Sinnlose Schätzungen des Multiplikators?

Olaf Storbeck, Blogger und Journalist beim Handelsblatt, hat kürzlich eine Liste der meist gelesenen Einträge seines Blog veröffentlicht und erster in dieser Liste ist ein Eintrag über die neueste wissenschaftliche Evidenz zum Multiplikator von Fiskalpolitik. Es ist eine schöne und gut lesbare Zusammenfassung, allerdings habe ich drei Probleme:

  • Niemand scheint zu wissen, wie man den fiscal multiplier eigentlich definiert.
  • Empirische Makrostudien habe große Probleme mit der Identifikation wirklich kausaler Effekte.
  • Was Mikrostudien uns über den Effekt von expansiver Fiskalpolitik sagen, ist mir nicht klar.

Wenn Euch ersteres merkwürdig vorkommt, seid Ihr in guter Gesellschaft. Wie viele andere war auch ich von einem Eintrag von Scott Sumner zu diesem Thema einigermaßen überrascht. Und doch hat er Recht. Bei den anderen beiden Punkten wundert mich, dass diese Studien nicht genau deshalb massiv kritisiert werden, obwohl jeder den Grund kennt.

Was soll der Multiplikator eigentlich messen? In meinem Verständnis soll er in einer Situation mangelnder gesamtwirtschaftlicher Nachfrage (aggregate demand, AD) messen in wie weit Fiskalpolitik eben jene AD erhöhen kann. Anstatt AD können wir auch einfach die nominalen Gesamtausgaben (= nominales BIP, NBIP) schreiben. Und was messen die empirischen Studien? Von Barros Weltkriegsschätzung bis zu dem von Olaf diskutierten Mafiapapier: Auswirkungen auf reale Größen. Hmm… Komisch. Höhere Nachfrage sollte ein höheres reales BIP zur Folge haben, natürlich. Das aber hängt von der Auslastung ab! Die Fähigkeit von Staatsausgaben AD zu beeinflussen sollte unabhängig sein von der Frage, ob eine Erhöhung von AD das reale BIP erhöht, wie Scott richtig schreibt. Für mich ist das auch alles nicht konsistent.

Nun aber zu zweiterem Punkt. Olaf führt als theoretisches Problem Ricardian equivalence an. Dies ist das Problem des klassischen Multiplikators und nicht das auf was ich abziele, dennoch ein paar Worte hierzu. Die Ricardian equivalence Fraktion ist bezüglich Fiskalpolitik (als Bekämpfung von AD Schwäche!) argumentativ etwas schwach auf der Brust. Schon das simple Rechenbeispiel von Paul Krugman deutet dies an:

If the government introduces a new program that will spend $100 billion a year forever, then taxes must ultimately go up by the present-value equivalent of $100 billion forever.

Wenn Menschen dann ewig leben, perfekte Vorausschau haben etc. werden sie ihre Ausgaben um genau diese 100 Mrd. $ reduzieren, Effekt = Null. Aber wenn die Regierungsausgaben nur temporär sind?

[I]t will increase spending by $100 billion per year for only 1 or 2 years, not forever. This clearly implies a lower future tax burden than $100 billion a year forever, and therefore implies a fall in consumer spending of less than $100 billion per year.

Damit macht es sich zwar auch Krugman zu einfach, aber das ist vielleicht ein Thema für einen gesonderten Eintrag.

Was mir viel wichtiger ist als Ricardian equivalence, ist Geldpolitik. Woodford schreibt beispielsweise in seinem Papier „Simple Analytics of the Government Expenditure Multiplier“:

[T]he multiplier is 1 in the case that the monetary authority maintains a constant path for real interest rates despite the increase in government spending. The multiplier can be considerably smaller, however, if the monetary authority raises real interest rates in response to increases in inflation or real activity resulting from the fiscal stimulus.

Völlig richtig, und warum zur Hölle sollte eine Zentralbank das nicht tun, und statt dessen die Geldpolitik konstant lassen? Moment, was heißt überhaupt „konstant“ im Bezug auf Geldpolitik? Auf jeden Fall nicht, was man denkt.

Für manche ist „konstant“ ein gleichbleibender (nominaler) Zinssatz. Das ist aber unplausibel, da der Zinssatz nur Mittel zum Zweck ist. Eine zinssetzende Zentralbank hat ein Ziel (etwa Inflation), und wenn sie durch gestiegene Staatsausgaben droht von diesem Ziel (nach oben) abzuweichen, weil sie die Zinsen gleich lässt, macht sie dann eben doch andere, expansivere Geldpolitik als vorher, wo sie ihr Ziel noch erreichte. Gleiches gilt für Geldmenge als Ziel, oder ein Kombination aus allem. Eine Geldpolitik kann also eigentlich nur als konstant bezeichnet werden, wenn sie zu jeder Zeit so gesetzt ist, dass erwartet wird, dass sie ihr Ziel erreicht.

Wenn eine Zentralbank nun strikt AD selbst als Ziel ausgibt, wie es Scott vorschwebt, und die Zentralbank in der Lage ist, die Erwartungen bezüglich zukünftigen ADs beliebig zu beeinflussen – und ich habe zumindest bisher nichts theoretisch oder empirisch Überzeugendes gefunden, was das Gegenteil beweisen würde – dann ist der Multiplikator genau Null. Der Grund ist, dass die Zentralbank ohnehin schon ihr präferiertes Level an AD anpeilt, und jede Änderung durch Staatsausgaben umgehend und vollständig kompensiert. Die Nullzinsgrenze ist das einzige, wo eine solche Zentralbank in Probleme kommen könnte, allerdings sind diese Probleme weder theoretisch überzeugend noch empirisch belegbar, die Indizien sprechen eher für das Gegenteil.

Was tun nun die meisten empirischen Studien zum fiskalischen Multiplikator (abseits der Frage, warum sie reale Größen verwenden)? Sie nehmen den Zinssatz, Geldmenge und ähnliches als Indiz „konstanter“ Geldpolitik (falls Ihr Gegenbeispiele habt, immer her damit). Das ist nicht sehr sinnvoll, insofern bin ich freundlich ausgedrückt sehr skeptisch bezüglich solcher Studien.

Die Identifikation von geldpolitischen Schocks, die man für eine glaubwürdige, kausale Untersuchung von den Effekten von Geld- und Fiskalpolitik benötigt, ist einfach extrem schwierig und eine wirkliche Kausalitätsrevolution wie die in der Mikroökonometrie hat die Makro noch vor sich. Der Charme des Mafiapapiers liegt darin, zumindest eine exogene Variation in Fiskalpolitik gefunden zu haben, das ist ein erster, guter Schritt.

