Die deutsche Blogosphäre hat Zuwachs bekommen, und zwar einen ganz schön mächtigen: diese FAZ Redakteure betreiben ab sofort den neuen Blog Fazit, wobei ich vermutlich nicht hervor heben muss, dass es mich freut, dass Gerald Braunberger anfängt zu bloggen (sofern er denn die Zeit findet). Aber auch auf Patrick Bernau (ein aktiver Twitterer) und Lisa Nienhaus (deren Beiträge mir oft gut gefallen) freue ich mich. Ich bin jedenfalls gespannt.
Um Fazit gleich mal (inhaltlich) zu provozieren: warum zum Teufel prognostiziert die EZB ihr eigenes Scheitern? Diesen Beitrag wollte ich schon seit Tagen schreiben, leider ist mir Matthew Yglesias zuvor gekommen. Ich schreibe ihn trotzdem.
Eine Zentralbank sollte nie, niemals, ihr eigenes Scheitern prognostizieren. Der Grund ist recht einfach: sie kann fast immer beeinflussen, ob sie scheitert oder nicht. Und sie sollte natürlich nicht scheitern. Wenn sie zum Beispiel erwartet, dass die Inflation in der Zukunft unter ihrem Ziel bleibt, sollte sie die Geldpolitik sofort so anpassen, dass sie erwartet, ihr Inflationsziel zu erreichen. Ich würde natürlich etwas weiter gehen und sagen: die Zentralbank sollte ihre Geldpolitik immer so setzen, dass sie ein stabiles Wachstum des nominalen BIP (NBIP) erwartet, denn das ist die entscheidende Größe für makroökonomische Stabilität, nicht Inflation. Aber bleiben wir einfach mal bei der EZB und ihrem Inflationsmandat.
Die EZB erwartet für 2012 1.7% Inflation und für 2013 1.6% Inflation. Das ist nicht “knapp unter 2%”, das ist deutlich darunter. Aber es wird ja noch besser: gegeben, dass sich in der Eurozone große Anpassungen in Löhnen und Preisen vollziehen müssen, und dass nachfrageinduzierte Deflationen eine wirtschaftliche Katastrophe sind (immer so gewesen und wird auch immer so sein), ist eine erwartete Durchschnittsinflation von 1.6-1.7% absolut unzureichend. Ich kenne keinen einzigen Ökonomen, der das bestreiten würde.
Nun ist die FAZ ja bekanntlich Deutschlands ordnungsökonomisches Gewissen, und lehnt Staatsanleihenkäufe durch die EZB ab, wegen der Inflationsgefahr. Dazu mag man stehen wie man will. Aber, und das ist etwas, dass endlich mal in Deutschland ankommen muss: wenn alles zusammenbricht, wird der EZB nichts anderes übrig bleiben. Auch hier kenne ich keinen, der das ernsthaft verneinen würde. Wenn ich mich als FAZ also darüber aufrege, dass die EZB Staatsanleihen kauft, dann muss ich die EZB dafür kritisieren, dass sie mit der Prognose ihres eigenen Scheiterns geradezu darauf hinarbeitet, dass die Eurozone den Bach runter geht und alles zusammenbricht, was sie dazu zwingt einzuspringen.
Es wird also ein Paradox deutlich (ich weiß, ich wiederhole mich): wenn die EZB jetzt 2,x% Inflation, besser 3-4% Inflation für 2 Jahre zulässt, verringert sie das Risiko, sich durch erzwungene Staatsanleihenkäufe echte Inflationsrisiken aufzuhalsen. Denn mal ganz ehrlich, lieber Gerald: wie schlimm sind 3-4% Inflation für 2 Jahre? Wer glaubt denn ernsthaft, die EZB würde dadurch ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen? Sie würde in einer absoluten Ausnahmeextremsituation von ihrem (ohnehin zweifelhaften) Inflationsziel von knapp unter 2% abweichen, und danach (und niemand bezweifelt das) mit Volcker’schem Nachdruck wieder dahin zurück kehren.
