Ein Gastbeitrag von Henry Kaspar
Ryan Avents gespenstischer Vergleich der Eurokrise mit der Implosion der westlichen Welt in 1930er Jahren hat auch bei mir einen Nerv getroffen, nicht anders als bei meinem Gastgeber Kantoos. So weit hergeholt Avents Parallele zunächst scheint, so beklemmend ist sie bei näherer Betrachtung – als würde ein Drehbuch nach 80 Jahren noch einmal verfilmt werden:
- Szene 1: das (Wieder)-herstellen einer Währungsunion, gefeiert als Meilenstein auf dem Weg zu Verständigung und Kooperation in Europa (HEUTE: Helmut Kohls Euro. DAMALS: das Wiedererrichten des Goldstandards Mitte der 1920er Jahre im Zuge der Briand-/ Stresemannschen Verständigungspolitik);
- Szene 2: der Aufbau makroökonomischer Ungleichgewichte im Zuge der Währungsunion (HEUTE: Kapitalzufluss in die GIPS-Volkswirtschaften 2000-2008 und Entfachen eines schuldenfinanzierten Konsum- und Immobilienbooms. DAMALS: der schuldenfinanzierte, Kapitalimport-getriebene Konsumboom der Weimarer Republik während der “Golden Twenties”). Kapital fließt fast ausschließlich in den Non-Tradeable-Sektor – Immobilien, öffentliche Verwaltung, Finanzdienstleistungen -drückt das Lohnniveau nach oben und untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft;
- Szene 3: Abbruch der Kapitalströme im Zuge einer globalen Finanzkrise. Zurück bleiben ebenso überschuldete wie wettbewerbsschwache Volkswirtschaften mit hohem externen Finanzierungsbedarf (HEUTE: die GIPS-Staaten ab 2009 / DAMALS: Weimar-Deutschland ab 1929);
- Szene 4: der Versuch der Krise mit Austerität Herr zu werden, begleitet von mühsam ausgehandelten, multilateralen Finanzierungspaketen. Alles wird dem Ziel untergeordnet Staatsbankrotte zu vermeiden und die Währungsunion zu erhalten. Die Pakete behandeln strukturelle Überschuldung als Liquiditäts- und nicht Insolvenzproblem (HEUTE: Rettungspakete für GIPS-Staaten / DAMALS: Young-Plan, Young-Anleihe und Hoover-Moratorium); Wettbewerbsfähigkeit muss durch fallende Löhne wiederhergestellt werden anstatt durch Währungsabwertung (DAMALS: Brünings Deflationspolitik) – beides freilich völlig unzureichend um die makroökonomischen Ungleichgewichte zu beseitigen.
- Szene 5: Fortwährender Vertrauensverlust, Vertiefung der Krise, Aufruhr in den Schuldnerländern, deren Bevölkerungen nicht mehr bereit sind die drückende Last der Anpassung zu tragen, und Ermüdung auf Seiten der Gläubiger (DAMALS besonders destruktiv der U.S. Kongress, der einem gutwilligen aber führungsschwachen Präsidenten – Herbert Hoover – die Gefolgschaft versagte).
Nun muss sich die weitere Szenenfolge aus den 1930er Jahren (als bekannt vorausgesetzt) natürlich nicht wiederholen. Ryan Avent hat wohl Recht dass die makroökonomische Schieflage heute weniger dramatisch ist als damals, und das demokratische und rechtsstaatliche Fundament Europas ist (hoffentlich) tragfähiger. Auch ist die Parallele Goldstandard-Euro nicht perfekt: wie Kantoos bemerkt kann die EZB Euro drucken und damit im Zweifelsfall die Zahlungsfähigkeit der Mitgliedstaaten gewährleisten, während in den 1930er Jahren niemand Gold drucken konnte.
Aber dies ändert nichts an der Richtigkeit Ryan Avents’ bedrückender Beobachtung:
A Europe hoping never to repeat its historical tragedies has gone and blundered into institutions that make those same tragedies more likely. The European project, as it looks now, has failed.
Sprich: das Einführen der Gemeinschaftswährung mag dem europäischen Projekt mehr geschadet als genutzt haben, weil es Länder in wirtschaftliche Zwangslagen trieb, und ihnen zugleich die Politikinstrumente nahm um der Zwangslage zu entkommen.
Freilich überzeugt mich Avents Analyse mehr als seine Schlussfolgerung. Die da ist: wer „Währungsunion“ sagt muss auch „Fiskal- und Transferunion“ sagen:
What has happened now is that Europeans have been confronted with the impact of their previous decision to all hop in the same boat. If citizens of core economies are unhappy with the idea of indefinitely sharing a boat with the Greeks and Italians, then what they’re opting for is not simply the choice to avoid issuance of a eurobond, it’s an end to the euro zone.
In meinen Augen sprechen zwingende politische wie ökonomische Argumente gegen ein Fiskalunion.
Das politische Argument: wer will dass Europäer sich wieder hassen erreicht dies am zuverlässigsten mit der Rückkehr zu Gläubiger-/ Schuldnerbeziehungen zwischen europäischen Staaten, a la Deutschlands Reparationen nach dem ersten Weltkrieg. In Kantoos’ Worten:
So let us recap what a useful fiscal integration will imply: transfers from Germany to other countries. … What is more, we will make conditional transfers out of them, of the sort: money for reforms. Reforms, mind you, that these countries were politically unable to pull off because they are spectacularly unpopular. And here comes the kicker: some of these will be loans that need to be repaid, to an already unpopular creditor. Am I the only one who thinks that this is crazy?
Um das ökonomische Argument zu verstehen hilft es das Drehbuch der 1930er Jahre nochmals zur Hand zu nehmen. Denn auch die Weltwirtschaftskrise kam zu einem Ende – aber erst als:
- die Schuldnerstaaten den Schuldendienst eingestellt hatten - nicht nur Nazi-Deutschland, sondern auch Großbritannien und Frankreich, die ab 1932 ihre Schulden aus dem ersten Weltkrieg gegenüber den USA nicht mehr bedienten;
- die Währungsunion abgeschafft war. Die meisten Ländern lösten zwischen 1931 (Großbritannien) und 1934 (USA) die Bindung ihrer Währungen an Gold bzw. führten Kapitalverkehrskontrollen und Devisenbewirtschaftung ein (Nazi-Deutschland).
Diese unkontrollierten, meist unlilateral vorgenommenen Schritte führten in der Tat zunächst zu den befürchteten finanziellen Turbulenzen. Aber zwischen Ende 1932 und Anfang 1934 bekam die Weltwirtschaft die Kurve: die meisten Volkswirtschaften fingen wieder an zu wachsen.
Leider waren zu dem Zeitpunkt Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland bereits abgeschafft.
Ich ziehe deshalb folgende Lehre aus den 1930er Jahren:
Fundamentale makroökonomische Schiefstände verlangen nach Korrektur der Schiefstände. Finanzierungspakete sind kein Ersatz: sie kaufen allenfalls Zeit um Korrekturen vorzunehmen; an den Schiefständen selbst ändern sie nichts. Und sie sind zum Scheitern verurteilt wenn die Schiefstände so groß sind dass sie im gegebenen institutionellen Rahmen nicht bewältigt werden können. In dem Fall ist der Rahmen selbst Teil des Problems, und muss korrigiert werden.
Dies bedeutet freilich dass Europas Finanzpolitiker sich schleunigst mit folgenden Gedanken vertraut machen müssen:
- Schuldenreduktion ist unumgänglich wo Schuldenlasten nicht nachhaltig sind. Es gibt verschiedenen Mittel zum diesem Zweck, alle mit Vor- und Nachteilen behaftet: offener Default, one-off Übertragung existierender einzelstaatlicher Schulden auf die anderen Euro-Mitgliedsländer; Sondersteuern auf Finanzinstitute und Zuführung der Erträge an überschuldete Staaten; oder eine Kombination dieser Maßnahmen. Schuldenreduktion muss freilich von Schritten belgleitet werden die eine Wiederholung der Schuldenkrise unwahrscheinlicher machen.
- Abwertung und Euro-Austritt muss eine Option sein; nämlich dort wo Wiederherstellen der Wettbewerbsfähigkeit durch Lohn- und Sozialkürzungen das Land in Brand stecken würde. In dem Fall ist das Lösen der “goldenen Fessel” Gemeinschaftswährung – um Barry Eichengreens berühmten Begriff zu verwenden – unumgänglich. “Eurobondage” (ein weiterer treffender Begriff Avents) löst diese Fessel aber gerade nicht, sondern zurrt sie noch fester.
Bislang scheuen Europas Finanzpolitiker vor diesen Schritten (weitgehend) zurück, aus verständlicher Angst vor den kurzfristigen Konsequenzen. Aber Ihr Zögern ist teuer: je länger es dauert desto grösseren Schaden riskieren sie für das europäische Projekt.
Ryan Avent and the Ghost of the 1930s
A guest post by Henry Kaspar
Ryan Avent’s spooky comparison of the euro crisis with the implosion of the Western world in the 1930s has struck a nerve also with me, no different from my host Kantoos. As far-fetched as Avent’s parallel seems at first, the more one thinks about it the more unpleasant sense it makes – it seems almost as if a movie would be re-made from an 80 year old script:
- Scene 1: establishment of a currency union, celebrated as a milestone on the path to cooperation and mutual understanding in Europe (NOW: Helmut Kohl’s euro. THEN: the restoration of the gold standard in the mid-1920s in the context of the Briand-/ Stresemann rapprochement policy).
- Scene 2: the accumulation of macroeconomic imbalances in the wake of the currency union (NOW: capital flows into the GIPS economies 2000-08 that unleashed a debt-financed consumption and real estate boom. THEN: the debt-financed, capital import driven consumption boom of the Weimar Republic during the ”golden twenties”). Capital flows go almost exclusively to the non-tradable sector -real estate, public administration, financial services – push wage levels upward and undermine the economy’s external competitiveness.
- Scene 3: a sudden stop of capital flows during a global financial crisis. The stop leaves behind economies that are as overindebted as they are uncompetitive and have large external financing needs (NOW: the GIPS-economies from 2009 / THEN: Weimar-Germany from 1929).
- Scene 4: attempts to reign in the crisis with austerity measures and multilateral financing packages cobbled together during painful negotiations. Everything is subjugated to the objective of avoiding sovereign defaults and preserving the currency union. The packages treat structural overindebtedenss as a problem of illiquidity, not insolvency (NOW: support packages for the GIPS-countries / THEN: Young plan, Young loan and Hoover moratorium); competitiveness has to be restored through falling wages rather than currency devaluation (THEN: Brüning’s deflationary policies) – both entirely inadequate to eliminate macroeconomic imbalances.
- Scene 5: continued loss of confidence, intensification of the crisis, upheaval in the debtor countries, whose populations are no longer willing to carry the crushing burden of adjustment, and tired frustration on the side of the creditors (THEN particularly destructive U.S. Congress that refused to follow the lead of a well-meaning but weak President - Herbert Hoover).
The susbsequent scenes from the 1930s (assumed to be known) do not need to repeat themselves, or course. Ryan Avent is arguably right that macroeconomic imbalances are less dramatic now than they were then, and Europe’s democratic foundations are (hopefully) more robust. Moreover, the parallel between the gold standard and the euro is far from perfect: as Kantoos notes, the ECB can print euros and thus assure, in case of doubt, its member states’ ability to pay, while in the 1930s no one could print gold.
But all this takes nothing away from Ryan Avent’s depressing observation:
A Europe hoping never to repeat its historical tragedies has gone and blundered into institutions that make those same tragedies more likely. The European project, as it looks now, has failed.
In my own words: introducing a common currency may have harmed the European project more than it helped, by provoking that countries would fall into debt/competitiveness traps, while taking away the policy instruments needed to escape from these traps.
This said, I find Avent’s analysis more convincing than his conclusion. Which is: if you say “currency union” you need to say “fiscal and transfer union” too:
What has happened now is that Europeans have been confronted with the impact of their previous decision to all hop in the same boat. If citizens of core economies are unhappy with the idea of indefinitely sharing a boat with the Greeks and Italians, then what they’re opting for is not simply the choice to avoid issuance of a eurobond, it’s an end to the euro zone.
In my view there are compelling political and economic arguments against a fiscal union.
The political argument: if you want Europeans return to hating one another, the safest way of achieving this is by reestablishing creditor-/debtor relationships between European governments, a la Germany’s reparations after World War I. In Kantoos’ words:
So let us recap what a useful fiscal integration will imply: transfers from Germany to other countries. … What is more, we will make conditional transfers out of them, of the sort: money for reforms. Reforms, mind you, that these countries were politically unable to pull off because they are spectacularly unpopular. And here comes the kicker: some of these will be loans that need to be repaid, to an already unpopular creditor. Am I the only one who thinks that this is crazy?
To understand the economic argument it is helpful to once again study the script from the 1930s. Also the great depression came to an end after all, but not before:
- debtor countries had defaulted - not just Nazi-Germany but also Britain and France that in 1932 stopped servicing their WWI-debts vis-a-vis the U.S.; and
- the currency union had been abolished. Most countries dissolved their currencies’ link to gold between 1931 (Britain) und 1934 (U.S.), and/or introduced capital controls and currencies inconvertibility (Nazi-Germany).
These uncontrolled steps, typically taken unilaterally, did at first trigger indeed the anticipated financial turbulence. But between end-1932 and early 1934 the global economy turned around, and most economies started growing again.
Unfortunately by then democracy and the rule of law in Germany had been abolished.
I draw therefore the following lesson from the 1930s:
Fundamental macroeconomic imbalances require correcting the imbalances. Financial support packages are no substitute: they buy time to make corrections, but they do not change the imbalances as such. And they are doomed to fail if imbalances are that large that they cannot realistically be corrected within the existing institutional framework. In this case the framework itself is part of the problem and needs correction.
This means of course that Europe’s economic policy makers should get acquainted with the following thoughts – asap:
- Debt reduction is unavoidable when debt levels are unsustainable. There are several means to achieve this, all coming with advantages and disadvantages: open default, a one-off transfer of existing debts from individual states to other euro area members; financial sector taxes and transfer of the receipts to overindebted governments; or a combination of these measures. Debt reduction has to be accompanied by steps that make a repeat of the debt crisis less likely.
- Devaluation and exit from the euro must remain options; specifically in cases where restoring competitiveness through wage and benefit cuts would set the country on fire. It is then unavoidable to remove the ”golden fetter” currency union, to use Barry Eichengreen’s famous term. “Eurobondage” (another fitting term by Ryan Avent), however, does not dissolve the fetter - it tightens it further.
Until now Europe’s economic policy makers have largely shied away from these steps, out of an understandable fear of the short-term consequences. But their hesitation is costly: the longer it lasts the more they risk damaging the European project.


Dem kann man nur zustimmen… sehr treffend analysiert.
Wie damals gibt es auch heute Alternativen (natürlich sind die auch schmerzhaft) nur ging es damals um eine politische Ideologie und heute wieder. Brüning wollte damals die Reparationen los werden und ihm waren dazu alle Mittel recht. Heute geht es um den unbedingten Erhalt der Europäischen Währung. Beides sind festgefahrene Ideologien.
Weder Brüning (es gab viele Berater von Brüning die Konjunkturprogramme forderten und ein Umsteuern der Politik.. siehe hierzu: C.L. Holtfrerich “Alternativen zu Brünings Wirtschaftspolitik in der Weltwirtschaftskrise) noch Merkel und die restlichen Politiker akzeptieren Alternativen.
So trivial dies auf den ersten Moment erscheint ….
Leider gibt es seit 1993 Leute die sich gegen die Währung ausgesprochen haben. Aber sie wurden nicht gehört. Es sind genau die Argumente die heute zum tragen kommen, die diese Professoren zum Widerstand brachten.