Was allerdings geldpolitische Identifikation angeht, müssen wir uns wohl auf historische Fallstudien verlassen, deren Interpretationsspielraum entsprechend ist. Oder auf Papiere, die zumindest Fortschritte in die Richtung einer wirklichen Identifikation machen, wie Romer & Romer (2004) „A New Measure of Monetary Shocks: Derivation and Implications“. Dieses Papier findet übrigens sehr starke und relativ schnell wirkende Effekte von Geldpolitik, im Gegensatz zu früheren Studien mit unzureichendem empirischen Design, I wonder why… So viel zu der großen Zeitverzögerung, mit der Geldpolitik angeblich wirkt, auch so ein Märchen, das nicht tot zu kriegen ist. Zudem gibt es bei ihnen kein price puzzle. Identification matters! (HT: Scott Sumner’s Kommentator David Landry)

Und Mikrostudien? Bei denen weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, was sie mir sagen sollen. Wenn man sie auf eine staatliche Ebene bringen will, müsste man annehmen, dass man aus den regionalen Multiplikatoren einen landesweiten machen kann. Das aber ist offensichtlich etwas schwierig. Denn die geldpolitische Antwort, die im Mafiapapier ganz frech als „konstant“ angenommen wurde (was landesweit bei einer reinen Umverteilung von Staatsausgaben noch stimmen mag, aber eben nicht für die einzelne Region!), kann unmöglich ignoriert werden.

Wie ist das nun in einer Währungsunion? Hier mögen Mikrostudien hilfreich sein – sofern sie das Geldpolitikproblem auf der makroempirischen Seite gelöst haben! Dann könnte regionale, expansive Fiskalpolitik einen Multiplikator bezüglich AD haben und den Anpassungsprozess an niedrigere Preise und Löhne angenehmer gestalten – sofern sie diesen Prozess, so er denn nötig ist, nicht aufhält. Genau letztere Schlussfolgerung, den Anpassungsprozess aufhalten, könnte man aber aus diesen Mikrostudien ziehen wollen, auch wenn das falsch wäre.

Empirische Makro ist ein schwieriges Feld, und leider muss ich sagen: es überzeugt mich nicht. Ich würde bei den meisten Studien nicht mal nach dem Motto „es ist das Beste, was wir haben“ verfahren wollen, denn eine schlechte statistische Analyse ist leider komplett nutzlos. Ordentliche Theorie und historische Fallstudien müssen wohl bis auf weiteres reichen.

Kommentare

  1. Olaf Storbeck schreibt:

    Interessanter Beitrag – du sprichst ein paar Punkte an, die mir beim Lesen der Studien und dem Schreiben des Textes irgendwie diffus durch den Kopf gegangen sind, die ich aber so klar nicht zusammengekriegt habe.
    Ich habe zum Beispiel schon ziemlich drüber gestaunt, dass es offenbar keine allgemein akzeptierte Definition gibt, welchen Zeithorizont man bei den Multiplikatoren überhaupt betrachtet. Da zeigt sich, dass sich die empirische Makro vor der Krise jahrelang viel zu wenig mit den Wirkungen von Fiskalpolitik geschäftigt hat.

    Eine Frage zur ricardian equivalence: ist es nicht grundsätzlcih egal, ob die Staatsausgaben für immer oder nur für ein, zwei Jahre steigen? Mit höheren Steuern in der Zukunft geht das ja in jedem Fall einher, nur dass die Steuererhöhungen nicht so groß ausfallen, weil die Ausgaben ja geringer sind. Problematisch wird es natürlich, wenn das in den Modellen so abgebildet wird, wie Krugman es schildert.

    Was die starken Schwankungen von Geld- und Fiskalpolitik betreffen: Auf einen anderen Aspekt als den, den du im Sinn hast (die intertemporale Komponente) , geht ja das Papier von Norman Gemmell, Richard Kneller und Ismael Sanz ein, auf das ich ganz am Ende des Textes kurz komme. “The Timing and Persistence of Fiscal Policy Impacts on Growth: Evidence from OECD Countries” (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1468-0297.2010.02414.x/pdf)

    Nicht ganz deiner Meinung bin ich mit Blick auf die Mikro-Studien. Die können ganz sicher nicht die gesamtwirtschaftliche Vogelperspektive ersetzen, liefern aber dennoch interessante zusätzliche Erkenntnisse, finde ich. Vor allem, wenn es darum geht, die kurzfristige Wirkung einzelner Politik-Instrumente zu untersuchen. Das Cash for Clunker-Paper, auf das ich kurz eingehe in meinem Blogpost, ist doch ein Super-Beispiel dafür.

    • kantoos schreibt:

      @ Olaf

      Danke für Deinen Kommentar.

      „Da zeigt sich, dass sich die empirische Makro vor der Krise jahrelang viel zu wenig mit den Wirkungen von Fiskalpolitik geschäftigt hat.“

      Jein. Ich denke, die Schwierigkeiten in der Empirie waren ein Teil des Problems, das auch weiterhin kaum gelöst ist. Aber klar, die theoretische Irrelevanz von FIskalpolitik in der herrschenden Meinung wird ihren Anteil gehabt haben.

      Zu RE: nein, es ist schon wichtig, was wie lange geschieht. Stell Dir vor die Leute verhalten sich nach der permanent income hypothesis (PIH), dann werden die temporären Erhöhungen auf das lifetime income keinen so großen Effekte haben und daher lassen Leute ihren Konsum beispielsweise recht kontstant. Das ist Krugmans (sehr simples) Beispiel. Wirkliche RE Untersuchungen müssten natürlich noch das Arbeitsangebotsverhalten und vieles mehr abbilden. Ich mache da vielleicht mal einen Eintrag zu.

      Die EconJ Studie ist sicher kein schlechter Beitrag, aber für Leute, die in der Kausalitätsrevolution der Mikro groß geworden sind, wenig überzeugend: kennen wir die Hintergründe der FIskalpolitiken, die dort untersucht werden? Was ist dort exogen, was nicht (hier macht das Mafiapapier einen entscheidenden Fortschritt!)? Außerdem geht es auch da wieder um Wachstum (real), was mit der Fiskalpolitikdiskussion in konjunkturellen Problemphasen nichts zu tun hat.

      Was die Mikrostudien angeht: es gibt Tage, da denke ich: alles Mist. Dann wieder Tage, wo ich sie für eine Währungsunion z.B. recht interessant fände (Konjunktiv!). Aber ohne das makroempirische Geldpolitikproblem gelöst zu haben, weiß ich ehrlich gesagt nicht, was die „interessante zusätzliche Erkenntnisse“ sind, die Du meinst. Das cash-for-clunker Papier betrifft aber in der Tat andere Aspekte, darüber muss ich nochmal nachdenken.

  2. weissgarnix schreibt:

    >Wenn eine Zentralbank nun strikt AD selbst als Ziel ausgibt, wie es Scott vorschwebt, und die Zentralbank in der Lage ist, die Erwartungen bezüglich zukünftigen ADs beliebig zu beeinflussen – und ich habe zumindest bisher nichts theoretisch oder empirisch Überzeugendes gefunden, was das Gegenteil beweisen würde – dann ist der Multiplikator genau Null.

    Ich habe diese Diskussion nicht mitverfolgt. Was soll die aggregierte Geldnachfrage als Target der ZB nochmal genau bringen? Solange sie dessen (sektorale wie funktionale) Zusammensetzung nicht steuern kann, kann sie gar nichts steuern, IMHO. Noch nicht mal das Verbraucherpreisniveau.