Ich freue mich auf Eure Antwort und alles Gute zum Blogstart,
Euer Kantoos



klasse kantoos:
ab jetzt wird scharf zurückgebloggt !
ob die lange durchhalten ?
Wenn du jetzt geschrieben hättest, dass das Inflationsziel von “knapp unter 2 %” Quatsch ist, weil die EZB eben nicht die Inflation bis auf die Stelle nach dem Komma kontrollieren kann, dann würde ich zustimmen. Die EZB sollte also zu ihrem breiteren Inflationsziel 0-2% zurückgehen.
Und wenn es lediglich 2 Jahre lang 3-4% Inflation bräuchte, um die Schuldenkrise zu überwinden, ja hurra. Da würde selbst der schärfste Stabilitätsverfechter ein Auge zudrücken und diese vorübergehende Inflation gerne tolerieren. Die Rechnung ist aber eine ganz andere. Um das griechische Staatsdefizit von 165 % auf verträgliche 60 % zu reduzieren brauchen wir 5 Jahre lang 23 % Inflation.
@ Wirtschaftswurm
Das Argument fuer eine hoeheres Inflationsziel ist nicht dass damit Staatsschuld weginflationert werden koennte, sondern dass es reale Lohnkuerzungen erleichtern wuerde, und damit die Wiederherstellung von Wettbewerbsafehigkeit und Wachstumschancen.
@hkaspar,
meine Antwort dazu ausführlich in meinem Blog: http://www.wirtschaftswurm.net/2011/koennen-die-schwachen-eurostaaten-von-einer-euroinflation-profitieren/
@Kantoos
” … ist eine erwartete Durchschnittsinflation von 1.6-1.7% absolut unzureichend. Ich kenne keinen einzigen Ökonomen, der das bestreiten würde.”
Och, traurig aber wahr: Da gibt es leider schon so manche, die vertreten, dass das Risiko, mit einer Inflationsrate von 1,6-1,7% zu enden, nicht so schlimm ist wie jenes, eine Inflationsrate von 2,3-2,4% zu bekommen.
FAZ faengt an zu bloggen – die denken wohl denen geht die Meinungshoheit floeten – denn in den meisten Blogs steht halt genau was anderes was in der FAZ steht. Die Leute merken es und wenden sich von der FAZ ab. Das “ordungsoekonomische Gewissen” mit dem sie auf der Seite der Pleitespekulanten standen bis jetzt, indem man Schuldenschnitt forderte, hat uns genau in den Mist reingeritten. Und es waere ja noch Schlimmer gekommen, denn die sind ja gegen alle Anleihenkaeufe.
Oder man hat wirklich keine Ahnung wie Maerkte funktionieren, bei der FAZ? Oder auch warum man keine Steuern einsammelt in Griechenland? Hat es vielleicht was damit zu tun, dass deutsche Firmen wie Siemens griechische Politiker bestechen, die dann das Geld in die Schweiz schaffen. Das weiss jetzt langsam jedes 3-jaehrige Kind, dass genau das das Problem in Griechenland ist. Alles Geld was man braucht um Schulden abzuzahlen, ist in der Schweiz. Dass das von der Spekulantentroika Rating Agenturen/Investment Bankster/ CDS bestizenden Hedgefonds brutal ausgenutzt wird. Was schreibt die FAZ ueber diese “Maerkte” – als haette sie noch nie was davon gehoert:
“Sie sind das kritische Korrektiv einer hemmungslosen Mehrheitsdemokratie.” Rainer Hanke gleich im ersten Beitrag. Na prima – dann brauchen wir wirklich nicht mehr waehlen gehen, oder den Finanzsektor einschraenken, oder Pleitewetten verbieten, oder Trennbanksystem einfuehren. Die Maerkte, werden es schon richten. So ein Quark kann auch nur in der FAZ stehen.
Dann freu dich weiter auf solche messerscharfen Analysen der FAZ – diesmal im blog – kantoos. Der Rest der Welt informiert sich derweilen bei Leuten in unabhaengigen blogs die uns die Welt erklaeren, wie sie wirklich ist.
