Mein „Fazit“ vorab: ich sympathisiere durchaus in Teilen mit Bernau; insbesondere damit dass die Fed-Geldpolitik vor der Krise zu lose war und für die Krise mitverantwortlich ist, und dass Zentralbanken die Entwicklung von Geld und Kredit in Auge behalten sollen. Aber Bernaus Schlussfolgerung ist unzutreffend. Es gibt hier und heute keinen inflationären Geldüberhang. Richtig ist das Gegenteil: die vor der Krise geschaffene überschüssige Geldmenge wirkt heute deflationär.
Das Thema ist komplex, deshalb ist es wichtig in Schritten vorzugehen. Zunächst gilt es festzulegen mit welchen Thesen ich mich auseinandersetze. Es gibt bessere und schlechtere Argumente in der geldpoltischen Debatte. Ein schlechtes Argument ist dass Quantitative Easing (QE) der Fed oder Staatsanleihenkäufe der EZB per se „lose Geldpolitik“ seien und damit inflationär. Richtig ist, dass QE/Anleihekäufe die Zentralbankgeldmenge aufblähen – aber für Inflation ist das irrelevant. Wenn die Zentralbank Geld schöpft, aber das Geld sofort zur Zentralbank zurückehrt in Form von Zentralbankeinlagen der Geschäftsbanken, ist nichts von dem Geld in der Realwirtschaft angekommen—und kann damit weder Güter- noch Assetpreisinflation auslösen. „Realwirtschaftliches Geld“ entsteht erst durch den Kreditschöpfungsprozess der Geschäftsbanken. Dies wird durch breite Geldmengenaggregate wie M3 erfasst. Und wie die Graphik unten links zeigt, ist M3 in der Eurozone z.B. seit 2009 sehr langsam gewachsen.
Was heißt: die Geldpolitik von Fed und EZB ist – QE und Anleihenkäufe hin oder her - de facto restriktiv, weit restriktiver als vor 2009. Mir scheint dies unbestreitbar. Es wird auch bestätigt von alternativen geldpolitische Maßen, wie Taylor-Zinsen oder Kantoos‘ NGDP.
Ein subtileres Argument ist, dass des „Geldüberhangs“. Danach bestimmt weniger das aktuelle Geldmengenwachstum Güter- und Assetpreisinflation, sondern Geldmengenwachstum über einen längeren Zeitraum. In den Augen differenzierter argumentierender Geldkonservativer war die Geldpolitik insbesondere der Fed vor der Krise zu lose – eine Ansicht die ich teile - und dies, so geht das Argument weiter, habe Nachwirkungen bis auf den heutigen Tag. Es gebe immer noch „zu viel Geld“ in der Welt, und dieses „Zuviel“ an Geld könne jederzeit wieder Asset- und Güterpreisinflation auslösen. QE und Staatsanleihenkäufe würden verhindern, dass der Geldüberhang schnell genug abgebaut werde. In Bernaus eigenen Worten:
In Amerika hat Alan Greenspan über Jahre hinweg zu viel Geld verteilt. Er bekam immer größere Blasen – bis zur Immobilienblase und der Finanzkrise. Großbritannien ging es nicht besser. Die Eurozone war ebenfalls nicht immun. Sie hatte von ihrem Geld nicht nur eine Immobilienblase in Irland und Spanien …. Genau das macht mir große Sorgen. Denn das Geld ist jetzt noch nicht weg, es ist nur woanders. Und schickt sich dort an, die nächsten Blasen zu befüllen.
Stimmt das?
Ich habe zwei Einwände. Der erste, etwas oberflächliche Einwand ist empirisch. Sollte es in der Eurozone jemals einen Geldüberhang gegeben haben so ist der inzwischen wohl abgebaut. Die Graphik oben rechts nimmt als Norm das durchschnittliche Geldmengenwachstum der pre-Boom Jahre 1999-2004. Sie zeigt: die geldpolitische Expansion der Jahre 2005-08 ist durch das niedrige Wachstum 2009-11 „ausgeglichen“. [P.S.: das Ergebnis lässt sich freilich manipulieren durch Wahl eines niedrigen M3-Referenzwachstums - dies kann jeden beliebigen „Geldüberhang“ kreieren.]
Mein zweiter – und wichtigerer – Einwand ist ökonomischer Natur. Um ihn herauszuarbeiten ist es erforderlich, den Zusammenhang zwischen Geld, Verschuldung und Assetpreisen präzise durchzudeklinieren. Im Folgenden skizziere ich deshalb anhand von Sektorbilanzen die Kerncharakteristiken einer Volkswirtschaft, die einen Boom-Bust Assetzyklus durchläuft – so wie die USA und Teile Europas in den vergangenen 5-10 Jahren. Ich fürchte die Argumentation wird ein wenig technisch, aber ich würde mich freuen wenn der Leser durchhalten würde – ein klares Verständnis der Punkte, um die es hier geht, scheint mir unabdingbar um die geldpolitischen Implikationen der Finanzkrise zu verstehen. Ich verspreche das Folgende so einfach wie möglich zu halten.
Fassen wir die Volkswirtschaft also in drei Sektoren zusammen: Banken, Hausbesitzer, und Rest der Volkswirtschaft. Ihre stilisierten sehen Bilanzen wie folgt aus [P.S.: „A“ sind Assets oder Aktiva, „L“ Liabilities oder Passiva] :
(i) Banken. Die Banken vergeben Kredite, finanziert zum Teil durch Depositeneinlagen (=Geld) und zum Teil durch Eigenkapital. Die Zentralbank ist Teil des Bankensystems
[P.S.: das Verhalten der Zentralbank ist nicht explizit modelliert, aber implizit ist dass es ihr nicht gelingt die Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage vollständig auszugleichen - weder das Überschiessen im Boom noch den Einbruch nach dem Bust].
(ii) Hausbesitzer („Home owners“). Hausbesitzer leihen sich Geld von den Banken um es für Konsumgüter auszugeben. Den Kredit besichern sie mit dem Wert ihrer Häuser.
(iii) der Rest der Volkswirtschaft („Rest of the economy“). Der Rest der Volkswirtschaft produziert Konsumgüter und verkauft sie an die Hausbesitzer. Den Erlös deponiert er mit dem Bankensystem. Dem Rest der Volkswirtschaft gehören auch die Banken. Es ist der einzige Sektor mit (in der Ausgangslage) positivem Nettovermögen.
Auf die USA bezogen ist (i) das U.S. Bankensystem, (ii) U.S. Haushalte, und (iii) der Rest der Welt. In Europa ist (i) das europäische Bankensystem, (ii) sind (z.B.) spanische Haushalte, und (iii) ist die deutsche Volkswirtschaft.
Nun zum Boom-Bust Zyklus.
In Schritt 1 steigen die Hauspreise, z.B. als Reaktion auf günstige Finanzierungsbedingungen. Die Bilanz der Hausbesitzer verändert sich wie folgt:
Die Häuser sind mehr wert, und die Hausbesitzer haben jetzt ein positives Nettovermögen. Den höheren Wert ihrer Häuser können sie beleihen, d.h. sie nehmen bei der Bank einen weiteren Hypothekenkredit auf, und kaufen damit mehr Konsumgüter vom Rest der Volkswirtschaft. Der „Rest“ wiederum deponiert den Erlös mit den Banken. Dies ist Schritt 2. Ergebnis:
Einige wichtige Dinge sind passiert:
- die Nachfrage nach Konsumgütern ist gestiegen, d.h. die Volkswirtschaft boomt;
- die Hausbesitzer sind höher verschuldet;
- das Bankensystem hat Geld geschöpft und die Geldmenge ist gewachsen. Zugleich sind die Bankeinlagen gewachsen relativ zum Bankenkapital, d.h. die Banken sind stärker gehebelt. Dies macht sie profitabler, aber auch anfälliger für Schocks.
- Der Rest der Volkswirtschaft hat ein höheres Nettovermögen - zumindest auf dem Papier.
Seitenbemerkung: sofern die Hausbesitzer mit dem zusätzlichen Kredit nicht nur Konsumgüter kaufen, sondern auch weitere Häuser, bekommen die Hauspreise erneut einen Schub, und der Hauspreis-Kredit-Zyklus geht in die nächste Runde. Dies ist das Bernanke-Gertler Finanzakzelerator-Modell.
Nun zum dritten Schritt: der Hauspreisboom erweist sich als Blase, und bricht zusammen. Die Schulden der Hausbesitzer übersteigen jetzt den Wert ihrer Häuser – es gibt einen „Schuldenüberhang“:
Was passiert nun? Es gibt zwei Varianten; in der Realität geschieht meist eine Mischung aus beiden.
1. Die erste Variante ist eine Finanzkrise. Die überschuldeten Hausbesitzer melden Insolvenz an. Die Banken schreiben die Kredite ab und kassieren im Gegenzug das Kollateral, also die Häuser, deren Wert die ausstehenden Kredite aber nicht mehr abdeckt: die Banken müssen den Verlust aus ihrem Kapital bestreiten. Der Schuldenüberhang der Hausbesitzer ist damit abgebaut, aber das Kapital der Banken ist weg, d.h. sie stehen nun selbst am Rande der Insolvenz:
Eine Finanzkrise ist offensichtlich deflationär. Zum einen ist der nachfragestimulierende Finanzakzelerator gestoppt, ohne Möglichkeit ihn wiederzubeleben (die einstigen Hausbesitzer haben ja gar keinen Vermögensgegenstand mehr, den sie beleihen könnten). Zum anderen zwingt die Kapitalknappheit die Banken, die Kreditvergabe einzuschränken.
Zugleich aber gibt es mehr Geld in der Volkswirtschaft als vor dem Boom-Bust-Zyklus (vergleiche „Step 4“ mit der „Starting Position“). Gehalten wird es vom Rest der Volkswirtschaft, der nach dem Boom-Bust Zyklus nur noch Bankeinlagen (=Geld) hat, während er vor dem Zyklus eine Mischung aus Bankeinlagen und Bankkapital besaß. Es ist genau dieses zu viel an Geld, und zu wenig an Bankkapital, welches den Kern der Krise ausmacht und Deflationsdruck ausübt - und nicht etwa Inflationsdruck, wie Bernau sich das vorstellt. Denn ohne hinreichend Bankkapital gibt es keine Kreditvergabe, ohne Kreditvergabe keine gesamtwirtschaftliche Nachfrage, und ohne Nachfrage keine Inflation.
[P.S.: beenden würde die Kreditklemme die Rekapitalisierung des Bankensystems - d.h. der "Rest der Volkswirtschaft" wandelt einen Teil seiner Bankeinlagen um in Bankkapital. Verschliesst sich der "Rest" dieser Lösung - etwa weil er, gebrannt von der Krise, riskante Investitionen scheut - und sucht stattdessen weniger riskante Anlagen, bleibt die Volkswirtschaft einerseits geschwächt durch ein unterkapitalisiertes Bankensystem; andererseits kann die Suche nach sicheren Anlagen die Preise von Staatsanleihen etc. in die Höhe treiben. Die Konstellation - deflationärer Nachfrageeinbruch, niedrige Zinsen und hohe Anleihenkurse - entspricht der keynes'schen Liquiditätsfalle. Ein Ausweg, zumindest für leistungsfähige Staaten, ist Staatsanleihen auszugeben und damit die Banken zu rekapitalisieren.]
2. Die andere Variante ist Richard Koos „Balance Sheet Rezession“. Hausbesitzer tragen ihre Schulden schrittweise ab, indem sie ihr Arbeitseinkommen (bislang der Einfachheit halber weggelassen) für Schuldentilgung verwenden. Während sie Schulden abtragen verzichten sie – notgedrungen – auf Konsum. Auch eine Balance Sheet Rezession ist deflationär, und erneut hängt dies mit dem Geldüberhang zusammen: das überschüssige Geld ist die Kehrseite exzessiver Schulden, und der Schuldenüberhang drückt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Ein Zusammenhang der seit mindestens Irving Fisher (1933) bekannt ist.
Wie man es auch dreht und wendet: der Geldüberhang wirkt nach dem Platzen der Assetblase deflationär, nicht inflationär.
Bernaus Fehlkonzeption scheint mir „Geld“ als exogene Größe zu betrachten, anstatt als endogenes Ergebnis des Kreditschöpfungsprozesses. Richtig ist: neu geschöpftes Geschäftsbankengeld wirkt inflationär, weil es mit der Ausweitung von Kredit einhergeht, und damit mit stärkerer Nachfrage nach Gütern oder Assets. Aber in der Vergangenheit geschöpftes Geld kann inflationär oder deflationär wirken, je nachdem wie sich die Kredite entwickelt haben welche im Zuge der Geldschöpfung vergeben wurden, und die Preise der Assets welche die Kredite besichern. Von einem inflationären Geldüberhang zu sprechen macht keinen Sinn wenn ein Platzen der Assetpreisblase die wechselseitige Expansion von Geld- und Kreditschöpfung und Assetpreisen unterbricht, und einen Schuldenberg zurücklässt der von den Assetpreisen nicht mehr gedeckt ist.
Diese konzeptionelle Differenz zieht auch eine etwas andere wirtschaftspolitische Schlussfolgerung nach sich. Die ist nicht, dass zu viel Geld Assetblasen erzeuge, und Assetblasen per se gefährlich seien. Ein Schuh wird so draus: Assetblasen provozieren exzessive Geld- und Kreditschöpfung, damit Überschuldung, Finanzkrise und Depression – und deswegen sind sie so gefährlich.
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@HK – schöner Beitrag
Wenn ich es mal etwas abkürze, dann haben wir eine monetär bedingte Übernachfrage, wenn die Pläne zum Aufbau von Geldvermögen kleiner sind als die Pläne zum Abbau von Geldvermögen.
Es gibt aber auch den aus Vorperioden ex ante festgelegten Geldvermögensaufbau, die Kredittilgungen.
Wirtschaftliches Gleichgewicht besteht
wenn Verschuldungspläne = Geldsparpläne + alle privaten Kredittilgungen.
WARUM gibt es zu den Kredittilgungen als so wichtiger Größe keine Statistik? Nach meinen Recherchen sind es ca. 12% BIP in Deutschland, zusammen mit den Geldsparplänen brauchen wir für 20% BIP (500Mrd.€) Neuschuldner. Die haben wir ohne Ausland und Staat längst nicht mehr – also wo und warum droht Übernachfrage/Inflation? Warum haben wir ein Problem mit Schulden, wo wir so dringenden Bedarf an Neuschuldnern haben?
Kompliment: Exzellenter Artikel!
@ HK
Fantastischer post, ich hoffe sehr, viele Leser kämpfen sich da bis zum Ende durch.
Via Twitter bekam ich noch diesen Graphen: https://twitter.com/#!/LukasSustala/status/162093791073927170/photo/1
@ hk:
Hübsch, wirklich. Zwei Dinge:
Hat sich Bernau selbst als “konservativ” bezeichnet, oder ist das Deine Formulierung? Ich persönlich finde solche Labels tendenziell eher schwierig, weil sie eine Klassifizierung von Personen vornehmen, die einer offenen Debatte selten hilft (halte mich selbst aber auch nicht immer dran – ein klassischer Fall von “Do as I say, not as I do.” ;-) ).
Der Schuh würde noch vollständiger, wenn man denn auch erklären könnte, wo die Assetblase herkommt? Wenn man die Geldmenge lediglich als Folge begreift, fehlt im Modell plötzlich der Trigger für selbige…
“Zugleich aber gibt es mehr Geld in der Volkswirtschaft als vor dem Boom-Bust-Zyklus (vergleiche „Step 4“ mit der „Starting Position“). Gehalten wird es vom Rest der Volkswirtschaft, der nach dem Boom-Bust Zyklus nur noch Bankeinlagen (=Geld) hat, während er vor dem Zyklus eine Mischung aus Bankeinlagen und Bankkapital besaß. Es ist genau dieses zu viel an Geld, und zu wenig an Bankkapital, welches den Kern der Krise ausmacht und Deflationsdruck ausübt – und nicht etwa Inflationsdruck, wie Bernau sich das vorstellt. Denn ohne hinreichend Bankkapital gibt es keine Kreditvergabe, ohne Kreditvergabe keine gesamtwirtschaftliche Nachfrage, und ohne Nachfrage keine Inflation.”
Dieser Passus leuchtet mir nicht ein. Denn: Wenn es mehr Geld in der Volkswirtschaft gibt als vor dem Boom und dieses Geld vom Rest der Volkswirtschaft gehalten wird, so kann doch genau dieses zur erhöhten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (z.B. im viel beschworenen Crack-Up-Boom) führen, es braucht dazu noch nicht notwendigerweise erneute hohe Kreditvergabe.