    • kantoos schreibt:

      @ wgn

      Also das Preisniveau ist in meinen Augen nur ein Sekundärziel, primäres Ziel ist makroökonomische Stabilität. Manche möchten also das nominale BIP (aka Gesamtausgaben) stabilisieren wollen, um das zu erreichen, denn es ist (auch m.E. der beste, weil direkteste Weg, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stabil zu halten). Neben Scott Sumner gab es den Vorschlag schon von Mankiw und anderen. Er hat seine Nachteile, ohne Frage, aber das hat Inflation targeting, Taylor Rule, Geldmengenaggregate oder pi*Daumen auch.

      @ HK

      Ja, da werden wir uns nie einig (obwohl ich noch Hoffnung habe, dass Du es irgendwann einsiehst… kleiner Spaß). Aber das makro-empirische Problem siehst Du auch, oder? Wieso findest Du Studien, die empirisch fragwürdig sind, „verdienstvoll“?

  3. hkaspar schreibt:

    Wenn eine Zentralbank nun strikt AD selbst als Ziel ausgibt, wie es Scott vorschwebt, und die Zentralbank in der Lage ist, die Erwartungen bezüglich zukünftigen ADs beliebig zu beeinflussen – und ich habe zumindest bisher nichts theoretisch oder empirisch Überzeugendes gefunden, was das Gegenteil beweisen würde – dann ist der Multiplikator genau Null. Der Grund ist, dass die Zentralbank ohnehin schon ihr präferiertes Level an AD anpeilt, und jede Änderung durch Staatsausgaben umgehend und vollständig kompensiert. Die Nullzinsgrenze ist das einzige, wo eine solche Zentralbank in Probleme kommen könnte, allerdings sind diese Probleme weder theoretisch überzeugend noch empirisch belegbar, die Indizien sprechen eher für das Gegenteil.

    Ueber den letzteren Punkt weden wir uns wohl nie einig werden – mAn sind die „Probleme“ (sprich: das Versagen) der Geldpolitik an der Nullzinsgrenze theoretisch wie empirisch offensichtlich – aber die Qualifikation „Nullszinsgrenze“ ist wichtig. Die Stunde der Fiskapolitk und damit der Belebung oeffentlicher Nachfrage schlaegt (erst) wenn die Belebung privater Nachfrage durch Geldpolitik nicht moeglich (Nullzinsgrenze) oder wuenschbar (Ueberschuldung des Privatsektors) ist.

    Und deswegen sind auch Studien wichtig und verdienstvoll die versuchen Fiskalmultiplikatoren zu messen, inkl. der Unterscheidung fiskalischer Multipliaktoren bei verschiedenen Massnahmen (Steuersenkungen, konsumptive und investive Ausgaben, etc.)

    Hier ist ein huebscher relevanter Beitrag des immer lesenswerten Nick Rowe:

    http://worthwhile.typepad.com/worthwhile_canadian_initi/2011/03/the-preponed-government-spending-multiplier-may-exceed-one.html

  4. weissgarnix schreibt:

    @kantoos

    Das habe ich verstanden. Was ich nicht verstanden habe, ist, wie die ZB das Niveau der monetären Gesamtausgaben steuern können soll. Nich dazu derjenigen, die im BIP Niederschlag finden. Mir ist sehr wohl bekannt, dass nach den Ansicht von manchen Post-Keynesianern (Lerner, Wray, MMT, ….) der Staat das (angeblich) kann. Aber die Zentralbank? Wie?

    • kantoos schreibt:

      @ wgn

      Dachte ich mir schon, dass ich Dein Problem missverstanden habe. Die Frage ist zunächst einmal: gibt die ZB die nominalen Gesamtausgaben (=NBIP) als Ziel aus, lässt sie sich daran messen, gibt sie es sogar als Levelziel aus (d.h. sie korrigiert Fehler der Vergangenheit)? Das wäre das erste und wichtigste. Das zweite wäre, die Erwartungen (entweder des Marktes oder ihre eigenen) bezüglich der nominalen Gesamtausgaben anzusteuern (wichtig ist ja nicht, das NBIP immer genau zu treffen, sondern die Erwartungen so zu beeinflussen, dass die mit dem NBIP Ziel übereinstimmen). Wenn sie also so lange Zinsen senkt, QE macht (was fast das gleiche ist, aber egal) bis ihr Erwartungeindikator anzeigt, dass sie auf Zielkurs sind, sehe ich kein Problem, warum das nicht gehen sollte.

      Wie Yglesias ja schön ausführt (siehe letzten post), bei den kurzfristigen Zinsen in den USA geht es ja auch: dort setzt die Fed ein Ziel und macht so lange Offenmarktgeschäfte, bis das Zinsziel erreicht ist. Natürlich sind NBIP nochmal etwas anderes, aber das Prinzip ist ähnlich.

      Es geht sogar noch krasser: man lässt den Markt NBIP-Futures handeln und koppelt daran die Geldpolitik, gibt sie also völlig aus der Hand und legt sie in die Hand des Marktes. Wenn das praktisch umsetzbar ist, dann müssen fast per definition die NBIP Erwartungen auf Kurs sein. Das ist Scott Sumners Lieblingsidee, allerdings ist mir das zu extrem, glaube ich. Wollte ich immer mal besprechen, diese Option. Sollte ich mal machen. Auch, damit HK es endlich einsieht, dass es geht… kleiner Scherz.

  5. weissgarnix schreibt:

    @Kantoos

    >bei den kurzfristigen Zinsen in den USA geht es ja auch

    Du meinst also, weil eine Bank, die das Monopol über Geld hat, es schafft den Preis für Geld zu setzen, schafft sie es auch, den aggregierten Preis (verstanden als P x Q) von allem anderen zu setzen?

    Na dann….

    • kantoos schreibt:

      @ wgn

      Das hatte ich auch noch geschrieben: „Natürlich sind NBIP nochmal etwas anderes, aber das Prinzip ist ähnlich.“

      Die ZB setzt sich ein Ziel und kann dann dafür sorgen, dass sie es erreicht, sofern sie die Größen steuert, die dazu beitragen. Zinsen sind der simplere Fall (aber auch da nicht so einfach, wie Dein Kommentar suggeriert), NBIP ein etwas anspruchsvollerer. Aber die Bringschuld hier ist nich so klar, finde ich: warum sollte sie es nicht schaffen, frage ich mich nämlich. Ich sehe den Markterwartungsindikator für NBIP (sagen wir ein NBIP Future) und lasse so lange „Geld drucken“ und dies öffentlich kundtun bis dieser Indikator nach oben geht, und zwar so weit, wie es meinem Ziel entspricht (das Zirkularitätsproblem blenden wir hier mal aus).

      Deine Kritik müsste schon etwas weiter gehen: z.B. wie HK über safe assets kommen und die Wirkungslosigkeit vom Tausch eines safe assets gegen ein anderes beschreiben, oder die Blockade von Transmissionswegen wegen Problemen im Finanzsystem.

  6. weissgarnix schreibt:

    @kantoos

    >sofern sie die Größen steuert, die dazu beitragen.