Vielen Dank für die freundliche Begrüßung! Ich kann nicht für die anderen sprechen – ich persönlich habe durchaus Lust, mich demnächst mit dem NGDP zu beschäftigen. Erst mal will ich aber noch einen anderen Beitrag fertigmachen.
Kurz gesagt: Bei den Staatsanleihenkäufen ist für mich die klassische Inflation noch das kleinste Problem. Größere sind die Unabhängigkeit der EZB, Nachlassen des Spardrucks auf die Regierungen und die Tendenz zur Monetisierung der Staatsschuld (alternativ: das Ausfallrisiko für die EZB). Auch wenn sich aus Monetisierung & Co. eine höhere Geldmenge ergibt, ist die Inflation in den Verbraucherpreisen ebenfalls noch meine kleinere Sorge. Meine größere Sorge ist die vor Inflation in den Vermögenspreisen, so was endet gerne mal in einer Finanzkrise.
@ PB
Die Unbahängigkeit der EZB ist ein per se zu schützendes Gut? Doch wohl, weil sie makroökonomische Stabilität sichert vor dem Zugriff kurzsichtiger Politiker…
Nachlassen des Spardrucks, da bin ich voll bei Euch. Auch bei der Frage, dass die Aufgabe der EZB gerade eine Fiskalpolitik durch die Hintertür ist (von Monetisierung würde ich nicht sprechen, wenn die Verluste der EZB vom Steuerzahler ersetzt werden).
Ansonsten viel Erfolg mit Eurem Blog. Werde ihn lesen und Euch auf die Finger schauen… :)
@ Kantoos
>Eine Zentralbank sollte nie, niemals, ihr eigenes Scheitern prognostizieren. Der Grund ist recht einfach: sie kann fast immer beeinflussen, ob sie scheitert oder nicht. Und sie sollte natürlich nicht scheitern. Wenn sie zum Beispiel erwartet, dass die Inflation in der Zukunft unter ihrem Ziel bleibt, sollte sie die Geldpolitik sofort so anpassen, dass sie erwartet, ihr Inflationsziel zu erreichen.>
Ihrem ersten Satz stimme ich zu, dem folgenden nicht.
Der Grund ist ein anderer als der, den Sie angeben:
Mit der Prognose ihres Scheiterns gesteht die Zentralbank ein, dass sie nicht das erreichen kann, was sie erreichen will.
Sie dokumentiert damit ex ante ihre beschränkte Wirksamkeit.
Das ist schädlich, weil sie damit das Vertrauen in sie untergräbt, was wiederum ihre Wirksamkeit beeinträchtigen wird.
Sich verstärkend, könnte dies dazu führen, dass die Notenbank ihren Einfluss hinsichtlich der Inflationsbekämpfung gänzlich verliert.
Das kann sie nicht wollen.
Was die Notenbank tun sollte, wenn sie der Meinung ist, dass sie ihr Inflationsziel nicht erreichen wird, ist eine andere Sache.
Sie sollte am besten keine Prognose abgeben.
Sie sollte darüber hinaus natürlich versuchen, so sehr sie kann im Sinne ihres Zieles zu handeln.
Dazu könnte im vorliegenden Fall auch das Versprechen gehören, „alles gegen eine zu geringe Inflation zu tun“.
Es kann nicht dazu gehören, was M. Yglesias fordert, nämlich zu versprechen, die Prognose zu verhindern.
Denn:
Wer ernsthaft eine Prognose abgibt, glaubt, dass sie eintreten wird. Wer darüber hinaus verspricht, den Eintritt verhindern zu können, gibt zu erkennen, dass er nicht an den Eintritt glaubt. Er agiert also widersprüchlich, wenn er ein solches Versprechen abgibt.
M. Yglesias formuliert zumindest fragwürdig, wenn er als Überschrift für seinen Beitrag wählt: „The European Central Bank Is Planning To Fail“.
