Sind die Deutschen die dümmsten Bankenretter?!

War die Erste Hilfe in Deutschland wirklich so teuer?

Oft wird spekuliert, wie eng eigentlich Banken und Politik verzahnt sind, und wie man mit Horrorstories über Lehman und „Kernschmelzen des Finanzsystems“ (Atomkraft und 1930er-Finanzpanik in einem Ausdruck, herrlich!) die Politik dazu bringt, Banken zu retten.

Jetzt schreibt die SZ: Deutschland ist das Land in Europa, das am meisten für seine Bankenrettungen bezahlt hat, knapp 40 Mrd. €. Was ist mit den Kosten gemeint? Damit ist nicht gemeint, wie hoch die Garantien waren oder mit wieviel Kapital man Banken gestützt hat. Gemeint ist, ob man damit Gewinn gemacht hat (wie z.B. die USA in Teilen), oder Verluste.

Die Zahlen der SZ sind etwas merkwürdig: für alle Länder außer Deutschland stimmen sie mit den Zahlen von 2010 überein, nur für Deutschland hat die SZ scheinbar die neuesten Zahlen, die ich leider im Netz nicht finden kann. Es wäre nicht ganz sauber, das zusammen zu schmeißen, aber gut, nehmen wir es mal so hin.

Bei Eurostat kann man alle Zahlen für 2010 nachschauen (siehe 1. Graphik). Hier macht Deutschland einen Verlust, der auf einer Höhe mit dem Großbritanniens bei ca. 16.5 Mrd. € liegt.

Bankenrettung -- Stand 2010

Nach SZ-Informationen kommt neben 1.1 Mrd. € höherer Verluste für 2011 noch ein Extraverlust hinzu: sage und schreibe 22.3 Mrd. € an Verlust wurden realisiert, als ein Teil des „Vermögens“ (ha) der HRE auf die Abwicklungsbank übertragen wurde. Das Resultat: wir sind Letzter (relativ zum BIP natürlich nicht…).

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens waren Deutschlands Banken am heftigsten betroffen von den Schrottpapieren aus den USA. Das stimmt in Teilen und lässt tief blicken: denn in Finanzkreisen der USA hieß es bei manchen dieser Papiere auf die Anmerkung, dass doch niemand einen solchen Schrott kaufen würde: doch, einen dämlichen Deutschen aus Düsseldorf findet man immer (IKB und WestLB sitzen in Düsseldorf). Die SZ meint, diese hohen Verluste seien der wichtigste Grund für die hohen Kosten in Deutschland. Aber das ist in meinen Augen bankenfreundlicher Unsinn.

Denn zweitens kommt es darauf an, wie man die Banken „rettet“. Dass es zu diesem Begriff viele Missverständnisse gibt, macht die Sache nicht leichter und führt vermutlich auch die SZ zu ihrer Beurteilung.

Zum Beispiel kann man den Pleitebanken einfach Schrott zu überhöhten Preisen abkaufen, was ungefähr dem ursprünglichen TARP Plan in den USA entsprach. Geld ohne Gegeleistung, sozusagen. Haftung? Fehlanzeige. Die Entrüstung der Ökonomen in den USA hat aber zum Glück dazu geführt, dass man die Banken statt dessen rekapitalisiert hat. Damit straft man die Aktionäre, die entweder komplett leer ausgehen oder zumindest verwässert werden, gleichzeitig ist der Staat aber an zukünftigen Gewinnen beteiligt.

Noch besser wäre es, man würde auch die Anleihenbesitzer mit beteiligen, falls eine Rekapitalisierung zu teuer wird, wie offenbar in Deutschland. Das hätte Irland gerne gemacht, wurde ihnen aber von Europa untersagt. Die Folge: über 35 Mrd. € Kosten der Bankenrettung in Irland, bei einem BIP von nur 160 Mrd. €. Wenn es ein Land in Europa gibt, dass sich wirklich über den Rest Europas (insbesondere Deutschland) ärgern darf, dann ist es Irland. Und das wird die zukünftige Geschichtsschreibung auch deutlich machen. Denn die Iren wurden im Prinzip dazu verdonnert, deutsche Banken zu retten, indem sie ihnen Schrottpapiere zu überhöhten Preisen „abkauften“ – ein in jeglicher Hinsicht skandalöser Vorgang.

Am allerbesten, und das war schon immer mein Favorit, ist eine Form der Buiter/Hall/Zingales Lösung. Buiter, seines Zeichens immerhin Chefvolkswirt der Citibank, schlug schon Anfang 2009 vor, Pleitebanken schlicht aufzuspalten und so einen sicheren Bankteil, und einen Abwicklungsfonds mit Schrottpapieren zu schaffen, und die Aktionäre und Teile der Anleihenbesitzer auf ihrem Schrott sitzen zu lassen.

Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass er 1. fire sales unnötig macht (zumindest für die assets, die in der sicheren Bank verbleiben),  2. Vertrauen schafft (wieder: in den sicheren Teil) und es dadurch keine bank runs gibt, 3. der sichere Bankenteil kein Geld horten muss und damit als Kreditgeber zur Verfügung steht, sowie 4. er im ökonomischen Sinne nicht in die Eigentumsrechte der Bank eingreift: die Bank behält, was ihr auch vorher gehörte. Ansteckung kann man natürlich nicht vermeiden, wenn andere Banken durch ihre Verluste in Schieflage geraten, aber dann macht man es dort eben auch.

Wenn man dies gesetzlich entsprechend vorbereitet, z.B. indem man, wie Mervyn King (Chef der Bank of England) vorschlug, die Banken dazu verdonnert, ein Testament zu machen und so oft wie nötig zu aktualisieren, sollte es auch organisatorisch möglich sein. Kosten für den Steuerzahler: Null Euro.

Fazit: auch die in Teilen merkwürdigen Daten der SZ sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass die Bankenrettung in Deutschland sehr teuer war, auch und gerade weil man bei der Art der Bankenrettung die Gläubiger der Banken auf Kosten der Steuerzahler schonte.

Darüber hinaus aber sollte klar sein, dass man polit-ökonomisch die Krise unbedingt nutzen muss, um den rechtlichen Rahmen dahin gehend zu ändern, dass Verluste in dieser Höhe nicht mehr vorkommen können. Ist die Krise erst vorbei, wird dies immer schwieriger. Auf die Hilfe von Teilen der deutschen Presse kann man hier nicht bauen, denn die scheint den Banken vollends auf den Leim gegangen zu sein.

PS: Wer einen etwas plakativen Film über die HRE sehen will („Gier und Groessenwahn – Wie die Politik bei der Banken-Rettung über den Tisch gezogen wurde“), einfach mal bei Google Video suchen, vielleicht findet Ihr was.

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