    Hast du dir „nominal GDP“ schon mal als Formel angesehen? In denen, die ich kenne, kommt Geld witzigerweise noch nicht einmal vor. Wenn eine ZB es also schafft, die einzelnen Größen des nominellen BIP zu steuern, wer weiß… vielleicht können Meerschweinchen dann auch einen IBM-Großrechner reparieren?

    >und lasse so lange „Geld drucken“ und dies öffentlich kundtun bis dieser Indikator nach oben geht

    Jaja. Ein gewisser „Heli-Ben“ dachte das schon einmal. Hat dann in 2001 oder 2002 (weiß nicht mehr genau) eine kecke Rede gehalten: Kann bei uns alles nicht passieren, weil „the US government has a printing press…“ Haha, selten so gelacht!

    Mit einer solchen Politik wird die ZB in dem Intervall erfolgreich sein, in dem sie mit anderen Policies auch erfolgreich wäre. Doch sie wird an den Extremwerten scheitern, an denen sie mit anderen Policies auch scheitern würde.

    By the way: Was hat „Nachfrage“ mit Geld zu tun anyway? Das letzte Mal, als ich mich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt habe (ist fast 20 Jahre her), hat die St Louis Fed die McCallum-Rule zum NGDP-Targeting aus genau dem Grund verworfen: Die velocities wollten hat partout nicht so, wie McCallum wollte… Meines Erachtens wird eine Zentralbank, die sich das nominelle BIP zum Target nimmt, nur eines erreichen: eine Verschiebung der Schulden von Bank-Nichtbank zu Nichtbank-Nichtbank. Damit ein Stretching des Kreditmultiplikators. Damit mehr Instabilität.

    • kantoos schreibt:

      @ wgn

      Lustig, Deinen Humor hätte ich gerne. Im NBIP steckt eine ganze Menge jenseits von P*Q oder M*V.

      „Mit einer solchen Politik wird die ZB in dem Intervall erfolgreich sein, in dem sie mit anderen Policies auch erfolgreich wäre. Doch sie wird an den Extremwerten scheitern, an denen sie mit anderen Policies auch scheitern würde.“

      Interessant, aber wo ist jetzt der Grund, warum das so ist? Den hab ich verpasst, scheint mir.

      Die McCallum Debatte werde ich mal suchen, klingt interessant. Meine VWL-Kenntnisse waren damals noch limitiert.

  7. Gerald Braunberger schreibt:

    @kantoos

    1.“So viel zu der großen Zeitverzögerung, mit der Geldpolitik angeblich wirkt, auch so ein Märchen, das nicht tot zu kriegen ist.“

    Als völlig altmodischer Mensch, der auf so vorsintflutliche Größen wie Geldmengen schaut, stelle ich fest, dass die Fed Ende 2008 mit dem QE begann und auch die Zinssenkungen fallen etwa in diese Zeit. Daraufhin sind die Veränderungsraten der Geldmengen M1, M2 und M3 (letztere geschätzt, da die Fed sie nicht mehr veröffentlicht) in den USA erst einmal deutlich gefallen. Die Trendwenden in den Zuwachsraten lassen sich für alle drei Aggregate für die erste Jahreshälfte 2010 konstatieren – sie sind, abgesehen von der volatilen M1, aber immer noch nicht hoch, obgleich die Geldbasis in dieser Zeit extrem gestiegen ist. Mir scheint, da gibt es schon einen nennenswerten Lag – und jemand, der vorsintflutliche Autoren liest, wundert sich darüber wenig. Ich behaupte nicht, dass die Analyse von Geldmengen alleinseligmachend wäre, aber man sollte einmal darauf schauen. Wobei dann hinzukommt, dass die Zentralbank M1 bis M3 direkt überhaupt nicht steuern kann. In Euroland wächst M3 seit geraumer Zeit mit Jahresraten von müden 1 bis 2 Prozent.

    2. „Die McCallum Debatte werde ich mal suchen, klingt interessant. Meine VWL-Kenntnisse waren damals noch limitiert.“

    Da ist wahrscheinlich der Grund, warum Du in Deiner Begeisterung zu denken scheinst, die NBSP-Steuerung wäre ein innovativer Gedanke. Nur ist das Konzept ein alter Hut und früher schon ausgiebig diskutiert worden, weshalb Leute wie weissgarnix und ich das scheinbar sensationell Tolle an diesem Konzept nicht erkennen können. Für uns ist das halt ein alter Hut. Übrigens dürftest Du bei Deinen Recherchen ein modernes Papier von McCallum finden, in denen er das Thema noch einmal aufnimmt und es differenziert erörtert, auch wenn er natürlich ein Anhänger geblieben ist.

    3. Zur Multiplikatordiskussion ein kleiner Hinweis: Es gibt ein Video von Solows Auftritt auf der IWF-Konferenz im März 2011, in dem er sich auch mit ein paar konzeptionellen Fragen befasst. Im Übrigen freut es mich zu lesen, dass expansive Fiskalpolitik in der Vergangenheit in den USA immer gewirkt hat. Wenn man dann noch einen entsprechenden Glauben an die allzeitige Macht der Geldpolitik besitzt, fragt man sich allerdings, was seit 20 Jahren mit den Japanern los ist und derzeit mit den Amerikanern. Christie Romer hat Washington jedenfalls nicht im Triumph verlassen. Und warum schreit Brad de Long nach QE3? Könnte die Misere am Ende nicht vielleicht doch etwas mit hohen Verschuldungen (staatlich und/oder privat) zu tun haben, die die Wirksamkeit von Makropolitik beeinträchtigen?

    Gruß
    gb.

  8. Jay schreibt:

    @kantoos
    Eine Frage: Was ist genau die Kausalitätsrevolution der Mikroökonometrie?

    Ansonsten: Guter Eintrag. Das Definitionsproblem des Multiplikators war mir gar nicht so bewusst.

  9. Gerald Braunberger schreibt:

    @kantoos:

    Noch etwas zum Multiplikator. Ich habe die folgende Passage mit großem Erstaunen gelesen:

    „Was soll der Multiplikator eigentlich messen? In meinem Verständnis soll er in einer Situation mangelnder gesamtwirtschaftlicher Nachfrage (aggregate demand, AD) messen in wie weit Fiskalpolitik eben jene AD erhöhen kann. Anstatt AD können wir auch einfach die nominalen Gesamtausgaben (= nominales BIP, NBIP) schreiben. Und was messen die empirischen Studien? Von Barros Weltkriegsschätzung bis zu dem von Olaf diskutierten Mafiapapier: Auswirkungen auf reale Größen. Hmm… Komisch. Höhere Nachfrage sollte ein höheres reales BIP zur Folge haben, natürlich. Das aber hängt von der Auslastung ab! Die Fähigkeit von Staatsausgaben AD zu beeinflussen sollte unabhängig sein von der Frage, ob eine Erhöhung von AD das reale BIP erhöht, wie Scott richtig schreibt. Für mich ist das auch alles nicht konsistent.“

    Nach meinem wiederum vielleicht vorsintflutlichen Verständnis misst man natürlich die Wirkung des Multiplikators letztlich auf realwirtschaftliche Größen! Was würde denn die Beeinflussung nominaler Größen bedeuten, wenn sie keine realwirtschaftlichen Folgen hätte?