@Herbert Frohnhofen
“Wenn es mehr Geld in der Volkswirtschaft gibt als vor dem Boom und dieses Geld vom Rest der Volkswirtschaft gehalten wird, so kann doch genau dieses zur erhöhten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (z.B. im viel beschworenen Crack-Up-Boom) führen, es braucht dazu noch nicht notwendigerweise erneute hohe Kreditvergabe.”
könnte ja, aber wenn gerade die Märkte für Sachwerte unter Deflationsdruck stehen, drohen enorme Verluste bei Sachwerthaltung. Also WARUM sollte man in dieser Situation mit Verlust in Sachwerte fliehen(crack-up-Boom) wenn man risikolos und sanktionslos Geld halten kann? Natürlich hat es solche Dinge im Deutschland der letzten Monate gegeben…nur hilft da wirklich nur Crashpropaganda als “Umlaufsicherung”. Man denke an den Spiegel Titel vom Euro-Untergang!
@H.Kasper
Bernau liegt natürlich völlig falsch. Aber auch bei Ihnen verstehe ich nicht, warum sie einen Zusammenhang zwischen Depression oder Rezession und Schuldenproblematik sehen.
Einig sind wir uns, dass Assetblasen per se nicht das Problem sind. Der Techbubble kam ohne übermäßige Verschuldung aus und hat nicht in eine Finanzkrise geführt. Einig sind wir uns auch, dass Assetblasen in einer Feedbackschleife mit Kreditvergabe (Minsky’s Ponzi financing) ein Problem sind. Aber ich sehe nicht, warum dies in eine Depression führen sollte, da NGDP immer mit base money auf Ziel gehalten werden kann und base money nichts mit Kredit und Schulden zu tun hat, richtig? Eine Insolvenzwelle sowohl von Haushalten als auch von Banken wäre auszuhalten, wenn die Zenralbank ihren Job machen würde. Richtig? Andererseits ist selbst solide Kreditvergabe zum scheitern verurteilt, wenn die Zentralbank ihren Job nicht macht. Wie groß die Häuserblase ist, hängt also davon ab, wie man die Performance der ZB einschätzt. Was ist eigentlich das Gegenteil einer Blase? Ein Vakuum? Hat man ein “Vakuum”, muss die ZB die Preise reflationieren! Oder besser, sie sollte gar nicht erst deflationieren und damit das Vakuum überhaupt erst erzeugen! Der großartige Scott Sumner fragt: “Did tight money cause part of the housing bubble?” http://www.themoneyillusion.com/?p=12580
Variante 1 muss also nicht in Deflation und Depression führen. Um Nick Rowe zu zitieren: “Recessions are alway and everywhere a monetary phenomenon”.
Variante 2 wiederum kollabiert, wenn ich Koo richtig verstehe, in die Variante 1, denn die Haushalte können nicht alle gleichzeitig ihre Schulden abbauen. In Japan geht das nur, weil der Staat massiv eingreift. Der Staat interveniert, damit Japan stagnieren kann ohne zu kollabieren. Eine Art staatlich gemanagte Schuldensklaverei, die uns einige Leute sogar als Vorbild verkaufen wollen.
Kurzum, Variante 2 läuft -ohne einen Staat- auf Variante 1 hinaus und die ist unproblematisch, solange die Zentral Bank ihren Job macht. Wir brauchen weder Staatsschulden noch neues Kreditgeld der Banken um unser Problem zu lösen, wir brauchen nur die ZB.
Wie man mithilfe der ZB auch die Banken rekapitalisieren kann, sehr schön hier auf Kantoos Arash Molavi Vasséi:
http://kantooseconomics.com/2011/12/12/why-we-need-the-european-central-bank-as-lender-and-owner-of-last-resort/
Ok, ich habe mich bis zum Ende durchgekämpft… Ich gehe soweit mit, dass allein durch das Geldmengenwachstum der Vergangenheit in dem obigen Modell kein Inflationsdruck entsteht. Die Konsumenten sind ja schlichtweg pleite. Es bleibt dennoch ein etwas unangenehmer Eindruck. Der kommt wohl aus der Schlichtheit des Modells.
Deshalb stelle ich zunächst einige Fragen:
1.) Den Geschäftsbanken sind ja im Modell die Hände gebunden. Sie halten in im Prinzip illiquides Asset (das Haus). Um im Modell zu bleiben: Sagen wir, die Geschäftsbanken geben die Häuser weiter an die Zentralbank, die verlängert ihre Bilanz, die Banken können wieder aktiv werden. Jetzt fragt sich der Rest der Wirtschaft, der ja Geld hat, was er damit so anfangen könnte. Im Modell – nichts. Die, die kaufen könnten sind pleite, also wird nicht investiert. Andere Assets gibt es nicht. So ist die Welt natürlich nicht, was also passiert mit diesem Geld, wenn die restliche Wirtschaft das Geld von den Banken abzieht und nach Investments sucht?
2.) Ist Credit Expansion wirklich der einzige Weg zur Inflation? Nehmen wir mal an 1.) sei erfüllt und alle fangen jetzt an Rohstoffe zu kaufen. “Denn irgendwann muss die Maschine ja wieder anspringen.” Kann das nicht Inflation in weiten Teilen der Wirtschaft erzeugen – z.B. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Preise/ErzeugerpreiseGrosshandelspreise/ErzeugerpreiseGrosshandelspreise,templateId=renderPrint.psml__nnn=true
Hatte kantoos dazu nicht mal einen Artikel veröffentlicht?
Ich bin (intuitiv) nicht so inflationsfürchtig wie scheinbar fast alle Kommentatoren z.B. vom Herdentrieb. Allerdings traue ich dem Modell oben noch nicht über den Weg. Ich wäre hk auch dankbar, wenn er auf Schwächen hinweist, die ich jetzt nicht gesehen habe.
Noch was generelles: Warum sind Ökonomiemodelle immer so simpel? Mir fällt es nicht leicht daraus glaubhafte Schlüsse auf die Wirklichkeit zu ziehen. Außerdem kommen mir als Mathematiker manche Teile der Ökonomie (insb. BWL) wie mathematische Resteverwertung vor. Macht mich manchmal stutzig.
@peter stein
.. I agree about the economic models. It could help if those that write their ‘narratives’ about their models, if they simply state how limited their models are. The above post is a nice explanation of how a bubble, while causing lots of money to be created, *can* also cause a deflationary state of affairs. It is clearly not a total model, and therefor cannot be an *explanation* of the whole situation: it obviously misses important ‘details’. But it is useful, by showing the weakness in other widely believed ‘models’, saying that ‘money creation always causes inflation’. Economists could win trustworthyness in general by being more upfront about acknowledging the weakness of all their models.
@Alex,
Die Kredittilgungen und die in Geldhaltung gesparten Einkommen fehlen als Nachfrage im Kreislauf und dies muss durch freiwillige! Neuverschuldung ausgeglichen werden. Ansonsten sind wir in der deflationären Abwärtsspirale der unfreiwilligen Verschuldung. Was hat dies mit der Zentralbank zu tun? Die Knappheit sind die solventen Kreditnehmer und nicht das Zentralbankgeld. Solvente Kreditnehmer kann man nicht drucken, deswegen hat Ben B. ja schon mal an den Hubschrauber gedacht.
Sounds like there was something like a current account deficit, from houses, to banks and house-owners, that then ended with a ‘sudden-stop’, immediately sucking that value back. What stopped suddenly, was the creation of money by banks. And the central banks with their loose money policies may seem to create a lot of money, but it is still cannot compensate the reduction in money-creation (lending) by banks, after the crisis.
I like that explanation of the parallel between a housing bubble inside one country, and the effect of a bubble in e.g. Spain, sucking in money from other Euro countries.
You kept wages out of this picture, as they are not needed to explain how this mechanism works to create money and debt, but also deflation. But would wages not be part of the solution .. as those same people are, potentially, as productive as before?
@ Peter Stein
“Ist Credit Expansion wirklich der einzige Weg zur Inflation?”
Antwort eines Laien: Theoretisch nein, praktisch ja. Nachhaltige Inflation (Lohn-Preis-Spirale) entsteht nur, wenn die nachfragewirksame Geldmenge nachhaltig entsprechend stark wächst. Normalerweise wächst diese Geldmenge ganz überwiegend durch durch Geschäftsbanken ausgegebene Kredite. Wie HK darlegt, stockt dieser Mechanismus nach dem Platzen einer Blase.
Wenn ich Ihr Beispiel 1+2 richtig verstanden habe, würde dort die Zentralbank entsprechende Kredite an die Geschäftsbanken ausgeben, besichert durch die Häuser. Die Geldmenge wächst dadurch einmalig um einen entsprechend großen Betrag. So weit dieses zusätzliche Geld nachfragewirksam wird, verursacht es einmalige Preissteigerungen. Eine Lohn-Preis-Spirale kommt so aber nicht in Gang.
Sie sollten auch nicht vergessen, dass Preissteigerungen auch realwirtschaftliche Ursachen haben kann, z. B. eine Verknappung von Rohstoffen.
Nachtrag, quantitative Betrachtung:
Vor der Krise wuchse die Geldmenge M3 im Euroraum durchschnittlich um ca. 600 Mia. pro Jahr, die Geldbasis um ca. 80 Mia. pro Jahr. Die EZB müsste also schon seeehr viel mehr Geld drucken als bisher, um den Einbruch bei der M3-Entwicklung auch nur zu kompensieren.
http://www.ecb.int/pub/pdf/scpwps/ecbwp1290.pdf
Danke für den Kommentar.
@RL “Geldmengen”entwicklungen sagen etwas zur Kreditvergabe der Vergangenheit, zur Zukunft können Sie kaum etwas aussagen. Natürlich können 2malBIP Geldvermögen morgen eine Hyperinflation auslösen wenn das vertrauen in Geldhaltung völlig verloren geht. Umgekehrt können Sie auch völlig still liegen und sich deflationärer Aufwertung erfreuen. Wo ist der LOGISCHE Bezug zur Menge?
zum Thema der Zusammenhänge von Geld und Wirtschaft ein überarbeiteter Beitrag:
“Kredittilgungen und das wirtschaftliches Gleichgewicht”
http://www.global-change-2009.com/blog/die-kredittilgungen-und-das-wirtschaftliche-gleichgewicht-2/2012/01/
@ HK
Jetzt komme ich endlich auch zu einem inhaltlichen Kommentar.
Einerseits muesste man nochmal genauer schauen, ob Gueter- und Assetpreisinflation hier hand in hand gehen. Vielleicht meint Bernau nur Assetpreise?
Zweiteres, und das finde ich wichtiger, hoert die Analyse genau an der Stelle auf, wo in meinen Augen der interessanteste Teil kommt: kann die deflationaere Tendenz verhindert werden?! Abseits einer zero-lower-bound wird das schwierig zu untermauern sein. D.h. erst durch die ZLB wird der tendentiell deflationaere Druck einer geplatzten Kreditblase auch wirklich zur Deflation.
Aber Dein post war ohnehin schon lang, da verstehe ich, dass man das Fass nicht auch noch aufmachen will. Bin gespannt auf Patricks Antwort, die er ja auf Twitter angekuendigt hat.
@HK
sehen Sie eine Möglichkeit, Daten zum Anteil der privaten Kredittilgungen am BIP der USA zu ermitteln? Da hätte ich sehr großes Interesse dran, müßte ja bei den kreditfreudigen Amerikanern deutlich mehr sein, als meine 12% BIP Schätzung für Deutschland?
„Realwirtschaftliches Geld“ entsteht erst durch den Kreditschöpfungsprozess der Geschäftsbanken.
Das Wort “Geld” ist extrem mißverständlich, mal abgesehen dass es als emotionales “Triggerwort” auch oft das rationale Denken blockiert. “Geld” steht als ein Begriff für die zwei verschiedene Sachverhalte “Geldvermögen” und “Zahlungsmittel”. Ein nicht unwesentlicher Teil der Verwirrung in Diskussionen entsteht auf dieser Ebene. Weil zuerst müßte ja mal geklärt werden, worum sich die Diskussion dreht, um Geldvermögensprobleme oder Zahlungsmittelknappheiten?
Wenn wir über Geldvermögensprobleme(Verschuldungsprobleme) sprechen, müßten wir zuerst in der Realwirtschaft nach den Gründen für Ausgabeüberschüsse der Wirtschafter suchen. Diese können natürlich AUCH in der Verfügbarkeit von Kredit liegen, nur ist diese Systematik analytisch n.m.E. trotzdem wichtig.
In der Bank entsteht Zahlungsmittel aber kein Geldvermögen, das Geldvermögen entsteht nur realwirtschaftlich als PHÄNOMEN DES UNGLEICHSCHRITTS von Einnahmen und Ausgaben (Kaufüberschüsse/Verkaufsüberschüsse). Man beachte den Unterschied zur Gleichschrittsvorstellung der “Tauschmodellierung” des Wirtschaftens!
In Anlehnung an Stützels Definitionen – Geld,Kauf und Bezahlung
http://www.global-change-2009.com/blog/geld-kauf-und-bezahlung/2012/01/
Ganz toller Artikel, danke dafür :)
Sehr gute Demonstration der Einwände gegen die alltägliche Gleichsetzung von vergangenem Geldschöpfungsprozess und unvermeidlicher zukünftiger Inflation. Sehr schön auch mal die Graphik zur Veränderung von M3 … selbst wenn man den “EZB-Referenzwert” von 4,5 % ansetzt, dann ist das Geldmengenwachstum schon seit rund 3(!) Jahren zu niedrig! Mittlerweile spiegelt sich das ja dann auch deutlich im Niveau des nominalen BIP, wie Kantoos hier schon des öfteren gezeigt hat.
Die Entwicklung des Geldschöpfungsmultiplikators (M3/M0) und der Bankeinlagen bei der EZB zeigt bei jeder zusätzlichen Stimulierungsmaßnahme der EZB außerdem, dass es gar nicht so einfach ist, das breite Geldmengenwachstum anzuregen …
Is there any chance you could translate this post to English? It looks really interesting but, unfortunately, my German is even poorer than my economics… I’ve tried Google translate but it doesn’t do the best job.
Hi,
“Assetblasen provozieren exzessive Geld- und Kreditschöpfung, damit Überschuldung, Finanzkrise und Depression”
warum wird dann loses Geld immer für Assetblasen verantwortlich gemacht?
Selbst wenn Kredite insgesamt billiger werden, sollte doch die Reihenfolge der Investments unverändert bleiben. Aber wenn die Privatwirtschaft der Meinung ist das Häuser ein besseres Investment sind als Maschinen, dann kann daran doch die Geldpolitik gar nichts ändern, oder?
Wenn die Zentralbank Vermögenswertblasen mit kontraktiver Geldpolitik bekämpft ist das doch im höchsten maße ineffizient, da es die Menge der Investitionen in die “richtigen” Sektoren noch weiter verringert…
@ Kaspar
Wirklich schöner Beitrag, Kompliment. Bin auf die Replik gespannt.
@ Buschbeck
“Das Wort „Geld“ ist extrem mißverständlich”
Völlige Zustimmung. Unklarheit der Begriffe erleichtert ungenaues Denken und führt oft zu fruchtlosen Diskussionen. Das gilt neben “Geld” in besonderer Weise für den Begriff “Investitionen” (siehe die jüngste Debatte zur Wirksamkeit von Fiskalpolitik zwischen Sumner, Wren-Lewis, Krugman…) aber das wird wohl in diesem Leben nix mehr mit der Stützelschen Terminologie für alle, oder? ;)
Herzlichen Dank fuer die vielen exzellenten Kommentare (und auch das Lob). Reaktionen:
@ Buschbeck: schoene Uebersetzung ins “Buschbeck-Speak”. Zahlen zur Faelligkeit von US-Krediten kenne ich leider nicht.
@ Jopa: a) “konservativ”: so hat sich Bernau meines Wissens nicht selbst bezeichnet, aber ich denke die Bezeichnung ist nicht unzutreffend fuer monetaere Oekonomen in der Buba-Tradition. Zudem ist “konservativ” fuer mich kein negatives Wort (ich wuerde das allerdings wegnehmen sollte Bernau die Charakterisierung stoeren).
b) “wo kommt die Assetpreisinflation her”: ich denke dass dies mit ungewoehnlich guenstigen Finanzierungskonditionen zu tun hat. In den USA wg. der FED-Niedrigzinspolitik nach dem Platzen der dot.com-Blase, in Europa wg. des Wegfallens von Risikopraemien nach der Euro-Einfuehrung (d.h. die EZB traegt weniger Verantwortung fuer die Fehlentwicklung als die FED).
@ Frohnhofen, mehr Geld/Nachfrage: erstens hat sich die Nettovermoegensposition des “Rests der Welt” nicht veraendert, lediglich seine Vermoegenszusammensetzung – wieso sollte er da mehr Geld ausgeben? Zweitens: nach einer Finanzkrise, in einem Umfeld erhoehter Unsicherheit, ist der Instinkt meist mehr zu sparen und nicht weniger.
Trotzdem ist natuerlich denkbar dass der Rest der Welt entspart – aber das ist dann eine Verhaltensaenderung die andere Erklaerungen haben muss, sie hat nichts mit dem Geldueberhang zu tun.
@ Axel F.: man kann natuerlich phantasieren dass es eigentlich kein Problem gibt, sofern die Zentralbank nur den Kreditschoepfungsprozess selbst uebernimmt und Geschaeftsbanken ueberfluessig macht. Fuer Aehnliches sprach sich ja schon Milton Friedman in den 50er Jahren aus. Aber wie relevant ist das fuer die real existierende Welt um uns herum – an der sich mein Post orientiert? Wirtschafts- cum Bankenkrisen gibt es seit es Kapitalismus gibt, insofern tippe ich mal auch “ziemlich irrelevant”.
