Für heute nur ein kurzer Link: Rüdiger Bachmann schreibt auf Ökonomenstimme eine Antwort für frustrierte VWL-Studenten. Falls Ihr es nocht nicht gelesen habt.
Ich teile vieles von dem was er sagt. Außer, dass ich meine, parallel zum Rüstzeug könnten sich die Studenten gut und gerne mit Wirtschaftsgeschichte und der Geschichte des Fachs beschäftigen, da lernt man eine ganze Menge. Aber vielleicht sieht Rüdiger das genauso.


Ist dieser Eintrag wirklich komplett ohne einen Verweis auf den Beitrag von Reiner Eichenberger vorher a.a.O.?
@ Rayson
Auf den hatte ich schonmal verwiesen, als er in der FAZ erschienen war.
Im Spiegel stand: “Lernt erst mal unsere Sprache”
Darauf würde ich kontern:
“Lernt IHR erst mal sprechen”, dies weil die ökonomische Sprache von Doppeldeutigkeiten nur so wimmelt und wichtige Grund-Begriffe falsch angewendet werden. Das Wort Geld/Geldmenge ist das beste Beispiel, es steht für die zwei völlig verschiedenen Dinge Geldvermögens(menge) und Zahlungsmittel(menge).Weiterhin würde mir noch spontan einfallen, das Verwechseln von Investition mit Ausgabeüberschüssen, das Verwechseln von Sparen mit Einnahmeüberschüssen. Alles extrem wichtige Dinge mit Sprachverwirrung der Herrn Experten.
Dazu kommen dann noch die anderen Sünden:
wenig Kenntnisse zur Geldschöpfung/Vernichtung – Kredittilgungsproblem
Ignoranz der Buchhaltungssalden insbesondere bei den Finanzierungssalden
unzulässige Problemverschlingung von nicht verbundenen Sachverhalten des Gleichgewichts,Gleichschritts, Gleichbleiben von Kapitalstock und BIP.
Anwendung von Partialsätzen auf Globalzusammenhänge
generelle Ignoranz trivialarithmetischer/allgemeingültiger Globalsatz-Zusammenhänge
aber das Allerschlimmste ist, es wird nicht in der Staatsschuldenkrise über die Identität von globalen Staatsschulden und privaten Geldvermögen aufgeklärt:
http://www.global-change-2009.com/blog/korruptionsverdacht-klagt-nicht-den-wulff-an-sondern-die-volkswirte/2012/01/
Ruediger hat im Oekonomenstimme-Text klar darauf hingewiesen, dass er die Ueberschrift nicht gewaehlt hat, sondern der Spiegel, und dass er sich ueber diese Ueberschrift geaergert hat!
Moin. Zwei Sachen zum Thema: Erstens find ich ganz sympathisch, dass Bachmann sich bei Oekonomenstimme von der Spiegel-online-Überschrift distanziert. Zweitens, ich hab zu dem Thema (wohl leider weniger griffig als Bachmann) auch ‘n Kommentar aufgeschrieben: http://tinyurl.com/7yj9zbn
Wonderful:
“…Journalisten geschrieben wurden, die nie ein VWL-Vollstudium durchlaufen und nur die typische VWL-Übersichtsvorlesung für Nichtökonomen gehört haben, die alte Privatdozenten für einen Hungerlohn am Dienstagabend um 18.00 Uhr halten müssen.”
Agree with your comments. And: in the US (where mainstream economics may be more formal-oriented and much less tolerant of heterodoxy, there have been serious complaints from “elders” in the profession that there should be more economics content and less mathematical jugglery in postgraduate work. It is a bit strange that someone with a physics undergraduate degree has better chances in obtaining a prestigious PhD candidacy than someone with economics. Maybe there is an economics explanation for this: supervisors must produce competitive academic work themselves (publish) and in order to do so they need ever increasing mathematical sophistication (just compare an AER from the mid-seventies with one of 2011). The solution for aging supervisors is to attract brilliant mathematicians whom you teach some qualitative economics and presto. The kid will simply apply his scientific habits to the topic of economics, consider econometrics the real subject and happily run around in a narrow circle until he has produced the work his supervisor needs plus a slim volume on a very narrow topic. Armed with his PhD he goes back to Ruritania and becomes an economics professor with a PhD from Normal, TX (no not the real Normal, the home of the University of Illinois) and an advisor to the gvt. Economics or epidemiology.
So there may be a difference and in Germany (or rather Switzerland in this case??) there may be more intellectual freedom than in the US and the Spiegel story may be inspired by the US sitiuation, where there is some of this type of criticism from within academia and as far as I know, none in media comparable to Der Spiegel (Online).
There is one point of criticism that could be legitimately aimed at the economics profession: the wide gap between “theory” and “technology” in both business and government. Economics is probably the most important discipline underlying business studies yet it has taken a very long time to make formal economics reasoning a routine part of managerial work, which may indicate that managers are intellectually inferior but probably means that economics did not offer relevant tools. Or: that the perceived utility of (academic) economics output outside academia is maybe a lot lower than academics think it should be. Whose fault? The customer or the shop?
@kantoos
Ja sorry, passte nur so schön, :-)
Mir ist auch klar, dass Du mit Dir ringst solche harten und pauschalen Angriffe gegen die VWL-Zunft überhaupt freizuschalten. Ich bin eigentlich ein sehr sachorientierter Mensch der es nicht mag mit pauschalen Schuldzuweisungen um sich zu werfen. Wenn ich zum Mittel der Provokation greife, dann nur weil ich mich um den Weltfrieden sorge. Es kann doch nicht sein, dass die Welt untergeht, nur weil IHR nicht endlich die IDENTITÄT von Staatsschulden und privaten Geldvermögen in die öffentliche Diskussion bringt?