    Der Multiplikator hat eine lange Geschichte mit vielen Vorläufern, aber zuerst modelliert hat ihn der Lieblingsschüler von Keynes, Richard Kahn, im Jahre 1931. Die Analyse ´geht so, dass von zusätzlichen Investitionen in der Kapitalgüterindustrie spill-overs die Konsumgüterindustrie erreichen und sich da fortpflanzen.

    Kahn: „To meet the increased expenditure of wages and profits that is associated with the primary [non-consumption goods sector] employment, the production of consumption-goods is increased. Here again wages and profits are increased, and the effect will be passed on, though with diminished intensity. And so on ad infinitum“

    Keynes machte daraus in der General Theory:

    „Unless the psychological propensities of the public are different from what we are supposing, we have here established the law that increased employment for investment must necessarily stimulate the industries producing for consumption and thus lead to a total increase of employment which is a multiple of the primary employment required by the investment itself.“

    Natürlich hängt es auch von der Auslastung ab! Wenn sie 1oo Prozent ist, führt der Multiplikator nur zu Inflation, das war schon Kahn und Keynes klar. Sie haben untersucht, wie der Multiplikator in einer unausgelasteten Wirtschaft sich über ein höhere Nachfrage real niederschlägt, sprich in Beschäftigung. In einer vollausgelasteten Wirtschaft braucht niemand expansive Finanzpolitik. Wenn man aber keynesianisch annimmt, dass in einer unausgelasteten Wirtschaft die Beschäftigung (auch) eine Funktion der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist, muss man einen Beschäftigungseffekt sehen. Das finde ich völlig konsistent. Christie Romer hatte doch das Obama-Fiskalpakekt ausdrücklich mit dem Hinweis begründet, damit die Beschäftigung unterstützen zu wollen.

    Dein Kommentar macht mich, ehrlich gesagt, völlig ratlos.

    Gruß
    gb.

    • kantoos schreibt:

      Gerald,

      an Deiner Reaktion merke ich, dass ich in der Vergangenheit doch böser zu Dir war als angemessen, sorry dafür.

      Aber im Einzelnen:

      zu 1. Ich finde Dich überhaupt nicht altmodisch, eher historisch gut fundiert, das ist ein wichtiger Unterschied. Und deshalb lernt ein Jungspund wie ich auch gerne von Dir. Ich hoffe, das gilt auch für die andere Richtung.

      Dein Faible für Aggregate teile ich nicht, das ist richtig, genau wie es schwierig werden wird, aus den Daten eine eindeutige Unterstützung für Deine oder meine Thesen zu erhalten. But here it goes: das Geldmengenwachstum (für M2 habe ich es mal nachgeschaut, aber bei M3 ist es ähnlich), erreichte zwischen Januar und July 2010 ihren Tiefpunkt. Der turnaround kam im August 2010, just als Bernanke QE2 ankündigte. Leute wie Du sagen: lange Verzögerung. Leute wie ich sagen: unmittelbare Wirkung.

      Aber Aggregate sind nicht das einzige Kriterium, oder? Was ist mit Zinsen? Auch nicht optimal, aber was geschah nach der Ankündigung von QE2? Realzinsen fielen, weil Inflationserwartungen stiegen. Was ist mit NBIP Erwartungen? Die professional forecaster sagen das hier (hab ich extra für Dich zusammen gebaut):

      Das August survey war vor der Ankündigung (soweit ich das verstanden habe), das November survey aber nach der Implementierung. Die Novemberdaten wundern mich etwas, muss ich gestehen, hätte schon da eine Reaktion erwartet. Aber im Februar schlägt es dann durch. Der Fall des Dollars, der Anstieg des Aktienmarktes (beides ziemlich unmittelbar, was über Exportnachfrage und wealth effect (u.a.) die Nachfrage treibt), … . Doch, ich glaube, das Bild, was sich ergibt, zeigt eher, dass Geldpolitik sehr direkt und massiv wirkt. Leider war QE2 ohne eine entsprechende Zielvorgabe ein halbherziges Unterfangen. Dennoch interessant. Was Krugman zu Japan schreibt, kennst Du? http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/06/20/woodford-on-monetary-and-fiscal-policy/ Ach ne, Woodford und diese Spinner liest Du ja nicht so gerne… :)

      zu 2. Also mein historischer Background ist nun auch nicht soooo schlecht, lieber Gerald. Ich weiß, dass es ein „alter Hut“ ist, und dass früher darüber gesprochen und geschrieben wurde. Aber das im Nachhinein alles nachholen ist schwerer, als dabei gewesen zu sein. Ich kenne zwei Probleme: 1. bei positiven supply shocks ist NBSP target zu restriktiv, 2. wenn die Zentralbank es verfolgt könnte sich bei Änderungen der velocity Überschießungseffekte einstellen (das aber ist umstritten). Aber ich lerne gerne mehr über die damalige Debatte, weil ich immer noch keinen Grund gefunden habe, warum das ad acta gelegt wurde, der mich überzeugt.

      Wenn ich jetzt wieder böse wäre, würde ich mich wundern warum ausgerechnet jemand, der gerne auf unfehlbare „Altmeister“ verweist, sich darüber beschwert, dass ich einen „alten Hut“ hervorhole, weil Inflation targeting und Geldmengensteuerung unzureichend sind und in der Krise völlig versagt haben. DAS wäre mit einem NBSP level target nicht passiert. Aber ich bin heute nicht böse.

      zu 3. Japan bei Krugman hatte ich ja schon, Christie Romer ist eine der wenigen in Washington, die Geldpolitik versteht und leider weg ist. Und was Du damit meinst, verstehe ich nicht: „Im Übrigen freut es mich zu lesen, dass expansive Fiskalpolitik in der Vergangenheit in den USA immer gewirkt hat.“

      Doch, eins noch zu Japan: ein Problem der unzureichenden Nachfrage (und damit der Geldpolitik in diesem Sinne) kann es ja nicht für immer sein, das sehe ich auch so. Interessant finde ich den Gedanken, dass eine Wirtschaft vielleicht doch nicht mir Nullinflation klar kommt (was die ZB leicht ändern könnte). Ein deflationäres Umfeld scheint eben doch ein besonderes zu sein. Vielleicht kann HK sein Goldstandardwissen hier nochmal zur Anwendung bringen. Oder Du? Mich würde es freuen.

      zu Deiner völligen Ratlosigkeit: Du wiederholst meine Argumente, und verstehst doch nicht, was ich meine. Ich muss also klarer werden. Nachfragepolitik soll sich im Endeffekt auf reale Größen auswirken, klar. Aber die Kausalkette ist Politik -> AD -> reale Größen. Die Analyse des zweiten Pfeils sagt: wir haben sticky wages/was auch immer, und daher unzureichende AD, und wenn wir die erhöhen, erhöhen wir reale Größen. Der erste Pfeil sagt: wir wollen wissen, ob Geldpolitik oder Fiskalpolitik in der Lage sind, AD zu erhöhen. Das ist keine triviale, sondern eine wichtige Frage! Du willst die Kette in einem durch betrachten, was in Ordnung ist, aber wichtige Erkenntnisse dabei übergeht. Und ich glaube, dass auch einige Missverständnisse und Konflikte um den Multiplikator daher rühren, dass man das nicht konsistent trennt. Immer noch ratlos?