Uebrigens, “recessions are a monetary phenomenon” gilt wenn man das als Identitaet auffasst, aber nicht wenn man eine Kausalkette von Geldhortung zu Unternachfrage hineindichtet (wozu Rowe leider neigt). Aber das hatten wir schonmal.
@ Stein: sofern der Schuldenueberhang abgetragen wird und die Banken rekapitalisiert werden sind wir wieder “back to normal”. Und natuerlich koennen auch alle ploetzlich anfangen Rohstoffe (u.a.) zu kaufen, aber das setzt eine Verhaltensaenderung voraus, die mit Ausdehnung von Geld etc. nichts zu tun hat (siehe oben an Frohnhofen).
Der Anstieg der Rohstoffpreise hat mAn uebrigens vor allem damit zu tun dass Zentralbanken rohstoffintensiver Schwellenlaender wie China die FUER SIE viel zu expansive Fed-Politk adoptieren, was exzessive Nachfrage in diesen Laendern erzeugt. Aus Sicht der USA ist der Rohstoffpreisanstieg ein relativer Preisshift, bei dem sich die Frage stellt ob man ihn kompensieren soll durch Druecken heimisch gesetzter Preise, oder ob man die stabile Entwicklung heimisch gesetzter Preise anstreben soll. Ich bin fuer letzteres.
Zur Physik: ich habe nicht den Anspruch mit Physikern zu konkurrieren, mir scheint das auch kein relevanter Masstab. Mein “Modell” enthaelt uebrigens nichtmal minderwertige Mathematik sondern gar keine – es ist auch kein Modell, sondern lediglich eine Sequenz stilisierter, illustrativer Sektorbilanzen.
@ RL: ich sehe die unmittelbare Ursache von Inflation im Anstieg der Nachfrage relativ zum Angebot. Kredit uebersetzt sich direkt in Nachfrage, aber ein positiver Assetpreis-Schock kann z.B. einen Haushalt auch dazu bewegen sein Bankkonto zu pluendern und Gueter zu kaufen (Assets abbauen statt Liabilities aufbauen, netto allerdings das gleiche), was die Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge erhoeht. Angebotsseitig kann Inflation durch Verknappung hervorgerufen werden (z.B. der Oelpreisschock in den 70er Jahren).
@ Kantoos: nun ja, wie es zu depressiven Ueberschuldungssituationen kommt scheint mir schon auch interessant. Du hast recht, um die geldpoltische Reaktion zu diskutieren fehlte der Platz. Allerdings: geldpolitische Expansion allein scheint mir unzureichend wenn das Bankensystem gestoert ist und den monetaeren Impuls nicht weiter gibt.
@ Dom: I’d love to, let’s see whether I find the time…
@ Johannes: Sie haben recht, Verschlechterung der Kreditbedingungen trifft natuerlich alle, nicht nur den Immobiliensektor. Meine Faustregel: (i) restriktive Geldpolitik st das richtige Instrument wenn Geld und Kredit insgesamt zu schnell wachsen. (ii) Regulierung ist das richtige Instrument wenn Kreditwachstum in den falschen Sektoren konzentriert ist. Auf die USA in den fruehen 2000ern scheint mir eher Fall (i) zuzutreffen, auf Europa Fall (ii) (lokalisierte Immobilienbooms in einigen Peripheriestaaten).
Gruss,
HK
@hkaspar
“Diese konzeptionelle Differenz zieht auch eine etwas andere wirtschaftspolitische Schlussfolgerung nach sich. Die ist nicht, dass zu viel Geld Assetblasen erzeuge, und Assetblasen per se gefährlich seien. Ein Schuh wird so draus: Assetblasen provozieren exzessive Geld- und Kreditschöpfung, damit Überschuldung, Finanzkrise und Depression – und deswegen sind sie so gefährlich.”
Schon mal eine der zahlreichen Arbeiten Hyun Song Shins gelesen? Schon mal etwas vom “risk-taking-channel” der Geldpolitik gehört? Sind Ihnen die Arbeiten Borios dazu bekannt? Kennen Sie Blinders Position, wonach man die Bedeutung von asset price bubbles danach beurteilen soll, ob sie mit Kreditexpansion dahergehen? Kennen Sie das Paper der EZB über die Bedeutung des Liquiditätsüberhangs früherer Jahre? Offenbar ist die zeitgenössische Diskussion dieser Probeme (was immer man von ihr halten mag) völlig an Ihnen vorbei gegangen. Ihre Argumentation wirkt angesichts moderner Forschungsergebnisse gerade vorsinftflutlich – aber das ist ja ein Kennzeichen der (scheinbar) “modernen” Makroökonomik. Der Preis, den Sie dafür zahlen ist, was immer Sie in Blogs schreiben, in der Praxis völlige Irrelevanz. Praktisch arbeitende Ökonomen, und darauf hat ja aktuell Ken Rogoff hingewiesen, kümmern sich um diese Methusalem-Ökonomik keinen Deut.
Good night
gb.
@ gb
Ein eher uebelgelaunter Kommentar, der sich auf Beschimpfungen und Name-Dropping beschraenkt, und den ich mir nur damit erklaeren kann dass Sie auf Reizworte reagieren und den Post nicht richtig gelesen haben.
Der oben beschriebene Mechanismus scheint mir nicht nur konsistent mit Shin – der Shin-Adrian Leverage-Lending-Akzelerator braucht ebenso steigende Assetpreise wie Bernanke-Gertler, und geht ebenso in reverse gear wenn die Assetpreise implodieren – auch das Blinder-Zitat entspricht dem Satz, an dem Sie sich reiben, fast woertlich. Von den BIS-Analysen vor der Krise halte ich viel, seit Ausbruch der Krise allerdings weniger.
Aber vermutlich diskutieren wird das besser wenn Sie der nuechternen Betrachtung wieder faehig sind.
(P.S.: die Kraftausdruecke uebersehe ich mal; aber der Vergleich wer von uns qua Ausbildung und Arbeitsumfeld naeher dran ist an zeitgenoessischer Oekonomik bereitet mir keine Sorge)
@ Gerald, HK
Schoen friedlich bleiben, bitte.
Ich fand Henry’s Beitrag gegenueber der anderen Position sehr freundlich, daher verstehe ich den Aerger auch nicht, aber der wird andere Gruende haben, insofern: Schwamm drueber.
Rogoff hat darauf hingewiesen, dass die mathematische Uni-Modell-VWL sich in der praktischen Prognosearbeit nicht eignet, und daher von praktisch arbeitenden Makrooekonomen nicht verwendet wird. Ich wuerde eher sagen: die Intuition, die da raus kommt, wird sehr wohl verwendet, aber gut. Warum das aber gegen Henry’s Analyse spricht, ist mir voellig schleierhaft. Ist Richard Koo nicht einer von jenen praktischen Oekonomen, und versucht Henry nicht u.a. dessen Position allgemeinverstaendlich wiederzugeben?!
Versteh mich nicht falsch, Gerald, aber manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Du Dir aus der modernen VWL das rauspickst, was Deine Meinung scheinbar bestaetigt. Der arme Shin, z.B., ist wohl nicht bei Dir durchgedrungen, dass die Geldmenge fuer ihn zum Beispiel kein sinnvoller Indikator per se ist, sondern nur im Zusammenhang mit leverage, Fristentransformation und anderen Indikatoren fuer die Instabilitaet des Finanzsektors. Aber Du und Philip Plickert, Ihr versuchtet ihm staendig im Interview die Geldmenge, die Bundesbank und die Zwei-Saeulen-Strategie der EZB unterzujubeln. Freundlicher Mensch, der Shin wohl ist, hat er nicht gefragt: “Sagen Sie mal, hoeren sie mir eigentlich zu?” Ich dachte immer, das haettet Ihr fuer die Leser getan, aber mir scheint, Ihr habt ihn wirklich nicht richtig verstanden.
Borio sehe ich genau wie Henry, aber ich lese ihn gerne nochmal.
So, und jetzt doch mal zurueck zum Thema: was genau, lieber Gerald, teilst Du an Henry’s Analyse nicht?
Der risk-taking-channel ist sicher ein wichtiger Punkt, aber eben weniger NACH der Krise, sondern davor. So schreibt ein BIS Papier ueber Borio, Shin, Adrian etc. dazu:
Das deckt sich voellig mit Henry’s Analyse.
@ gb
Nachtrag: der Monatsbericht der EZB (06/2011), den Du im Kopf hast, schreibt:
und weiter unten
Es tut mir sehr leid, Gerald, aber genau nichts hier widerspricht der Analyse von Henry. Im Gegenteil, es ist genau was Henry schreibt: vergangene uebermaessige Geldschoepfung wirkt heute deflationaer.
@ Kantoos
zur Klaerung: Ich bin Shins – und Braunbergers – Ansichtedass wenn M3 zu schnell waechst vermutlich etwas Unerwuenschtes in der Volkswirtschaft passiert. Und insofern bin ich auch Anhaenger der EZB Zwei-Saeulen-Stratgegie: nur auf das Inflationsziel zu achten greift zu kurz. MAn sollten Zentralbanken einen weit gefassten, auf makro-finanzielle Stabilitaet abzielenden Auftrag verfolgen, und Geld- und Kreditaggreate sind bei da hilfreich (dies ist ja auch die Position von Brunnermeier, Shins Princeton-Kollege).
Problematisch wird es jedoch wenn Geldaggregate als Argumentationshilfe fuer eine restriktive Politik verwendet dienen solllen selbst wenn Geldmengnwachstum seit Jahren stagniert. Das sieht nach geldpoltischer Argumentsakrobatik aus, mit Gefahr des Absturzes. Wie das Beispiel im Post zeigt zieht das EZB “Geldueberhangs”-Argument mAn nur wenn M3-Wachstum ununterbrochen zu hoch ist – nicht wenn sich der inflationaere Zyklus laengst umgedreht hat und die Zentralbank die Scherben des Assetpreis-Kreditbooms einsammeln muss.
Gruss,
HK
@ HK
Nun, damit sagst Du genau was ich meine: die Geldmengenaggregate sind nicht per se (!) sinnvoll, sondern nur im Zusammenhang mit anderen Indikatoren der Finanzstabilitaet. Und die sollte die ZB im Auge behalten, das sehe ich mittlerweile auch so.
Fuer die Inflationssteuerung, und darauf baut die Bundesbanktradition doch auf (?), sind sie aber wenig sinnvoll, und das meint Shin auch nicht, wie er explizit im Interview mit Gerald sagt.
Also, einigen wir uns darauf: man sollte die zweite Saeule der Zwei-Saeulen-Strategie weiterentwickeln, hin zu einer auf makro-finanzielle Stabilitaet ausgerichteten Politik. Dann wuerde sie vermutlich auch im Moment nicht vor einer zu losen Politik warnen wegen “zu viel Geld”.
Ein spannender Beitrag. Sie sehen eher eine Deflation als Inflation? Wenn ich mir die Lebensmittelpreise, die Spritpreise, Restaurantpreise etc. anschaue, sehe ich eine Geldentwertung.
@Buschbeck
“Die Knappheit sind die solventen Kreditnehmer und nicht das Zentralbankgeld. Solvente Kreditnehmer kann man nicht drucken, deswegen hat Ben B. ja schon mal an den Hubschrauber gedacht.”
Geldpolitik läuft über Erwartungen. Wenn die ZB erfolgreich Inflationserwartungen wecken kann, treibt der “hot potato”-Effekt (was Sie Gesell-Geld nennen) die Leute in Investitionen und/oder Konsum, so können Assetpreise wieder reflationiert und Bilanzen verbessert werden. Sollte die ZB keine Inflationserwartungen wecken könne, bin ich für Helicopter-Drops. Aber, wie Scott Sumner zu bedenken gibt, es könnte gut sein, dass die bloßen Ankündigung einer solchen Maßnahme NGDP in die Höhe schießen lässt, so dass man keinen einzigen Schein abwerfen, sondern die Geldmenge sogar kontrahieren muss. Geldpolitik spielt sich immer im Kopf ab. Metaphysik, nicht Mechanik.
@H.Kaspar
“man kann natuerlich phantasieren… ”
De facto hängen Finanzkrisen und Rezessionen natürlich zusammen. Das sehe ich auch so.
Der Phantast-Vorwurf würde mir übrigens letztens von einem Marxisten gemacht. Er meinte, dass wenn Leute wie Scott Sumner ihr NGDP targeting bekommen, dann würden wir nicht mehr im Kapitalismus leben. Kapitalismus nach Marx setzt Geldhortung (Law of Reflux) voraus. Krisen sind notwendig, sie treten immer dann ein, wenn das Kapital keine optimalen Verwertungsbedingungen vorfindet. Das Kapital muss dann die Möglichkeit haben zu streiken. Aber nur der zero bound ermöglicht diesen Streik, indem er die gefahrlose Hortung des Tauschmittels erlaubt. Die so ausgelöste deflationäre Krise dient dem Zweck, Realkapital soweit zu entwerten bis wieder profitabel investiert werden kann. Zu glauben, dass man den zero bound einfach so abschaffen könnte, sei Traumtänzerei. Im Kapitalismus geht es nicht um Produktivität (maximalen Output), sondern um Eigentumsverhältnisse! Zero bound abschaffen = Kapitalismus abschaffen. Sumner, Rowe und auch Kantoos sind also Revolutionäre! :-)
@ Alex F.
Sehr schoen! Und in der Tat, den zero lower bound abschaffen wuerde zumindest die Bekaempfung einer geplatzten Assetblase vereinfachen. Aber lass uns das in einem anderen post diskutieren, denn sonst ufert die Diskussion hier aus.
@AxelF
> Geldpolitik läuft über Erwartungen.
kein Dissens, feile gerade an einer neuen “Erwartungssteuerung” mit neuen monetären Mitteln wie z.B. einer Kreditsteuer einer nationalen Notenbank. Da geht es um die Herstellung von ERWARTUNGEN dauerhafter Nullsparzinsen statt nur aktueller und unsicherer Nullzinsen. Weiterhin ist dann wieder eine nationale Geldpolitik innerhalb des Euro zu ERWARTEN.
> Wenn die ZB erfolgreich Inflationserwartungen wecken kann,
Ja, aber wie kann Sie denn das? Über das Märchen von dem Zusammenhang von Zentralbankgeld und Inflation? Das glaubt nur bald keiner mehr – die Inflationserwartungen kommen doch heute schon
eher von der Crasherwartung? Wollen wir Geldpolitik mit Crasherwartungen machen?
Die Inflation hängt von Erwartungen ab, weil feste Kontrakte als Preisanker(z.B.Löhne, Lieferverträge) mit bestimmten Erwartungen geschlossen werden. Nur müssen sich die Erwartungen auch Stück für Stück erfüllen, sonst ändern Sie sich die Erwartungen. Und da kommen wir dann zu einer “Erwartungsmechanik” – die enthält zwar menschliche Variablen = Pläne – erlaubt aber trotzdem klare Schlüsse und Handlungsempfehlungen:
Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.
alternativ als Inflationsdruck (und im Umkehrschluss als Crashformel)
eine tendenziell inflationäre Übernachfrage besteht, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, die Plänen, Geldvermögen abzubauen, unterschreiten.(überschreiten)
@HK
>@ Buschbeck: schoene Uebersetzung ins „Buschbeck-Speak“.
danke – Jaja, die Sprachen lernen :-)
>Zahlen zur Faelligkeit von US-Krediten kenne ich leider nicht.
schade, schade, und keinerlei Schwung in diese Richtung zu forschen?
@BB „Das Wort „Geld“ ist extrem mißverständlich“
Völlige Zustimmung. Unklarheit der Begriffe erleichtert ungenaues Denken und führt oft zu fruchtlosen Diskussionen. Das gilt neben „Geld“ in besonderer Weise für den Begriff „Investitionen“ (siehe die jüngste Debatte zur Wirksamkeit von Fiskalpolitik zwischen Sumner, Wren-Lewis, Krugman…)
danke!
Diese Diskussionen kenne ich zwar nicht, vermute aber, dass da auch wieder Investitionen mit Ausgabeüberschüssen/Geldvermögensabbau durcheinander geworfen werden?
Beim Geld wird ein Wort für zwei Sachverhalte verwendet(Zahlungsmittel,Geldvermögen) mit Sparen und Investieren werden zwei Worte für den identischen Sachverhalt verwendet(Einkommen nicht für Konsum ausgeben) und dann noch darüber philosophiert, wie sich die gleiche Sache ex_ante und ex_post verhält. Wenn die ökonomische Diskussion kollektiv adaptiert, dass es um die Divergenz von Plänen von Geldvermögensabbau und Geldvermögensabbau geht, ist viel gewonnen.
