Gerald Braunberger und Norbert Häring diskutieren in zwei Artikeln die Rolle von monetären Aggregaten (also z.B. der Geldmenge). Norberts Eintrag finde ich soweit gelungen, auch wenn er stärker darauf hätte hinweisen sollen, dass es eigentlich wenig mit Monetarismus zu tun hat. Bei Gerald schimmert mir zudem immer wieder zu sehr durch, wie sehr er die makroökonomische Lehre der letzten Zeit verteufelt, was die Altmeister angeblich alles wussten und wie er die gute deutsche Tradition der Geldmengenaggregate zu retten versucht, auch wenn es dafür keine Basis gibt.
Worum geht es? Die Geldpolitik durch Inflationssteuerung (der sich implizit viele Zentralbanken verschrieben haben) hatte sich nicht nur der Geldmenge als Kontrollgröße entledigt, sondern auch dem Kreditwachstum keine Beachtung geschenkt. Sie hatte etwas versucht konsequentialistisches: was zählt ist makroökonomische Stabilität, wovon eine ausreichende Nachfrage und ein stabiles Preisniveau (wegen sticky wages) ein wichtiger Teil ist, und sollte es zu Finanzkrisen oder ähnlichem kommen, dann räumen wir eben geldpolitisch auf. So lange die Nachfrage und das Preisniveau stabil ist, ist alles andere zweitrangig.
Meine Sicht ist: Finanzkrisen sind sicherlich nicht wünschenswert, und die Geldpolitik und vor allem die Regulierung muss diesbezüglich verbessert werden. Aber man kann nicht etwas verteufeln, was nicht getestet wurde. Die wichtigsten Ideen bezüglich des Aufräumens nach einer Krise und dem Entrinnen aus der Liquiditätsfalle (z.B. level targeting) kamen schlicht nicht zur Anwendung. Ich frage mich, warum Kritiker wie Gerald das nicht zur Kenntnis nehmen und feststellen, dass auch Ben Bernanke die Rezepte, die er Japan einst empfahl, jetzt nicht zur Anwendung bringt.
Nun wird in der Makro viel Hirnschmalz darauf verwendet, den Finanzsektor zu integrieren und Indikatoren zu suchen (wie Kreditmengen, leverage, Fristentransformation, Brunnermeiers CoVaR etc.), die auf eine Gefahr für die Finanzstabilität hindeuten und daher von der Geldpolitik eventuell mit einbezogen werden sollten, auch wenn nach meinem Verständnis die meisten eher auf Änderungen in der Regulierung hinauswollen. Das sind alles interessante und wichtige Fragen. Nur: was hat das mit Monetarismus zu tun?
In meinen Augen nicht viel. Der Monetarismus war, nach dem eklatanten Scheitern des Keynesianismus, eine Rückbesinnung auf die Essenz von gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und Inflation, warum auch Rezessionen immer und überall ein monetäres Phänomen sind (um Friedman mal etwas freier zu interpretieren, wie Nick Rowe es tut), und wie Inflation wieder verankert werden kann. Die Geldmenge war ein (nicht sonderlich guter) Versuch, ein Maß zu finden, mit dem man den Wirtschaftskreislauf in dieser Hinsicht stabilisieren und Fehler wie 1930 ff. verhindern kann. Friedman ist selbst später davon abgerückt.
Das neue Denken bezüglich Finanzmarktstabilität und Kreditmengen kommt aus einer ganz anderen Ecke. Hier geht es darum, anhand von sinnvollen Aggregaten (zu denen die Geldmenge für sich genommen nicht zählt) oder anhand von was auch immer das Risiko einer Finanzkrise zu erkennen. Zum Beispiel, ob Kreditmengen einen hohen leverage bei Banken ermöglichen und ähnlichem. Das hat wohl mehr mit Minsky und anderen zu tun, als mit Monetarismus (wegen mir braucht es ohnehin keine Labels). Geralds etwas verzweifelt anmutende Versuche, die Geldmenge zu retten und die Zweisäulenstrategie der EZB zu loben, ändern daran nichts. Hätte Gerald dem von ihm interviewten Shin etwas besser zugehört, wüsste er das auch (emphasis mine):
Es besteht eine oberflächliche Ähnlichkeit der Analysen und daraus folgenden Empfehlungen. Aber die Monetaristen und die Bundesbank wollten über die Steuerung der Geldmenge die Inflationsrate beeinflussen. Das ist nicht mein Ansatz. Mein Anliegen ist die Bewahrung der Finanzstabilität.