Diese Aussage, d. h. der Schluss von der Prognose auf die Planung ist nur dann gerechtfertigt, wenn die EZB ihr Inflationsziel unter allen Umständen erreichen kann, d. h. die Prognose ALLEIN von ihrer Planung abhängen würde.
Das ist m.A.n. eine sehr gewagte Annahme.
Das müssten sie genauso sehen, weil Sie mit “.. sie kann FAST immer beeinflussen …” vorsichtiger formulieren als es die Schlussfolgerung von Prognose zu Planung verlangt:
@ Kantoos, Bernau et al
Ich fuer meinen Teil finde es problematisch Inflation zwischendurch auf 3-4 anheben zu wollen und dann wieder auf 2 fallen zu lassen. Ein Inflationssziel verliert seine Glaubwuerdigkeit wenn es staendig nach Belieben angepasst wird – was wiederum die Effektitivitaet der Geldpolitik untergraebt. Worauf z.B. soll sich bei “4 Prozent fuer zwei Jahre, dann 2, und dann wer-weiss-kommt-drauf-an” jemand einstellen der einen 10-jaehrigen Hypothekenkredit aufnehmen bzw. vergeben will? Vermutlich auf gar nix, d.h. es der Vertrag wird zu einem flexiblen Zins abgeschlossen – was wiederum den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik schwaecht.
Der weitere Punkt ist: Glaubwuerdigkeit der Geldpolitik – und damit ihre Faehigkeit Erwartungen zu beeinflussen, ist eine endogene Groesse – sie kann bei der Analyse nicht einfach vorausgesetzt werden. Auf die EZB bezogen heisst dies dass sie ihr fuer eine heterogene Waehrungsunion offensichtlich zu niedirges Inflationsziel ein fuer allemal auf etwas langfristig Vernuenftiges anheben soll – aber es dann da auch belassen soll.
Was die Argumente gegen Staatsanleihenkaeufe angeht saehe ich das gerne mal richtig aufgedroeselt, z.B. auf FAZit. Bernaus kurz skizzierte Antworten ziehen eher noch mehr Fragen nach sich als dass sie die Dinge klaeren wuerdeN:
- “Unabhaengigkeit der Zentralbank”. Richitg ist: Zentralbanken sollen unabhaengig sein damit sie nicht gezwungen werden koennen Staatsanleihen zu kaufen. Bernau dreht den Satz um: “die EZB soll keine Staatsanleihen kaufen um unabhaengig zu sein”, und so herum ist er ein non sequitur.
- “Nachlassen des Spardrucks”: das ist kein Argument gegen EZB-Staatsanleihenkauefe, sondern ein Argument gegen jede Art von Liquiditaetshilfe. Und das meinen Bernau – und Kantoos – doch nicht etwa ernst?
- “Monetisierung der Staatsschuld wg. Inflation”: wie Bernau richtig schreibt wirkt Monetisierung nur inflationaer wenn es ein unmaessiges Aufblaehen der Basisigeldmenge erzwingt – aber davon ist das SMP der EZB weit entfernt
- “Monetisierung der Staatsschuld wg. Ausfallrisiko der EZB”: das ist ein gueltiges Argument gegen EZB Anleihenkauefe – aber kein gueltiges Argument dem ESFS eine Banklizenz zu verweigern, wogegen sich die “Monetisierung der Staatschuld”-Ordnungspolitiker in der Regel aber gleich mit aussprechen.
- “Vermoegenspreisinflation”: setzt voraus dass die Geldpolitik zu lose ist, wie etwa die der Fed vor der Krise. Gegenwaertig ist aber die Geldpolitik weltweit zu restriktiv – zumindest gemessen an allen mir bekannten Standardkritierien fuer Adequacy of the Monetary Policy Stance (wie Taylor Rule, Kerninflation, NGDP). Z.T. unfreiwllig, etwa bei der Fed die an der Nullzinsfalle festhaengt. Das heisst zu diesem Zeitpunkt scheint geldpolitikinduzierte Vermoegenspreisinflation eine Phantomsorge.