Und die Lösungen die sie heute vorschlagen sind ähnlich den deinen. Aber man wird euch leider nicht hören und dann gibt es genau den gleichen Reinfall wie mit der Einigung… wenn nicht sogar schlimmer.
De facto sind die Vorgänge gleich. Es ließe sich also in einigen Jahren vergleichen Einigung-Fiskal Union…
Die politische Frage ist nur ob wir immer mehr Zentralismus wollen. Wir befinden uns direkt auf der Straße zu Knechtschaft… würde Hayek noch leben würde er wahrscheinlich spätestens bei der Idee der Eurobonds tot umfallen.
best regards
Nun sehen wir ja in den USA eine funktionierende Fiskalunion. So, wie ich OCA verstehe, ist sie ohne Fiskalunion nicht langfristig zu machen.
Sie schreiben: “wer will dass Europäer sich wieder hassen erreicht dies am zuverlässigsten mit der Rückkehr zu Gläubiger-/ Schuldnerbeziehungen zwischen europäischen Staaten.” Die Gläubiger-/Schuldnerbeziehungen sehen wir ja nun gerade. Inwiefern bedeuten Eurobonds eine “Rückkehr zu Gläubiger-/Schuldnerbeziehungen”`? Ich kann ihnen da nicht ganz folgen.
Ihr ökonomisches Argument erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Schuldenlasten zum Beispiel Griechenlands plausibel, die Schuldenlast ist zu hoch. Aber: eine Fiskalunion muss doch keine Alternative zur Schuldenreduktion sein; wäre es nicht möglich, Griechenlands Schuldenlast zu reduzieren und im Anschluss daran fiskale Integration zu erreichen?
Ich habe den Beitrag mehrmals gelesen.
Mein (erstes) Urteil:
So beklemmend das Gesamtszenario auch ist, ich sehe nicht, dass hier etwas an den Haaren herbeigezogen worden ist. Der Beitrag ist schlüssig argumentiert, zwingend. Und er wirft Fragen auf, die jenseits aller rechnerischen Funktionalbetrachtungen liegen, wie z. B. die Überlegung, um wie viele Prozentpunkte höher die Zinsen für deutsche Staatsschulden bei der Einführung von Eurobonds liegen würden. Verglichen mit dem “großen Bild”, das hier gezeichnet wird, ist das kleinteilig.
Kurzum: hochgradig irritierend, aber – soweit ich erkennen kann – in seinen perspektivischen Schlussfolgerungen nicht widerlegbar.
Ich bin noch am Nachdenken, frage mich aber schon einmal:
Ist das „Projekt Europa“ für das es ja gute Gründe gibt, in Form der Währungsunion nicht eine Illusion, der wir uns unter den Umständen schleunigst entledigen sollten?
O. T. folgende Bemerkung:
Dieser Beitrag gehört in die führenden deutschen Wirtschaftsblätter. Was im Economist ausgelöst worden ist, müsste doch – uns vor allem betreffend – auch hierzulande diskutiert werden. Was immer entschieden wird, wir sollten wenigstens wissen, auf was wir uns einlassen. Eine Debatte darüber ist m. A. n. zwingend erforderlich.
Vielleicht könnte O. Storbeck, der hier mitliest, bei der Redaktion des Handelsblatts einmal anfragen, ob sie diesen Beitrag abdruckt. Ich kann mir vorstellen, dass er bei den Lesern dieser Zeitung eine sicher auch kritische Diskussion auslösen würde, die der Sache, die demnächst zu entscheiden ist, angemessen wäre.
Ebenfalls Interessant scheint diese Analyse zu sein:
http://www.focus.de/finanzen/doenchkolumne/schuldenkrise-die-eurozone-zerbricht-so-wie-die-sowjetunion_aid_655842.html
auch hier wird verglichen: Rubel-Euro
Ich verstehe nicht was gegen einen Austritt einiger Länder spricht. Es kommen immer nur Argumente wie:
Dann wird die Panik größer
-> Warum sollte das der Fall sein jeder würde sehen, dass der Euro stabiler und sicherer wird wenn die Problemstaaten im WKM II sind und nicht mehr im Euro. Der Euro könnte dann sogar für Länder wie die Schweiz oder Norwegen attraktiv werden…
Dann brechen die Banken zusammen
-> eines der wenigen Argumente die wirklich ziehen. Aber Banken können mit einem Schnitt Leben denke ich außerdem haben viele Banken Problempapiere schon abgestoßen. Notfalls müssen die guten (illiquiden) Banken gerettet die bankrotten pleite gehen(frei nach Bagehot).
Wer zu groß zum pleite gehen ist, gehört aufgelöst. Man kann nicht durch ein retten aller den Moral Hazard weiter schüren, dies ist schon 2007-2009 geschehen.
Ich habe gestern noch irgendwo gelesen Kapitalismus ohne Konkurs, dass ist wie Christentum ohne Hölle …
auf Argumente wie: das zerstört den “Europäischen Geist” gehe ich hier jetzt nicht ein :-D
Wichtig ist m.E. bei der Diskussion auch, dass nicht nur die rein ökonomische Faktoren miteinbezogen werden sondern auch und gerade die sozialen Auswirkungen.
Leider werden diese Komponenten nur marginal von den Ökonomen gestreift.
Ähnlich wie in der Klimadiskussion müßten wir doch auch in der Ökonomie zur Einsicht gelangen, dass unilaterale Lösungen letztlich wenig hilfreich sind.
Der Artikel von Charles Moore im Daily Telegraph ist m.E. wegweisend :
http://tinyurl.com/3b9455k
Wir könnten natürlich auch im Falle der Währungsunion mit der schöpferische Zerstörung von Schumpeter argumentieren :-)
@JM
>Wir befinden uns direkt auf der Straße zu Knechtschaft… würde Hayek noch leben würde er wahrscheinlich spätestens bei der Idee der Eurobonds tot umfallen. <
Und wenn …. Was diese Ideen angerichtet haben sind man/frau…. siehe Charles Moore
Nachsatz:
In den US denkt man auch bereits über unilaterale Lösungen nach:
http://tinyurl.com/cnltdj
bereits 2009 von Rick Perry geäußert!!
2. Nachsatz:
Wenn schon unilaterale Lösungen:
Warum machen wir eigentlich noch Transfers an Bremen, Saarland und Berlin???
Sicherlich gibt es auch im Bereich des Umverteilungsmechanismen zwischen den Bundesländern Reformpotential. Es gab ja mehrmals die Überlegungen diese vor dem Verfassungsgericht anzufechten.
Aber!
Land=Bundesstaat ist wie 0=1 in der Mathematik das geht nicht ganz auf
:
So muss ein Bundesland zum Beispiel die Gleichheit der Möglichkeiten was Infrastruktur und Bildung angeht finanzieren. Wenn die Einnahmen dafür nicht ausreichen erhält es Unterstützung von den anderen Bundesländern.
Allerdings ist Deutschland hier im Bereich der Bundesländer häufig (viel zu) hoch verschuldet. Daran muss gearbeitet werden. Aber natürlich muss man sich auch Fragen auf welchen Strukturellen Defiziten und Fehlentwickelungen liegt das Problem im Kern.
Solidarität entsteht zudem nicht von heute auf morgen. Bei den Bundesländern war von vornherein klar das es diesen Ausgleich geben wird. Bein der EU war das im Vertrag nicht mit eingeschlossen oder?
Die unterschiedlich starken Industriebereiche sind über Jahrhunderte gewachsen… nicht umsonst nannte man den Osten lange die Kornkammer Deutschland.
Wie gesagt auch bei der Einheit ist viel Falsch gelaufen ähnlich wie heute bei der Kreditvergabe.
So fehlen in beiden fällen die Anreize zu Investieren.
Was diesen Mechanismus jedoch
Spot on analysis.
The one missing bit is how to ‘fix’ fiscal problems even with a debt writedown. In the case of Ireland, the deficit was built on bubble revenues (resulting from the capital flows as identified above). Even with a departure to a new currency, the gap between income and expenditure will remain (it will just be in a different currency).
There still seems to be no alternative to reducing expenditure and raising taxation?
@JM
eine petitesse am Rande:
Nicht der Osten hieß die Kornkammer Deutschlands sondern Ostpreußen, sonst würde Sie leider hier die Industriegebiete in Schlesien unterschlagen, abgesehen von den Industriegebieten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.Und schauen Sie einmal wie es mit dem Industriestandort Bayern 1950 war.
Und was die Solidarität betrifft: Sie scheinen zu verkennen, wieviel Transfers die EU an Staaten wie Portugal, Spanien, Griechenland Irland etc geleistet hat. Ohne diese Transfers hätte sich die Industrie in Deutschland in den vergangenen 4O Jahren nicht so stark entwickeln können.Nebenbei auch Deutschland hat seit der Wiedervereinigung (und auch schon vorher) Transfers erhalten. Und vergessen Sie nicht den Marshall Fonds das war letztlich auch ” Solidarität ” denn sonst wären wir wohl à la Morgenthau ein Land von Bauern :-)
Und wenn die Solidarität in der Eurozone nicht explizit angelegt war, dann ist es jetzt eine Notwendigkeit.
Oder wollen Sie wieder europäische Kleinstaaterei , oder wollen Sie wieder den Wegfall der Schengenzone (siehe Beispiel Dänemark) -
P.S. Und was die Anreize zum Investieren in der ehemaligen DDR betrifft, die sind dagewesen aber warum soll ein Unternehmen dort investieren, wenn die heimische Produktion mit einem geringen Aufwand hochgefahren werden kann um den Mini-Markt DDR zu versorgen !!
Und wenn wie schon von globaler Wirtschaft sprechen, dann sollten wir letztlich auch über unseren nationalenstaatlichen Tellerrand hinausblicken. Sonst haben wir eines Tages wieder den ” deutschen Zollverein ” .
“Sie scheinen zu verkennen, wieviel Transfers die EU an Staaten wie Portugal, Spanien, Griechenland Irland etc geleistet hat. Ohne diese Transfers hätte sich die Industrie in Deutschland in den vergangenen 4O Jahren nicht so stark entwickeln können.”
Diese Logik erschließt sich mir nicht. Deutschland Exporte gingen zu großen Teilen in Länder außerhalb der EU.
Mit den Transfers nach DE meinen sie Transfers aus Europa ? Soweit ich weiß ist das mehr oder minder ein Nullsummenspiel oder?
Korrekt! Es gab den Marschall Plan (was sie mit Marschall Fond meinen oder weil es gibt auch eine Stiftung die so heißt).
Aber das was wir heute Betreiben damit zu Vergleichen ist eine Perversion. Der Marschall Plan sah völlig anders aus und basierte auch auf einem anderen Hintergrund nämlich einem geordneten Währungssystem (Bretton Woods) und den Folgen des 2 WK.
Wenn ich nichts verpasst habe gab es so etwas nicht in den letzten 10 Jahren.
Sicherlich braucht es ein Förderprogramm für die Länder die momentan hoch verschuldet sind. Aber auch um wieder Wettbewerbsfähiger zu werden müssen sie Austreten, ihre Währung abwerten und mit den Gläubigern einen Schnitt aushandeln. Erst dann kann man über ein Förderprogramm reden. Momentan nützen die Garantien dem Bürger herzlich wenig in G und anderen Ländern….
Natürlich will keiner ein zurück in die Jahre der europäischen Kleinstaatenrei (obwohl es die soweit ich weiß gab es diese ja auch nicht wurden ja nach wenigen Jahren erste Anstrengungen unternommen um
aus den Fehlern zu lernen und Europa zu einer Gemeinschaft zu machen).
Ich bleibe aber dabei das die Einführung des Euro viel zu früh war und allen Staaten nur geschadet hat. Warum also nicht noch einmal zurück auf Staat und neu anfangen wenn die Rahmenbedingungen stimmen
Edit: (soweit ich weiß gab es diese ja auch nicht es wurden ja nach wenigen Jahren erste Anstrengungen unternommen um aus den Fehlern zu lernen und Europa zu einer Gemeinschaft zu machen)
… Finger schneller als der Kopf
@JM
sorry in der Eile:
es sollte heißen Marshall Plan, oder genauer gesagt ERP (European Recovery Program)
Den Begriff Europäische Kleinstaaterei ist eine Anspielung auf die deutsche Kleinstaaterei!!
>Deutschland Exporte gingen zu großen Teilen in Länder außerhalb der EU.>
2009 gingen über 60% der deutsche Exporte in die EU:
http://tinyurl.com/3ck2rzr
So ganz verstehe ich Sie nicht:
Was haben Exporte in die EU mit EU-Transfers zu tun? Das eine sind Äpfel, das andere sind Birnen :-)
>Mit den Transfers nach DE meinen sie Transfers aus Europa ? Soweit ich weiß ist das mehr<oder minder ein Nullsummenspiel oder?<
Ja es handelt sich um EU-Transfers nach Deutschland!
Woher wissen Sie das es sich um einen Nullsummentransfer handelt?
Hier zum Nachlesen:
Der deutsche Beitrag zum EU-Haushalt betrug im Jahr 2009 (vor Korrekturen) etwas mehr als 20 Mrd. €. Mit knapp 20 % aller Beiträge der Mitgliedstaaten trug Deutschland vor Frankreich (17,5%) den größten Anteil.
Allerdings flossen 2009 auch knapp 12 Mrd. € an EU-Zahlungen nach Deutschland, so dass der deutsche Netto-Beitrag 2009 vor Korrekturen etwas weniger als 9 Mrd. € betrug. Durch sog. Einmaleffekte (verringerter deutscher Anteil an den Mehrwertsteuer-Eigenmitteln) reduzierte sich der Netto-Beitrag für 2009 nochmals auf ca. 6,4 Mrd. €. 2008 hatte der deutsche Netto-Beitrag noch bei rund 11 Mrd. € gelegen. Aus Deutschland flossen damit zwar netto auch 2009 mehr in den EU-Haushalt als aus jedem anderen Mitgliedstaat. Legt man den Beitrag zum EU-Haushalt jedoch auf die Bevölkerung um (2009: 82 Mio. Einwohner), ergibt sich ein anderes Bild. Der deutsche Pro-Kopf-Anteil am EU-Budget betrug demnach 2009 netto ca. 78 € je Bürger. Pro-Kopf-Spitzenreiter war 2009 Dänemark mit 211 € pro Kopf, gefolgt von Finnland (114 €), Italien (102 €), Frankreich (100 €) und den Niederlanden (90 €). Die anderen Nettozahler waren Großbritannien, Österreich, Schweden, Irland und Zypern.
aus:http://tinyurl.com/64mzesz
Sinnvoll für unsere Diskussion wäre es auch, wenn Sie mehr Fakten bringen als nur als Aussagen wie:
so weit ich weiß …. :-)
Ob dieses einmal auf Start drücken :-) und dann wieder beginnen der richtige Weg ist bezweifel ich.
Da können Sie sicherlich beim Laptop machen aber die Währungsunion ist leider kein Computer!!
Beeindurckend argumentiert – eins, zwei, drei. Und auch so, dass kein Politiker, der dies liest, behaupten könnte, er hätte es nicht verstanden (oder nur auf die Gefahr, für dumm gehalten zu werden).
Interesting but I do not see a replica of Nazi germany emerging from the PIIGS..The horrors of war are not to be dragged into a discussion about an eminently solvable economics problem with unsolvable political externalities. The idea is to get Europe through this tough patch,. not destroy it again.
Ryan Avent’s fiction does not say anything about the feasibility of correcting the structural faults of the existing arrangements (why should they not be repairable?) and does not make things easier. It is difficult but not more difficult than solving other problems. In fact , EUR Europe is in a pretty good position compared to the US and the UK. Right?