Größenmechanik(Wolfgang Stützel, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, Seite 74oben):
Es besteht keinerlei Korrelation zwischen Sparen im Sinne eines Ausgaberückgangs und Sparen im Sinne eines Einnahmeüberschusses.
Vielmehr führt ein Ausgaberückgang einer Gruppe nur dann zu einem Einnahmeüberschuss, wenn die Komplementärgruppe einen Ausgabeüberschuss vor- oder hinnimmt. Anderseits kommt es bei jeder Gruppe auch ohne Ausgaberückgang stets zu einem Einnahmeüberschuss, wenn die Komplementärgruppe einen solchen Ausgabeüberschuss vornimmt.
Bedeutet, die Staaten können nur entschulden, wenn die Privaten per Saldo Geldvermögen abbauen, die Staaten werden aber auch automatisch ohne depressionsauslösende und kontraproduktive “Sparprogramme” entschuldet, wenn die Privaten dies tun!
Aus der WAHRnehmung dieses trivialarithmetischen Zusammenhangs werden sich in der Diskussion nachhaltige Lösungsansätze ergeben – aber es gibt diese Diskussion nicht, zumindest nicht öffentlich. WARUM?
Ich finde die Intention von buchbeck gut, auf die Idendität von Staatschulden und privatem Geldvermögen hinzuweisen, aber ich frage mich was diese ganze Gerede von rat racing bets über die politische Beeinflussung von VWL Professoren soll. Es ist doch klar, das die VWL eine Sozialwissenschaft ist und sie wird immer politischer Beeinflussung unterliegen, schließlich will sie uns erklären wie unser Wirtschaftssystem funktioniert und das ist nicht wertfrei oder irgendwie wissenschaftlich objektiv zu haben.
Jeder Erstsemester lernt in seiner Einführungsveranstaltung in der Politikwissenschaft, etwas über Wissenschaftskritik und eben darin auch, dass jede Art von Forschung interessengeleitet ist, dass zeigt sich schon im Forschungsdesign und zeigt sich selbst in den Naturwissenschaften allzu deutlich.
Nur die VWLer glauben, dass sie über all dem erhaben sind und fabulieren was von einem sozialen Optimum und glauben, dass jemand ihren Unsinn ernst nimmt, leider viel zu viele.
Ich meine das ist eigentlich banal, aber hier denken einige immer noch die Wissenschaft wäre ein Ort der Wahrheitssuche in der sich Menschen zusammenfinden, die ganz unabhängig von der Gesellschaft, in der sie leben, sich allein der Suche nach der Wahrheit verpflichtet fühlen.
First of all, I doubt that the average AER article today is more technical than it was in the seventies.
In Econometrica the level of rigor has gone down for sure, they publish very basic empirical work these days and I doubt they did this in the seventies. There is a very strong movement in economics that favors simple over difficult methods and this is widely accepted – Duflo and Levitt got the JBC for stuff that is very easy to understand. So why do economics departments hire so many math and science students. First of all, do they really ? Most of the grad students these days have studied economics, at least thats what I got from browsing cvs. I guess it has to do with the sloppy training many students of softer subjects arguably get in the US or the science students are just smarter.
Anyway, economic science has not become increasingly formal, many of the best job market candidates (hired by Harvard, MIT and Stanford) even had their specialization in economic history, many others did development which often is even less formal. Sometimes, an economic model is very helpful and it makes sense to go through the math, sometimes it is sufficient to do simple models or intuitive empirical work and yes, there is something that people call ‘mathturbation’, but this is only a small fraction of research and teaching.
Ein “Nestbeschmutzer” – UN-Chefvolkswirt Flassbeck zum Thema des (insbesondere “deutschsprechenden”) Ökonomenversagens im Bereich der trivialarithmetischen/logischen Zusammenhänge,
“Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen haben die Ökonomen, in Deutschland insbesondere, ein gespaltenes Verhältnis zu ihren eigenen logischen Grundlagen. Einen Mathematiker, der sich in seinen Ausführungen immer eilfertig von den Grundrechenarten
distanzierte, würde die Disziplin rasch zum Schweigen bringen. Einen Physiker, der bei seinen Ableitungen beiläufig die Newtonschen Gesetze „wiederlegte“ oder schlicht ignorierte, würden die Fachkollegen sicher in Minuten demontieren. Anders in der Ökonomie: Es ist geradezu tugendhaft, wenn man sich von „Identitäten“ und „Saldenmechanik“ distanziert,ganz gleich, wie oft man dabei gegen die reine Logik verstößt. Der Einwurf, eine Aussage
baue auf „Saldenmechanik“, gilt in bestimmten Kreisen als eines der stärksten Gegenargumenten überhaupt1. Das ist so, als sagte man einem Physiker, seine Aussage sei
„zu logisch“ und könne schon deswegen keinen Bestand haben. Wenn die Zusammenhänge etwas verwaschen sind, wenn die letzten und wenigen harten Säulen des ökonomischen Denkens geschleift oder gar gestürzt sind, fühlt sich der moderne Ökonom – wiederum vor allem in Deutschland – am wohlsten.”
http://www.flassbeck.de/pdf/2000/gesamtwi.pdf
Da bekommt der Kauder-Spruch vom nun “deutschsprechenden” Europa erst mal seine volle Drohwirkung. WARUM sind gerade deutsche Ökonomen mit der Logik so auf Kriegsfuss?