Der Monetarismus leitet aber die Zusammenhänge n.m.E. falsch her und sucht fehlerhaft bei den Forderungen gegen die Zentralbank(Zentralbankgeld) die Wirk-Zusammenhänge.
Einen Absturz legt die Wirtschaft hin, wenn die Unternehmer zwangsverschuldet werden, dann stellen diese das Vorfinanzieren der Investitionsgüter ein.(Investitionsfalle)
Diese Absturz-Bedingung ist erfüllt bei:
Einnahmeüberschüsse > Pläne für Ausgabeüberschüsse.
Da Kredittilgungen zu den Einnahmeüberschüssen zählen ist die Absturzbedingung wie folgt:
Kredittilgungen + Geldvermögenswachstum > geplante Ausgabeüberschüsse
Dies hat alles wenig bis nichts mit den Forderungen gegen die Zentralbank zu tun!
Die Minimumzahl der geplanten Ausgabeüberschüsse liegt für Deutschland ca. bei 500Mrd.€ = 20% BIP und setzt sich zusammen aus ca. 300Mrd.€ Kredittilgungen(leider keine Buba-Statistik verfügbar und 212 Mrd.€ Geldvermögensaufbau.
Man könnte auch von geplantem Geldvermögensaufbau sprechen, wobei zumindest die Nichtunternehmer in der “ersten Runde” der Abwärtsspirale ihre Geldsparpläne immer durchsetzen können.
Das Geldsparen ist aber die Variable im Spiel, wenn man es begrenzen würde, müßten wir uns nicht mehr zwischen Staatsschuldenwachstum und Depression entscheiden – dies ist der dritte Weg den wir 2012 global gehen müssen, ansonsten ist das System nicht mehr zu retten!
@Admin Der Wurm in den Zeichen – Vorbeiträge wegen Zeichenfehler bitte löschen – sorry und danke
Kreditwachstum(Geldmengenwachstum) und Finanzmarkt-Stabilität,
wie in den Beiträgen diskutiert, kann mit Kredit gehebelte Nachfrage natürlich die
Vermögenspreise „künstlich“ so hoch treiben, dass am dem Ende dieser Entwicklung
eine schwere Bankenkrise mit „Rettungsbedarf“ steht. Der oft angestrebten Unterscheidung in „gutes“ und „schlechtes“ Kreditwachstum(Geldmengenwachstum) ist n.m.E. zuzustimmen.
Gewinne werden privatisiert und Verluste vergesellschaftet, dies kann es ja wohl nicht sein.
WARUM stellt aber keiner die wirkliche Frage? WARUM lassen wir dies immer wieder zu?
Da fehlt der theoretische Unterbau?
Hyun Song Shin
„Es existiert heute kein theoretischer Rahmen, der die direkte Inflationssteuerung mit monetären Analysen verbindet. Es ist unsere Aufgabe als Wissenschaftler, diese Dichotomie zu überwinden. Aber ich bin zuversichtlich, weil sich gerade junge Wissenschaftler diesen Themen zuwenden“
Ist dies ein Problem?
Gleichgewicht = (Pläne für) Einnahmeüberschüsse = Pläne für Ausgabeüberschüsse
Übernachfrage = (Pläne für) Einnahmeüberschüsse KLEINER ALS Pläne für Ausgabeüberschüsse
Unternachfrage = (Pläne für) Einnahmeüberschüsse GRÖSSER ALS Pläne für Ausgabeüberschüsse
Gleichgewicht/monetäre Neutralität
Geldsparen(pläne) + Kredittilgungen = geplante Ausgabeüberschüsse
Übernachfrage/eher Inflationsanregend
Geldsparen(pläne) + Kredittilgungen KLEINER ALS geplante Ausgabeüberschüsse
Unternachfrage/eher Deflationsanregend
Geldsparen(pläne) + Kredittilgungen GRÖSSER ALS geplante Ausgabeüberschüsse
Ein Kausalzusammenhang mit den Güter-Preisen besteht aber bei nicht ausgelasteten Kapazitäten nicht, Preise kalkulieren Unternehmer in ihren einzelwirtschaftlichen Zwängen und Erwartungen.