But there are two big problems within the EU: (1) collective action at the political level (especially the link between state- and surpranational politics) and (2) the lack of (maybe barriers to) equity flows from current creditors to current debtors, shifting the burden of adjustment from the private sector (where it belongs in a common market) onto the gvts.
Solution: (1) debt-for equity swaps in case of Greece (real estate, lots of, attractive)and Ireland (bank franchises, country with high growth potential despite problems, value at least 1.5 times Basle III capital requirement)
(3) revisit the so-called EU constitution and make hard decisions about who will stay in.
No need for dictators (Germany was merely the Western edge of a mass of dictatorships in the 1930s but it was an overachiever once it became one; just look at Poland, Hungary, Romania, etc and of course the curious case of Italy; and why did France under Laval not become a dictatorship before WWII while Laval begged -in vain-for equal status with Italy once France was defeated?) this time. Also, militarism is very uncool..
Maybe Ryan got carried away?
“wer will dass Europäer sich wieder hassen erreicht dies am zuverlässigsten mit der Rückkehr zu Gläubiger-/ Schuldnerbeziehungen zwischen europäischen Staate”
Ich glaube, das ist der Knackpunkt. Wer diesen Vorgang in Echtzeit beobachten will, braucht nur auf der Webseite der österreichischen FPÖ (www.fpoe.at) vorbeizuschauen.
Der Verweis darauf, dass es sowas in Form von EU-Förderungen schon gibt und gab, ist irrelevant. Entscheidend sind hier nicht irgendwelche Fakten, sondern die öffentliche Wahrnehmung, welche wiederum stark davon abhängt, wie gut sich Themen zum Ausschlachten durch Populisten eignen.
Bei allen Diskussionen hier muss berücksichtigt werden, dass sich die politische Landschaft als Kollateralschaden der Krise erheblich verändern wird und populistische Kräfte stärker werden, denen noch weniger, als es ohnehin der Fall ist, eine langfristig angelegte und nachhaltige Politik zuzutrauen ist.
Ich bin ein überzeugter Europäer, aber auch ein Realist. Als solcher zweifle ich manchmal, ob nicht in diesem Fall ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen wäre. Ein Neubeginn ist immer auch eine Chance!
@Kaspar
Fundamentale makroökonomische Schiefstände verlangen nach Korrektur der Schiefstände. Finanzierungspakete sind kein Ersatz: sie kaufen allenfalls Zeit um Korrekturen vorzunehmen; an den Schiefständen selbst ändern sie nichts.
Habe ich gestern ähnlich als Resumee gezogen:
http://logicorum.wordpress.com/2011/08/15/der-zins-der-zins-euro-bonds-zentralbanken-schulden-und-die-keynesianer/
Allerdings sind die Schlussfolgerungen etwas anders. In Ihrer Version ist es alles etwas “Euro-Sichtig”.
DAMALS: der schuldenfinanzierte, Kapitalimport-getriebene Konsumboom der Weimarer Republik während der „Golden Twenties“).
Wie sieht es mit den USA aus? GB, Japan und am Ende auch Deutschland? Steigende Staatsschulden und Abwertungen, Krisen gibt es auch dort wo es keinen Euro gibt. Es ist überall am Ende eine Frage der Zeit.
- Finanzierungspakete kaufen Zeit
- die Subprime-Krise inkl. der darauf basierenden weltweiten Finanzkrise wurde.nicht durch den Euro ausgelöst (wenn auch die spanische Immo-Krise dadurch befeuert)
Kaufen also Zeit um Korrekturen vorzunehmen. Ich kann den Punkt das Bonds oder der Euro dabei helfen oder stören würden diese Korrekturen vorzunehmen nicht sehen. Ich gehe daher davon aus das das obige Szenario der ´30er nicht vom Euro abhängig ist oder von Bonds und damit die Argumentation damit in die Irre führt bzw. einen Schuldigen erzeugt.
Und exakt das – “der Schuldige” – ist ein Strohmann mit dessen Hilfe man sich eben der Diskussion um die tatsächlichen und tiefergehenden Änderungen entzieht. Denke darüber einmal nach.
Grüße
ALOA
@Friedrich Bolle
Wenn das eine Anspielung auf die Deutsche Vielstaaterei war hinkt er dennoch da sowohl Umstand als auch die Philosophie die zur Einigung führten eine völlig andere war.
Der nationalistisch,realpolitisch orientierten Philosophie die u.a. zur Gründung des deutschen Reiches steht nach dem WK II die französisch aufklärerische Philosophie des Zentralismus gegenüber.
Es besteht schon ein gewisser Zusammenhang zwischen Transfer und Exportüberschuss. Wie ja in den letzten Monaten genügend diskutiert wurde gilt das Gesetz von Böhm-Bawerk: „Zahlungsbilanz befiehlt Handelsbilanz gehorcht“. Folglich muss Deutschlands Kapitalbilanz höheren Import Anteil (Beispiel G http://www.een-bayern.de/een/inhalte/Laender/Europa/Griechenland/Export-Import-Statistik-Griechenland/year/Griechenland/2003/2008/, eine umfassendere Statistik würde die These mit Sicherheit Stützen) in der Peripherie finanzieren. Da Deutschland allerdings nicht zu den „größten“ Handelspartnern G gehört haben wir daran nicht viel verdient.
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Aussenhandel/Gesamtentwicklung/Gesamtentwicklung.psml
Wie wir hier sehen divergiert der Export weit über den (auch) ansteigenden Import. Import und Export trennen sich seit 50 Jahren das erste mal so extrem.
Die Frage ist woran das liegt:
1. Am Euro der es uns möglich machte
2. An der immer stärker Abnehmenden Binnennachfrage
3. ?
4. ?
Ich tendiere noch zu 2 weil wenn man sich ca. den Trend vor dem Auge einzeichnet folgt der Export eher dem Trend und der Import nimmt immer weiter ab (im Verhältnis zum Export)
Auf Seite 4 dieses Dokuments zeigt sich, dass der Deutsche Außenhandel in die EWU prozentual abnimmt. Eine längere Entwickelung von 1970-2010 wäre mit Sicherheit hilfreicher. Ich suche mal weiter, habe bisher aber leider noch nichts gefunden.
http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2011/201103mba_zahlungsbilanz.pdf
Die deutsche Bank zeigt hier, dass auch andere Länder in der EU im Bereich der Exporte auf andere Mitgliedsländer fixiert sind. Deutschlands Anteil erscheint hier sogar etwas gering.
http://www.dbresearch.de/servlet/reweb2.ReWEB?addmenu=false&document=PROD0000000000255905&rdShowArchivedDocus=true&rwnode=DBR_INTERNET_DE-PROD$WIPO&rwobj=ReDisplay.Start.class&rwsite=DBR_INTERNET_DE-PROD
@ Rien Huizer
problems :
(1) collective action at the political level (especially the link between state- and surpranational politics) ist hier nicht gerne diskutiert.
(2) fehlt bei den solutions
@rubycon
Touche! Solution #2 is for the ECB on (explicitly) behalf of all governments and the Commission to explain to the public (without opportunistic behaviour) what respectable models tell us about the longer term equilibrium positions under a variety of MENU OPTIONS re more or less fiscal and financing (raising/servicing/restructuring debt, assets disposals, etc) coordination. That would take the topic out of the hands of populists and hysteric media and force the (now free riding) “anti” politicians to cooperate or be unmasked as charlatans (as most of them are). This is what would happen in a crisis like a natural disaster or war. There would be a single coordinator who would speak on behalf of the gvt. (maybe not in Germany, see EHEC!)
As you may have seen, I am somewhat obsessed with the unresolved collective action problems in this EU of ours (and that is also the more abstract version of what happened in Europe since the breakdown of Metternich’s project) hence, whatever solutions I would propose are a mixture of technocratic (effective monetary policy cum ECB mandate, not the “fall guy” status that appears to be developing), finance (why not do the sort of things that people do who restructure debt in the real world?) and organizational: asking the gvts to DELEGATE a communication task (where are we?, where will we get if?) to the EU public and letting the ECB do that without interference (that would include member country CBs’ PR).
Of course I do not believe that such a delegation (even only for communication) is politically feasible, although it would begin to solve the coordination problem (standardise the status quo perceptions and eliminate inconsistent/inherently unfeasible approaches) and make the process much more manageable. The main reason that I consider this unfeasible (apart from the question if this specifically is a good idea, it would apply to any idea involving delegation-centralization of strategy formation) is that the political elites benefit from the existence of these problems at low cost to themselves. Until a country collapses of course.
@ Rien Huizer
mercie a toi
in discussion with enigma modells with more than one equilibrium (longterm?) can be identified.
how can policy react to get to the most wishable equilibrium for the actual situation – trial and then ?
which could be the rule for the next assumption?
maybe you have some ideas?
thanks for your “radical” approaches even reflecting their realistic possibilty!
but if i had not fucked the MSM with the Finanztransaktionssteuer it would not be on the agenda of Merkel / Sarkoszy – believe it or not ;-)
they are only thieves – but we know this and play with them …
Anshu Jain is already preparing the “right” adjustment for tobintax !
@ Rien Huizer und alle Europäer
Europa-Lösung im Sinne gemeinsamer Handlungsweise (collective action) :
Europawahlen verbunden mit EU-Volksentscheid zu neuer Verfassung inklusive €uroregelungen.
Einfache Mehrheit als Entscheidungsregel mit der Option des sofortigen freiwilligen Austritts der Staaten, die keine Zustimmung in ihren Bevölkerungen erreichen.
Termin Inkrafttreten 2013, so dass ausreichend Zeit bis zu Wahlen im Herbst 2012 bleibt an inhaltlichen Verfassungsentwürfen zu arbeiten und diese bis zur europaeinheitlichen Wahl (Oktober) zu kommunizieren.
That is all.
Natürlich mit transparenter Finanzmarktregulierung und Finanztransaktionssteuer.
Der Trick von Merkel und Sarkoszy ohne Volksbefragung, einfach mal so einen Wirtschaftsregierungschef durch EU-Rat zu installieren, ist hiermit obsolet.
Der Countdown läuft ab jetzt !
Wie wäre es denn einmal mit Lösungsversuchen zur Eurokrise (Griechenand) via Lehrfilm von explainity:
http://www.youtube.com/explainity#p/u/1/dEOr0jhB5zo
Ein Bild sagt mehr als 100 Worte :-)
Visualisieren kann schön verständlich machen > 25 % – lernt man in Lüneburg ;-)
Werdet ihr nie wieder im Leben vergessen – die verschiebenden Hände !
Fraglich ist ob das Geld nicht doch verschenkt wird weil die Inflation zu hoch ist, als das der Zins sie ersetzen könnte.
In den letzten Jahren lag die Inflation teilweise höher als die Zinsen wie man hier auf Folie 7 sieht.
http://www.rws.eu/uploads/media/script_20100323_01.pdf
Momentan sinkt die Inflation zwar in großen Schritten (http://de.global-rates.com/wirtschaftsstatistiken/inflation/verbraucherpreisen/vpi/griechenland.aspx) droht jetzt evtl. die Gefahr einer Deflation, wenn die Sparpakete erst richtig beginnen zu greifen ? Folge wäre dann ja, dass Schulden noch “teurer” werden…
Ebenfalls interessant dieses Papier http://www.uni-tuebingen.de/uni/wwa/download/GeschWipo/Neu_Eu_Erfolgsgeschichte_ASM_Header.pdf
zum Thema Inflation und Geldmengenwachstumim Euro Raum.
Außerdem ist es fraglich in wie weit das Sparpaket hilft. Für die Griechen ist es jetzt meiner Meinung nach wichtig Strukturen aufzubauen die helfen ein Unterstützungsprogramm anzunehmen. Wie die Deutsche Bank feststellt: http://www.dbresearch.de/servlet/reweb2.ReWEB?addmenu=false&document=PROD0000000000275930&rdShowArchivedDocus=true&rwnode=DBR_INTERNET_DE-PROD$EM&rwobj=ReDisplay.Start.class&rwsite=DBR_INTERNET_DE-PROD
@ Rubycon
Are you a collective action expert? I am not, but I thought that the relevant area of expertise would be public choice etc. However, that field has a reputation for being better at theories than solutions.
Anyway, meanwhile our leading couple (maybe they should be in “dancing with the stars” (and Australian programme)) has decided to simply appear on the media with speach free of content, or statements that are inherently too difficult for others to share (“balanced budget” for instance)
One would expect that the advisors have prepared an exhaustive set of policy alternatives with their costs, benefits and externalities(maybe with a dash of economics). For the individual inner circle countries and for the outsiders. A plus of this initiative is that it sets an agenda. A negative is that French and German interests vary considerably. As you van see from trade and investment flows, Germany does not need the PIIGSs as much as France.
@ Rien Huizer
To combine the variety in the selfgiven agendasetting asks also for our excellence in advising -
economically, politically and psychologically and refers to our ability to communicate and convince the “notwendigen Mehrheiten” of the european people.
If you are born in Europe and travel across its different states and cultures you believe by yourself to be an practical expert in collective action besides theory .
A broad variety can be positive if we choose the the right solition and love the “Vielfältigkeit der Angebote” ?
@rubycon und für die anderen
Hier noch die rating agenturen :
http://www.youtube.com/explainity#p/u/2/YZwjbgV2FBU
Würden die ERBD und oder EIB zusammen mit der EZB ausreichen den ganzen Rettungsschirm zu ersetzen wie Herr Hankel gerade im Radio behauptet hat?
Dort sollen auch die länderspezifischen Adjustierungen als Differenzierungen der unterschiedlichen Wirtschaftskräfte mittels Zinsen und Zuteilungen entschieden werden.
Ein sehr guter Vergleich der derzeitigen Probleme mit den 30er Jahren. Es muss auf jeden Fall eine längere und fortgesetzte Deflationspolitik und vor allem bei den Löhnen und Sozialleistungen der GIIPS-Länder verhindert werden.
Das Problem der Weltwirtschaftskrise war die Deflationspolitik, die mit dem Ausscheiden aus dem Goldstandard beendet werden konnte. Heute gäbe es eine Alternative zur Aufgabe des Euro, nämlich die Inflationierung vor allem in Deutschland, mit Hilfe stark steigender Löhne und Sozialleistungen. Höhere Löhne und Masseneinkommen in Deutschland statt Lohnsenkung und Sozialabbau von Griechenland bis Portugal.
Statt Schuldenschnitt und Staatskonkursen ein Weginflationieren der Schuldenlast. In den USA wird das gerade gemacht, wenn es die Tea-Party nicht noch verhindert. Europa müsste also nicht einen starken Dollar fürchten, sondern könnte mit der FED zusammen die aufgehäuften Geldvermögen in allen Staaten endlich entwerten. Die Eigentümer der Geldvermögen müssen dann halt endlich wieder nach einer echten Geldanlage suchen, statt nur bei Stabilitätspolitik der Notenbanken hohe Zinsen einstreichen zu wollen.
Der zweitwichtigste Punkt wäre eine europaweite kräftige Besteuerung der Vermögen und der hohen Einkommen. Denn es ist die ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, was die Konjunktur killt und die Staatsverschuldung erzwingt.
Danke fuer die vielen guten Kommentare. Ein paar Reaktionen.
@ JM
MAn ist Bruening sein Fehler eher zu verzeihen als den heutigen Finanzpolitikern – denn er hatte, wenn er nicht den offenen Bruch mit den Alliierten riskieren wollte, tatsaechlich keine Alternative als zu versuchen Solvenz durch Austeritaet und Wettbewerbsfaehigkeit durch Deflation zu sichern. Heute gibt es Alternativen.