      PS: Und weil Du es schon wieder schreibst: Dein „vorsintflutlichen Verständnis“ (ich weiß übrigens, dass das Koketterie ist, falls Du meinst, das würde falsch ankommen, aber ich spiele jetzt einfach mal mit…) ist immer wieder eine positive Herausforderung für mich, daher freut es mich, das mit Dir zu diskutieren. Und falls Dein Arbeitgeber sich beschwert, er würde Dich nicht fürs Blogkommentieren anderer Leute bezahlen, sag ihm, dass ich einige emails bekommen habe, durchweg mit dem Tenor „die Kommentare von GB haben das Ansehen der FAZ bei mir um x Stufen gehoben“. Also, sei selbstbewusst! :)

  10. matt_us schreibt:

    Also, Multiplikator fuer Anfaenger. Und warum es doch funktioniert

    Theorie:

    Wenn jeder einzelne 2/3 seines zusaetzlichen Einkommens immer wieder ausgeben wuerde in der Volkswirtschaft, ist die zusaetzliche Wirtschaftsleistung durch ein Euro zusaetzliches Einkommen 3. Das heisst der Multiplikator ist 3.

    Das ist eine ganz einfache Formel: 1/(1-(2/3)) =3

    Also wenn der Staat jedem 1 Euro geben wuerde, wuerde es 3 Euro Wirtschaftswachstum erzeugen.
    Jetzt zwei Punkte.

    (1) Warum es nicht funktionieren soll:

    Krugmann: If the government introduces a new program that will spend $100 billion a year forever, then taxes must ultimately go up by the present-value equivalent of $100 billion forever.

    Aha, also zusaetzliche Steuern werden erhoben, um fuer das Programm zu zahlen. Was passiert mit den Leuten, wenn sie wissen zusaetzliche Steuern kommen auf sie zu. Sie fangen an zu sparen, geben weniger aus. Deshalb faellt der Bruchteil, der konsumiert wird. So dass langfristig ein Multiplikator nicht wirkt.

    (2) Warum es doch funktioniert, koennte

    Stellen wir uns mal vor, die Volkswirtschaft besteht aus zwei Gruppen, den Armen (90%) und den Reichen (10%). Wenn ich jetzt wuesste, als Armer, dass ich nicht fuer das zusaetzliche Einkommen vom Staat zahlen muss, sondern nur die Reichen besteuert wuerden, was wuerde passieren?

    Der Multiplikator waere 3 fuer die 90% der Bevoelkerung.

    Aber was ist mit den Reichen, wuerden die nicht Ihren Konsum so einschraenken, dass dem Wirtschaftskreislauf all das Geld wieder entzogen wuerde, dass die 90% zusaetzlich ausgeben.

    Nein, natuerlich nicht. Denn erst mal haben die Reichen soundso keine Moeglichkeit das Geld auszugeben, sie konsumieren nur 1/3 oder weniger ihres Einkommens. Der Rest wird gespart. Es ist von diesem Gesparten, dass sie jetzt die Steuern bezahlen, sie werden ihren Konsum nicht einschraenken, oder nur ganz wenig. Gehen wir mal davon aus, das er sich gar nicht einschraenkt.

    Das heisst das der Multiplikator mindestens 90% von 3 = 2,7.

    Wenn man es wie (2) machen wuerde, wuerde jeder zusaetzlich Euro Staatausgaben, 2,7-fache an Wirtschaftsleistung generieren.

    Das funktioniert uebrigends nur, wenn die Wirtschaft genug Kapazitaeten hat, sonst natuerlich nicht (Inflation!), also wenn Kapazitaeten brachliegen und man viele Arbeitslose hat.

    Mir fallen Griechenland, Spanien, und auch die USA ein.

    Wenn man das so machen wuerde funktioniert das natuerlich immer.
    ____

    Genau deshalb mach ich jetzt mein eigenes Blog, kantoos. Das wird hier alles sehr theoretisch, und hilft nicht, Oekonomie zu erklaeren, wenn man nicht soundso schon versteht wie sie funktioniert. Aber Konkurrenz ist gut fuers Geschaeft ;-)

    Klick mal auf meinen Namen, und schau Dir mein Blog an.

  11. matt_us schreibt:

    Bevor wieder einer aus dem Garten vom Harken reinrennt und mir vorwirft ich koennte nicht Rechnen (ist mir immer in wgn passiert) der Multiplikator bleibt natuerlich 3, nicht 2,7.

    Jeder zusaetzliche Euro produziert 3 Euro zusaetzliches WirTschaftswachstum.

    Uebrigend zum Thema Konkurrenz, kantoos.

    Du bist auf Platz 63, ich auf Platz 69. Aber mein Blog gibt es noch nicht mal 48 Sunden ;-)

    http://botd.wordpress.com/top-posts/

    Und hier ist mein blog:

    http://eurogate101.com/

    • kantoos schreibt:

      @ matt

      Bei Deiner Schreibwut habe ich mich ohnehin immer gefragt, warum Du das nicht in einen Blog giessen willst. Also, viel Erfolg. Und dass Du so schnell auf BOTD landest ist doch super! Weiter so.

      Deine Rechnungen verstehe ich schon, aber ich weiss nicht, was das inhaltlich mit meinem post zu tun hat…

  12. amv schreibt:

    @ alle

    spannend! Ich habe gar nicht viel beizutragen, weil Kantoos’s Position voll teile. Zur Fiskalpolitik finde ich den folgenden Beitrag von Mankiw/Weinzierl ‘unschlagbar’: http://coffeehouse-economics.blogspot.com/search?q=optimal+stabilization+policy

    @wgn

    Geld und NGDP sind untrennbar! Die Quantitätstheorie ist sicherlich problematisch, die Quantitätsgleichung hingegen tautologisch, also immer und notwendigerweise wahr (für nicht-Econs: Quantitätstheorie= Quantitätsgleichung + 3 Annahme: (1) Geldmenge – egal welches Aggregat – ist exogen, d.h. allein von der Geldpolitik kontrollierbar (sic!), (2) Umlaufsgeschwindigkeit ist trendstabil (sic?), (3) Output und Beschäftigung langfrisitg neutral, d.h. realwirtschaftlich bestimmt).

    Es gilt also immer und notwendigerweise: Mv identisch mit AD identisch mit PY aka NGDP. M kann jedes Aggregat sein, v die dazu passende Velocity. PY ist eine Stromgröße; M eine Bestandsgröße. Die Multiplikation vom M mit v ergibt eine Stromgröße (effective money supply; money in circulation; aggregate demand), so dass die Identität gelten kann. Also ist im ein wesentliche Faktor zur Bestimmung von AD.