Zurück zur Frage WARUM Blasenökonomie?
Wir haben im Geldmarkt zwei wesentliche Marktstörung:
1. Mindestpreisstörung -bargeldbedingte nominale Nullzinsgrenze
2. Haftungsstörung – faktische Vergesellschaftung des Gläubigerrisikos beim Bank- und Versicherungssparen – Stichwort Einlagensicherung.
Damit werden wir leben müssen, weder Gesell-Geld noch eine Abschaffung der Einlagensicherung ist ein politisch durchsetzbares Projekt. Aber die Ökonomen sollten
sich im Klaren sein, was diese duale Marktstörung bewirkt, eine totale Übernachfrage nach
Bank- und Versicherungssparen, also nach staatsgarantierten sanktionsfreien Einnahmeüberschüssen.
Aber ist Geldsparen nicht gut für Investitionen?
Geldsparen hat mit realem Sparen und Investieren NICHTS zu tun. Würden die Nichtunternehmer ihre Geldhaltung nicht ausweiten, würden Unternehmer keinerlei Kredit
für ihre Investitionen brauchen. Geldsparen hat nur einen volkswirtschaftlichen Zweck, die Unternehmer sollen nicht alles Vermögen halten. Die Geldhaltung der Nichtunternehmer dient volkswirtschaftlich also zur Verschuldung der Unternehmer und ist auch nur in dem Umfang sinnvoll, wie sich Unternehmer verschulden lassen!
Seit Jahren ist die Verschuldungswilligkeit der Unternehmer zumindest in Deutschland per Saldo negativ. Der Staat steht also vor der Herausforderung, entweder eine Depression zuzulassen oder selbst den Ersatzschuldner zu machen. Oder er organisiert eben Subprime!
siehe Zeile Finanzierungssalden:
http://www.bundesbank.de/download/statistik/stat_sonder/statso4.pdf#page=23
DIES ist die Anwort auf die Frage WARUM, wir brauchen diese schlechten Schulden für unser wirtschaftliches Gleichgewicht, weil wir völlig über unsere Verhältnisse in Geld sparen.
Das Problem an “offiziellen” Statistiken ist, dass diese nur dasjenige erfassen, was im Rahmen ihrer Gesetzgebung als “relevant” betrachtet wird, und u.U. ziemlich viel ignorieren.
http://techinno.wordpress.com/2011/05/23/shadow-banking-system-was-1930-und-2007-gemein-haben/
Die Diskussion zu monetären Fragen leidet n.m.E. an der begrifflichen Unschärfe, ein Versuch der Abhilfe dazu:
Geld, Kauf und Bezahlung
Die Worte “Geld” bzw. “Geldmengen” sollte man wegen Doppeldeutigkeit in volkswirtschaftlichen Betrachtungen bitte gar nicht mehr verwenden. Wie soll man denn wissen, ob der Mitdiskutant gerade zu Zahlungsmittel-Mengen oder Geldvermögens-Summen vorträgt? Es sollten bitte die Begriffe Geldvermögen und Zahlungsmittel verwendet werden, bei den Zahlungsmitteln ist es dazu wichtig, den Nutzerkreis zu definieren. Es sollte also geklärt werden, ob über Banken-Zahlungsmittel oder Nichtbanken-Zahlungsmittel gesprochen wird.
Definition Geldvermögen
Zahlungsmittelbestände + Forderungen abzgl. Verbindlichkeiten.
Definition Zahlungsmittel
„monetisierte“ Forderung – eine durch vom Nutzerkreis akzeptierte Zusatzbesicherung und sofortige Verfügbarkeit „umlauffähig“ gemachte Forderung gegen einen Wirtschafter.
Die Unterschiede sind bei der Problemanalyse sehr wichtig, sprechen wir über Schuldenkrise, reden wir zuerst über ein realwirtschaftliches Geldvermögensproblem und nicht zuerst über ein Zahlungsmittelproblem.
Das Geldvermögensphänomen „Kauf“ und das Zahlungsmittelphänomen „Bezahlung“
Wenn ein Wirtschafter etwas verkauft, entsteht eine Forderung an einen Käufer.
weiter im Link
http://www.global-change-2009.com/blog/geld-kauf-und-bezahlung/2012/01/