@ Sebastian
Das poltische Argument habe ich ziemlich (und wahrscheinlich zu) verkuerzt wiedergegeben, da Kantoos es bereits ausfuehrlich eroertert. Ich kann nicht sehen dass eine Fiskalunion eine andere Form annehmen wuerde als eine – direkte oder indirekte – Glauebigerrolle von D, NL, A gegenueber anderen Euro-Laendern. Politisch durchsetzbar wird (und soll, wg. Moral Hazard) dies in den Glauebigerlaendern nur sein gegen Reformzusagen, d.h. wir sprechen ueber bedingte (conditional) Kredite. Womit der dt. Steuerzahler dem griechischen Steuerzahler Vorschriften machen wuerde. Das ist politisches Gift.
Vielleicht schreibe ich darueber demanechst einmal ausfuehrlicher.
Aber: eine Fiskalunion muss doch keine Alternative zur Schuldenreduktion sein; wäre es nicht möglich, Griechenlands Schuldenlast zu reduzieren und im Anschluss daran fiskale Integration zu erreichen?
Griechenland hat nicht nur ein Schulden- sondern auch ein Wettbewerbsproblem. MAn ist letzteres schwieriger zu loesen und kann Euro-Austritt notwendig machen. Der waere aber kaum mehr vorstellbar wenn Griechenland mit dem Rest der Eruozone durch eine (wie auch immer gestaltete) Fiskalunion verbunden ist.
@ Dietmar Tischer
Vielen Dank, aber ich will gar nicht ins Handelsblatt. Mir ist die etwas informellere Welt der Blogs ganz recht.
@ Friedrich Bolle
Gerade die sozialen Auswirkungen von Austeritaetspolitik sind es, die Laender in Brand stecken -mein Artikel aht die also sehr wohl im Auge.
@ Rien Huitzer
Actually both Ryan Avent and I write that we don’t expect a replay of the 1930s, he more explicitly than me. Maybe this point gets lost in view of the stunning parallels.
@ Wolfgang Waldner
Ob ein Land per Austeriatet intern abwertet oder nicht ist mAn letztlich seine souveraene Entscheidung. Die Baltenstaaten haben das gepackt, allerdings hatten sie nicht gleichzeitig mit grossen Staatsschuldenlasten zu kaempfen. Ich kann nur nicht sehen wie Griechenland das realistisch packen kann.
Ueber Inflation als Mittel zu Deleveraging wuerde ich, sofern ich Zeit finde, gerne mal einen Post schreiben, es gibt dazu in den USA gerade eine interessante Debatte.
Gruss,
HK
@ hKaspar
“Actually both Ryan Avent and I write that we don’t expect a replay of the 1930s, he more explicitly than me. Maybe this point gets lost in view of the stunning parallels.”
Correct, but there is a “dog whistle” in much of Avent’s writing, which, perhaps inadvertedly, has crept into your piece as well.
But, I understood the paralel to apply to, especially, the PIIGS group. And with the exception of Ireland, all of those have known periods of homegrown dictatorship, though starting under different circumstances. And in the case of Greece, Portugal and Spain, existing far beyond WWII. All of those had strong nationalist features (and there Ireland would be included again), and nationalist populism is the greatest danger for further integration. It is hard to envisage how democracies should volunteer to make the generation long sacrifice that especially Greece would have to make just to stay in the EUR (if one disregards the informal economy of course). Hence my apocalyptic ending.
I thought that one of the ideas behind the EU was not only to make a customs union (as the UK likes to see it and would love to have as a result of the process of political integration (of which the EUR is a part) where a few special groups like farmers are collectively protected against more efficient producers from elsewhere and where rules not guns govern access to coal and iron ore.) Unfortunately the EU has grown much beyond what could reasonably be considered suitable for integration and assimilation. There are two parallels that I consider much more relevant to the current EU difficulties than the troubles with the ill-advised inter war gold standard. The logic behind Bismarck Germany (why did he not want to integrate the Habsburg lands and had the Austrian nationalist have to stay out?) and the reasoning (apart from political opportunism) behind the BRD/DDR merger (to put it euphemistically). In the former case there is a lesson about how not to overextend, in the latter about how extremely hard it is to make a geographical area with open borders catch up under a quasi gold standard (the DM) even with full political and fiscal integration. To illustrate my latter point, just visit Rostock and look at its demographic structure (I did that four years ago-things may have improved somewhat)
The EUR is simply a common -but foreign to all members- currency combined with national fiscal autonomy (rules but broken from the start) colliding with national economic development of countries with extremely diverse initial conditions and endowments. A gold standard without domestic currencies. Not even a currency board. And without a coordination mechanism that works. Without much more factor mobility, better monetary policy may alleviate the current financial problems and maybe not even at the cost of inflation of the bad kind. I would be all for that. But it would be a wasted opportunity for the viable core of the EU to pay a high price to the domestic vulgar populists to in exchange abandon a project of integration or continue it in too crippled a state. Integration that at its inception was in handicapped by political opportunism that has gave us a few countries lacking the capacity to keep up and the capacity to be content with being behind. The real problems resisting integration are on the supply side.
Integration projects without centralized management (every management consultant specializing in mergers will tell you that maintaining both managements and letting them share the work is the quiceast way to destroy whatever value could have been created) are exposed to the risk that at a certain point collective action problems lead to stagnation and pathologies. Especially if the integration is characterised by complexity (geography, culture, languages, endowments, legal and tax systems). The proper way to deal with that -if the project is worthwile- is to simplify the task, by, for instance, reducing the scope or the number of elements. In the EU we have the choice between becoming a Nafta/Zollverein or a federation of a manageably small number of states. There is not much firm ground between both extremes and a Nafta consisting of a zillion small, nationalistic countries does not give scale and trade political bargaining power. And the latter will be key in an increasingly mercantilist world.
Nur zum Thema Brüning. Er wollte mit seiner Politik vor allem eines beweisen: Dass das Reich nicht in der Lage ist, seine Zahlungsverpflichtungen aus dem Young Plan zu erfüllen. Außerdem ging es ihm darum, die Republik durch ein autoritäres Regime zu ersetzen. Denke, dass man dieses politische Argument berücksichtigen muss.
@f. luebberding
Wie ich auchschon schrieb völlig richtig.
C.L. Holtfrerich kommt zu dem Schluss:
“Wenn Brüning auch eine eher konservativ orientierte konstitutionelle Monarchie wieder errichten wollte, die “Machtergreifung der Nationalsozialisten hat er nicht angestrebt.”
Wenn Brünings Politik Weimar so schwächte das es für die Nationalsozialisten greifbar wurde die Macht zu erlangen … trotzdem sollte man sich bei der Ursachen Forschung nicht auf ihn versteifen (Stichwort Monokausalität).
Gibt es eine Studie die zeigt wie wirkungsvoll deficit spending eigentlich ist? (den Rest von Keynes hat man ja elegant verdrängt …)
@hkaspar
Was hätte Brüning denn davon abgehalten die gleiche “Schiene” zu fahren wie später unter den Nationalsozialisten?
Auch Vorschläge für Arbeitsbeschaffung gab es damals einige (z.B. von den freien Gewerkschaften, Adam Stegerwald etc…), sowie über 21000 Vorschläge für Währungsprojekte… Außerdem die Lösung vom Goldstandart. Von Innenpolitischen Zwang kann nicht m. E. nicht die Rede sein.
Brüning wusste um Arbeitslosigkeit Deflation etc. ihm ging es
a. Innenpolitisch um Senkung der Sozialausgaben
b. außenpolitisch um die Streichung der Reparationen -> Mittel=>Einhaltung der Verpflichtungen (Young Plan)
Auch datierte er das Ende der Krise auf den Sommer 1932 er wollte dann (nach ende der Reparationen) die Mark 20% abwerten und notwendige “Konjunkturprogramme”.
Was passiert wäre wenn er bereits 1931 interveniert hätte bleibt Spekulation.
Allerdings darf uns dies als warnendes Beispiel dienen.
@ JM
Bruening haette dafuer den offenen Bruch mit den Allierten riskieren muessen durch die einseitge Aufkuendigung der deutschen Verpflichtungen unter dem Young-Plan. Der Nazi-Kurs wurde erst moeglich nacdem die Reparationen nach der Lausanne-Konferenz de facto gestrichen waren (die Nazis stellten dann anoch den Schuldendienst auf kommerzielle Auslandschulden weitgehend ein und verstaerkten die unter Bruening schon eingefuehrte Devisenbewirtschaftung).
Albrecht Rischl (Wirtschaftshistoriker an der LSE) hat dazu viel Kluges Geschrieben, u.a. den oben verlinkten Beitrag:
http://personal.lse.ac.uk/ritschl/pdf_files/BorchardtsInterpretation.pdf
Der Versuch war sehr nett: Brünnig wollte eigentlich die Zahlungsverpflichtungen reduzeiren.
Das war nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit. Er hat, wie die Politiker heute, an die neoliberalen Experten, Wirtschaftswissenschaftler und Weisen geglaubt. Und wie heute, dass musste auch damals in die Katastrophe führen (freie Marktwirtschaft funktioniert nicht). Etwas mehr über die Weimarer Wirtschaftspolitik:
Geschichte wiederholt sich nicht (sofort)
weiter >>>
@hkaspar
de facto waren die Reparationen durch das Hoover-Moratorium bereits eingestellt.
Ebenso wie die Devisenbewirtschaftung und leichte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (minimal).
Hitler erhielt viel Zustimmung für den zwangsläufigen Aufschwung nach der Talsohle (die berühmten 100 Meter vor dem Ziel). Hätte man früher mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen begonnen direkt nach dem Moratorium der Schulden vom 7. Juli hätte man eventuell schlimmeres verhindern können, leichtes Wachstum generieren und Zukunftsmöglichkeiten aufzeigen können.
Sicherlich wäre nach einer Trendwende die vollständige Abschaffung der Reparationen schwierig geworden. Aber sie wären beim konstanten Wachstum zu einer geringeren Belastung geworden. Außerdem drängten die Amerikaner schon Lange auf ein Ende der Reparationen.
Aber wie oben ausgeführt war dies nicht im Sinne von Brüning. Man darf ihm sicher nicht die volle Schuld geben aber eine Teilschuld trägt er (m. E. n.)mit Sicherheit.
Von Herrn Ritschl warte ich seit langem auf ein Buch in dem er alle seine Thesen mal genau ausführt.
edit: Das es Bücher von ihm gibt weiß ich aber 300 Dollar (amazon) sind immer noch sehr teuer :-D
Ich dachte eher so Taschenbuchausgabe weil das Thema ist wirklich interessant…
@ JM
Das Hoover Moratorium sah die Einstellung der Reparationszahlungen fuer ein Jahr vor, nicht ihre Aufhebung. Die Bedingungen des Young-Plans – darunter Goldbindung der Reichsmark mit Mindestgolddeckung – blieben erhalten.
Sie haben recht das Ritschls Buch (seine Habilitationsschrift) a weng teuer ist, aber auf seiner Web-page ( http://personal.lse.ac.uk/ritschl/al_wp.html ) gibt es mehrere relevante Aufsaetze, u.a. den oben verlinkten. Zu Ihrem Punkt oben schreibt Ritschl:
Eine konzeptionell denkbare Alternative zu weiteren Auslandskrediten und fortgesetzter Deflation hätte in einer Abwertung der Reichsmark, also einer einseitigen Aufkündigung des Goldstandards, bestanden. Bei Nichtberücksichtigung der deutschen Überschuldung im Ausland wäre diese Option ohne Zweifel der gegebene Ausweg aus der Krise gewesen. Über diesen Punkt hat unter den Kontrahenten weitgehende Einigkeit geherrscht. Auch international haben sich Volkswirtschaften der Abwertungsländer insgesamt rascher von der Krise erholt als diejenigen des sogenannten Goldblocks. Allerdings setzten die Regelungen der Stillhalteabkommen und die Bedingungen des Hoover-Moratoriums einer solchen Strategie von vornherein engste Grenzen: Eine Abwertung wäre als Versuch einer einseitigen Änderung der Spielregeln aufgefaßt und mit Kündigung der Stillhaltung sowie massiven Kapitalabzügen beantwortet worden.
Gegeben den Young-Plan war es also die beste Strategie, einerseits Erfüllungspolitik zu betreiben, und das heißt Deflationspolitik, andererseits aber vorsichtig in die Revision des Young-Plans einzusteigen, immer ohne das Ausland zu Gegenmaßnahmen zu reizen. Je länger der Young-Plan die deutsche Zahlungsbilanz in der Krise vorbelastete, um so weniger war an neuen Auslandskredit zu denken. Brüning deflationierte nicht, um eine Revision zu erzwingen, sondern umgekehrt, weil und solange sie nicht zu erzwingen war. Brünings Spiel mit dem Feuer in Gestalt der mißratenen deutsch-österreichischen Zollunionspläne im Frtühjahr 1931 und der Drohung mit einem einseitigen Moratoriumsschritt vor dem Besuch in Chequers hatte die Folgen unbedachter einseitiger Schritte gerade eben erst gezeigt.
Dasselbe gilt für die Planungen für die Zeit nach dem Young-Plan. Die Deflationsmaßnahmen hatten zum Ziel, langfristig Deutschlands Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen. Das hatte dann einen Sinn, wenn nach der Depression ein weitgehend freier Kredit- und Warenverkehr rekonstruiert wurde – immer mit dem Gedanken, nach einem Wegfall der Reparationen neuen internationalen Kredit nach Deutschland ziehen zu können. Brüning setzte im Frühjahr 1932 Hoffnungen auf solche Kredite. Eine fünfte Notverordnung war geplant, mit der Anleiheermächtigungen im Umfang von 1,5 Mrd. RM ausgegeben werden sollten. Nach einem erhofften Ende der Reparationen und dem Wegfall der dadurch entstehenden Devisenbelastungen konnte damit sofort das Steuer herumgeworfen werden, ganz wie es Schumpeter in seinem Zeitungsbeitrag ausgedrückt hatte, und eine Kreditausweitung in Angriff genommen werden. Das Projekt scheiterte an einem auf nationalsozialistische Initiative erfolgten Einspruch des Reichsschuldenausschusses, der darin, juristisch wohl nicht unzutreffend, einen Verfassungsbruch sah. usw. usf.
Gruss,
HK
@HK
Abgesehen davon, dass sich m.E. die Geschichte nicht wiederholt und es eher ein déja-vu Erlebnis ist, ob wohl das hier eher auf den ” Überlieferungen ” unserer Großeltern basiert (abgesehen von den historischen Dokumenten, die vielleicht nicht so transparent die Wirtschaftsprozesse beleuchten, wie es m.E. heute der Fall ist) interessieren mich mehr die Lösungsansätze als die Rückschau in die Vergangenheit.
Diese Alternative:
>Abwertung und Euro-Austritt muss eine Option sein; nämlich dort wo Wiederherstellen der Wettbewerbsfähigkeit durch Lohn- und Sozialkürzungen das Land in Brand stecken würde.<
würde ich gerne noch einmal unter die Lupe nehmen.
Auf die jetzige Situation würde es doch m.E. bedeuten, dass die PIIGS aus der Eurozone aussteigen.
Nach dem kursierende Vorschlag würden .de, .fr, ,nl, .lux und .be (warum eigentlich .be ??? ) dann eine (neue, alte??) Eurozone bilden.
Die Frage ist doch, ob wir uns hier darauf zu sehr verlassen , dass nach dem Austritt der PIIGS Staaten dort kein Brand entstehen würde.
Dieser Automatismus ist m.E. nicht gegeben
Wenn wir schon über den Tellerrand schauen, dann sollten wir vielleicht auch einal nach UK blicken.
Kein Euro-Land aber angesichts der radikalen Kürzungen ein Land dass m.E. vor dem Ausbruch von weiteren sozialen Unruhen steht.
Auch wenn der EuroTunnel geschlossen werden kann ist es doch heute in unserer globalen und mobilen Gesellschaft unsinnig zu glaubem, dass soziale Unruhen in UK nicht auch auf " noch stabile Länder " wie .de und auch .fr hinüberschwappen kann und letztlich wird, wenn wir uns die zunehmende Schere zwischen arm und reich anschauen.