S ist nicht Geldvermögensaufbau I ist nicht Geldvermögensabbau,
“lernt erst mal mein Sprache” – kleiner Scherz :-)
>aber das wird wohl in diesem Leben nix mehr mit der Stützelschen Terminologie für alle, oder? ;)
ich bin doch grad mal 45 und komme aus der EE-Branche, kann mich also auch an Windmühlen wagen. :-) Und mein google-alert auf “Saldenmechanik” hat heute für einen Herrn Kaspar angeschlagen. Ob diese Lob in der FAZ mal nicht vergiftet war – der Flassbeck sagte 2000 dazu:
Der Einwurf, eine Aussage baue auf „Saldenmechanik“, gilt in bestimmten Kreisen als eines der stärksten Gegenargumenten überhaupt. Das ist so, als sagte man einem Physiker, seine Aussage sei „zu logisch“ und könne schon deswegen keinen Bestand haben. Wenn die Zusammenhänge
etwas verwaschen sind, wenn die letzten und wenigen harten Säulen des ökonomischen
Denkens geschleift oder gar gestürzt sind, fühlt sich der moderne Ökonom – wiederum vor
allem in Deutschland – am wohlsten.
@kantoos – keine Angst, ich verschwende keine Energie mehr an die Argumentation bezüglich Abschaffung der Nullzinsgrenze – das Produkt ist wohl unverkäuflich und nur der Vollständigkeit halber in meiner Aufstellung. Wenn käme es nur als “Abfallprodukt” eines globalen Bankenruns.
http://www.global-change-2009.com/blog/wie-wollen-wir-sparen-ein-aufruf-zur-gesellschaftlichen-diskussion/2012/01/
@AxelF
>Sollte die ZB keine Inflationserwartungen wecken könne, bin ich für Helicopter-Drops.
Aber wie konkret – jeder bekommt was überwiesen? Grundeinkommenszuschlag – Steuergutschrift auch als negative Steuer?
>Aber, wie Scott Sumner zu bedenken gibt, es könnte gut sein, dass die bloßen Ankündigung einer >solchen Maßnahme NGDP in die Höhe schießen lässt, so dass man keinen einzigen Schein abwerfen, sondern die Geldmenge sogar kontrahieren muss.
sehe ich auch so, die Erwartungen wären ja schlagartig anders, man müßte die Kreditsteuer der Notenbank erhöhen und damit die Staatsschulden schneller tilgen. Dies wirkt doppelt auf die Stabilitätserwartungen.
>Geldpolitik spielt sich immer im Kopf ab. Metaphysik, nicht Mechanik.
Und um dies noch mal deutlich zu sagen, auch Stützel betont schon in der Saldenmechanik, dass diese ja nur eine kleine Sache wäre und keineswegs die wichtigste, etwas Logik die man schnell abhakt um sich den komplexen Dingen zuzuwenden. Aber man darf die Logik eben nicht gleich komplett ignorieren, die Staatsschuldenkrise ist eine Herausforderung, die nach kollektiver saldenmechanischer Weiterbildung ruft. Die Identität von privaten Geldvermögen und Staatsschulden muss bitte endlich mit allen logischen Schlüssen daraus in die Diskussion.
Nur hat eben auch gerade Stützel mit den Vorstellungen aufgeräumt, dass Gleichgewicht, Gleichschritt, und Gleichbleiben von BIP und Kapitalstock irgendwie mechanisch verbunden sind, also auch keine Geldmenge irgendwie hart mit BIP oder Inflation. Siehe bitte hier zu dem Stichwort “unzulässige Problemverschlingungen”:
http://www.global-change-2009.com/blog/wp-content/uploads/2010/10/saldenmechanik-uberarbeitet.pdf#page=8
Aus der Antwort von Bernau heute:
>Damit ist er genau bei meiner Sorge angekommen: Entweder die Geldmenge schrumpft (zumindest >im Verhältnis zum BIP) – oder das Geld fließt in immer neue Geldanlagen und treibt deren Preis >hoch:
Entweder, der Sparer hält Forderungen gegen ein Bank, also Geldvermögen, dann fragt er gar nichts nach, sondern ändert maximal Fristen seiner zugesagten Nichtnachfrage.(Festgeld)
Oder die Sparer fragen in Summe reale Dinge nach, dann sinken die Geldmengen durch Schuldentilgung der Vorfinanzierung dieses vorfinanzierten Angebots.
>Wir bekommen neue Blasen. Dummerweise tun die Zentralbanken – allen voran die amerikanische – >gerade alles dagegen, dass die Geldmenge schrumpft<
Erklärt mir doch mal bitte, was die Zentralbank mit der Geldmenge zu tun hat? Die Geldmenge = Kreditmenge wird in erster Linie vom Geldsparer definiert, er blockiert durch realwirtschaftliche Verkaufsüberschüsse die Tilgung der Kredite, aus welchen die Geldforderungen entstanden sind. Zur Depressionsvermeidung muss dieses Geldsparen und die Kredittilgung durch freiwillige Neuverschuldung(Kaufüberschüsse) = Geldmengenwachstum ausgeglichen werden.
Jedes Geldsparen schafft sich seine Verschuldung(Geldmengenwachstum!) selbst
http://www.global-change-2009.com/blog/jedes-geldsparen-schafft-sich-seine-verschuldung-selbst/2012/01/
Die Zentralbank verhindert via QE(Zins/Risiko-manipulation) in USA und Japan, dass die Zinslast für die Staaten untragbar wird, welche die Schulden für die Geldsparer machen. Die EZB macht dies in Europa nur zögerlich und halbherzig, deswegen ist Euro-Dauerkrise.
Wenn ich die Beiträge von Bernau lese, könnte man denken er geht davon aus, dass "das Geldding" von der Zentralbank kommt und nicht aus der Geschäftsbankenkreditvergabe für Kaufüberschüsse? Kann das sein oder lese ich dies falsch?
Geld existiert nur als Forderung, Geldvermögen sind alle Forderungen, Zahlungsmittel sind besonders besicherte Forderung (i.d.R. gegen eine Bank) ohne Fristigkeit in der Verfügung. Forderungen kann man nicht drucken, höchsten auf Papier dokumentieren.
Es gibt kein GeldDING-ist dies immer noch strittig?
@ Buschbeck
ich komme schon zu Bernaus Antwort, allerdings wohl nicht heute. In der Substanz haben Sie recht, die Antwort suggeriert nicht nur weiterhin eine Fehlkonzeption von “Geld”, Bernau wirft auch hohe Nachfrage nach sicheren Assets – ein Merkmal depressiver Oekonomien, z.B. in der keynesschen Liquiditaetsfalle – durcheinander mit schuldentreibender Assetpreisinflation. Letztere setzt hohe Gueternachfrage voraus, denn verschulden kann sich nur wer mehr absorbiert als er Einkommen bezieht.
Gruss,
HK
@Buschbeck
>Sollte die ZB keine Inflationserwartungen wecken könne, bin ich für Helicopter-Drops.
Aber wie konkret – jeder bekommt was überwiesen? Grundeinkommenszuschlag – Steuergutschrift auch als negative Steuer?
Nur ganz kurz: ideal wäre eine strikte institutionelle Trennung der Geldpolitik sowohl vom Staat als auch von den Banken. Ganz einfach wäre es, die Geldmenge über Mehrwertsteuersenkungen (z.B. über rebates, die einfach auf jedermanns Konto überwiesen werden) zu erhöhen und über Mehrwertsteuererhöhungen (keine echten Steuern, da das Geld aus dem Markt genommen wird) zu kontrahieren. Scott Sumner hat letztens auf ein solches Modell verlinkt: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1977688 Nur 2 Seiten!
Aber wichtig ist immer, dass die Open Market Operations (Mechanik) von klaren Open Mouth Operations (Metaphysik) begleitet werden! Und hier bin ich für NGDP level targeting.
“Geld existiert nur als Forderung”
Helicopter-Drops sind Forderungen?
@ Alex F.
„Geld existiert nur als Forderung“
Außer Bargeld, denke ich. Das spielt aber wohl normalerweise nur eine untergeordnete Rolle.
Helicopter-Drops sind Forderungen?
Zu Anfang nicht. Deswegen vielleicht auch der Optimismus, dass sie funktionieren würden.
@HK
Sie wollen sagen, man darf in der FAZ zu Geldthemen schreiben, wenn man Geld gar nicht verstanden hat? :-) Gilt da auch der Umkehrschluss? :-)
Hatten doch mit Thomas Strobl auch schon fitte Leute?
@Alex F – danke
>@Buschbeck >Sollte die ZB keine Inflationserwartungen wecken könne, bin ich für Helicopter-Drops. >Aber wie konkret – jeder bekommt was überwiesen? Grundeinkommenszuschlag – Steuergutschrift >auch als negative Steuer? Nur ganz kurz: ideal wäre eine strikte institutionelle Trennung der >Geldpolitik sowohl vom Staat als auch von den Banken.
genau – eine monetative Staatsgewalt, hoffe mein Beitrag dazu kann heute noch zum Lektor
>Ganz einfach wäre es, die Geldmenge
nicht Geldmenge erhöhen- der Staat macht freiwilligen Geldvermögensabbau über seine “abgeworfenen Schulden”
siehe Gleichgewichtsformel – darum geht es:
“Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.”
>über Mehrwertsteuersenkungen (z.B. über rebates, die einfach auf jedermanns Konto überwiesen werden)
Mwst.-Senkungen – die würden aber Deflationserwartungen schaffen und damit die Geldsparpläne erhöhen?
>zu erhöhen und über Mehrwertsteuererhöhungen (keine echten Steuern, da das Geld aus dem >Markt genommen wird) zu kontrahieren.
die Erhöhung könnte eine wachsende Inflation ja aber auch anheizen, da bleib ich bei meiner Idee mit der Kreditsteuer.
>Scott Sumner hat letztens auf ein solches Modell verlinkt: >http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1977688 Nur 2 Seiten!
dankeschön für Tipp
> “Geld existiert nur als Forderung” Helicopter-Drops sind Forderungen?
klar, Forderung gegen die Zentralbank bzw. gegen den Staat als Verrechnung mit der Steuerschuld.Sonst nimmt die Zettel keiner, erst recht keine Bank, die muss Sie ja auch als Forderung gegen die “Zentralbank/Monetative” einbuchen können.
und nun noch zu dem sehr guten alten Beitrag von Dir
De facto hängen Finanzkrisen und Rezessionen natürlich zusammen. Das sehe ich auch so.
>Der Phantast-Vorwurf würde mir übrigens letztens von einem Marxisten gemacht. Er meinte, dass wenn Leute wie Scott Sumner ihr NGDP targeting bekommen, dann würden wir nicht mehr im Kapitalismus leben. Kapitalismus nach Marx setzt Geldhortung (Law of Reflux) voraus. Krisen sind notwendig, sie treten immer dann ein, wenn das Kapital keine optimalen Verwertungsbedingungen vorfindet. Das Kapital muss dann die Möglichkeit haben zu streiken. Aber nur der zero bound ermöglicht diesen Streik, indem er die gefahrlose Hortung des Tauschmittels erlaubt. Die so ausgelöste deflationäre Krise dient dem Zweck, Realkapital soweit zu entwerten bis wieder profitabel investiert werden kann. Zu glauben, dass man den zero bound einfach so abschaffen könnte, sei Traumtänzerei. Im Kapitalismus geht es nicht um Produktivität (maximalen Output), sondern um Eigentumsverhältnisse!
>Zero bound abschaffen = Kapitalismus abschaffen.
Dies ist doch sachlich großer Quatsch, dann wären ja negative Realzinsen auch ein Eingriff in die Eigentumsverhältnisse, ich habe 100erte solche Diskussionen zur Abschaffung der Nullzinsgrenze geführt, kannst Du dich auch mit 3jährigen unterhalten. Da setzt einfach das rationale Denken aus und man spricht nur noch mit “Bäuchen”. Ich kann es wohl auch nur denken, weil meine emotionale Intelligenz gestört ist. :-) Die Emotionalität ist das Problem an der Sache, Strobl hat zu dieser religiösen Frage genial vorgetragen – den Beitrag habe ich gerettet. :-)
http://www.global-change-2009.com/blog/die-religion-der-guthaben-mit-freud-und-strobl-verstehen-die-analerotische-finanzkrise/2011/10/
@RL
Bargeld ist die Verbriefung eines Zentralbankguthabens, also die Verbriefung einer Forderung gegen die Zentralbank. Auch wenn es da nichts zu fordern gibt, das geforderte beim Geld ist die Tilgung des Kredits, aus dem es entsteht. Un dazu musst Du ein realwirtschaftliches Angebot machen(Privat) oder ein realwirtschaftliches Angebot besteuern(Staat). die Besteuerung führ ja dazu, dass um die Steuer mehr angeboten werden muss, von ungedecktem Kredit-Geld zu sprechen ist also großer Käse.
Und Bargeld kommt an Nichtbanken nur als Verbriefung eines Guthabens aus Geschäftsbankenkredit, dies macht die Deutung der Zentralbankgeldmenge als Determinaten von Konjunktur und Inflation ja so kurios. Sicher hat FRÜHER mal die Knappheit von Bankenzahlungsmittel die Kreditvergabe beeinflusst – aber heute sind nur die solventen Kreditnehmer knapp, und das “richtige Geld” ist das Geschäftsbankengeld, darauf laufen unsere Kontrakte. Bargeld ist für Nichtbanken nur eine Forderung auf richtiges Geld, ich würde es ihnen nicht mehr in die Hand geben…würde manches lösen, aber nach mir geht’s ja nicht :-)
huch, wollte ja nur verlinken, die Filme haben wir übrigens am Rande des G20 April2009 in London uraufgeführt.
Das Folge-Video müßt ihr aber jetzt auch sehen, da kommen Herrn Kaspar’s Balken mit Haus-Wert und Eigen-Kapital von oben schön dynamisch und vor allem mit einer Wiederauferstehung des Eigenkapitals von Hausbesitzer und Banken!
das Wort zum Freitag, “alles wird gut” :-)
Lieber Autor und liebe Kommentatoren,
ich versuche als Laie ihnen zu folgen, aber es fällt mir als Naturwissenschaftler und Jurist äußerst schwer.
Also was passiert wenn die Zentralbank die Geldmenge ausweitet:
Bisher hab ich immer geglaubt, das Geld frist sich seinen Weg in die Märkte und zwar in alle, nur nicht mit gleicher Geschwindigkeit. Daher braucht es eine ganze Zeit (es können Jahre sein) bis es in den Verbrauchermarkt also beim Bürger ankommt. Lieg ich soweit richtig?
Sollte in dieser Zeit aber die Wertschöpfung nicht auch gewachsen sein, wird es dann zu einer Inflation kommen?
Sollte alternatiev das Geld im wesentlichen in Vermögenswerte wie z.B. Immobilien fließen so ensteht eine Immoblilienblase und keine Inflation, richtig?
Aber wo besteht denn der Unterschied in einer Blase die Platz und somit Vermögen vernichtet und einer Vermögensvernichtung durch Inflation?
Und wie weitwirkt sich so eine Assetblase nicht auch sehr, sehr schädlich auf die Privathaushalte und Unternehmen aus?
Ich bitte meine Unkenntnis zu entschuldigen.
mit Freundlichen Grüßen
Rapsack
@ Rapsack:
“Also was passiert wenn die Zentralbank die Geldmenge ausweitet:”
Die Zentralbank kann direkt nur die Geldbasis ausweiten (= Geldmenge M0). Inflation gibt es aber erst, wenn die Leute zu viel Geld auf dem Konto haben. Das Geld auf dem Konto entspricht den Geldmengen M2 oder M3. (Fachleute mögen mir bitte die stark vereinfachte Darstellung nachsehen.) Wie Sie aus dem Diagramm ganz oben sehen können, ist die Geldmenge M3 in den letzten Jahren unterdurchschnittlich gewachsen, und zwar während gleichzeitig die Geldbasis überdurchschnittlich gewachsen ist.
Wieso gibt es verschiedene Geldmengen, und woher kommt das Geld auf dem Konto, wenn nicht von der Zentralbank? Das entsteht dadurch, dass jemand einen Kredit aufnimmt. Wenn Sie bei Ihrer Bank einen Kredit über 1000 € aufnehmen, sind auf einmal (ca.) 1000 € mehr in der Welt. Das nennt sich Geldschöpfung. Die Verbindung zwischen dem Geld, dass die Zentralbank “druckt” und dem Geld auf Ihrem Konto besteht darin, dass die Bank jeden Kredit mit einem kleinen Anteil Zentralbankgeld unterfüttern muss.
Wenn aber die Leute keine Kredite aufnehmen können oder wollen oder wenn die Banken keine Kredite ausgeben können oder wollen, dann wächst die Geldmenge auch nicht.
“Bisher hab ich immer geglaubt, das Geld frisst sich seinen Weg in die Märkte und zwar in alle, nur nicht mit gleicher Geschwindigkeit. Daher braucht es eine ganze Zeit (es können Jahre sein) bis es in den Verbrauchermarkt also beim Bürger ankommt. Lieg ich soweit richtig?”
