Mark Schieritz schreibt im Herdentrieb “Rettet die Staaten und nicht die Banken”, allerdings ist es wenig plausibel was er schreibt:
Es ist klar, dass die Banken auf Basis dieser Markterwartungen ziemlich viel Geld bräuchten, damit ihnen wieder vertraut wird – und dass Christine Lagarde deshalb massive Rekapitalisierungsprogramme fordert. Damit aber zäumen wir das Pferd von hinten auf. Denn es droht eine Situation, in der zwar die Staaten pleite, aber die Banken wohl kapitalisiert sind. Sieht so kluge Politik aus?
Ja, so sieht kluge Politik aus. Warum? Weil Banken durch Rekapitalisierung eben nicht gerettet werden, sondern ihre Eigentümer per Verwässerung ihrer Anteile in die Wüste geschickt werden. Damit hat man schon mal einer wichtige Gruppe, die Verluste tragen kann und sollte, eben solche aufgebürdet.
Denn Verluste muss irgendjemand tragen: GR ist hoffnungslos überschuldet (kein Eurobond und kein EZB Anleihenkauf oder was auch immer würde daran etwas ändern, oder hätten daran etwas geändert, es ist ein größtenteils nicht-Keynesianisches Wachstumsproblem kombiniert mit einem massiven Politikproblem), POR vermutlich auch. IRE ist auch deshalb so schlecht dran, weil ihnen verboten wurde, europäischen Banken Verluste aufzubürden. Die Anleihen dieser Länder “sicher” zu machen, wie Mark möchte, würde Einmaltransfers in Milliardenhöhe erfordern.
Im Gegensatz zu Mark denke ich, dass als allererstes die shareholder (die jahrelang abenteuerliche Renditen meinten einstreichen zu müssen) bluten müssen. Leider ist das bisher nicht geschehen. Statt dessen hat der deutsche Steuerzahler große Risiken aus GR, IRE und POR auf seine Schultern genommen – am liebsten natürlich versteckt unter einem doppelten Boden (= EZB), damit es dem Steuerzahler nicht so auffällt. Daher hier nochmal explizit: jeden Euro Verlust, den die EZB mit ihren Anleihenkäufen macht, werden die Steuerzahler Europas tragen. Denn EZB-Gewinne fließen den Staaten zu und werden in Zukunft entsprechend geringer ausfallen.
Eine erzwungene Rekapitalisierung (oder in manchen Fällen schlicht Abwicklung) von Banken ist der erste sinnvolle Vorschlag seit langer Zeit (den ich schon im Frühjahr 2010 angewendet hätte), und ich hoffe sehr, dass die deutsche Regierung sich dies auf die Fahnen schreibt. Aber ich habe Zweifel.
Denn wie FT alphaville berichtet, sieht es für deutsche Banken gar nicht gut aus, wenn man einmal richtig harte Stresstests durchführt. Und deutsche Banken sind politisch und journalistisch vermutlich sehr gut vernetzt. Welche Banken würden zum Beispiel auch bis 2019 die Richtlinien von Basel III nicht erfüllen?
[T]he UK’s RBS, Germany’s Deutsche Bank and Commerzbank and France’s Credit Agricole. … Although the markets have moved on from worrying about the Italian banks to concerns now about the French, the next shoe to drop really does appear to be with regards the German banks, where even giving them a long period to earn their way out of trouble may not preclude a massive and perhaps forced, re-capitalisation.
Aber zum Glück haben die Banken schon vor Jahren damit angefangen, ihre Bilanzen zu korrigieren und zu säubern. Oder?
European banks look to us as if in some cases they haven’t even begun the balance sheet repair process, with record high assets, large wholesale funding gaps, small cumulative loss realisations compared to total assets and thin capital bases.
Man kann garnicht oft genug betonen, wie falsch es ist zu behaupten, dass Banken zu retten und nur ja vor Verlusten zu bewahren ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung unserer Probleme ist.
Update: In den Kommentaren findet Ihr noch gute, weiterführende Links. Schaut mal rein.
Update II: Mark antwortet im Herdentrieb.






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