(Am Rande ein ganz banaler Indikator in .de….wer hat vor 5 Jahren alte Leute gesehen , die auf den Bahnhöfen, den öffentlichen Straßen und Plätzen die Papierkörbe nach Pfandflaschen durchsuchen ?????)
In Bezug auf Griechenland glauben auch Staaten wie Dänemark und Finnland durch separate Schuldenabkommen mit Griechenland ihre " Pfründe " gerettet zu haben. Ist dies nicht auch ein bißchen naiv.
Angesichts des 50 Jahrestages des Baus der Mauer, bauen wir doch letztlich wieder
" Mauern " auf. Und ich möchte meine Hand nicht ins Feuer legen, dass wir nicht wieder zukünftige militärische nationalstaatliche Auseinandersetzungen in Europa bekommen.
Um es mit dem Werbespruch von Danone zu formulieren:
" Wir kriegen Euch alle "
und dass bedeutet m.E. dass die Lösungsoption, der Austritt aus der Eurozone letztlich keine Lösung ist, sondern in meinen Augen ein kurzfristiges windowdressing wie z.B. die outsourcing Prozesse in .de von öffentlicher Hand in Privathand.
Weil ja nach Lehrbuch und österreichischer Schule der Markt bzw. die Privatwirtschaft immer besser mit den Ressourcen umgeht!!
Was zu beweisen wäre !!
Ja und dann wäre da noch " DAS WACHSTUM " die deus ex machina die uns aller Sorgen entledigt.
Vielleicht sollten wir dieses Instrumentarium, das in meinen Augen lediglich eine quantitave Größe und nicht zwingend eine qualitative einmal stärker aud " Sinn und Wahrheit " untersuchen.
Und um einmal wieder in die " Banalität des Alltags " einzutauchen. Mein Verkehrsunfall in der vergangenen Woche (nur Blechschaden ) tritt ein wenig dazu bei, dass das BIP in .de nicht ganz in den roten Bereich abdriftet!!
Wenn jetzt noch bei mir und den anderen Verkehrsteilnehmern Verletzungen hinzugekommen wären, sähe das Wachstum des BIP vielleicht noch besser aus!!!!
Vielleicht sollten wir einmal uns fragen ob der Kapitalismus so wie der PC seinen Entwicklungshöhe überschritten hat , um uns gesellschaftlich noch weitere Innovationen zu bringen.
Am Eigentumsbegriff wird bereits schon ein bisschen geknabbert zukünftig werden wir uns sicherlich verstärkt von einer " owner Gesellschaft " zu einer " share Gesellschaft " wandeln.
Wenn bereits ein Wirtschaftsmagazin wie impulse auf der Titelseite im Juli 2011 die Überschrift hatte:
Nutzen, statt besitzen
http://www.impulse.de/management/:Ende-der-Wegwerfgesellschaft–Nutzen-statt-besitzen/1022982.html
dürfte sich in meinen Augen erhebliche Veränderungen beim herkömmlichen Wachstumsbegriff ergeben.
Zum Abschluß eine Fundsache aus der neuen " share Ökonomie " sprich dem Internet:
Wer belegt wohl den 2. Rang unter den glücklichsten Europäern:
http://de.nachrichten.yahoo.com/studie–d%C3%A4nen-sind-die-gl%C3%BCcklichsten-europ%C3%A4er-.html
:-) :-) :-)
P.S.@JM Um das Werk von Ritschl zu lesen brauchen Sue nicht bei amazon 300 US$ auszugeben.
Es gibt auch noch Stadtbibliotheken:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbibliothek
die mittlerweile Ihnen per Fernleihe jedes Buch zu einem Bruchteil des Kaufpreises verschaffen!!
Hier noch ein Nachtrag von Albrecht Ritschl:
Aus:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769052,00.html
leider funktionierte das c&p nicht.
Daher hier noch ein Versuch:
SPIEGEL ONLINE: Wenigstens zum Schluss noch ein paar versöhnliche Töne: Wenn Sie eine Lehre aus der Geschichte ziehen, welche Lösung wäre derzeit die beste für Griechenland – und Deutschland?
Ritschl: Die Pleiten Deutschlands im vergangenen Jahrhundert zeigen: Das Vernünftigste ist, jetzt einen echten Schuldenschnitt zu machen. Wer Griechenland Geld geliehen hat, müsste dann auf einen beträchtlichen Teil seiner Forderungen verzichten. Das würden einige Banken nicht verkraften, also müsste es neue Hilfsprogramme geben. Für Deutschland könnte das teuer werden, aber zahlen müssen wir so oder so. Und immerhin hätte Griechenland dann die Chance auf einen Neuanfang.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769052,00.html
Sicherlich gibt Ritschl eine starke Argumentation. Und ich will mir ja auch nicht anmaßen es besser zu wissen es ging nur darum zu zeigen das es auch gegenteilige Positionen, die er meinermeinungnach in dem obrigen Arbeitspapier nicht alle stichhaltig mit Daten wiederlegen kann.
Der Artikel im Spiegel ist mir bekannt. Aber eine Umschuldung nützt nichts wenn G nicht aus dem Euro austritt (und andere Länder mit ihm).
Außerdem glaubt doch keiner ernsthaft, dass diese Kreditversicherung von Seiten der EWU den Griechen hilft.
Herr Professor Hankel nahm dazu vorgestern Stellung in einer Radiodisskussion auf d-radio.
http://dl.dropbox.com/u/38517841/MP3/2011-08-17-Deutschlandfunk-Mit%20Eurobonds%20in%20die%20Transferunion.u.a.Prof.Hankel.mp3
Keiner der Teilnehmer konnte ihn wiederlegen… Nunja der Mann ist ja auch schon lange dabei. Es lohnt sich übrigens seine alten (60-90′er) Bücher zu lesen…
@JM
Na ja.. was Hankel betrifft……der war schon immer gegen den Euro…
Leider vergißt man bei Hankel (ein Phänomen der des “Medienalzheimers! ) seine (un) rühmliche Rolle bei der Helaba :-)
@JM
mir ging es nur am Rande um Ritschl…
Aber er ist wie ich auch der Auffassung:
Für Deutschland könnte das teuer werden, aber zahlen müssen wir so oder so.
Weißt du denn genaues über Hankels Rolle bei der Bank damals?
@JM
einfach unter Helaba und Hankel googeln..
Oder gleich gei Ludwig Poullain nachschlagen:
http://www.meinepolitik.de/poullain.htm
Erinnert mich ein bißchen daran wie die professoralen US Nobelpreisträger sich in der Praxis versucht haben und gescheitert sind.
Bei der Helaba reichten die Rettungsmaßnahmen auf regionaler Ebene noch aus. Bei Scholes und Merton mußte die FED eingreifen:siehe LTCM
http://de.wikipedia.org/wiki/Long-Term_Capital_Management
http://de.wikipedia.org/wiki/Myron_Scholes
@ Friedrich Bolle
Zustimmung dass Geschichte sich nicht wiederholt. Aber es gibt ökonomische Konstellationen die in ähnlicher Form wiederkehren, und aus denen wir die richtigen Lehren lernen müssen.
Zu Euro-Abwertung: zunächst mal müssen mAn nicht alle PIGS aus der Eurozone aussteigen. Für Irland z.B., dessen Exporte rapide wachsen, sehe ich keine Notwendigkeit. Es hat offensichtlich „nur“ ein Überschuldungsproblem, kein Problem der Wettbewerbsfähigkeit. Und das Überschuldungsproblem ist im Euro möglicherweise sogar leichter in den Griff zu bekommen als außerhalb. Auch Spaniens oder Italiens Schwierigkeiten sehen im gegebenen Rahmen behrrschbar aus, nur muss man sich über den Preis im Klaren sein: Euro-Verbleib erfordert interne Abwertung über Lohn- und Sozialkürzungen und Strukturreformen, um das Wachstumspotential zu erhöhen. Also ziemlich genau das was D in den 2000er Jahren durchmachte.
Aber dann gibt es Länder die trotz 3 Jahren Finanzkrise immer noch ein Leistungsbilanzdefizit von über 8 Prozent haben (finanziert von der EZB) und in denen noch 6 Prozent struktureller fiskalischer Anpassung nötig sind, und die Staatsschulden nachhaltig zu machen. D.h. es gibt dort sowohl eine massive Schieflage der öffentlichen Finanzen wie auch ein massives Problem mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Im gegebenen Rahmen sind die einzigen verfügbaren Optionen noch mehr Austerität und noch stärkere Lohnkürzungen, wobei letztere wohl nur über Massenarbeitslosigkeit erreichbar sind—dabei ist das Land jetzt schon am Rande des Kollapses. In diesem Fall sehe ich nicht wie das Land ohne Abwertung plus einem scharfen Schuldenschnitt aus der Krise herauskommen kann. Beides wird kommen, die Frage ist nur wie und wann.
Dabei haben Sie völlig recht dass nach einem solchen Schritt das Land für einige Zeit ebenso auf externe Hilfe angewiesen sein wird wie jetzt—Abwertung befreit uns nicht von den Verpflichtungen europäischer Solidarität. Aber es gibt dann wenigstens einen Ausweg: exportgetriebenes Wachstum.
Ihren Kapitalismus-Skeptizismus teile ich übrigens so nicht. Meine Sicht: Kapitalismus hat in den letzten 150 Jahren historisch unbekanntes Wachstum und Wohlstand ermöglicht, indem die Menscheit es geschaffen hat die dezentrale Finanzierung von Investitionen zu organisieren, d.h. Investitionen werden finanziert mit den Ersparnissen anderer (gegen ein Zahlungsverprechen). Ersparnisse und Investitionen zusammenzubringen ist die Aufgabe des Finanzsystems. Letzteres ist inhärent instabil und das führt immer wieder zu Krisen, meist verstärkt durch Politikfehler (siehe dazu das exzellente Buch von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, „this time is different“). Nach jeder dieser Krisen tauchen grundlegende Zweifel am Kapitalismus auf, das war z.B. 1873 nach Platzen des Gründerbooms nicht anders als heute. Sie verschwinden weitgehend in der nächsten Boomphase. Das Bewusstsein ist prozyklisch.
Gruß
HK
@F. Bolle
Die LTCM Pleite und Hankel zu vergleichen scheint mir aber nicht sehr differenziert….
Bei der LTCM handelte es sich um komplett andere Zusammenhänge…
Man sollte sich denke ich hüten aus dieser Sache Vorwürfe zu machen. Ich denke diese Angriffe machen seine Argumente nicht falsch und sind somit destruktiv.
Was soll man denn dann zu Merkel oder anderen sagen ? Oder zu der Pleite der deutschen Einheit? War alles ein wenig teurer … oder die Deregulierungspolitik …
Hankel wurde außerdem auch nicht Strafrechtlich belangt.
@hkaspar
Volle Zustimmung in puncto Kapitalismus. Zu diesem Schluss kommen fast alle (ernstzunehmenden) Ökonomen.
Aber trotzdem kann der Staat lenkend eingreifen. Ich denke Keynes Erkenntnisse völlig(!) zu verwerfen wäre ein großer Rückschritt.
Allerdings muss man auch erkennen das die Politiker und die meisten Lenker das Steuer was ihnen gegeben wurde nicht korrekt einsetzten. Also eventuell doch back to Ordo…
@JK
Natürlich kann man LTCM und die Helaba nichtr vergleichen… das sind letztlich Äpfel und Birnen!!
Aber wenn Sie den Bericht von Poullain genau durchgelesen haben hat Hankel die notwendige Erfahrung gefehlt, um so eine Landesbanken zu leiten.
Und da ergeben sich auch wieder Parallelen zu LTCM.
Der Elfenbeinturminhaber ist letztlich nicht per se qualifiziert auch ein privatwirtschaftliches Unternehmen zu leiten (Ausnahmen bestätigen die Regel)
Im Gegensatz zu Ihnen schaue ich mir nicht einzelne Aspekte an sondern versuche mir einen ganzheitlichen Überblick zu verschaffen und kann daher die Argumente von Hankel vor dem Hintergrund seines Scheiterns bei der Helaba nur kritisch sehen.
Aber das ist meine persönliche Auffassung…
@Hk
>Ihren Kapitalismus-Skeptizismus teile ich übrigens so nicht.<
So skeptisch bin ich nicht gegenüber dem Kapitalismus eingestellt (ich profitiere sogar sehr gut davon :-) )
Mir ging es lediglich darum einmal aufzuzeigen, dass der Kapitalismus u.U. eines Tages nicht mehr seine Rolle spielen wird, der derzeit noch spielt.
Es ist für mich ich wieder überraschend festzustellen , dass Ökonomem der Auffassung sind das der Kapitalismus bei all seinen Vor- und Nachteilen noch immer die beste Wirtschaftsform ist.
(Damit ich hier nicht falsch verstanden werde… die Alternative zum Kapitalismus ist nicht der Sozialimus!!!)
Ich bin aber der Auffasssung, dass die technologische Entwicklung der letzten 20 bis 30 Jahre so einen Sprung für den Menschheit getan hat, dass es letztlich auch Auswirkungen auf unsere bislang noch vorherrschende Wirtschaftsform haben wird.
wenn der Economist im Februar diesen Jahres von einer zweiten indistriellen Entwicklung durch die Einführung der rapid prototyping technology spricht
http://tinyurl.com/5udjc45
http://www.economist.com/node/18114327
http://www.economist.com/node/14299512
und das Thema auf die Titelseite setzt, dann ist m.E. ein weiterer Indikator für Veränderungen vorhanden.
Da gab es doch einmal James Watts und seine Dampfmaschine und der Beginn des Kapitalismus:-)
Sie sind nicht auf das Thema Kritik am Wachstumsbegriff eingegangen…
Da bahnt sich m.E. ebenfalls einer Veränderung an. Siehe Weltbank etc.
Der " Trend " weg von der " owner Gesellschaft " hin zur " share Gesellschaft " ist für mich ebenfalls ein " Zeichen " an der Wand.
Und wenn Sie sich die Entwicklung von Innovationen im technologischen Bereich anschauen, dann werden Sie feststellen , dass die nie vom mainstream entwickelt werden.
Elinor Ostrom mit ihren innovativen Ansätze ist z.B. eine der wenigen Ökonomen die gegen den Strom schwimmt.
Mir ist die herkömmliche Ökonomie ( um es etwas pointiert zu formulieren ) zu sehr im Schubladendenken verfestigt.
Für Sie ist letztlich die Erde immer noch eine Scheibe :-)
Wie die zukünftigen Wirtschaftsformen aussehen werden kann ich selbst nicht skizzieren.
Aber die Geschwindigkeit mit der sich die allgemeine Technologie entwickelt, dürfte auch erhebliche Folgen auf unsere zukünftige gesellschaftliche Entwicklung haben.
Aber kommem wir ganz pragmatisch noch einmal auf die PIIGS zurück . Sie schließen Irland nicht mehr ein daher PIGS :-) weil die Exporte rapide wachsen. Leider geben Sie keine Quelle an.
Hier meine Daten, die ich von Kollegen aus Dublin erhalten habe:
http://www.cso.ie/releasespublications/documents/external_trade/current/extrade.pdf
Sie lassen in meinen Augen zwar erkennen, dass sich die Exporte 2008 und 2010 kontinuierlich erhöht haben aber für 2011 kann ich eine solche Tendenz noch nicht erkennen.
Und wenn Sie berücksichtigen, dass nahezu 52 % der Exporte in die USA, UK und Belgien gingen (2010) dürfte daher angesichts der konjunturellen Entwicklung in diesen Ländern ein Rückgang zu erwarten sein.