    Note: das ist kein Plädoyer für den Monetarismus. Es geht darum, wie AD definiert ist: also dass, was innerhalb einer bestimmten Periode mit Geld (!) gekauft wird. Muss immer u. notw. gleich NGDP sein, d.h. dem was innerhalb derselben Periode gegen Geld verkauft wird.

    Zur Steuerbarkeit: Solange Liquiditätspräferenz kleiner UNENDLICH ist, kann die Notenbank immer die AD durch Bilanzverlängerung beeinflussen. Notfalls kauft sie alle Assets der Welt. Wenn sie das grundsätzlich kann (Steuerung ist effektiv), und der vorausschauende Markt der Notenbak auch glaubt, dass Sie AD steuern möchte (Steuerung ist kredibel), dann muss die Notenbank gar nicht mehr viel machen. Der Markt bleibt quasi-automatisch auf Ziel (Abweichungen würden ja korrigiert).

    @ Kantoos

    Soweit ich mich erinnere, geht es in der McCallum Debatte nicht um level targeting (also nur NGDP-growth). Aber ich kann mich irren.

    BTW, ich finde Sumners NGDP-Futures market Ansatz super sexy. Wenn ich es doch nur modellieren könnte … vielleicht ein gemeinsamer Versuch? ;-)

    • kantoos schreibt:

      @ amv

      Nur kurz: ja, das Leveltargeting habe ich da auch nicht gefunden (obwohl es ein wichtiger Teil ist!). Und Sumners NGDP Vorschlag fasziniert mich auch, aber die praktische Umsetzung wird in den Blogs noch kontrovers diskutiert.

      @ wgn

      amv hat voellig Recht, und Deine Mikrobetrachtung von Geld verstellt glaube ich den Blick fuers Wesentliche. In Ermangelung einer besseren Analogie stellen wir uns eine Badewanne vor mit 835 Millionen Wasserhaehnen. Das Problem ist, das Wasserlevel zu kontrollieren. Die ZB sitzt an zwei Stellen: am Haupthahn im Keller und am Abfluss. Sie kann also keinen einzigen der 835 Millionen Haehne kontrollieren, aber den Wasserstand natuerlich ohne Probleme.

      Ach, die Analogien passen einfach alle nicht (eigentlich bin ich auch ein grosser Gegner solcher Sachen) aber Du verstehst, was ich meine? Aus der Unkontrollierbarkeit von Kreditschoepfung, velocity etc. folgt logisch erstmal garnichts.

  13. matt_us schreibt:

    @kantoos

    Danke fuer die guten Wuensche bezueglich Blogs

    und zu

    „Deine Rechnungen verstehe ich schon, aber ich weiss nicht, was das inhaltlich mit meinem post zu tun hat…“

    Das hatte eigentlich nur mit dem Anfang Deines Beitrags zu tun, als Du sagtest:

    „. Niemand scheint zu wissen, wie man den fiscal multiplier eigentlich definiert.
    . Empirische Makrostudien habe große Probleme mit der Identifikation wirklich kausaler Effekte.
    . Was Mikrostudien uns über den Effekt von expansiver Fiskalpolitik sagen, ist mir nicht klar. “

    Also ich dachte der Multiplikator waere genauso definiert wie ich es sagte – mit der kleinen Formel. So hatte ich es wenigstens gelernt. Und dann stimmt natuerlich was Du sagst mit den Studien. Aber das ist auch weil nie gemacht wird, was ich in meinem Beispiel anfuehre. Also ganz bewusst eine Steuer zu erheben von Leuten, die einen geringeren Anteil ihres Einkommens verkonsumieren (den Reichen), um es dann genau dem Teil der Bevoelkerung zu geben, die einen hohen Teil ihres Einkommens verkonsumieren (den Armen). Der Trend ging ja eher dazu ueberall Grenzsteuersaetze von hohen Einkommen zurueckzusetzen.

    Weil das nicht gemacht wird, Steurerhoehung nur fuer die Reichen, kann man den Multiplicator Effekt auch nicht nachweisen. Wenn man machen wuerde, was ich vorschlage, haette man Macrostudien zu Hauf die den Multiplikator nachweisen koennten.

  14. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >Geld und NGDP sind untrennbar!

    Klar – aber nur ex post.

    >also dass, was innerhalb einer bestimmten Periode mit Geld (!) gekauft wird.

    Hierin liegt der große Irrtum: Geld kauft nicht, sondern Geld BEZAHLT. Zwischen Kaufen und Bezahlen liegen aber ganze Welten, bzw ein Kontinuum von Umlaufgeschwindigkeiten. Der Hinweis auf Paypal im bei Euch verlinkten Beitrag trifft es perfekt: Ich könnte darüber Verkaufs- und Einkaufstransaktionen ausführen und meinen ganzen Lebensunterhalt bestreiten, ohne, dass ich einen einzigen Geldschein auch nur zu Gesicht bekomme. DASS Geld „da“ sein muss, genauer: ein Kredit mit ausreichend langer (bzw rollierend erneuerter) Fälligkeit bestehen muss, das ist unbestritten. Aber wie weit dieses Geld gestretcht werden und ob dieses Stretching bzw De-Stretching von der ZB beeinflusst werden kann – das möchte ich sehen.

  15. rubycon schreibt:

    @ kantoos

    Habe auch ein schönes Bild im Kopf :

    Cockpit der Raumschiff Enterprise auf der Reise zu unbekanten Zielen (Gleichgewichten)
    mit einer heterogenen (gemischten) Mannschaft (Wissenschaften).

    Interessant !
    Deswegen ist auch Mr. Spock dabei…

    Aber ist halt nur ein Traum.

  16. weissgarnix schreibt:

    @Kantoos

    >Das Problem ist, das Wasserlevel zu kontrollieren.

    Eben genau das nicht. Das Problem, um bei deiner Analogie zu bleiben, wäre, zu steuern, wie oft in dieser Badewanne jemand badet. Natürlich kann die ZB dann beeinflussen, wie oft die Badewanne voll eingelassen wird; sie kann aber nicht beeinflussen, ob hernach eine Person ins Bad steigt oder 5. (Hintereinander oder gleichzeitig, was ich persönlich interessanter fände, die richtigen Personen vorausgesetzt).

    Ich mach es kurz: NGDP-Steuerung gibt’s nicht, IMHO. Was es gibt bzw geben kann ist Steuerung über die Vermögenspreise. Und selbst das klappt nicht immer.

    • kantoos schreibt:

      @ wgn

      Ok, ich sehe schon, das hat keinen Zweck, Analogien sind Müll.

      Aber auch ohne Analogien: wer die Wissenschaft VWL und ihre Implikationen als religiösen Kult oder feuilletonistischen Klamauk auffasst, dem ist nicht beizukommen, insofern geb ichs auf…

  17. rubycon schreibt:

    Ansage :

    Als Ersatz für die fehlende steuerinduzierte Umverteilung beim Einkommen, wie matt_us darlegt, wird bis zum Ende der Frauenfußballweltmeisterschaft die Finanztransaktionsteuer eingetütet werden.