Jein. Tendenziell reizt Geld natürlich dazu, es auszugeben, sei es für Konsum oder um Rendite zu erzielen. Aber Geld kann auch einfach auf dem Konto liegen bleiben, ohne sich “seinen Weg in die Märkte zu fressen”. Das wird insbesondere dann passieren, wenn die wirtschaftlichen Aussichten schlecht sind und es an attraktiven Anlagemöglichkeiten mangelt. Des weiteren bedeutet das Prinzip der Geldschöpfung durch Kredit, dass Geld auch verschwinden kann, nämlich durch Tilgung. Es ist also nicht zwangsläufig, dass sich “das Geld seinen Weg in die Märkte frisst.”
“Sollte alternativ das Geld im wesentlichen in Vermögenswerte wie z.B. Immobilien fließen so ensteht eine Immoblilienblase und keine Inflation, richtig?”
Der Nennwert dieser Vermögenswerte wird steigen, was auch eine Art von Inflation ist. Insbesondere bei Immobilien wirkt sich diese Inflation normalerweise auch auf die Verbraucherpreise aus.
“Aber wo besteht denn der Unterschied in einer Blase die platzt und somit Vermögen vernichtet und einer Vermögensvernichtung durch Inflation?”
(1) Eine Inflation wirkt normalerweise stetig. Damit lässt sich viel leichter umgehen als mit dem Platzen einer Blase. Faktisch hat eine gleichmässige, moderate Inflation sogar positive Effekte. Würden Sie lieber 6 mal im Jahr 500 ml Blut spenden oder 1 mal 3 Liter? Eben.
(2) Inflation bedeutet Preissteigerung: nächstes Jahr kostet das Bier 5 % mehr. Das Platzen einer Blase bedeutet eine plötzliche, starke Preissenkung: über Nacht ist mein Haus oder meine Telekom-Aktie nur noch die Hälfte wert (gemessen in Euro). Kann es sein, dass Vermögen sowohl durch Preissteigerung als auch durch Preissenkung vernichtet wird? Vernichtet wird erstmal gar nichts: meine Euros, mein Haus und meine Telekom-Aktie sind alle noch da, und auch die Brauerei produziert weiter.
@ hkaspar
“(P.S.: die Kraftausdruecke uebersehe ich mal; aber der Vergleich wer von uns qua Ausbildung und Arbeitsumfeld naeher dran ist an zeitgenoessischer Oekonomik bereitet mir keine Sorge)”
My dear. Zu Ihrer Neigung, aus der Dunkelkammer zu argumentieren (sprich:ohne Ihren wirklichen Namen zu nennen, aber sich gleichzeitig mit abgeleiteten – man nehme Ihren von Ihnen genannten Doktorvater – und nicht mit eigenen Qualifikationenen zu brüsten – was haben Sie denn konkret in Fachzeitschriften publiziert?), aber sich gleichzeitig mit Personen abschätzig zu befassen, die wie ich ihren Namen offen nennen und die Sie gleichzeitig wie meinen Kollegen Patrick Bernau brauchen,um etwas aus der Anonymität besserwisserisch zu bekritteln, werden Sie bald etwas auf FAZIT lesen. Wer ein richtiger Mann ist, nennt seinen richtigen Namen.
Gruß
gb.
(P.S.Wobei die vermeintliche Anonymität lächerlich ist, wenn man sich in seinen Beiträgen auch an Wirtschaftsjournalisten wendet, die wissen, wie man recherchiert. Es wäre für uns bei der F.A.Z. simpel, die Klarnamen von “kantoos” und “hkaspar” zu veröffentlichen. (Wir wissen z.B., wo sich “kantoos” gerade aufhält.) Wir tun das nicht, weil wir deren Wunsch nach Anonymität respektieren. Was wir unabhängig davon halten, steht in Kürze bei FAZIT.
@ Gerald
Nun lass uns doch bitte die Aggressionen hier rausnehmen. Henry hat sich inhaltlich, ausführlich und ökonomisch sehr zugänglich mit einer These von Patrick auseinander gesetzt, wofür ich und fast alle Leser ihm sehr dankbar sind, und scheinbar auch Patrick, denn er hat sehr nett reagiert. Henry ist dafür von Dir aber sehr hart angegangen worden. Da hat er sich gewehrt. Ich bin mir sicher, weder Du noch er haben das so gemeint, wie es beim jeweils anderen ankam. Eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre für alle, und besonders andere Leser, viel interessanter.
Die Anonymität hat nichts mit “Mann sein” (?!) zu tun, sondern hat persönliche Gründe, das ist doch bekannt. Trotzdem weiß ich es zu schätzen, und hätte es bei Dir auch nicht anders erwartet, dass Ihr unseren Wunsch respektiert. Vielen Dank dafür.
Uh, Herr Braunberger, muss das sein? Anderen Besserwisserei vorwerfen, nachdem man selbst versucht hat, den anderen als Illiteraten darzustellen? Sprüche über richtige Männer ablassen?
Raushängen lassen, dass die FAZ ja quasi den persönlichen Geheimdienst ersetzt und man eigentlich ein Damoklesschwert über dem anderen hängen hat, das man nur aus Gnade nicht fallen lässt? Was soll das werden? Kritik mit Plattitüden und impliziten Drohungen abkanzeln?
Was, Herr Braunberger, beabsichtigen Sie mit Ihrer Aussage “Wir wissen, wo sich Kantoos gerade aufhält”, erreichen? Möchten Sie Menschen unter Druck setzen? Möchten Sie Ihre Macht demonstrieren? Warum verlassen Sie den Weg der inhaltlichen Auseinandersetzung (der in Ihren Kommentaren zu diesem Beitrag ohnehin schon nur schwer zu erkennen war), und beschränken sich auf persönliche Angriffe und Andeutungen, die die Debatte kein Stück weiterbringen, und in der Art und Weise hinderlich (und meines Erachtens auch völlig unangebracht) sind? Und warum sehen sie sich nicht dazu in der Lage, Inhalte unabhängig von Personen, deren Reputation, credentials oder wasauchimmer zu betrachten?
Ich muss mich doch sehr wundern…
“Schiri wir wissen wo Dein Auto steht” hiess es frueher in deutschen Stadien…
Nur soviel: ich benutze ein Pseudonym nicht weil ich gern “aus der Dunkelkammer” operiere, sondern weil ich es berufsbedingt nicht anders kann. Die Alternative fuer mich ist nicht unter Pseudonym oder Echtnamen zu schreiben, sondern unter Pseudonym oder gar nicht. Zugleich schreibe ich ueberall im Netz nur als Henry Kaspar, und dies seit vielen Jahren – sofern Henry Kaspar Mist schreibt haengt meine Reputation an diesem Namen, und nicht an dem in meinem Pass.
Sollte Herr Braunberger (oder Patrick Bernau) jedoch wuenschen von Henry Kaspar nicht diskutiert zu werden wuerde ich dies selbstverstaendlich respektieren. Eine Zeile an hkaspar@gmail.com genuegt.
Gruss,
HK
Wie kann man nur? Ein Armutszeugnis.
@gb.: Als langjähriger Leser Ihrer Zeitung, der auch speziell Ihre Artikel immer geschätzt hat, bin ich bestürzt über den Ton Ihrer Beiträge in diesem Thread. hk hat sich sachlich mit den Thesen von Herrn Bernau auseinander gesetzt. Sie dagegen haben die Ebene der Sachlichkeit verlassen und und greifen ihn stattdessen persönlich an. Ich bin maßlos enttäuscht. Hätte ich so von Ihnen nicht erwartet.
Eine einzige Tirade ad hominem.
Unbeschadet seines ökonomischen Sachverstands hat Herr Braunberger sich damit rapide BILD-Qualität genähert.
Die können es allerdings besser, wenn jemanden auf diesem Niveau fertig gemacht werden soll.
Wow, bin FAZ-Abonnent und -fan, aber bei diesen Stasi-artigen Drohungen Herrn Braunbergers dreht sich mir der Magen um. Können wir bitte wieder zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung zurückkehren?
Guter Artikel.
Wo kommen eigentlich die Bilder her?
Marke Eigenbau. Danke fuer das Kompliment ;-)
@Buschbeck
>über Mehrwertsteuersenkungen (z.B. über rebates, die einfach auf jedermanns Konto überwiesen werden)
Mwst.-Senkungen – die würden aber Deflationserwartungen schaffen und damit die Geldsparpläne erhöhen?
Bei einem Rebate bleibt der MwSt. Satz nominal gleich, es gibt einfach nur Geld aufs Konto. Ein direkter Heli-Drop.
>zu erhöhen und über Mehrwertsteuererhöhungen (keine echten Steuern, da das Geld aus dem >Markt genommen wird) zu kontrahieren.
die Erhöhung könnte eine wachsende Inflation ja aber auch anheizen, da bleib ich bei meiner Idee mit der Kreditsteuer.
Eine MwSt.-Erhöhung, bei der das Geld aus dem Umlauf genommen wird (Geldvernichtung), kann nicht inflationär wirken. Die Unternehmen haben ja keine höheren Einnahmen, im Gegenteil. Sie können die Gehälter also nicht erhöhen. Die Arbeiter/Konsumenten müssen daher entweder weniger konsumieren oder weniger sparen, was dann aber den Zins für Kredite in die Höhe treibt.
PS: Die Videos sind klasse.
@ HK
Schöner Artikel. Der Verweis auf das endogene Geld ist wichtig. Aber man muss wohl auch ein bisschen fair sein: Das Argument erscheint mir zu sein, dass QE zu höherer Liquidität des Bankensektors führt, der das dann in dem Moment als Kredite nicht mehr an die Zentralbank, sondern an die Ökonomie weitergeben kann, wenn die Wirtschaft wieder wächst – entweder, um a) Vermögenswerte zu finanzieren (neue Blasen) oder um b) reale Güter und Dienstleistungen zu finanzieren. Zwei Punkte dazu:
zu a) das würde ich nicht vollkommen ausschließen, dass das passiert – siehe der Anstieg der Börsen, von Rohstoffen und von Emerging Market Assets – da geben die Banken auf der Suche nach höherer Rendite Geld hin und das bürgt schon Gefahren von neuen Blasen.
zu b): Das ist genau das, was man haben will, das findet aber nicht (im ausreichenden Maße) statt, weil die Banken gerade eine sehr hohe Liquiditätspräferenz haben und sich damit liquide halten – mit Einlagen bei der ZB – und auch die Kreditnachfrage der privaten Wirtschaft wegen der Überschuldung nur gering ist. Damit es zur ernsthaften Inflationsgefahr kommen könnte, müsste die Wirtschaft nicht nur wachsen, sondern über Potenzial wachsen – was noch lange dauern dürfte – viele Wirtschaften haben ja noch nicht mal das Vorkrisenniveau, geschweige denn den Potentialoutput erreicht.
Das Problem ist generell, dass die ZB nicht beeinflussen kann, was die Banken mit dem Geld machen – ein Grund für mich, die Möglichkeiten der Zentralbank nicht überzubewerten.
Aber es ist eben nicht so, dass das Geld einfach so da ist, wie die Inflationistas meinen – und hier denke ich, ist der zentrale Fehler, selbst wenn man nur auf M0 schaut – das ja wirklich durch QE gewachsen ist.
Die Banken bekommen das Geld in Form eines Kredites von der Zentralbank – am Ende der Laufzeit dieser Kredite hat die ZB die Möglichkeit, die Kredite nicht weiter zu verlängern, die Geldmgenge M0 nimmt dann mit der Tilgung wieder ab. Das Geld ist eben nicht – wie Sie richtig schreiben – exogen, etwa wie Gold – sondern endogen. Es entsteht mit dem Kredit und vergeht mit der Tilgung. Indem die ZB ihre Kredite nicht weiter verlängert, kann sie die Zentralbankgeldmenge wieder schrumpfen lassen.
@ fali
Danke für Deinen Kommentar. Ich denke, bei b) sind wir einer Meinung.
Was ich mich aber frage ist Folgendes: wenn wir das Geld mal kurz beiseite lassen, und Einkommen als gegeben annehmen (just for the sake of argument), also davon ausgehen, dass es einen markträumenden Realzins gibt, der einfach sehr viel niedriger ist als er bisher war, ist ja noch kein Automatismus in Richtung asset-Blasen gegeben.
Der zweite Punkt wäre dann, dass eben dieser sehr niedrige markträumende Realzins der Grund des Übels ist. Die ZB kann dann, und jetzt nehmen wir das Geld wieder hinzu, entweder die Wirtschaft abwürgen und den Realzins zu hoch halten (was sie seit 2008 tut, wie fast jeder gängige Indikator anzeigt, wie Henry schreibt), oder aber diesen niedrigen Zins ermöglichen, die Wirtschaft auf Potential halten und die negativen Folgen in Form von möglichen Blasen anderweitig versuchen im Zaum zu halten.
Der dritte Punkt wäre, dass man bei niedrigeren Realzinsen erwarten würde, dass asset Preise steigen. Mit einem Hotelling-Argument gilt das für endliche Resourcen wie Gold ohnehin, aber wie es Karl Smith einmal sehr schön erklärt hat, auch für andere:
Mit anderen Worten, der Preispfad der assets muss mit dem Zinsniveau wachsen (das ist Hotelling). Wenn man aber über einen flacheren Preispfad auf das gleiche Niveau kommen will, müssen heute die Preise steigen (sofern der Zukunftspreis der gleiche geblieben ist).
Ich verneine die Risiken damit nicht, aber ich gebe doch zu bedenken, dass nicht alles eine Blase ist, wenn asset Preise steigen. Und eine gefährliche, kreditfinanzierte Blase ist wohl momentan nicht die große Gefahr. Aber die emerging markets sehen sich natürlich großen Herausforderungen gegenüber ihr Modell weg vom Kapitalexport zu orientieren. Das wird schwierig und genau hier liegt vielleicht der interessanteste Punkt von Patrick.
Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass der Staat in USA oder Europa die Gunst der Stunde nutzt und seine Investitionen hochfährt. Das erhöht den markträumenden Realzins c.p., lindert die Blasengefahr und sorgt für höheres Potential in der Zukunft. Das ist dann aber eigentlich kein fiscal stimulus Argument, denn den stimulus könnte auch die ZB geben.
Und damit komme ich auch schon zu meinem letzten Punkt: wissen wir, wo der Realzins liegt, wenn die Wirtschaft wieder am Potential arbeitet? Muss der unbedingt niedriger liegen als heute? Ich denke nicht. Das wäre dann ein wirkliches Keynes-Argument bezüglich multiple equilibria. Dazu schreibe ich dann aber mal einen extra Eintrag.
Noch ein kleiner Nachtrag: dieses paper schreibt:
Mit anderen Worten: wenn man die Kreditversorgung regulatorisch beschränkt, kann man schon einiges erreichen — trotz capital inflows (die mit niedrigen Zinsen einher gehen).
@ H Kaspar,
Excellent. Simple demonstrations of the nexus of house prices, bank capital/solvency rules and monetary policy are rare. And macro people tend to not do expositions of this type, but I believe they are crucial to policymaking and also demonstrate the idiocy of EUR zone gvts that are not (do not have to be) in crisis that crisis talk is playing with fire (eg The Netherlands)
Two questions:
- how would you deal with a crisis of this type in a closed economy run by benevolent nationalists? Right, make house prices go up, for instance by creating strong inflationary expectations (maybe using capital controls), gvt support for the housing market, nationalizing the banks and generously recapping them (and abandoning bad regulations like Basle 123. Lots of things a strong state can do if politicians want to cater for the median voter (who went bust). Of course, afterwards, gradually return to more orthodox policies
- a little harder: how would an ideal market monetarist deal with this in the institutional context of the EURzone, under current conditions (some of this in some countries, completely different in others?
On the second question: I wonder about this too. In my perception things like capital shortages and a distortions of the financial transmission mechanism rarely enter the “market monetarism” thought world. The only thing I’ve read so far is that the central bank should take over financial intermediation (inkl. risk taking) itself, making banks obsolete – but this is of course worlds removed from any real world policy solution.
@ HK
“Rein technisch scheint mir das Inflationverhindern nicht schwer: die Zentralbank muss bei Wiederanziehen der Konjunktur lediglich hinreichend hohe Zinsen zahlen, damit das Geld bei ihr als Einlagen geparkt bleibt. Die Krux ist das dies teuer werden kann.”
Jup – noch einfacher: sie muss die gegebenen Kredite einfach nicht weiter verlängern; dann haben die Banken auch nichts mehr, was sie verleihen oder bei der ZB parken können.
@ fali
Zudem ist QE kein Kredit. Sie kann die assets schlicht verkaufen. Die Krux ist auch hier: das kann teuer werden, wenn die ZB Verluste macht. Ich verstehe allerdings immer noch nicht, warum die ZB sichere bonds kauft, die sich preislich ja eher procyclical verhalten. Warum nicht riskantere, dafür countercyclical assets?
@ Stephan
“und sich nach dem Zins auch bestimmt, was der Mindeststandard an Rentabilität für durchzuführende Projekte ist. Wird der Leitzins dauerhaft von der Zentralbank unter das Marktniveau gedrückt, so senkt das die allgemeine Rentabilität der Volkswirtschaft! Wer nicht für Jahrzehnte an der „japanischen Krankheit“ leiden will, sollte zu starke Eingriffe in den Markt zugunsten niedriger Zinsen tunlichst unterlassen.”