Gruss,
HK
@ HK
Meine Präferenz ist die gleiche wie Deine, allerdings: wenn es nicht möglich ist, es dauerhaft anzuheben, kann man mit einem Preislevelziel in einer Extremsituation wie dieser durchaus ohne GLaubwürdigkeitsverlust temporär höhere Inflation zulassen. Ist mir zumindest lieber als die Geldpolitik zu lassen wie sie ist.
Bezüglich Liquiditätshilfen sind wir glaube nicht auf einer Linie: auch Liquiditätshilfen können an Bedingungen geknüpft sein. Allerdings, und das ist das IMF Problem: zu harte Konditionalität unterminiert die Glaubwürdigkeit des Backups. Oder?
Bezüglich Banklizenz des EFSF stimme ich Dir zu, allerdings besteht auch hier ein (geringeres) Ausfallrisiko für die EZB.
HK:
Weil ich im Moment keinen langen Beitrag schaffe, hier kurz die Antworten:
„Unabhängigkeit der Zentralbank“ – in der Diskussion über den Griechenland-Default galt die EZB nicht mehr als unabhängig, weil sie eigene Interessen im Spiel hatte. Das war – und ist noch – eine üble Situation.
„Nachlassen des Spardrucks“: Man muss da natürlich aufpassen. Im Moment finde ich die Entlastung, die da geschieht, aber übertrieben. Wer sagt denn, dass ein Land bei 7% Anleihenrendite den Rettungsschirm braucht? Das war eine arbiträre Definition der EU-Politiker, die so hohe Zinsen nicht zahlen wollen. Man kann damit durchaus leben, zumal weil nicht alle Anleihen auf einmal fällig werden.
„Monetisierung der Staatsschuld wg. Ausfallrisiko der EZB“ – auch ein Ausfallrisiko des EFSF ist letztlich ein Verstoß gegen die No-Bailout-Regel. Und die hat den USA gute Dienste geleistet.
„Monetisierung der Staatsschuld wg. Inflation“ / “Vermögenspreisinflation”: Ob die EZB derzeit auf der Taylor-Regel liegt, ist zumindest umstritten (siehe hier: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/geldpolitik-mit-draghi-haben-die-tauben-aufwind-11523300.html ). Dazu kommt: Die Geldmenge ist ja jahrelang schneller gewachsen als das BIP. Man kann durchaus argumentieren, dass zu viel Geld im Umlauf ist, das eine Blase nach der anderen verursacht. Egal wie: Einige Jahre /über/ der Taylor-Regel, in denen man die Jahre /darunter/ ausgleicht, wären langfristig möglicherweise vorteilhaft.
@ Kantoons
Bei der ganzen Inflationsrechnerei sollte man nicht vergessen, dass die “offizielle” Inflation eine geschönigte Zahl ist und die “reelle” Inflationszahl sicherlich eher im Bereich 4-5% liegt. Das was wir als “Inflation” bezeichnen und merken, also die Preisinflation, ist der letzte Punkt in der Inflationsphase. Sie beginnt mit dem Aufblähen (=Inflationieren) der Geldmenge. Und dieses tut die EZB derzeit ohne wenn und aber. Ca 300 Mrd. € Staatsanleihen sind in den letzten Monaten aufgekauft worden und auch die EZB hat nun ein sehr grosses Interesse daran, das die Werte dieser Staatsanleihen sich nicht “weginflationieren”. Man versucht also im Moment die Krise “zu parken”, bis der Markt sich wieder beruhigt hat und hofft dann diese Staatsanleihen wieder an den Markt zu verkaufen, was eine deflationäre Wirkung hätte, wenn man die eingesammelten Gelder dann wieder vernichtet. Aber das wird schwieriger werden als man denkt.