Das Immobiliendesaster wird auch durch geringe Exporterfolge nicht beseitigt.
Das Arbeitslosenrate hat sich weiter erhöht:
http://tinyurl.com/3hw6dwm
Vielleicht sollten wir aus buchhalterischen Vorsichtsgründen wieder zu PIIGS zurückkehren :-)
Welche Maßnahmen wir zur Rettung des Euro treffen, zahlen müssen wir entweder direkt oder indirekt.
Daher nur zur Wiederhlung der Danone Spruch
Wir kriegen Euch alle
@ Friedrich Bolle
“Auf die jetzige Situation würde es doch m.E. bedeuten, dass die PIIGS aus der Eurozone aussteigen.
Nach dem kursierende Vorschlag würden .de, .fr, ,nl, .lux und .be (warum eigentlich .be ??? ) dann eine (neue, alte??) Eurozone bilden.
Die Frage ist doch, ob wir uns hier darauf zu sehr verlassen , dass nach dem Austritt der PIIGS Staaten dort kein Brand entstehen würde.
Dieser Automatismus ist m.E. nicht gegeben”
Natürlich nicht. Die Geschichte fester WK ist da ziemlich eindeutig.
Aber die Zukunft kann ja auch neues bringen. Warum nicht einen Harteuro. Gut, der Name ist verbrannt, nennen wir das Kind doch Talerraum.
Die Zusammensetzung mit Frankreich und Belgien ist allerdings schon der Anfang vom Ende. Der Taler sähe sich deutlichem Aufwertungsdruck ausgesetzt, das passt einfach nicht zur französischen Wirtschaft.
Dagegen könnten natürlich Österreich, Dänemark und Finnland drin sein, ebenso Slovakei und Estland.
“Härte” bedeutet nicht nur Hartwährungstradition, sondern auch die Möglichkeit, mit harten Anpassungsreaktionen klarzukommen. Das haben Estland und die Slovakei bewiesen.
Ein sinnvoller Weg, wenn man bei Währungsunionen überhaupt davon sprechen mag, wäre über einen Ausbau der langjährig stabilen Kopplungen, siehe Schilling, an die D-Mark.
Natürlich hängt dann alles von der Geldpolitik der Bundesbank ab, und auch die fiskalpolitischen Möglichkeiten, vom deutschen Weg abzuweichen, wären deutlich begrenzt.
Aber so ist es halt, dafür kriegt man ja auch etwas.
Die anderen Länder hätten sich das anschauen können, und entscheiden, ob sie da mitmachen wollen.
Aber das ist natürlich kein gangbarer Weg; europäische Vertiefung ohne Frankreich, undenkbar, zumindest in der politischen Sphäre.
Ein Währungsunion zwischen “Harten” und “Weichen” ist natürlich von vornherein schweren Belastungen ausgesetzt. In Griechenland ist das Preisniveau von 1998 etwa auf 190% gestiegen, das deutsche nur auf etwa 130%. Noch Fragen?
Ggü. Frankreich dauert es einfach länger, bis es kritisch wird, das Prinzip ist das gleiche.
Man braucht in einer solchen Währungsunion zwingend Ausgleichsmechanismen zum Ersatz des WK. Die sind nur symmetrisch sinnvoll, sonst gibt es die derzeitige Situation: ein großes Land baut einen riesigen Niedriglohnsektor auf, würgt dabei die Binnenkonjunktur und schafft in den Nachbarländern große Negativsalden.
Ein Wettlauf nach unten durch die anderen Länder kann kaum eine zukunftsträchtige Lösung sein.
Und das Argument der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ggü. Tiger und BRIC erschließt sich mir nicht; wofür gibt es denn den WK, wie lange kann das reichen?
Der aktuelle Tarifabschluß der Zeitungsredakteure, Laufzeit bis 2013, linear 1,5 Prozent Lohnerhöhung ab Oktober 2012, spricht doch Bände, im Boomjahr, nach einem Boomjahr.
Es ist unmöglich für die Nachbarländer, mit “moderater” Lohnpolitik sich wieder D anzunähern, wenn hier schon massiv unter der Preissteigerung abgeschlossen wird.
Kohle raus für die Beschäftigten – Umverteilung und Verringerung von Knechtschaft.
Thomas,
You said:
“Man braucht in einer solchen Währungsunion zwingend Ausgleichsmechanismen zum Ersatz des WK. Die sind nur symmetrisch sinnvoll, sonst gibt es die derzeitige Situation: ein großes Land baut einen riesigen Niedriglohnsektor auf, würgt dabei die Binnenkonjunktur und schafft in den Nachbarländern große Negativsalden”.
What about a country’s industries “bauen einen riesigen Niedriglohnsektor auf, aber im Ausland ” . Moving portions of the production chain to low cost countries (rather than importing low cost workers or domestic depreciation) has been going on for a long time. But that is done by firms, not by countries. Even China is not deliberately creating a low-wage economy. Their strategy is to climb the development ladder (and they do that now by being very competitive although living standards are rising fast) which requires taking world market share away (though not to the extent of a zero sum situation) creating (through technology- and capital imports) fast increasimng productivity which can be shared to some extent with the working class.
I cannot imagine how a presently high cost country would build a large low wage sector using local labor, at least not under democratic conditions and floating exchange rates. That would be something like “Verelendung in one country”..
@Rien Huizer
You are correct. It just goes this way: Heckscher-Ohlin/Samuelson works – so that China is actually the low (labour) cost working area for the world. If a country like Germany is able to create a low cost labour-area itself the China-effect is smaller.
What we see in Europe is another additional problem. China as a low-cost competitor and Germany as a high quality competitor are very good with “low” costs in their sector. It seems that others (as Spain or France) can not be cheaper than China in the low cost sector and can not be cheaper and/or offer a better quality than Germany in the high quality sector.
One of the bigger difference between China and Germany is that the advantage in China is followed by demand. In Germany the redistribution of wealth was (in the past) partially compensated by the DM rising so that low cost workers (or even the 55% not working) participated. Now we have the Euro – and the redistribution does not work any longer this way (even… insufficient before).
What we all (not only Germany) need is to find out an efficient strategy to redistribute wealth in a proper way AND compensate the Heckscher-Ohlin problem as long as China/India/Brasilia are not developed “enough”. The country wich is able to solve this problem will have a big advantage because supply and demand will create jobs and wealth. The problem in the end will be that countries not solving this problem will stay behind and need monetary help.
Regards
ALOA
Deswegen wollen die Chinesen in Deutschland Fußfassen, um das Label “Made in Germany” zur Deklaration der Lowcostprodukte zu verwenden. Die machen schon den Checkup mit ihren Bankeinstiegen.
Noch eine wichtige Information zu der Frage, ob Deutschland während der Weltwirtschaftskrise die Deflationspolitik hätte aufgeben und sich vom Goldstandard lösen können. Es gab mit dem Ausscheiden Englands im September 1931 die Möglichkeit, die Reichsmark an den Sterlingblock anzuhängen. Ich zitiere das mal aus meinem Buch:
“Deutschland hätte sich einiges erspart, wenn die Regierung die Mark einfach an das britische Pfund gebunden hätte. Die Bestimmungen im Young-Plan sahen zwar ein eigenmächtiges Verlassen des Goldstandards nicht vor, aber gegen den Anschluss der Mark an das britische Pfund hätten schlecht Einwände geltend gemacht werden können. Sonst ist es unsinnig, über frühzeitige Möglichkeiten und Maßnahmen zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise in Deutschland zu theoretisieren, nur hier wäre eine Chance gewesen.
Der oben erwähnte H. A. Siepmann von der Bank von England soll tatsächlich den Reichsbank-Vizepräsidenten Dreyse am Sonntagmorgen, dem 20. September, Luther war gerade nicht zu erreichen, gefragt haben, ob man nicht die Mark an das Pfund anhängen wolle. Dies weiß man aus einem Telegramm des US-Botschafters Sackett aus Berlin vom 23. September an den US-Außenminister. Der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Hans Luis Schäffer hatte dem US-Botschafter versichert, dass Reichsbank und Reichsregierung die Mark halten und die Handelskonkurrenz auf andere Weise bekämpfen wollten.
Auch Keynes warb bei seinem Vortrag am 8. Januar 1932 im Überseeclub in Hamburg dafür, Deutschland dem „Sterling-Club“ anzuschließen. Der britische Botschafter in Berlin meldete am 15. Januar nach London, dass er Brüning auf den Vorschlag angesprochen und Brüning diesen als indiskutabel bezeichnet hatte. Brüning wollte ja angeblich mit seiner Politik beweisen, dass die Reparationsforderungen trotz aller dem Volk von seiner Regierung verordneten Not unerfüllbar waren, und so den Verzicht der Sieger des Weltkriegs auf weitere Zahlungen moralisch erzwingen.
In Deutschland leitete die Regierung nun eine neue und verschärfte Runde der erzwungenen Deflation der Löhne und Preise ein, um die Abwertung der britischen Währung auszugleichen. Deflation erzwingt man nur durch Massenarbeitslosigkeit, Not und Verzweiflung, verursacht mit restriktiver Geldpolitik.”
“Warum die Geldpolitik 1929-33 die Weltwirtschaftskrise verursacht hat”, S.106/7
Gegen das Angebot Englands, sich dem Sterlingblock anzuschließen, hätte von Seiten der USA oder selbst Frankreichs nicht viel unternommen werden können. Im September 1931 wäre die Weimarer Republik auch noch zu retten gewesen, aber die Weichen waren schon anders gestellt.
@ALOA
One of the problems is that the “North” has a lot of complementarity within industries and also cross-industry. There is much less between North and South and also within the South. The Southern countries are much more competitors to each other (in agriculture, tourism, etc). It is very hard to see a longer term equilibrium (without state intervention) that would lead to gdp/capita convergence. Especially when the pattern of outbound FDI from countries like Germany, Holland and Sweden is much more likely (in the absence of protectionist policies within the EU favouring the South) to show growth in non-EUR countries.
@ Bolle
Bei Irland beziehe ich mich u.a. auf Artikel wie diesen: http://www.irishtimes.com/newspaper/opinion/2011/0818/1224302638247.html
@ Pittner
„Härte“ bedeutet nicht nur Hartwährungstradition, sondern auch die Möglichkeit, mit harten Anpassungsreaktionen klarzukommen. Das haben Estland und die Slowakei bewiesen.
Korrekt und wichtiger Punkt
Man braucht in einer solchen Währungsunion zwingend Ausgleichsmechanismen zum Ersatz des WK. Die sind nur symmetrisch sinnvoll, sonst gibt es die derzeitige Situation: ein großes Land baut einen riesigen Niedriglohnsektor auf, würgt dabei die Binnenkonjunktur und schafft in den Nachbarländern große Negativsalden.
Dies ist die Argumentation die externe Ungleichgewichte ausschließlich von der Leistungsbilanz (above-the-line) betrachtet, und die ökonomisch zumindest unvollständig ist. Sie brauchen at a Minimum zusätzlich ein Argument warum Kapital von den Überschuss- in die Defizitländer fließt—Negativsalden brauchen Finanzierung, und ohne Finanzierung kann nichts sie „schaffen“.
Ein sich verschuldender Souverän, dessen Solvenz vom Markt falsch eingeschätzt wird (Gr) oder eine Immobilienblase die temporär hohe Renditen verspricht (Sp, Ir) sind solche Argumente. Nach vorne gerichtet sehe ich viel Potential für höhere relative Assetpreise in D (zumindest wenn die Differenzierung der Kapitalkosten durch Risikospreads fortbesteht), damit für Kapitalzuflüsse, und damit für LBdefizite in D, die ihren above-the-line counterpart in höheren Importen haben.
Der aktuelle Tarifabschluss der Zeitungsredakteure, Laufzeit bis 2013, linear 1,5 Prozent Lohnerhöhung ab Oktober 2012, spricht doch Bände, im Boomjahr, nach einem Boomjahr.
Schließen Sie da nicht unzulässig von einer Branche, die sich seit 15 Jahren in der Strukturkrise befindet, auf die gesamte Volkswirtschaft?
@ Waldner
Gegen das Angebot Englands, sich dem Sterlingblock anzuschließen, hätte von Seiten der USA oder selbst Frankreichs nicht viel unternommen werden können.
Das halte ich für eine ziemlich steife These. Deutschlands Reparationen und Auslandsschulden waren in Gold, nicht in Sterling, denominiert. Anschluss an den Sterling-Block mit Abwertung hätte damit sofortige Zahlungsunfähigkeit gegenüber den USA und Fr bedeutet. Den Schritt wagte Bruening 1931 nicht—er war erst 1932 nah der Lausanne-Konferenz möglich.
Wie bei HK üblich, wieder mal eine nüchterne Analyse, die logisch denkenden Menschen eigentlich keinen Raum zum Ausbrechen lässt.
Aber leider gibt es immer welche, die mit ganz anderen (Billardkugel-)Motiven an die Sache herangehen, oder andere, die schlicht träumen.
Darum hier noch einmal in aller Schärfe:
Griechenland (auch Portugal?) hat als Hochstaplernation eine nicht bestehende Kreditwürdigkeit vorgetäuscht. Was von außen als “blühende Wirtschaft” erschien (mit, glaube ich, 1 Mio. Gastarbeiter aus anderen Balkanländern!), war in Wirklichkeit ein Geschenke-Boom.
Momentan werden
a) die Lasten umfinanziert, indem die Steuerzahler der anderen Länder die griechischen Gläubiger bezahlt und
b) lebt das Land weiterhin als Hochstaplernation, indem es sein Primärdefizit in keiner Weise in den Griff kriegt. Nur Naivlinge können glauben, dass der Einbruch der griechischen Staatseinnahmen eine Folge der Rezession ist. Zumindest müssten die erhöhten Steuersätze die rezessionsbedingten Einbrüche ausgleichen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Griechen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge jetzt in noch größerem Umfang als früher hinterziehen: die plündern ihren Staat und ihre Wirtschaft genauso aus, wie die russischen Tycoons das gemacht haben. Je mehr man denen gibt, desto mehr lehnen die sich zurück und glauben auch noch, dass ihnen diese nicht erarbeiteten Leistungen zustehen.
Gegen höhere Löhne in Deutschland hätte ich ja nichts. Aber ich habe bei Heiner Flassbeck & Co. noch keine Erklärung gelesen, wieso es den Griechen hilft, wenn sie zukünftig südkoreanische Automobile statt der (für sie zu teuer gewordenen) deutschen Autos kaufen.
Es isst ja nicht so, dass Porsche die griechischen Rhodos-Rennwagenwerke an die Wand konkurriert. Und mehr Oliven werden wir wohl auch nicht essen, wenn man unsere Löhne erhöht.
Im Übrigen dürften die Löhne in der griechischen Privatwirtschaft immer noch unter den deutschen liegen.
Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet jene, die ständig nach Angleichung in Europa schreien, ein Weglaufen des deutschen Lohnniveaus empfehlen.
Schließlich nützt es wenig, in Deutschland die Löhne zu erhöhen und anschließend die MwSt. zu erhöhen, um das Geld in die Kröpfe der griechischen Hochstapler-Vögel zu verfüttern – was ja (freilich ohne sich um die Herkunft der deutschen Steuergelder Gedanken zu machen) auch wieder just jene fordern, die höhere Löhne in D. verlangen.
Falsch ist die Denke “bezahlen müssen wir so oder so” (Kommentator Friedrich Bolle). Das ist genauso statisch gedacht wie auf anderem Gebiet die These, dass man die Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung “besser verteilen” könne. Die Arbeit ist kein Käse, aber Käse ist es, die mentalen Folgen bei den Süd-Kuckucks nicht zu bedenken, wenn wir mit solchen resignativen Argumenten unser hart erarbeitetes Geld in der Ägäis versenken.