Wenn der Zins so niedrig ist, müssten sich mehr Projekte lohnen, weil die Finanzierung billig ist. Das Problem ist doch in den USA, Spanien und auch Japan, dass es dort kein Problem des Kreditangebots gibt – auch wegen QE – sondern der Kreditnachfrage. Und die ist gering, weil die Leute zu hohe Schulden haben. Das ist auch mit ein Grund der “japanischen Krankheit”. Die niedrigen Zinsen sind das einzige, was die japanische Wirtschaft noch am Leben hält – ich sehe nicht, wie die niedrigen Zinsen der ZB zu stagnierendem Preisniveau und niedrigem Wachstum führen. Hier fehlt offensichtlich die Kreditnachfrage.
“Übrigens bedeutet das Zuschießen von Geld ins System immer, daß _irgendwer_ über das zusätzliche Geld verfügt. Wenn das Geld sich nicht in der Güterpreisinflation zeigt und auch nicht in einer Einkommensinflation, dann inflationiert es irgendwelche Preise außerhalb des für die Inflationsmessung relevanten Güterkorbes und/oder Einkommen von Menschen außerhalb der inländischen abhängig Beschäftigten”
Genau, deswegen ist die Macht der ZB auch so beschränkt – sie kann per Geldpolitik nicht bestimmen, wo das Geld, das sie den banken leiht, eigentlich hingeht. Das ist auch, wo ich meine Probleme mit QE habe – wenn die EZB den privaten banken Milliardenkredite zu vorerst sehr niedrigem Zins gibt, hilft das etwa den Griechen etc. nicht besonders bis gar nicht. Die Banken geben natürlich keine Kredite an Schuldner, bei denen sie mit Ausfall rechnen – denn sie haben das Geld ja selbst nur geliehen, sie sind selbst Schuldner der Zentralbank.
Also werden die Banken etwas anderes mit dem Geld machen – Blasen aufpusten mit hoher Wahrscheinlichkeit, weil in der realen Ökonomie die Kreditnachfrage quasi nicht existent ist.
@ Fali
Ich bin in allem Ihrer Meinung ausser beim letzen Punkt:
Also werden die Banken etwas anderes mit dem Geld machen – Blasen aufpusten mit hoher Wahrscheinlichkeit, weil in der realen Ökonomie die Kreditnachfrage quasi nicht existent ist.
Mir scheint dass Assetkaeufe von Banken notwendig die Gueternachfrage befoerdern, und damit Teil der Loesung ist. Die einzige Ausnahme ist wenn die Verkaeufer der Assets den Erloes sofort wieder mit dem Bankensystem deponieren (und das Bankensystem mit der Zentralbank). In letzterem Fall ist genau – nichts passiert.
(P.S.: wobei das Kaufen von Fixed-Income Assets das gkeiche ist wie Kreditvergabe, und das Kaufen von Equity sich von Kreditvergabe lediglich dadurch unterschiedet dass die Bank einen groesseren Teil des Risikos uebernimmt).
@ Kantoos
“Zudem ist QE kein Kredit.”
Stimmt, aber die normale Kreditvergabe an Banken ist schon ein Kredit – etwa im Rahmen der Target-Salden etc.
“Ich verstehe allerdings immer noch nicht, warum die ZB sichere bonds kauft, die sich preislich ja eher procyclical verhalten. Warum nicht riskantere, dafür countercyclical assets?”
Na weil sie die Renditen stabilisieren will gerade derjenigen Assets, die sie kauft. Sie will doch die Schuldzinsen für Staaten drücken.
@ fali
Ja, das zinsfokussierte Argument geht so, und da ist sicher was dran. Aber siehe meinen anderen Kommentar “@fali” oben, Zinsen sind nicht immer der beste Indikator. Man könnte über den Kauf anderer assets auch die Glaubwürdigkeit einer expansiven Strategie untermauern, vielleicht via wealth effect, Tobin q etc.
@fali
Bestimmt, QE kann “Kredit” sein, insoweit Werte mit Tilgungsrisico gekauft werden. Dabei soll man Unterscied machen zwischen Risiko fuer “offizielle” Kreditgebar/Anleger und private. Wie schon im Fall Griechenland jetzt Klar wird, koennten diese Stausunterschiede sehr relevant sein, weil versucht wird Darlehen in Besitz zB der EZB als “Offizielle” Obligationen zu betrachten und sonstige als “private” (dass heisst “subordinated”). Es waere schoen wenn dass richtig waere, weil dass der einfacshte weg war die “spekulativen” glauebiger zu enteignen. m.E sollten die EUR Staaten gesetzliche Arrangements machen die alle Titel in Bezitz der EZB risikofrei machen. Herr Potter steht bereit..
Ihre Frage ist natuerlich: Wieveil Verlust kann die EZB verkraften?
Ketzterischer Gedanke: sofern Angst vor Kursverlusten eine Rolle spielt solllte dies die EZB dazu bringen QE der Tendenz mit hochverzinsliche Staatsanleihen durchzufuehren – also nicht durch Kaufen deutscher oder niederlaendischer Staatsschuld, sondern italienischer oder spanischer (solange sie davon ausgeht Spanien und Italien seien solvent).
@ Kantoos
“Der zweite Punkt wäre dann, dass eben dieser sehr niedrige markträumende Realzins der Grund des Übels ist. Die ZB kann dann, und jetzt nehmen wir das Geld wieder hinzu, entweder die Wirtschaft abwürgen und den Realzins zu hoch halten (was sie seit 2008 tut, wie fast jeder gängige Indikator anzeigt, wie Henry schreibt), oder aber diesen niedrigen Zins ermöglichen, die Wirtschaft auf Potential halten und die negativen Folgen in Form von möglichen Blasen anderweitig versuchen im Zaum zu halten.”
Im Prinzip stimme ich zu, der Zins ist immer noch zu hoch und müsste eigentlich niedriger sein. Das generelle Problem ist: Die ZB gibt es den Banken, die Banken aber wem? Das ist eine zentrale Frage der Regulierung – deswegen soll ja auch der Eigenhandel beschränkt werden von Banken, damit sie das Geld nicht im Casino verzocken können, und dann Blasen und Crashs etc. verursachen können. Von daher stimme ich absolut zu, dass Blasenbildung nicht eins zu eins mit Zins oder Zentralbankgeldliquidität zu tun hat.
Eigentlich bräuchte man Bons, die man allen Menschen gibt, und die sie für Einkäufe verwenden können – die aber nach einem Jahr oder einem halben Jahr verfallen. Wir haben so was auf der Arbeit, Essensbons, die nach einem Jahr verfallen – die muss ich ausgeben, sonst sind sie nichts mehr Wert – und die Restaurants in der Umgebung brauchen sich vor einem Nachfrageausfall nicht mehr zu ängstigen. Negative Zinsen wären was ähnliches: Wenn ich das Geld nicht ausgebe, wird es weniger Wert, ergo die Nachfrage nach realen Gütern etc. größer.
Netter Artikel dazu hier:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/jan/26/economy-uk-high-street?INTCMP=SRCH
@ fali
Hast Du mal auf interfluidity über die Scheck-Geldpolitik gelesen? Der Ansatz ist: jeder US Bürger bekommt pro Woche/Monat einen Scheck von der ZB geschickt. ZB hat mit den Banken nicht mehr viel am Hut, sondern macht ihre Geldpolitik direkt mit den Menschen. Von praktischen Gründen mal abgesehen: was passiert dann? Ich glaube, ein Großteil wandert auch so in die Banken, und die machen dann wieder was sie wollen. Ich weiß nicht, ob das viel ändert, aber sicher bin ich nicht.
@ Kantoos
“Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass der Staat in USA oder Europa die Gunst der Stunde nutzt und seine Investitionen hochfährt. Das erhöht den markträumenden Realzins c.p., lindert die Blasengefahr und sorgt für höheres Potential in der Zukunft. Das ist dann aber eigentlich kein fiscal stimulus Argument, denn den stimulus könnte auch die ZB geben.”
Den ersten Satz verstehe ich – und stimme ihm vollkommen zu. Investitoinen des Staates führen jetzt und heute zu mehr Einkommen, besserer Kapazitätenauslastung etc. Sie erhöhen auch die Zinsen, weil die Kreditnachfrage steigt. Aber den zweiten Satz verstehe ich nicht. Die ZB kann natürlich nicht direkt das BIP erhöhen, sondern nur indirekt.
“Man könnte über den Kauf anderer assets auch die Glaubwürdigkeit einer expansiven Strategie untermauern, vielleicht via wealth effect, Tobin q etc.”
Ich glaube, das ist gerade die Crux, dass das nicht so einfach geht. Wenn gerade den Haushalten das Wasser schuldentechnisch bis zum Hals steht, werden sie auch bei steigenden Vermögenspreisen nicht unbedingt mehr ausgeben. Häuserpreise fallen in den meisten Ländern sowieso raus, Aktien haben aber in der Regel einen kleineren Vermögenseffekt – weil weniger Leute sie halten. Bei Tobins q bin ich auch nicht sicher, ob Firmen selbst bei steigenden Aktienpreisen mehr investieren, wenn die Wirtschaft sonst schwächelt (obwohl das in den USA tatsächlich gerade der Fall ist. Das hat aber meiner Ansicht nach mit der hohen Profitabilität der Unternehmen zu tun, die wiederum vor allem was mit den Fiskalprogrammen zu tun hat, die den Absatz und damit die Profitabilität der Unternehmen stützen – das läuft aber nächstes Jahr aus.)
Bottom line: Geldpolitik kann und soll einiges – aber wenn alle ihre Schulden zurückzahlen wollen / müssen, werden sie keine neuen Schulden mehr aufnehmen – wie Buschbeck richtig sagt, die Verschuldungspläne sind zu gering als dass das BIP steigen könnte. Deswegen muss der Staat ran und sich verschulden.
@ fali
Also die Frage war doch: soll die ZB den markträumenden Realzins erreichen, oder nicht (wegen der Blasengefahr). Die Annahme war also, dass die ZB den Stimulus geben kann um den Realzins zu drücken. Verschuldungspläne sind eine Funktion von Realzinsen und vielem anderen. Wenn Du schreibst, dass “wenn alle ihre Schulden zurückzahlen wollen / müssen, werden sie keine neuen Schulden mehr aufnehmen”, dann meinst Du damit doch schlicht: der markträumende Realzins ist sehr niedrig, possibly negative. Das ist auch genau, was Henry meint mit “vergangene Verschuldung wirkt deflationär”.
Nun hat es in der Geschichte der Menschehit noch keine Zentralbank gegeben, die inflationieren wollte und es nicht geschafft hat. Natürlich, es gibt Leute die so auf Zinsen als DEN transmission channel der Geldpolitik fixiert sind, dass sie den Zero Lower Bound für wichtig halten, damit wärst Du auch in guter Gesellschaft. Mich hat das Argument nie überzeugt, und abseits des ZLB kann die ZB jeden Realzinse treffen, den sie möchte.
Tobins q finde ich empirisch schwierig, denn steigende Aktienkurse haben ja auch oft etwas wie Du sagst mit Zukunftsaussichten zu tun. Was hat jetzt also die Unternehmensinvestitionen angetrieben, die Erwartungen oder die Aktienkurse? Das gleiche gilt für Deine These, dass es die Fiskalpolitik war, was unmöglich zu beweisen ist.
@ Kantoos
“Hast Du mal auf interfluidity über die Scheck-Geldpolitik gelesen? Der Ansatz ist: jeder US Bürger bekommt pro Woche/Monat einen Scheck von der ZB geschickt. ZB hat mit den Banken nicht mehr viel am Hut, sondern macht ihre Geldpolitik direkt mit den Menschen.”
Es gibt das Argument der Chartisten, man müsse das Geld der Zentralbank einfach den Leuten direkt geben. Bin ich auch skeptisch gegenüber. Aber die Idee von “Schwundgeld” finde ich reizvoll: Negative Zinsen und/oder Verfall des Geldes, wenn man es nicht ausgibt. Dann vermindert das den Anreiz zum Horten von Geld, die Leute müssen es ausgeben und Beschäftung und Wachstum kommen voran.
“Von praktischen Gründen mal abgesehen: was passiert dann? Ich glaube, ein Großteil wandert auch so in die Banken, und die machen dann wieder was sie wollen. Ich weiß nicht, ob das viel ändert, aber sicher bin ich nicht.”
Klar landet das Geld dann bei den Banken. Aber es geht doch so: Leute bekommen Geld, das sie für reale Dinge ausgeben – das Einkommen steigt, die Menschen können ihre Schulden problemloser tilgen etc. Frage ist natürlich: Wer bekommt das Geld – die mit der höchsten MPC natürlich! All das geht sehr viel weniger, wenn es die Banken oder andere bekommen, die damit keine realen BIP-Sachen kaufen.
@ hkaspar
Zu „Ketzerischer Gedanke“:
Die EZB kann davon ausgehen, dass Spanien und Italien nicht nur solvent sind, sondern es IMMER bleiben – wenn sie UNBEGRENZT deren Staatsanleihen kauft, was natürlich voraussetzt, dass es keine wie auch immer gearteten Einsprüche dazu gibt.
Sie kann sogar mit „billig“ gekauften Anleihen einen gewaltigen Gewinn erzielen, wenn diese Länder wieder auf die Füße kommen und sich daraufhin an den Märkten günstiger refinanzieren können.
Die Krux ist letztendlich eben, wie das Geld verwendet wird, das den Ländern derart zur Verfügung gestellt wird. Das hängt am Ende von der Bevölkerung ab.
Wir werden es sehen. Griechenland führen Sie vermutlich aus gutem Grund nicht mit in Ihrer Kaufempfehlung auf.
@Kantoos
“Nun hat es in der Geschichte der Menschehit noch keine Zentralbank gegeben, die inflationieren wollte und es nicht geschafft hat.”
Echt? Was ist mit Japan? Was ist jetzt mit den USA? Ich würde sagen: Wenn die ZB direkt die neuen Staatsausgaben finanziert, dann ist das richtig. Das ist aber historisch eher der Ausnahmezustand (frühe 20er in Europa, dann Lateinamerika in den 80er Jahren und Zimbabwe heute). Die Frage ist, wollen wir das?
@ fali
Also die BoJ hat wenig von dem versucht, was Ökonomen ihr geraten haben. Nur temporäres QE, was schon in der Theorie nicht funktionieren sollte. Die USA haben einige hawks im FOMC sitzen, die sich gegen mehr easing sträuben. Ben Bernanke sagt immer wieder, dass die Fed ein volles Waffenarsenal hat: Kommunkation, targets, mehr QE, operation twist, andere asset Käufe, etc.
@HK
“Mir scheint dass Assetkaeufe von Banken notwendig die Gueternachfrage befoerdern, und damit Teil der Loesung ist. Die einzige Ausnahme ist wenn die Verkaeufer der Assets den Erloes sofort wieder mit dem Bankensystem deponieren (und das Bankensystem mit der Zentralbank). In letzterem Fall ist genau – nichts passiert. (…) wobei das Kaufen von Fixed-Income Assets das gkeiche ist wie Kreditvergabe”
Wieso das? Wenn ich eine schon bestehende Anleihe kaufe (keine Neuemission) ist kein Kredit vergeben, sondern der Bestand an Assets ist anders verteilt. Was dann der Verkäufer mit dem Geld macht, ist nicht klar – ein anderes Asset kaufen, also Portfolioumschichtung betreiben oder es tatsächlich in reale Güter und Dienstleistungen stecken? Das ist in keiner Weise gesagt, was jemand dann macht. Mit Assets handeln (Aktien, Häuser, Anleihen, whatever) ist doch etwas ganz, ganz anderes, als neue Kredite zu vergeben. Dass die relativen Preise von assets und damit die Zinsen verändert werden, KANN zu weniger oder mehr Kreditneuvergabe führen.
Die momentane Situaiton zeigt meiner Ansicht nacht, dass die Nachfrage nach Kredit zu gering ist – der Zins also endogen auf die Nachfrage reagiert und nicht exogen dieselbe treibt (geht natürlich um langfristige Zinsen in Nicht-Eurokrisenländern).
@ fali
OK, fair enough. Wenn Banken nur bereits existierende Assets im Sekundaermarkt kaufen, und die Verkaeufer dieser Assets damit ebenfalls nur bestehende Assets kaufen (oder den Erloes mit dem Bankensystem deponieren), dann kann QE Assetpreisinflation erzeugen ohne jede Reflationierung der Volkswirtschaft. Allerdings
- sind das sehr viele “wenns” – niemand kauft mit der Erloes Gueter oder neue Assets
- ist das eher inkonsistent mit der Nullzinsgrenze und damit mit dem Rational fuer QE — denn an der Nullzinsgrenze ist die rentabelste Anlage Geld zu horten
- haette diese Sorte Assetpreisinflation keine realwirtschaftliche Ruckwirkung – niemand ver- oder entschuldet sich, niemand veraendert seine Absorption, alles was staffindet ist ein zirkulaerer Assettausch.