Die Staaten selber haben grosses Intersse daran, dass sich die Inflation bei 3-5% p.a. einpendelt, senkt sie doch die Zinsbürde und die Schulden. Die Staaten arbeiten also gegen die EZB, welche sie finanzieren ( oder so ähnlich …). Das ganze ist ein Zirkuskarussel geworden aus dem jeder versucht mit einem blauen Auge herauszukommen. Aber das wiird nicht funktionieren. Einer (oder mehrere) muss/müssen auf der Strecke bleiben. Das kann die EZB sein, die PIGS Staaten, der Euro, der soziale Friede oder was auch immer. Schön wird´s jedenfalls nicht.
Zur “Inflationierung” der Geldmenge:
http://sdw.ecb.europa.eu/quickview.do?SERIES_KEY=117.BSI.M.U2.Y.V.M30.X.1.U2.2300.Z01.E
Seit Ausbruch der Krise hat sich das Geldmengenwachstum deutlich VERRINGERT!
Griechenland, Portugal, Italien, EZB … es ist fantastisch, wie die gesamte Welt krampfhaft bestrebt bleibt, das wichtigste und alles entscheidende Thema auszublenden, nachdem der Dollar als Leitwährung nicht ersetzt worden ist.
Saludos del Uhupardo
http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/13/system-crash-kommt-nach-den-us-wahlen/
Was spricht eigentlich gegen Zwangsanleihen in Italien?
Wenn die Situation tatsächlich so kritisch is in Italien, dann sind dort doch auch die grossen Vermögen sehr gefährdet. Warum können die nicht einfach Zwangsanleihen auflegen? Bei einem Nettovermögen der privaten Haushalte in Italien von 7,7 Billionen Euro (2005) sollte das doch gehen.
Damit dürfte doch schlagartig die Italienkrise vorbei sein.
Letzten Endes führt doch der Aufkauf der Italienbonds durch die EZB zu einer Inflationssteuer. Es wird Geld geschaffen, das nur in Italien verteilt wird. Eine Inflationssteuer benachteilgt die unteren Schichten, da diese nicht so leicht auf reale Assets ausweichen können. Ausserdem werden die Transfereinkommen (Renten, Sozialhilfen) erfahrungsgemäß nur sehr zögerlich angepasst. Ingsamt bekommen wir auf diese Weise einen Transfer von den unteren Schichten der Eurozone zu den oberen Schichten Italiens. Das kann doch nicht wahr sein?
Zwangsanleihen gab es doch selbst schon in den USA nach dem 2-ten Weltkrieg, und bislang war mir die USA nicht gerade als Hort linker Sozialisten bekannt. Insofern, was spricht da wirklich dagegen? Natürlich wären mir richtige Reformen lieber, aber vielleicht wirds dann tatsächlich auch in Italien ein grosses Interesse an solchen Reformen geben (damit die Zwangsanleihe nicht so lange bleibt)
Nichts spricht gegen Zwangsanleihen. In Italien oder Griechenland. Ds gab es auch nach dem Kireg in England und bescherte den Anleihenbesitzern eine Rendite von -1,6%, nach Inflation. So wurden u.a. die uebergrossen Schulden von 250% des BIPs getilgt. Das hiesse man legt Italien und Griechenland Bonds zu 0,4% Zinsen auf, und zwingt alle diese Anleihen zu kaufen.
Warum sich das nie einer anschaut weiss ich nicht.
Nicht spricht uebrigens gegen eine Vermoegensteuer, in Italien oder Griechenland.
Das sind eigentlich die absolut richtigen Entscheidungen. Besonders Vermoegensteuer. Ich habe gerade mal die Vorzuege dargestellt, an ganz einfachen oekonomischen Gleichungen. Das waere so viel, viel verneunftiger, als die Austeritaetspolitik die betrieben wird – das sollte man sofort mal einfuehren. – Oder hab ich hier was uebersehen?