@ HKaspar
Setzen Sie doch die täglichen Umsätze des HFT (Arbitragegewinne) mal in Relation zu den Schulden der öffentlichen Haushalte, die wenigsten noch überwiegend reale Investitionen (langfristiger Ertragsziele) auslösen wollen.
@cangrande
Wenn Sie mich schon zitieren:
Falsch ist die Denke „bezahlen müssen wir so oder so“ (Kommentator Friedrich Bolle).
Dann doch bitte auch mit dem Hinweis das dieser Satz nicht von mir stammt sondern von Albrecht Ritschl:
>Für Deutschland könnte das teuer werden, aber zahlen müssen wir so oder so.>
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769052,00.html
Ob Ritschl so statisch ist wie Sie es behaupten…da fragen Sie doch vielleicht HKaspar den er als einen Wirtschaftshistoriker beschreibt, der sehr viel Kluges geschrieben hat.
@HKasper
Herzlichen für die Angabe der Quelle. Ob wir allerdings mit dem Wachstum, dass David Vines wieder erwähnt die langfristige Lösung unserer Wirtschaftsprobleme in den Griff bekommen???
Wenn ich mir mir dann die Initiatibe Soziale Marktwirtschaft anschaue und Meinhard Miegel:
Wohlstand ohne Wachstum
dann habe ich doch zunehmend Zweifel an der Innovationsfähigkeit unser heutigen Ökonomiewissenschaft.
Aufschlußreich ist für mich, dass David Vines nur am Rande erwähnt, dass er von der social resilience der Iren überrascht ist :-) Das heißt letztlich auch, das er mit sozialen Unruhen in einem größeren Ausmaß gerechnet hat.
Die Leserkommentare werfen ihm gerade als Ökonomen vor, das er die sozialen Folgen der derzeitigen irischen Wirtschaftspoltik ausblendet.
In diesem Zusammenhang ist daher der Kommentar in der SZ von Hubert Prantl (einem Nichtökonomen) doch sehr aufschlußreich und weist m.E. auch daraufhin, dass die Ökonomen zunehmend in die Kritik geraten und geraten werden.
>Der Kapitalismus ist eine ähnlich frevlerische Wirtschaftsform, wie sie der Kommunismus war. Er frevelt heute auf Kosten von Menschen und Staaten. Zuletzt vermochte er es gar, den Staat davon zu überzeugen, dass dieser die vom Kapitalismus angehäuften Schulden tragen muss – wegen der staatlichen Verantwortung für das Große und Ganze. Der Kapitalismus brachte es fertig, von anderen das einzufordern, was er selbst nicht zu tun bereit ist: Verantwortung zu tragen. Der Kapitalismus kann so vieles; die märchenhafte Fähigkeit, Stroh zu Gold zu spinnen,
gehört zu seinem Repertoire. Diese Kunst hat wechselnde Namen; zuletzt nannte man sie “Leerverkäufe”.
Die Kosten dieses Systems trägt die Mittelschicht, die sich geschunden wähnt von der Unterschicht, weil die von den Steuern der Mittelschicht lebt und weil sie betrogen wird von Reichen, die keine Steuern zahlen. Die Regierungen könnten an der Schonung des Reichtums etwas ändern; aber sie tun es nicht. In der Finanzkrise vor drei Jahren glaubte man, ein Fegefeuer des Kapitalismus zu erleben. Das war eine Täuschung. Genauso enttäuscht wurde die Erwartung, dass dem Markt durch Gesetze strikte Regeln auferlegt werden. Von der international-sozialen Marktwirtschaft, von einem menschlichen Kapitalismus also, ist man heute so weit weg wie 2008.>
http://tinyurl.com/3wmeemz
Viele Grüße
Friedrich Bolle
Korrektur:
>Wenn ich mir mir dann die Initiatibe Soziale Marktwirtschaft anschaue und Meinhard Miegel:
Wohlstand ohne Wachstum>
Meinhard Miegel ist der Vorsitzende der Stiftung:
Denkwerk Zukunft http://www.denkwerkzukunft.de/
Nachfolger der http://www.iwg-bonn.de/
Vielleicht sollte man auch noch Tim Jackson empfehlen:
Prosperity without Growth
http://tinyurl.com/3q56d44
@rubycon
und so ist doch der größte nutzen aus dieser Krise in einer (schon etwas mehr als 1929 …) demokratisierten Gesellschaft, dass eben jeder selbst etwas lernt aus dem Umgang mit der Krise.
“Eine selten dar gewesene Aufklärung in Sachen Geld bei der monetarisierten breiten Masse”.
ich verweise hier mit diesem Statement auf einen Vortrag der Tele Akademie des SWR von Professor Dr. Hermann Lübbe
Seinem Vortrag ist in der Sache nichts mehr hinzuzufügen.
Außer vielleicht das Zitat: “Geld ist geprägte Freiheit”
Damit ist jeder antikapitalistischen Ideologie im Kern eine Absage zu erteilen.
@ Friedrich Bolle:
Ja, das ist richtig: beim ZWEITEN Mal haben Sie Ritschel zitiert.
Aber schon vorher hatten Sie gesagt:
“Welche Maßnahmen wir zur Rettung des Euro treffen, zahlen müssen wir entweder direkt oder indirekt. Daher nur zur Wiederholung der Danone Spruch: Wir kriegen Euch alle.”
@cangrande
Sie haben Recht. Dann ist Albrecht Ritschl folglich jemand der neben dem vielen Klugen auch etwas Dunmmes geschrieben hat oder??
:-)
@JM
Lernen
Aufklären
Auf dem Weg in die Vereinigten Staaten von Europa
Von Stephan Detjen, Chefredakteur Deutschlandfunk
20.08.2011 · 13:10 Uhr
dlf/sendungen/themen der woche :
“In seinem Urteil zur Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung zitierte das Bundesverfassungsgericht 1998 (übrigens ohne Nennung der Quelle) Dostojewski: “Geld ist geprägte Freiheit”, heißt es in der Karlsruher Euro-Entscheidung ebenso wie in Dostojewskis “Aufzeichnungen aus einem Totenhaus”. Im nächsten Kapitel ihrer Euro-Rechtsprechung, das die Richter mit dem bevorstehenden Urteil über den Euro-Rettungsschirm schreiben werden, können sie den schönen Satz des russischen Dichters um eine Beobachtung aus der Gegenwart der europäischen Währungsunion ergänzen: Geld ist auch geprägte Gemeinschaft. Das ist die historische Erkenntnis, die sich in diesen Tagen verdichtet.
…
Durch Eurobonds würde mit einer finanztechnisch hoch komplexen und nicht zuletzt deshalb in der Öffentlichkeit kaum vermittelbaren Mechanik nur an den Symptomen der Krise laboriert. Eine weitere Vergemeinschaftung der Schulden würde zum jetzigen Zeitpunkt die Beinahe-Pleitiers im Währungsverbund entlasten, ohne aber zugleich die Sicherheit dafür zu garantieren, dass auch die erforderlichen Gegenleistungen durch eine weitere konsequente Konsolidierung der ruinierten Haushalte erbracht wird.
…
Für viele verunsicherte Bürger mag ebenso wie für manch risikofreudigen Spekulanten noch nicht ausgemacht sein, ob die Schuldenkrise das historische Projekt Euro zu Fall bringt und den Kern Europas, den die Eurogruppe längst bildet, auseinander sprengt. Tatsächlich aber wird immer deutlicher, dass die Krise gerade diesen Kern immer enger zu einer echten Föderation zusammenschweißen wird. Am Ende des Weges, den Merkel und Sarkozy in dieser Woche vorgezeichnet haben, wird man auch die Schwelle überschreiten müssen, vor der man beim Vertragsschluss von Lissabon noch zurückschreckte. Es wird dann die Eurogruppe sein, die sich als Kerneuropa in einer echten Verfassung Vereinigter Staaten von Europa finden wird.”
Wirtschaft (Volks-, Welt-) gestalten in den Zeiten des Aufbruchs als positive Grundlage menschlichen Handels in vielfältiger, freiheitlicher Gemeinschaft -
wir sind mittendrin statt nur dabei und brauchen jede Verbesserungsidee!
Bringt das Freude ?
Die neoliberale Strategie, das Volk auszuplündern und zu entrechten, die vor drei Jahrzehnten erfolgreich realisiert wurde:
1) Man versprach für niedrigere Steuern mehr Arbeitsplätze
(Man wusste von Anfang an, dass dies eine dreiste Lüge ist.)
2) Man versprach für niedrigere Steuern mehr Steuerneinkünfte (Laffer-Kurve)
(Man wusste von Anfang an, dass dies eine dreiste Lüge ist.)
3) Man konnte wissen, dass sich die Staatsausgaben politisch nicht durchsetzen lassen. Die Reichen konnten sich also sicher sein, dass sich der Staat ihr Steuerersparnisse mit fetten Zinsen ausleihen wird. Wie vorgesehen, Stezuersenkungen sollten nicht für die realen Investitionen ausgegeben werden, weil sonst die Löhne steigen würden.
4) So hat jede Steuersenkung die Staatsschulden erhöht und es fehlte immer mehr an realen Investitionen.
Und jetzt die Alternative, beim nationalisiertem Geld. Lassen wir sogar die ersten 2 Punkte unverändert.
1) …
2) …
3) Der Staat will vom Geld der Reichen nichts wissen, sondern er schafft sich das Geld aus dem Nichts. (Haargenau gleich, wie es die privaten Banken tun.) Ob wir dieses Geld als demokratisches Geld nennen wollen – ist egal
Folgen:
a) Es gäbe keine Staatschulden oder genauer gesagt: Der Staat würde keinem was schulden.
b) Die Reichen könnten ihr Geld zB im Garten begraben. Oder sie würden dann nolens-volens die Steuersenkungen investieren, es würden neue Arbeitsplätze entstehen …
@Systemfrager
Schlage doch mal Neoliberalismus in einem Wirtschaftslexikon nach oder in einem Geschichtsbuch. Ich denke dann erlangst du eine differenziertere Sichtweise über den Liberalismus und über Neoliberalismus.
Das was heute läuft hat mit (Neo-)Liberalismus nicht viel zu tun es ist eher dem Sozialismus ähnlich, aber das ist eine andere Diskussion.
Dadurch das meistens alles auf “DIE reichen” geschoben wird simplifiziert man ungemein. Die Prozesse sind wesentlich komplexer und lassen sich nicht auf immer gleiche Forderungen herunter brechen.
Steuersenkungen können richtig sein aber sie dürfen nicht nur in die eine Richtung gehen. Ich stimme mit dir überein, dass die Reichen in DE zu wenig Steuern bezahlen. Außerdem tätigt der Staat zu wenig Investitionen. Da hast du auch recht (vor allem im Kommunalen Bereich).
Andere Probeleme sind aber auch die private Krankenvorsorge (sie ist nichts anderes als eine riesige Spekulationskasse… was könnte man mit diesem Geld an Werten/Wachstum schaffen!)
Aber Volkswirtschaftlich wäre das kein Problem, wenn die Spargelder der Reichen (wie bei dir impliziert) als Investitionen in die Wirtschaft fließen würden.
Das passiert aber nur noch in den Seltensten fällen (m. E. n.).
Dazu wünsche ich mir mal Studien nach folgender Fragestellung:
Um wie viel könnte die Produktivität gesteigert werden, wenn statt zu hohen Zinsen für Unternehmer (die zu Unterlassern werden) die gleichen günstigen Konditionen wie für an der Börse notierten Unternehmen zur Verfügung stehen würden ?
Wie viel Spar-Kapital fließt in Spekulationsgeschäfte? (Das ließe sich mit den Richtigen Tabellen wahrscheinlich sogar ausrechnen wen man Fachmann ist und die richtigen Kontakte hat)
Natürlich darf man Spekulation nicht tabuisieren im Kern ist sie die Wurzel allen Fortschritts.
Warum gibt es bei dir bei nationalisierten Geld keine Schulden? Wie meinst du das?
Meinst du regiogeld oder “entnationalisiertes Geld” (das zweite war glaube ich Hayek der liberalste schlecht hin)
Mir scheint, dass wir -3- Sackgassen des Geldes haben:
- die Reichen
- die Überschussländer
- die Rentenvorsorger (Kapitaldeckungsverfahren; insoweit hatte sogar schon Ben Bernanke mal gefordert, dass China eine staatliche Rentenversicherung einführt: damit die Chinesen privat weniger sparen!)
Aus diesen Sackgassen fließt das Geld anscheinend nicht im nötigen Umfang in die Realwirtschaft zurück, bzw. jedenfalls nicht als “Eigengeld” oder Tauschmittel (sondern teilweise allenfalls als Kredit).
Ich frage mich, ob und ggf. welcher Zusammenhang zwischen diesen drei Problemfeldern besteht.
Weiterhin frage ich mich, wie sich die Spekulation finanziert. D. h. wenn das ganze relativ schnell als Nullsummenspiel durchschaubar wäre, würden ja nicht mehr viele mitspielen. Also muss das Kasino wohl ständig mit frischem Nachschub von richtigem Geld aus der Realwirtschaft gefüttert werden?
Oder sollte es gar Mechanismen geben (Mark-to-Market-Bilanzierung?), die es der Finanzwirtschaft ermöglichen, mit reinen Finanzgeschäften selbständig “Geld” zu schaffen, welches die Notenbanken dann mit Fiat-Money hinterlegen müssen? (Vgl. meinen Blott “Neuartige Buchgeldschöpfung im Finanzsystem als Ursache der Finanzmarktkrise: Heureka oder Denkfehler?” – http://beltwild.blogspot.com/2009/02/neuartige-buchgeldschopfung-im.html).
Wenn Letzteres zutrifft, könnte das den steilen Anstieg der Geldmenge erklären.
Andererseits könnte es aber auch sein, dass die Geldmengensteigerung durch Automatismen des Zinssystems bedingt ist. In diesem Falle ließe sich die extreme Ausweitung der Derivatewirtschaft als eine geniale Erfindung “des Marktes” begreifen, um den Geldüberhang von der Realwirtschaft fern zu halten und damit Inflation zu verhindern.
Was immer zutrifft: vielleicht könnten wir zu einem tieferen Verständnis der Vorgänge gelangen, indem wir derartige Fragen stellen?
@ JM
>>> Das was heute läuft hat mit (Neo-)Liberalismus nicht viel zu tun es ist eher dem Sozialismus ähnlich.
Was heute läuft, ist ein sozio-politischer Zustand, der unvermeidlich ist, wenn der Staat auf einen Minimalstaat schrumpft und damit der uneingeschränkten Freiheit die Herrschaft überlässt. Dieser Zustand hat mit dem Sozialismus nichts zu tun, es geht um eine luppenreine Plutokratie. Ihre ideologische Grundlage ist der Neoliberalismus.
So einfach ist es – und so eindeutig. Natürlich, dass die Neoliberalen nach einer “differenzierten Sichtweise”, die “wesentlich komplexer” ist, schreien. Was bleibt ihnen sonst übrig, “aber das ist eine andere Diskussion”.
@ ALOA
Realize that I left something out that may not be obvious to most people reading this blog : the key difference in cross border capital flows purely within the private sector and flows involving governments or “contingent gvt agents” (like banks and other to big to fail highly leveraged entities specializing in interest-bearing (rather than profit sharing) finance). The most important reason for the current mess is that the north south flows within the EUR area were dominated by the interest bearing element in the form of gvt bond purchases and interbank funding (the latter also with a strong contribution from US money market funds). Monetary theory as a branch of macroeconomics tends to ignore this.