@ HK
Sie haben es ja selbst richtig geschrieben: Die Verkäufer von Assets (vor allem Banken!) horten (Einlagen bei der Zentralbank) – aber sie kaufen auch andere Assets und stabilisieren damit deren Preise – was ja auch gewollt ist. Ich weiß im Moment einfach nicht, wie andere Assetpreise sich verhalten und ob das Blasenbildung gibt oder nicht. Es gibt die Gefahr, das sehe ich schon. Neulich hatte der IWF Ähnliches auch schon mal geschrieben. Generelles Problem: Wir können nicht kontrollieren, was die Banken mit dem Geld machen.
Meine Bottom line ist nur: Den Banken das Geld einfach nachschmeißen, ob per QE oder per Zentralbankkredit, ist eine Strategie, die nur eingeschränkt funktioniert, weil die Verschuldungspläne anderer Sektoren in der Vowi zu gering sind, i.e. die Leute Schulden zurückzahlen müssten.
Ich würde für die USA sagen: Mehr fiskalische Expansion; für die Eu würde ich sagen: Die ZB müsste vermittelt über den EFSF Kredite an die Peripherieländer geben – unter Auflagen. Gerne kann die ZB das machen, indem sie gleichzeitig kurzfristige Anleihen wieder verkauft, also die Zentralbankgeldmenge unverändert lässt. Hier ginge es nur darum, die Nachfrage nach einem bestimmten Asset zu vergrößern, nicht einfach überall mehr Geld auszugeben.
Stützt man die Sektoren, die wirklich in Schwierigkeiten sind, erhöht man auch wieder ihre Verschuldungsfähigkeit, damit die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen – und nach Kredit – was die Banken dann stützt. Geld in die Banken pumpen wird für sich allein genommen die Wirtschaft nicht wieder in Schwung kommen lassen – auch wenn ich gar nicht sagen würde, man sollte absolut darauf verzichten.
GB ist ein schönes Beispiel – QE kann die fiskalische Restriktion nicht konterkarieren. Was passiert ist, dass die Banken dort Spielgeld zum Spekulieren bekommen, während die Leute arbeistlos werden. Meiner Meinung nach ist das weder politisch noch ökonomisch sinnvoll.
@ HK
“Banken machen – wie Sie anderswo richtig schreiben – Gewinn wenn die Zinsen hoch sind und die Zinskurve steil, dann verdienen sie mit Fristentransmormation Geld. QE verflacht die Zinskurve aber und drueckt damit die Bankgewinne. Sie haelt Banken liquide, macht sie aber nicht profitabel.”
Das ist für Geschäftsbanken absolut richtig. Bloß: QE bringt natürlich auch Kursgewinne für Banken, die die Anleihen in ihren Büchern halten, vor allem Investmentbanken. Und QE macht den Markt liquide, was den Handel erhöht und damit die Gebühren der Investmentbanken. Von daher ist QE für das klassische Banking tatsächlich nicht besonders interessant, für Investmentbanken aber sehr wohl.
Soooo und nun zu den Lösungen – Saldenmechanik und Verständnis der Geldschöpfung taugt nicht nur zur Analyse und um Herrn Braunberger “auf 180 Blutdruck” zu bringen. :-)
Die nationale Notenbank wird zur „Monetative“
Ich komme jetzt zu meinem Vorschlag, die nationale Notenbank in eine monetative Staatsgewalt (im weiteren „Monetative“) mit neuen monetären Steuerelementen umzuwandeln. Für die Monetative bestehen dabei folgende Aufgaben:
1. Wirtschaftliches Gleichgewicht und Geldwertstabilität bei Nullsparzins
2. Verhinderung der Vergesellschaftung von Bank- und Versicherungsverlusten
3. Herstellung außenwirtschaftlichen Gleichgewichts
Mit der Erfüllung dieser Aufgaben werden folgende Wirkungen erzielt:
- Kaufkraftstabiles Zahlungsmittel und (kurzfristiges) Wertaufbewahrungsmittel
- Rückführung der Staatsverschuldung
- Beendigung des Zwangs zum Wirtschaftswachstum
- Nationale oder gar regionale Geldpolitik auch in Gemeinschaftswährungen
- Eigenkapitalisierung und damit Krisenfestigkeit der Wirtschaft
- Stabilitätserwartungen – Risikoprämien sinken deutlich
- Deutliche Reduktion des Anteils der Kapitalerträge am Volkseinkommen – dadurch höhere soziale Gerechtigkeit
- Weitgehend zinslose Staatsfinanzierung für bestehende Staatsschulden
- Wiederherstellung demokratischer Machtverhältnisse
- Verhinderung inflationärer „Wiederwahl-Konjunkturpolitik“
- Verhinderung internationaler Konflikte aus Exportsalden
- Verhinderung von Krieg als klassischem Mittel der Deflationsbekämpfung
- Verhinderung von Crash und Bürgerkrieg in den Nationen
http://www.global-change-2009.com/blog/ein-grundlegender-losungsansatz-fur-die-systemkrise-%E2%80%93-notenbanken-werden-zur-%E2%80%9Emonetative%E2%80%9C/2012/01/
Sehr unschöner und unnötiger Verlauf der Diskussion hier.
@hkaspar
Wie dem auch sei noch eine Anmerkung von mir zum Thema:
Richtig ist: neu geschöpftes Geschäftsbankengeld wirkt inflationär, weil es mit der Ausweitung von Kredit einhergeht, und damit mit stärkerer Nachfrage nach Gütern oder Assets. Aber in der Vergangenheit geschöpftes Geld kann inflationär oder deflationär wirken, je nachdem wie sich die Kredite entwickelt haben welche im Zuge der Geldschöpfung vergeben wurden,
Das ist m.E. falsch. beides kann sowohl inflationär als auch deflationär wirken. Das neu geschöpftes Geld per se inflationär wirkt verbietet die Logik. Es kommt wie bereits davor darauf an wofür dieses Geld verwendet wird. Ich hatte das bereits hier (und bereits davor mit Bernau im FAZIT-Blog angesprochen) :
http://logicorum.wordpress.com/2011/12/25/geldschwemme-inflation-und-monetarismus-zu-fazit-blog-bernau-braunberger-und-kantoos/
Man muss sich dafür zwei Kreisläufe bzw. zwei Sätze der Quantitätsgleichung vorstellen. Einen realwirtschaftichen und einen in der Finanzwirtschaft befindlich. Auch neu geschöpftes Geld wird dort angelegt wo es sich vermehrt lohnt – und das muss nicht zwingend oder vollständig in der Realwirtschaft ankommen. Es kann sogar wie bereits davor weitere Fehlanreize bilden und dafür sorgen das eben zusätzliche Spargelder in die Finanzwirtschaft (via Steigerung der Bewertungsgewinne) fließen.
Das Schema Kaspars ist nämlich nicht ganz vollständig. Das Anziehen der z.B. Immobilienpreise führt zu konkurrierenden Renditen zwischen Realwirtschaft und “Anlagewirtschaft” (nenne ich Mal Finanzwirtschaft und meine Bewertungsgewinne). Das ist ein kumulativer Staubsauger-Effekt. Der kann jedoch wie bei einem verstopfen auch umgekehrt als Gebläse funktionieren. Dann ist es m.E. gleichgültig ob es sich um aktuelles oder ehemalig geschöpftes Geld handelt, da die Geldmenge von einem Quantitätskreislauf (nämlich der Finanzwirtschaft) in den anderen wechselt (den der Realwirtschaft).
Frisches Geld kann innerhalb dieser Überlegung – wenn es “Erfolg” hat – zu diesem Effekt und damit zu mehr Inflation führen als es dieses frische Geld eigentlich rechnerisch hergeben würde (und dann hat man Hyperinflation). Es kann auch zu einer noch größeren Blase führen (wenn nämlich zwar realwirtschaftlich eingesetzt, dort aber als Fehlallokation).
Grüße
ALOA
>> >Sollte die ZB keine Inflationserwartungen wecken könne, bin ich für Helicopter-Drops. < <> Aber wie konkret – jeder bekommt was überwiesen? Grundeinkommenszuschlag – Steuergutschrift auch als negative Steuer? < mehr Wachstum
- Politisch ließe sich das aus Sicht eines deutschen Politikers sicher sehr viel besser verkaufen als ein Ende des Euros oder Milliarden für die Banken nach dem Motto „Ja, wir bekommen so vielleicht etwas mehr Inflation, aber wir sichern damit die Rente und das Geld kommt so direkt der Allgemeinheit zugute und nicht (nur) den Bankstern …“
- Die EZP muss nicht Politiker spielen und Geld von einem MGS zu einem anderen umleiten. Statt dessen tut sie, was ihr ureigenster Job ist: die Geldmenge der Situation anpassen.
- Das ganze bei verkraftbaren Auswirkungen auf die Inflation(serwartungen).
So, und jetzt erklärt mir sicher gleich jemand, warum ich total daneben liege … ;-)
Ups. Gibt es hie eine Wort-Obergenze? Mein Post war 4x so lang; jetzt sind nur noch Reste lesbar …
Ich glaube, wenn Du Zeichen wie “groesser als” und “kleiner als” benutzt, interpretiert er es als HTML. Aber sicher bin ich nicht.
Noch ein Versuch ohne Sonderzeichen am Anfang:
“Sollte die ZB keine Inflationserwartungen wecken könne, bin ich für Helicopter-Drops.”
“Aber wie konkret – jeder bekommt was überwiesen? Grundeinkommenszuschlag – Steuergutschrift auch als negative Steuer?”
Ich hatte auf diesem Blog vor längerer Zeit mal (auf englisch) einen Vorschlag gemacht, aber kein Rückmeldung bekommen – aber da ich nur 2 Semsetr VWL hatte, lags vielleicht an der Qualität des Beitrags? Ich versuchs trotzdem noch mal, etwas ausführlicher:
Schritt 0 (wird später erläutert)
Schritt 1: EZB schafft einen Betrag X an Zentralbankgeld. Ich würde schätzen, 2 Billionen EUR ( 2 trillion) wären nötig, aber ich will mich da nicht festlegen.
Schritt 2: Verwendung des Betrages
a) 70% des Betrages wird – nach Einwohnerzahl – auf Konten verteilt, die treuhänderisch von der EZB für die einzelnen Euro-Mitgliedsstaaten (MGS) geführt werden, die den Stabilitätspakt ratifizieren (und damit die zukünftige Schuldenaufnahme begrenzen). Mit dem Geld auf diesen Konten können die MGS NUR Staatsanleihen bezahlen, die in den nächsten 10 Jahren fällig werden.
Dabei ist – zwecks Reduzierung des inflationären Impulses – die Fälligkeit der Forderung gegen die Zentralbank zeitlich in Jahrestranchen zu staffeln, je nachdem wie schlecht die finanzielle Lage der MGS ist. Anders gesagt: Griechenland, Irland und Portugal können sofort auf das Geld zugreifen, Spanien, Italien und Belgien in den Jahren 3-6, später Frankreich und Deutschland erst gegen Ende der 10 Jahre.
Dabei macht die EZB deutlich, dass es sich um eine einmalige Maßnahme handelt, bedingt durch die schwere weltweite Wirtschaftskrise. Sie könnte erklären, für die Dauer der Maßnahme eine Kerninflation bis zu 3% in Kauf zu nehmen, danach aber wieder zu strengeren Maßstäben (2,5%?) zurückzukehren.
b) 15% (ca. 300 Mrd) kommen direkt dem ESF zugute – vorrangig und zusätzlich zu den 500 Mrd Garantien der MGS.
c) 10% in einen gesonderten Fonds (oder einen Europäischen Investitionsfonds?), um gesamteuropäische Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren.
d) 5% zugunsten der Länder mit an den Euro gekoppelten Währungen, um Nachteile auszugleichen, die diese durch die Maßnahmen erleiden.
Schritt 3: Die MGS, die nach dieser Maßnahme wieder finanzpolitischen Spielraum haben, wie etwa Deutschland, können diese Spielräume neben zusätzlichen Infrastrukturinvestitionen (etwa Güterstrecken der Bahn Richtung Schweiz/Italien) dazu nutzen, Inflationsfolgen auszugleichen, etwa durch Absenkung/Abschaffung der Steuer auf Lebensversicherungen und Erhöhung der Grundrente. Auch eine steuerliche Absetzbarkeit on 50% der Hotelkosten von neu gebuchten (Stichtag?) Ferienaufenthalten in den GIPS Ländern wäre ein mögliches hilfreiches, wahlkampfträchtiges Steuergeschenk …
Schritt 0: Vor Verkündung des Plans: Aufkauf von portugiesischen und griechischen Staatsanleihen durch die EZB auf verdeckten Wegen nach dem griechischen Schuldenschnitt. Kapitaleinsatz: maximal bis zu dem in Schritt 1a auf Portugal und Griechenland entfallenden Betrag. Mit etwas Glück kann so dessen Wirksamkeit verdoppelt werden. Zwar würde dies normalerweise dem EUV widersprechen, der an sich den Ankauf durch die EZB nicht zulässt. Diese Vorschrift soll aber verhindern, dass ein MGS auf Kosten anderer Schulden machen kann. Soweit der Ankauf aber durch Schritt 1 gedeckt ist, entfällt dieses Problem. Danach ist der „politische“ ESF am Zug.
Resultat:
- Eine erhebliche Reduzierung der Belastung der Haushalte der MGS auf Kosten der EZB, die aber nicht Pleite gehen kann.
- Damit einhergehend eine erhebliche Reduzierung der Liquiditätsprobleme insb für Italien und Spanien (und das sind nun mal die echten Sorgenkinder – Portugal und Griechenland verkraften der ESF / die Banken notfalls auch so) . Diese müssten sich indessen weiterhin Geld auf den Märkten (oder der ESF) besorgen, so dass ein erheblicher Anreiz zur Reform erhalten bliebe.
- Im Norden mehr Geld für Investitionen und Konsum => mehr Wachstum
- Politisch ließe sich das aus Sicht eines deutschen Politikers sicher sehr viel besser verkaufen als ein Ende des Euros oder Milliarden für die Banken nach dem Motto „Ja, wir bekommen so vielleicht etwas mehr Inflation, aber wir sichern damit die Rente und das Geld kommt so direkt der Allgemeinheit zugute und nicht (nur) den Bankstern …“
- Die EZP muss nicht Politiker spielen und Geld von einem MGS zu einem anderen umleiten. Statt dessen tut sie, was ihr ureigenster Job ist: die Geldmenge der Situation anpassen.
- Das ganze bei verkraftbaren Auswirkungen auf die Inflation(serwartungen).
So, und jetzt erklärt mir sicher gleich jemand, warum ich total daneben liege … ;-)
@ posit
Ist das nicht der Modest Proposal von Varoufakis? Falls Du den noch nicht kennst, google mal.
PS: Dein Schritt 0 gefaellt mir ob seiner diabolischen Qualitaeten…
Gefunden. http://www.levyinstitute.org/publications/?docid=1380
Das klingt tatsächlich sehr ähnlich, wenn auch die Details (bei mir: keine Euro-bonds sondern schlciht Schaffung + Schenkung von Zentralbankgeld; 2b-d – Investitionsförderung!; Staffelung mit Jahrestranchen; bei V stärkerer Bezug auf den Bankensektor) variiieren.
Die Idee zu einem helicopter drop habe ich recht allgemein auf amerikanischen Blogs aufgeschnappt und dann für Europa angepasst … Aber wenn die Experten auch schon in die Richtung denken, kann ich mich ja entspannt zurücklehnen …
war beitrag im Herdentrieb, gehört n.m.E. aber auch in diesen Thread
@HK
Huch, jetzt ist es mir mit Bezug auf ihren alten Beitrag auch “passiert”, woran n.m.E. die ganze ökonomische Debatte auch zu den „Geldmengen“ leidet, die Vermischung von (Netto)Investitionen und (Netto) Ersparnis mit Geldvermögensvorgängen.
Es geht eben gerade nicht um die Nettoinvestitionen von Unternehmen und Haushalten,
also, Bruttoinvestition abzgl. einer „kalkulatorischn/steuerrechtlich fixierten“ Abschreibung
sondern um (die Pläne) zum Geldvermögensabbau, also der Verschuldung
und die folgt bei Liquiditätskonstanz des Wirtschafters der Formel:
Nettoverschuldung = Neuverschuldung ABZGL. Kredittilgungen
Und auf den Plänen für Geldvermögensänderungen baut aber nach meiner Einschätzung der Zusammenhang von Geldsystem und Wirtschaft als kleinste Zelle für wirtschaftliches Gleichgewicht der Geldvermögensänderungen, und damit tendenzieller ökonomischer und Geldwertstabilität Stabilität, auf:
Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.
Daraus ergibt sich nun wieder folgende Ableitung für wirtschaftliches Gleichgewicht:
Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne
Bedeutet, die Geldmengen können deflationär steigen, weil die Netto-Geldsparpläne größer Null und größer Verschuldungspläne (Zwangsverschuldung)
und die Geldmengen können inflationär sinken, weil die
Netto-Geldsparpläne kleiner Null und kleiner Verschuldungspläne (Zwangsgeldsparen)
Vergesst die naive Geldmengentheorie – Sie darf in die Geschichtsbücher der ökonomischen Dogmengeschichte, aber bitte nicht mehr in die aktuelle ökonomische Diskussion.