http://eurogate101.com/2011/11/17/die-wundersteuer/
Das Problem mit Zwangsanleihen (nicht direkt ein Problem, ist ja im Grunde keine schlechte Idee) ist dass sie allein das Schuldenproblem zu lösen vermag. (und damit nur symptomatisch wirkt; die Ursache jedoch nicht beseitigt)
Langfristig ist es die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie, die immer wieder zu derartigen Problemen führen wird. Diese Länder müssen abwerten. Entweder müssen Sie also aus dem Euro raus (hochproblematisch, bank-runs!, schwer zu machen), oder sie müssen intern abwerten. Intern abwerten heißt drastisch Löhne kürzen, was erfahrungsgemäß kaum funktioniert (“wage rigidity”). Inflation hilft dabei intern abzuwerten (in italien steigen einfach die Löhne nicht, während es in Deutschland Tarifabschlüsse gibt, die sich an der Inflationsrate orientieren).
Im Prinzip richtig, aber bitte nicht nur 2 Jahre lang 4% Inflation anpeilen.
Die südeuropäische Peripherie, insbes. Italien, Spanien und Portugal, müssen deutlich mehr als ein paar Prozent abwerten. Wenn man – was ich für realistisch halte – davon ausgeht, dass man mind. 20-30% Abwertung braucht, drastische Lohnkürzungen (in der Breite und nicht nur bei einem Teil der Arbeitnehmer) schwer zu machen sind (“wage rigidity”), dann muss man wohl eher 5-7% für drei bis fünf Jahre ansetzen. Ehrlich gesagt halte ich das sogar noch für zuwenig, denn es wird schwer sein Lohnanstiege in Südeuropa dann komplett zu unterdrücken (so dass man bei 6% Inflation vielleicht nur 4-5% interne Abwertung erreichen wird).
Griechenland bräuchte wohl noch mehr, aber die muss man wohl abschreiben, was “internal devaluation” anbetrifft; die müssen irgendwie den Euro ersetzen (und den bank-run muss man halt mit Geldern der anderen EU-Statten abfangen/bezahlen).
nun, wenn ihr alle die Reichen in den Defizitländern schonen wollt, und dort auf Zwangsanleihen und Vermögenasabgaben verzichten wollt, dann sollten wenigstens bei uns die unteren Einkommen/Renten eine entsprechende Kompensation für die Inflationssteuer erhalten. Das heisst Renten/Sozialhilfeerhöhungen, Steuersenkungen für die unteren Einkommen, und entsprechende Steuererhöhungen für die Reichen und oberen Mittelschichten.
Ja, in Deutschland sollte man die Inflationsrate auf allen Ebenen zu kompensieren versuchen. (d.h. Tarifabschlüsse, Lohnerhöhungen im öff. D., Rentenerhöhung, mehr ALG 2, etc.).
Ich war auch gar nicht gegen Zwangsanleihen und Vermögenssteuern… Man kann das ganze Steuersystem europaweit gerne progressiver gestalten.
Der faz-blog kommt irgendwie nicht gang.
Die EU-Verfassungsreform EZB und NZB`s betreffend steht auf der Agenda der Regierungschefs. Wird der Draghi auch gefragt werden?
Wie lauten Deine Artikelformulierungen?
Wer zu spät …
Jetzt wird eine neue EU-Verfassung von den Mächtigen gedealt und hier wird nicht genug zur Formulierung und Gestaltung beigetragen. Ist die Ökonomie nur stiftendes Beiwerk will aber leuchtender Pfad sein? Raus auf den Tisch die Entwürfe, hinaus aus den Hinterzimmern, Veröffentlichungen in den EU-Medien, Diskussionen im Parlament, Abstimmungen durch die Bevölkerungen, keine Oligarchen der Macht – Demokraten der Öffentlichkeit sind gefragt.
Schulden, Geld, Kredit sollen kein Herrschaftsmittel sein.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik-und-finanz-was-sind-schulden-11548820.html
“Hier ist ein fundamentales mathematisches und politisches Prinzip am Werk: Schulden, die nicht bezahlt werden können, sind keine.”
Wohlgemerkt bereits bei Vertragsvereinbarung!
Aus diesen Scheinvermögen auch noch Zins- und Zinseszinserträge zu ziehen ist nicht akzeptabel.