As the Southern (this does not completely apply to Ireland, hence not PIIGS) governments started to suffer from a rising risk premium following a market epiphany that the imbalances in the EU would not be self-correcting two (predictable for any hedge fund manager familiar with the run up to the EUR) things happened. First, funding future deficits became more expensive, with positive feedback risks. Second, and less visible, hence this undermined the fair value of the local banks’ investment portfolios and hence their solvency in economic, not regulatory terms, closely followed by credit analysts who advise interbank lenders. As a result of the second, the contingent nature of state liability for banks moved, in option terms, “into the money”. Market participants withdrew interbank funding, started to become more selective as to collateral for OTC derivatives and pushed those banks into ECB utilization, creating a second positive feed back loop and pushing the problem into the public sector. As the programs to stem this process were not credible (even in the case of Ireland, where a lot could have been done by letting the banks default on their bonds rather than baling those out), a crisis developed.
This had also a disastrous effect on the market value of banks (typically the largest component on local stock exchanges and especially indices) across the EUR and resulted in reverse flows from south to north as Northern (and especially non-EUR) portfolio investors sold their holdings.
Meanwhile the most stable component of Northern outbound cross border investment, FDI, had been going much more to non-EUR countries in the EU (with the exception of Slovakia) and to non-EU countries (China especially), bypassing Greece, Spain and Portugal.
As the form of cross border capital most closely linked to productivity increases, is precisely FDI and the least effective the investment is gvt securities (it is questionable that the inflow of foreign deposits in, for instance Greek banks, would have been used for non-speculative investment (i.e. other things than real estate speculation, domestic private equity, etc). Clearly the overstaffed gvt of Greece did not use imported capital for productive investment, except for bits and pieces of infrastructure.
Simplistically one could say that the introduction of the EUR into a backward and logistically handicapped economy like Greece’s starved it of “good” inbound capital flows and exposed it to “bad” flows.
In addition, both the inability of the Northern states not to bail out their banks who had partcipated in these bad flows and the inability of the EUR states not to bail out Greece and other states threatened by contagion, resulted in a situation where the whole thing involved a life-support process that offers no prospects for ultimate recovery for Greece and ongoing risks for contagion in states that have far better prospects for catching up,
It is highly unlikely that this pattern of capital flows will change, in the sense that there will be more non-government mediated money going into Greece and be invested for growth. Hence it is highly unlikely that growth of the formal economy in mainstream economics terms will be sufficient to service debts, since the country is in a high cost trap. The only chance would be to reduce the size of the legendary informal economy and repatriate Greek money held offshore. But that is never the work of an incumbent elite who would be the main losers in a reform scenario and are now using the bulk of the population as social human shields..
Nothing here would be easier to solve under alternative social ordering systems (socialism etc).
Was sach`ste zum Braunberger – Kantoos?
http://www.faz.net/artikel/C30638/kommentar-die-ueberforderung-der-geldpolitik-30488155.html
@ rubycon
Die Reichen wissen es ganz genau, dass die Inflation
- Ihr Geld entwertet
- Arbeitsplätze schafft, die Lohnquote hebt und damit die Untertanen mächtiger macht
was die Klassenherrschaft des Kapitals untergräbt. Deshalb der ewige
HEILIGE KRIEG GEGEN DIE INFLATION
Das Preisniveau – Inflation und Deflation – aus empirischer Sicht
weiter >>>
Und da noch was für solche, die es sich trauen analytisch und mathematisch über die Inflation nachzudenken
mehr >>>
@ Rien Huizer
“I cannot imagine how a presently high cost country would build a large low wage sector using local labor, at least not under democratic conditions and floating exchange rates. That would be something like „Verelendung in one country“..”
Dann kommen sie her und schauen sie es sich an. ;-)
(Ich bleibe mal beim deutschen, das haben sie zumindest gut verstanden, wer weiß wie das beim englisch wäre)
Der “collapsing bottom” in D war nur mit massiver Gesetzgebungstätigkeit möglich. Vorher war es schwer, dass tarifbezahlte Normalarbeitszeitverhältnis zu unterbieten (das geschah natürlich durch viele Ausgründungen, dann wurde die Kantine etc. nicht mehr nach IGMetall, sondern deutlich billiger bezahlt).
Es wurden diverse Möglichkeiten, den equal-pay-Grundsatz zu unterlaufen.
Ob nun über Minijobs oder Zeitarbeit. Es sind Fakten, dass viele Zeitarbeiter deutlich weniger als die Stammbelegschaft verdienen, von Minijobbern ganz zu schweigen.
Dies wurde mit einem scharfen Schnitt in der sozialen Absicherung bei Arbeitslosigkeit unterstützt.
Diese Lohnsenkung findet auch in der Exportindustrie statt, bei Facharbeitern, die dann in der Diskussion als “Fachkräftemangel” kursieren.
Und in Dienstleistungen, die höchstens im Grenzgebiet mit dem nahen Ausland konkurrieren.
Der Knackpunkt war nicht die Konkurrenz zu China etc., sondern aktives Handeln der Politik.
@ aloa
“Heckscher-Ohlin…”
Solange es eine soziale Absicherung gibt, arbeitet fast niemand für 3 Euro und stockt dann auf, weil das gar nicht angeboten wird.
Wenn sie so argumentieren, dann doch mal Butter bei die Fisch: wo drückt denn der Heckschereffekt zuerst die Löhne? Und wie breitet sich das dann in die Dienstleistungen aus? Doch nicht wegen dem Überangebot wegen entlassener Industriehilfsarbeiter.
Das ging nur mit staatlichem Handeln, wissen doch auch alle, war doch auch intendiert und wurde bejubelt!
Der deutsche Exportüberschuss ist in geradezu absurder Höhe, und die Reallohnnichtzuwächse im zweiten Boomjahr hintereinander ebenfalls.
Die Behauptung, dass Luxushotels bei einem Euro höheren Kosten nicht mehr gebucht würden, ist doch absurd.
@HK
Vielen Dank fuer Ihre interessante Analyse. Ich sehe allerdings das Problem, dass Sie zumindest implizit mittelfristig fuer alle Problemlaender exportgetriebenes Wachstum als Teil des Loesungsweges vorschlagen. (Auch interne Abwertung fuer Spanien und Italien bringt ja nur etwas, wenn dadurch mehr exportiert werden kann.) Da die EU als Ganzes eine ungefaehr neutrale Bilanz hat, wuerde ich mich freuen, wenn Sie Ihre Gedanken hierzu etwas naeher erlaeuteren koennten. Sehen Sie eine Notwendigkeit, parallel fuer Laender wie Deutschland von der Exportabhaengigkeit wegzukommen, oder eine Moeglichkeit, EU-Exporte in die restliche Welt massiv zu steigern? Welche Gueter schweben Ihnen dabei vor?
Ich verstehe Ihre Aussage nicht.
Suchen Sie einmal Textil- und Spielzeugfabriken hier und sehen Sie in die Regale wenn es um Weihnachtsbeleuchtung u.ä. geht. Natürlich sind es auch entlassene Industriearbeiter. Das können Sie u.a. hier nachlesen:
http://logicorum.wordpress.com/2011/05/15/steigende-lohnunterschiede-sind-durch-outsourcing-und-staatlicher-forderung-bedingt/
und hier:
http://logicorum.wordpress.com/2011/05/21/essensmarken-und-hartziv-sind-handelspolitik-arbeitsplatzeffekte-des-handels-mit-china/
Das ist inzw. bis zum MIT durchgedrungen. Die Frage ist:
Und die Antwort darauf welche die Universitäten in Essex und das MIT geben ist ein eindeutiges “yes”. Ich predige das schon seit ein paar Jahren, habe auch ein Steuermodell für das entgegensteuern entwickelt.
Es gibt sicherlich auch “intern” noch Verbesserungspotential, z.B. bei der Infrastruktur welche man schleifen lässt. Auch die “nicht beschäftigten” welche früher beim Aufbau geholfen haben sind auf dem Arbeitsmarkt. Das alles wirkt kumulativ, nachfragesenkend und drückt die Löhne im unteren Lohnsektor bei gleichzeitig hoher und länger anhaltenden Arbeitslosigkeit.
Grüße
ALOA
Das behauptet auch niemand. Es bedeutet aber nicht automatisch das Ihre beabsichtigte Aussage bzw. Methode korrekt ist. Sie verschärfen das Heckscher-Ohlin Problem nur immer weiter. Am Ende der Fahnenstange hat man in etwa das was Frankreich ist. Und dann können Sie noch versuchen zu husten. Viel wird nicht mehr herauskommen im LINKEn Wunderland wo es
- Generalstreiks gibt
- hohe Mindestlöhne gibt
- und dieser ML im unteren Lohnsektor auch noch gesetzlich verankert auf 35h/Woche festgeschrieben ist (also die maximale Stunden-Verteilungswirkung zum Wohle der Beschäftigung entfalten soll)
Also all das was Gewerkschaften und Linkspartei bei uns als den wahren Jakob ansehen welcher allen Unbill beheben wird ist in Frankreich bereits implementiert: Streik, Mindestlöhne, 35h/Woche.
Nur genutzt hat es ganz offensichtlich nichts.
Grüße
ALOA
@ aloa5
>>> Nur genutzt hat es ganz offensichtlich nichts.
Ach was!
- Generalstreiks
- hohe Mindestlöhne
- und dieser ML im unteren Lohnsektor auch noch gesetzlich verankert auf 35h/Woche festgeschrieben ist (also die maximale Stunden-Verteilungswirkung zum Wohle der Beschäftigung entfalten soll)
… konnten nicht alle katastrophalen Folgen der neoliberalen “Reformen” kompensieren
Offensichtlich.
Wirkungslos, kontraproduktiv, nicht das haltend was die Verfechter versprechen.
Die Wirkungslosigkeit liegt an einer schlechten (bzw. keiner) Analyse. Weder die Gegebenheiten wurden sauber analysiert noch die Wirkung der Mittel. Immerhin sind diese Forderungen uralt – älter als die aktuellen Problemursachen.
Ziele sind wichtiger als das festhalten an (antiquierten) Mitteln. Und Effizienz sollte wichtiger als leichte Vermittelbarkeit und Bauchgefühl sein. Mittel müssen wirken und nicht schön klingen. Eben logisch sein.
Aristoteles, Organon
Grüße
ALOA
@ aloa5
Und welche Mittel würde uns ein Quasi-Neoliberaler gegen die korrupte, selbsternannte Eliten, ein menschenfeindliches Wirtschaftsystem, eine gekaufte Demokratie und ein kollabierendes Geldsystem vorschlagen. Ich höre
@Systemfrager
Gegen das was Du vorgibst helfen Mindestlöhne und Generalstreiks jedenfalls auch nicht. ;) Ich sehe jedoch Ignoranz, Unfähigkeit und Unwillen auf der Führungsebene als die zu bekämpfenden (menschlichen) Ursachen an und nicht einen bösen Willen. Das ist aber vermutlich eine Frage unserer unterschiedlichen Menschenbilder.
Meine Waffen sind Logik, Sachlichkeit und Effizienz. Mit deren Hilfe kann man wirksame(!) Mittel entwickeln und bereitstellen welche es ermöglichen würden sich der gleichen Methoden zu bedienen welche andere auch nutzen. Letztlich wird gesagt das ein Mittel (welches auch immer) zum Erfolg führen wird oder (wahlweise) man ein Opfer bringen “müsse”.
Das einzige Problem welches besteht ist, das Politiker und andere in besserer Position und auch viel geübter darin sind Ihre Ideen zu verpacken und an den Mann zu bringen. Und diese Ideen als solches sind i.d.R. rar, die Mittel alt.
Was sehen wir denn aktuell politisch wie ökonomisch? Da stehen auf der einen Seite die liberalen “Sparer” mit Steuersenkung, Staatssparen und Deregulierung…. alles erprobte und als untauglich zu bezeichnende Mittel. Auf der anderen Seite Deficit Spending, Mindestlöhne, Arbeitszeitverkürzung – wie dargestellt nicht wirklich wirksam, inkl. dem Deficit Spending welches in den USA nicht in der Lage war das Ruder herumzureißen. Wohl sagt Krugman das 800 Mrd ein zu geringer Umfang war. Aber letztenendes ist es auch so wie Du es beschreibst, das nämlich je größer die strukturellen Probleme, desto wirkungsloser solche Maßnahmen bzw. desto größer muss das Volumen auch sein. Bei uns in D sind die strukturellen Defizite kleiner als in den USA weshalb auch weniger Eingriff notwendig war.
Verbesserungen müssen nicht revolutionär sein. Sie müssen nicht hübsch klingen, sie müssen nicht einfach sein, sie müssen auch nicht auf ein Wahlplakat oder einen Bierdeckel passen. Sie müssen “nur” logisch sein und …. wirken.
Grüße
ALOA
@ aloa5
Das würde ich jetzt unterschreiben. Mit einer Bemerkung:
Zu welchen konkreten Ergebnisen führen uns diese (richitgen) erkenntnistheoretischen und methodologischen Überlegungen. Zu TINA?
Im Zusammenhang mit dem Gespenst der dreißiger Jahre ist sicherlich die Lektüre von Louis Brandeis, einer der Gründer des Federal Reserve Systems aufschlußreich:
Other People’s Money And How the Bankers Use It
http://www.law.louisville.edu/library/collections/brandeis/node/191
und hier noch ein Artikel aus der N.Y.T.
The Value of ‘Other People’s Money’
http://www.nytimes.com/2009/02/07/opinion/07urofsky.html?_r=1
In einem Artikel in der ZEIT befaßt sich Fabian Lindner derzeit ebenfalls mit den ökonomischen Gegebenheiten aus der Zeit 1919 bis 1948 und speziell mit den Geschenissen um 1930 herum. Da Henry Kaspar mich dort auf diesen Artikel hier verwies, möchte ich hier noch kurz dazu Stellung nehmen:
Ich sehe absolut keine Notwendigkeit, über Vergleiche oder Parallelen mit damals etwaige Folgerungen oder Empfehlungen für die heutigen Probleme in der Eurozone zu entwickeln. Zu viele Gegebenheiten waren damals deutlich anders als heute, als daß mir dieser Ansatz wirklich sinnvoll erscheint.
Statt dessen lassen sich allein aus der heutigen Faktenlage ohne Bezug zu irgendwelchen Historien genügend Ansätze zur Bearbeitung der aktuellen Problematik entwickeln.
1) Bereits bei der Einführung des Euro gab es in den einzelnen Ländern der Zone gravierende strukturelle Unterschiede in den jeweiligen Volkswirtschaften. Dies wurde bei der Bildung der Eurogemeinschaft weitgehend ignoriert.
2) Statt dessen hat man sich lediglich auf fiskalpolitische Vorschriften geeinigt – mit der fälschlichen Hoffnung, daß die Strukturdifferenzen irgendwie durch die gemeinsame Währung reduziert werden.
3) Die schwächeren Länder schafften es jedoch nicht, schnell genug und umfassend genug nur mit dem einheitlichen Geld (welches mit Vor- und Nachteilen verknüpft ist) den Anschluß zu finden.
4) Die Einführung des Euro wäre dringend verbunden gewesen mit erheblichen Subventionen und Transfers und mit einer wesentlich zielgenaueren Verwendung in Richtung Strukturverbesserungen.
5) Sowohl Geber als auch Nehmer (direkt bzw. indirekt) haben jedoch nur höchst unzulänglich die Solidarität in beiden Richtungen effektiv gelebt. Das Ergebnis sehen wir heute.
Für einen Neubeginn unter dem Dach einer einheitlichen Währung ist es meiner Meinung nach erforderlich, die existenten Schulden zeitlich erheblich zu strecken. Gläubiger und Schuldner werden dabei Belastungen ertragen müssen. Weiterhin ist für die künftige Entwicklung das nachzuholen, was gemäß den obigen Punkten versäumt wurde. Das wird für alle teuer und schmerzhaft; es werden keine Kredite sein, sondern Geldgeschenke. Und die Schenkenden werden harte Auflagen einführen und auch kontrollieren müssen.