@HK und/oder @kantoos
bitte seid doch so nett, und schreibt einen gern gar nicht netten Beitrag zu meinem grundlegenden Lösungsansatz:
http://www.global-change-2009.com/blog/ein-grundlegender-losungsansatz-fur-die-systemkrise-%E2%80%93-notenbanken-werden-zur-%E2%80%9Emonetative%E2%80%9C/2012/01/
Ich bin nicht so eine Mimose wie Braunberger, ja teile gern mal pauschal gegen “die Zunft” aus, also muss ich auch einstecken. Also, bitte gern kritisch aber nicht ignorieren, dafür besteht aktuell zu viel Bedarf an solch lösungsorientiertem Denken.
danke vorab, Jörg Buschbeck
@ buschbeck
Bitte lass solche Ausdruecke wie “Mimose”, ist nicht noetig.
@HK
ich hatte ja vor allem Russisch in der Schule und mag in ihrem neuen englisch
sprachigen Beitrag zur “Liquiditätsfalle” keine deutschsprachigen Posts einbringen.
Sie fragen dort zu den Krisenmechanismen nach und es geht darum, wie
gehortetes Bargeld z.B. durch negative Realzinsen wieder in Umlauf kommt.
Da sind wir natürlich auch noch an einem Punkt von Irrtümern aus
“konservativer Geldsicht”. Wenn die Nachfrage gestört ist, muss Geldding
irgendwo gehortet sein, “Gesellianer aller Länder vereinigt Euch” :-)
Ich bin mir recht sicher, dass des Mechanismus der Rückwirkung
Geld/Wirtschaft ganz anders ist und zwar so:
Wenn ich in einer Periode meine Pläne für Geldvermögensänderungen nicht
umsetzen kann, versuche ich (oder bin sogar gezwungen) dies in der
nächsten Periode zu tun.
Wenn ich als z.B. als Staat eine “grundgesetzlich Schuldenbremse” habe
und in einer Periode eine Staatsverschuldung über dieser Schuldenbremse
hinnehmen muss, werde ich in der nächsten Periode durch Ausgabekürzungen
dies auszugleichen versuchen. Und diese Ausgabekürzung senkt das BIP!
so komme ich für den wichtigsten Zusammenhang des wirtschaftlichen
Gleichgewichts und damit tendenzieller Stabilität des Geldwerts zu
folgender Definition:
Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die
Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen,
übereinstimmen.
Daraus ergibt sich nun wieder folgende Ableitung für wirtschaftliches
Gleichgewicht:
Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne
dazu mal noch Stützels Konjunkturtheorie, auf die er die ganzen
teilweise hochkomplexen unzulässigen Problemverschlingungen in “Paradoxa
der Geld- und konkurrenzwirtschaft” der Dogmengeschichte eingedampft hat.
1) In der Gesamtwirtschaft sind Gesamteinnahmen = Gesamtausgaben
2) Wo Käufermärkte existieren, entscheiden die Ausgabepläne über die
Gesamthöhe der Einnahmen, entscheiden die Pläne für Konsum- und
Netto-Investitionsausgaben über die Höhe des monetären Volkseinkommens.
3) Stationarität des Kreislaufs herrscht dann, wenn jeder etwaige
Rückgang der Ausgaben für Konsum (gegenüber früher) durch eine
Vermehrung der Ausgaben für Investition (gegenüber früher) kompensiert
oder auch umgekehrt jeder Rückgang der Ausgaben für Investition durch
eine Vermehrung der Ausgaben für Konsum kompensiert wird.
4) Entspricht der Zunahme der Investitionsausgaben gegenüber früher kein
gleichgroßer Rückgang der Konsumausgaben, dann wächst die
Kaufstromstärke(Beschäftigungszunahme bzw.Inflation), entspricht dem
Rückgang der Investitionsausgaben gegenüber früher keine gleichgroße
Vermehrung der Konsumausgaben(gegenüber früher), dann schrumpft die
Kaufstromstärke (Beschäftigungsrückgang bzw. Deflation).
5) Bleiben die Investitionsausgaben konstant und verhalten sich die
Konsumenten so, dass sie nach Überschreiten eines bestimmten Einkommens
ihre Konsumkäufe gegenüber früher einschränken, nach Unterschreiten
dieses bestimmten Einkommens aber Konsumkäufe gegenüber ausdehnen, dann
wird im Laufe der Zeit dieses „bestimmte Einkommen“ erreicht und auch
dann beibehalten werden, wenn bei dieser Gesamtstromstärke das
Produktionspotential nicht voll ausgenützt wird.
wobei es eben keine festen Multiplikator zwischen Planabweichung und
Reaktion darauf gibt, Stützel schreibt nur in der Saldenmechanik was
unter extrem harten Grundannahmen:
“nehmen wir mal an, kein Betrieb und kein Haushalt wöllte einen
Ausgabenüberschuss vornehmen, keiner wollte auch nur eine DM mehr
ausgeben als er einnimmt, und der Fiskus bestünde trotzdem auf seinen
Überschüssen, dann hätten wir einen extremen Grenzfall: Die Wirtschaft
stünde augenblicklich still.”
Erläuterung Stützel:
In diesem Fall wäre der Keynes Multiplikator negativ und unendlich groß,
denn die Summe der Pläne, Geldvermögen zu vermehren(Sparpläne)überstiege
bei jedem Einkommensniveau die gleichzeitigen Pläne, Geldvermögen zu
vermindern.
Sein Artikel ist excellent. Ich bin damit einverstanden. Ich bin Spanier und kann sagen, dass hier alles immer schlimmer geht. Unsere Politiker sagen: “Mit Reformen (=soziale Kürzungen) werden wir die Krise beenden!!”
Aber es ist falsch. Wir brauchen eine bessere Geldpolitik! Wir sind auf eine innere Deflation!
Hier erläutere ich, wie die deutsche Theorie falsch ist. http://cienciassocialesalrescate.blogspot.com/2011/12/la-teoria-alemana-auch-auf-deutsch.html
Sie schreiben:
“Ein schlechtes Argument ist dass Quantitative Easing (QE) der Fed oder Staatsanleihenkäufe der EZB per se „lose Geldpolitik“ seien und damit inflationär. Richtig ist, dass QE/Anleihekäufe die Zentralbankgeldmenge aufblähen – aber für Inflation ist das irrelevant. Wenn die Zentralbank Geld schöpft, aber das Geld sofort zur Zentralbank zurückehrt in Form von Zentralbankeinlagen der Geschäftsbanken, ist nichts von dem Geld in der Realwirtschaft angekommen—und kann damit weder Güter- noch Assetpreisinflation auslösen”.
Es stimmt, daß nichts in der Realwirtschaft ankommt und es stimmt auch, daß wir momentan keine Inflation sehen. Allerdings beschränkt eine ausgedehnte Zentralbankbilanz die Möglichkeit der Zentralbank, Inflation zu bekämpfen, wenn denn dann wieder die Konjunktur anzieht. Vgl. dazu zum Beispiel http://www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2012/wp1214.pdf. Denn auch eine restrikitve Geldpolitik arbeitet wie jener Artikel erklärt unter den neuen Bedingungen anders als wir erwarten.
Sollten wir also permanentes QE betreiben, um sowohl das kurzfritige (vermeintliche!?) Chaos und die kurzfristige Depression als auch eine spätere Inflation, wenn die Zentralbank wieder die Zügel anziehen will, zu umgehen? Ich denke nicht! Denn QE ist langfristig sehr schädlich (vgl. a. http://www.creditwritedowns.com/2011/08/permanent-zero-toxic.html), weil es die Rentabilität der Banken senkt und sich nach dem Zins auch bestimmt, was der Mindeststandard an Rentabilität für durchzuführende Projekte ist. Wird der Leitzins dauerhaft von der Zentralbank unter das Marktniveau gedrückt, so senkt das die allgemeine Rentabilität der Volkswirtschaft! Wer nicht für Jahrzehnte an der “japanischen Krankheit” leiden will, sollte zu starke Eingriffe in den Markt zugunsten niedriger Zinsen tunlichst unterlassen.
Übrigens bedeutet das Zuschießen von Geld ins System immer, daß _irgendwer_ über das zusätzliche Geld verfügt. Wenn das Geld sich nicht in der Güterpreisinflation zeigt und auch nicht in einer Einkommensinflation, dann inflationiert es irgendwelche Preise außerhalb des für die Inflationsmessung relevanten Güterkorbes und/oder Einkommen von Menschen außerhalb der inländischen abhängig Beschäftigten und /oder es inflationiert Bilanzen von Banken und Zentralbanken, was aus Sicht des Steuerzahlers jedenfalls bedeutet, daß seine relative ökonomische Macht unterminiert wird. Als jemand, der eine egalitäre Demokratie befürwortet finde ich eine Geldmengenausweitung ohne sichtbare Inflation daher als noch beängtigender als Geldmengenausweitung, die dann auch die für die breite Masse sichtbaren und ausschlaggebenden Preise und Einkommen halbwegs gleichmäßig inflationiert.
@ Stephan
ich glaube nicht dass sich irgendjemand sich fuer “permanentes” QE ausspricht, sondern lediglich solange wie die Volkswirtschaft an der Nullzinsgrenze festhaengt. Ich persoenlich bin uebrigens skeptisch was die Moeglichkeiten von QE angeht – Erfolg haben kann sie nur wenn sie Inflationserwartungen und damit niedrigere Realzinsen generiert, aber Inflationserwartungen sind inmitten der Depression schwer glaubhaft zu erzeugen.
Zu einigen Ihrer anderen Punkte:
Allerdings beschränkt eine ausgedehnte Zentralbankbilanz die Möglichkeit der Zentralbank, Inflation zu bekämpfen, wenn denn dann wieder die Konjunktur anzieht.
Ich habe den Artikel nur ueberfogen, aber mir scheint dass der Autor dieses Ergebnis ledigich fuer den Sonderfall ableitet dass die Regierung Zentralbankverluste nicht automatisch ausgleicht. Die meisten Regierungen gleichen moegliche Verluste ihrer Zentralbanken aber automatisch aus (dies ist eine Voraussetzung fuer Zentralbankunabhaengigkit), so z.B. in den USA, und bei der EZB geht die Entwicklung in diese Richtung.
Rein technisch scheint mir das Inflationverhindern nicht schwer: die Zentralbank muss bei Wiederanziehen der Konjunktur lediglich hinreichend hohe Zinsen zahlen, damit das Geld bei ihr als Einlagen geparkt bleibt. Die Krux ist das dies teuer werden kann.
Wird der Leitzins dauerhaft von der Zentralbank unter das Marktniveau gedrückt, so senkt das die allgemeine Rentabilität der Volkswirtschaft!
Wieso “unter das Marktniveau”? In der Depression ist der Gleichgewichts-Nominalzins negativ, der Zentralbankzins aber null, und deswegen zu hoch. Darauf beruht das ganze Konzept von QE: der marktraeumende Zentralbankzins wird wegen der Nullzinsgrenze systematisch ueberschritten, d.h. die Geldpolitik ist systemaisch zu restriktiv, und muss deshalb auf alternative Instrumente ausweichen.
Übrigens bedeutet das Zuschießen von Geld ins System immer, daß _irgendwer_ über das zusätzliche Geld verfügt. Wenn das Geld sich nicht in der Güterpreisinflation zeigt und auch nicht in einer Einkommensinflation, dann inflationiert es irgendwelche Preise außerhalb des für die Inflationsmessung relevanten Güterkorbes…
Waren wir uns nicht oben einig dass das Geld nicht in der Realwirtschaft ankommt, sondern in Form von Einlagen bei der Zentralbank in der Finanzwirtschaft haengenbleibt? Wenn das Geld nicht in der Realwirtschaft ankommt kann es auch keine Inflation erzeugen, weder fuer Gueter noch fuer Assets.
Gruss,
HK
@hkaspar
Der “Sonderfall” ist der Normalfall in Europa, oder glauben Sie, daß es in Nordeuropa populärer wäre, die Kosten der Verhinderung einer Inflation nach Geldmengenausweitung für den Süden zu bezahlen, als die ansonsten folgende Inflation?? Man wischt doch Sand in die Augen der Leute wenn man vorgibt, QE gebe keine Inflation, aber verschweigt, daß die Inflationsvermeidung nach Ende der Depression “teuer” werden kann – so teuer, daß eine unabhängige Zentralbank ohne Backup durch den Steuerzahler Inflation wahrscheinlich nicht wird verhindern können.
Sie: “Wieso „unter das Marktniveau“? In der Depression ist der Gleichgewichts-Nominalzins negativ, der Zentralbankzins aber null, und deswegen zu hoch”
- Stimmt, ich bezog mich auf die Situation, daß die Depression vorbei ist und die Zentralbank wegen der Klemme, in der sie wegen der ausgeweiteten Bilanz sitzt, die Zinsen nicht so stark anhebt (heben kann), wie es der Aufschwung erforderlich machen würde.
“Waren wir uns nicht oben einig dass das Geld nicht in der Realwirtschaft ankommt, sondern in Form von Einlagen bei der Zentralbank in der Finanzwirtschaft haengenbleibt?”
Genau – wir waren uns oben einig, daß das Geld nicht dort ankommt, wo Inflation gemessen wird. Wenn es jetzt wie Sie schreiben bei den Banken hängenbleibt, dann bedeutet dies letztlich eine Verwässerung der Ansprüche der restlichen Privatwirtschaft auf den erzielten Wohlstand zugunsten der Banken bzw. deren Shareholdern. Das ist bedenklich nicht nur wegen des einhergehenden Moral Hazzard (die Banken waren es ja, die das Geld im Süden investierten) sondern auch, weil es die Macht der bereits jetzt zu systemrelevanten Banken verstärkt, statt sie zu brechen. Ich gebe aber zu, daß ich mich zuvor sehr mißverständlich ausdrückte und hoffe, jetzt klarer zu sein. Es ist als ob bei einer Aktiengesellschaft ein Shareholder von den Behörden zugestandenbekommt, daß es eine das Kapital der bestehenden Aktionäre verdünnende Kapitalerhöhung gibt und dabei alle neuen Aktien kostenlos eben diesem einem Shareholder gegeben werden. Dies ist umso fragwürdiger als Sie über die Gledmengenausweitung in einer nicht 100% treffenden Metapher gesprochen eben jenem Shareholder diese Bevorzugung zugestehen, der das Schicksal der Aktiengesellschaft derart gefährdete. Natürlich – Shareholder können nicht so direkt das Schicksal einer AG bestimmen wie Banken das einer Gesellschaft und hier ist die Metapher denn auch scheps.
@ Stephan
Genau – wir waren uns oben einig, daß das Geld nicht dort ankommt, wo Inflation gemessen wird. Wenn es jetzt wie Sie schreiben bei den Banken hängenbleibt, dann bedeutet dies letztlich eine Verwässerung der Ansprüche der restlichen Privatwirtschaft auf den erzielten Wohlstand zugunsten der Banken bzw. deren Shareholdern.
Sorry aber auch das verstehe ich nicht so recht. Banken machen – wie Sie anderswo richtig schreiben – Gewinn wenn die Zinsen hoch sind und die Zinskurve steil, dann verdienen sie mit Fristentransmormation Geld. QE verflacht die Zinskurve aber und drueckt damit die Bankgewinne. Sie haelt Banken liquide, macht sie aber nicht profitabel.
Gruss,
HK
Das Drucken von Geld senkt natürlich die Profitabilität der Banken. Allerdings im gleichen Maße die der gesamten Gesellschaft. Relativ zu anderen Teilhabern der Gesellschaft werden Banken, die die ausgeweitete Geldmenge in ihren Bilanzen behalten, übervorteilt, weil ja ihre gesunkene Profitabilität durch den künstlich geboosteten Kapitalstock ausgeglichen wird. Diese künstliche Ausweitung des Kapitalstockes findet nämlich für andere nicht statt!
Eine Ausweitung der Geldmenge in Zeiten eines illiquiden Bankensystems, dessen “Transmissionsmechanismen” gestört sind, ist daher ungerecht und ungleichheitsfördernd – die Volksemotionen in Gesellschaften mit traditionell eher niedriger Ungleichheit streuben sich zurecht dagegen. Im EZB-System kommt verschärfend hinzu, daß die nordeuropäischen Banken relativ zu südeuropäischen Banken noch vergleichsweise gut dastehen und deswegen vergleichsweise wenig Zentralbankgeld horten werden. Deswegen findet, verschleiert durch das Banksystem, durch die Geldmengenausweitung zusätzlich zur Umverteilung von Nicht-Banken zu Banken auch eine Umverteilung von Nord-nach Südeuropa statt.
Es tut mir leid, Stephan, aber ich kann nicht folgen. Wieso wird der Kaptialstock der Banken durch QE kuenstlich geboosted?
Fuer die Volkswirtschaft insgesamt scheint mir zu gleten das Schuldner von niedrigen Zisnen profitieren, Glauebiger draufzahlen.
Gruss,
HK