  18. weissgarnix schreibt:

    By the way: Falls die NGDP-Targetting-Szene noch einen Guru braucht, dann bewerbe ich mich hiermit mit folgendem Vorschlag:

    1) Alles bestehende Geld wird per 1.1. für ungültig erklärt

    2) In Höhe des beabichtigten NGDP wird neues Geld verteilt (muss ja nicht per Heli sein), das zwei Merkmale aufweist:

    a) Es kann nur einmal verwendet werden
    b) Es verfällt jedenfalls am 31.12.

    Thema durch. Das NGDP wird exakt der Höhe entsprechen, die die ZB anstrebt.

    :-)

  19. weissgarnix schreibt:

    Habe noch eine Bedingung vergessen:

    3) Private Schuldverhältnisse werden ausnahmslos verboten

    So, jetzzza aber… (sorry, aber auch Gurus in spe unterlaufen schon mal Flüchtigkeitsfehler)

  20. Dietmar Tischer schreibt:

    @ wgn

    >Natürlich kann die ZB dann beeinflussen, wie oft die Badewanne voll eingelassen wird; sie kann aber nicht beeinflussen, ob hernach eine Person ins Bad steigt oder 5.<

    Unter Umständen steigt noch nicht einmal eine Person ins Bad, auch das kann sie nicht beeinflussen.

    Was sie beeinflussen kann, ist wie hoch die Wasserrechnung wird.

  21. Alex F. schreibt:

    „Zur Steuerbarkeit: Solange Liquiditätspräferenz kleiner UNENDLICH ist, kann die Notenbank immer die AD durch Bilanzverlängerung beeinflussen. Notfalls kauft sie alle Assets der Welt. Wenn sie das grundsätzlich kann (Steuerung ist effektiv), und der vorausschauende Markt der Notenbak auch glaubt, dass Sie AD steuern möchte (Steuerung ist kredibel), dann muss die Notenbank gar nicht mehr viel machen. Der Markt bleibt quasi-automatisch auf Ziel (Abweichungen würden ja korrigiert).“

    Sehr schön. Scott Sumner fügt an dieser Stelle immer noch hinzu, dass nur ein Verrückter leugnen kann, dass die ZB durch Aufkaufen aller Assets dieser Welt keine Inflationserwartungen erzeugen kann. Ich stimme dem zu, mein Problem ist nur, dass ich es ordnungspolitisch für falsch halte, der ZB zu erlauben private Assets zu kaufen. Wenn man die ZB auf Anleihen des eigenen Staates beschränkt sehen will, dann braucht man ein Pendant zum Aufkauf aller Assets dieser Welt. Ein Pendant wären Helicopter Drops, also eine Mischung aus Geld- und Fiskalpolitik, die ohne Staatsanleihen auskommt. Auch hier gilt: nur ein Verrückter kann leugnen, dass ein prinzipiell unendlicher Geldregen keine Inflationserwartungen auslöst.

    Wichtig ist bei dieser Diskussion, dass Geldpolitik immer über Erwartungen läuft. Open Market Operations sind immer impotent, wenn der Markt nicht an sie glaubt, also z.B. glaubt, dass sie am nächsten Tag wieder rückgängig gemacht werden. Das hat mit der Nullzinsgrenze gar nichts zu tun. Dass die ZB nur m und nicht v kontrolliert, müsste dann auch konventionelle Geldpolitik umöglich machen. Es ist immer alles „pushing on a string“, schlimmer noch, es gibt keinen „string“, eben weil v nicht kontrollierbar ist.

    • kantoos schreibt:

      @ Alex F.

      Genau so sieht es aus. Und ich kann nur wieder sagen: die Gegenseite müsste beweisen, dass es nicht geht. Ich werde dazu gleich mal etwa schreiben.

      Allerdings verstehe ich die Skepsis gegenüber privaten (pro-zyklischen!) Assets nicht. Denn die haben i.m.A. ein paar gewichtige Vorteile:

      1. Wenn sie prozyklisch sind, macht die ZB potentiell riesige Gewinne. Das vermindert den Preisverfall von assets in einer Krise, in Antizipation der Geldpolitik.
      2. Wenn die Zentralbank voll mit Staatsanleihen ist, und bei Rückführung ihrer Geldpolitik diese auf den Markt schmeißen muss, kann dies zu Verschuldungskrisen führen, was eine nicht perfekt unabhängige Zentralbank dann beschränkt.
      3. Was Nick Rowe meinte, wenn die ZB pro-zyklische assets kauft, wirkt Geldpolitik genau in die Richtung, in die Leute es erwarten (steigenden asset Preise von prozyklischen assets), es sendet also direktere Signale.

      Was meinst Du?

  22. amv schreibt:

    @ wgn

    (1) Ex post stimmt natürlich. Habe ich ja auch geschrieben; bei mir heißt das tautologische Gleichung. Ich mag die Begriffe ex ante und ex post in diesem Zusammenhang nicht (kommt ja von den schwedischen Ökonomen und wurde im Kontext der keynesianischen I-S Theorie gängig: ex ante I grundsätzlich ungleich S; durch Y-Anpassung I immer gleich S ex post). Tautologisch ist präziser: Mv identisch mit PY bedeutet, dass im Gleichgewicht als auch im Ungleichgewicht (!) Mv gleich PY.

    (2) ‘Kontinuum’ (uncountable infinite!!!) gibt es nicht in einer monetären Wirtschaft; Ich denke das gerne wie Wicksell (keine Handhabe für Wipol; nur theoretisch interessant): als M nimmt er die Geldbasis und nimmt an, sie sei konstant; Steigerungen der AD durch Giralgeldschöpfung stellt er dann durch einen Anstieg der Velocity dar, als catch-all Variable. In diesem Sinne wird bei steigendem V die Geldbasis immer ‘effektiver’. Dein Pay-Pal Bsp. kann man genauso darstellen. Seine Pure Credit Economy ist dann ein Spezialfall mit M=0. Dann ist die Quantitätsgleichung natürlich nicht mehr anwendbar. Aber stellen wir uns mal vor das Geldbasis annährend Null ist, d.h. M=0,0000 …. 00001 und PY gegeben. Dann ist V annährend unendlich und die Volkswirtschaft approximiert eine Cashless Economy a la Wicksell/Woodford.

    (3) Wenn die Zentralbank AD nicht kontrollieren kann, dann kann sie nicht nur NGDP-Level nicht targeten, sondern auch die Inflationsrate. Glaubst Du das?

  23. amv schreibt:

    @ Kantoos, Alex F.

    M.E. kann die Notenbank problemlos private Assets kaufen. Ist sogar besser aus den von Kantoos genannten Gründen. Aber sie sollte versuchen, ein (annährend) GLOBALES PORTFOLIO zu kaufen, um Relativpreise nicht zu tangieren. Solche ein blinder Kauf (im Gegensatz zu ‘bailing out the losers’), dürfte die Vorbehalte von Alex F. & Co mindern.

  24. amv schreibt:

    … Definition: Globales Portfolio (s. oben) das die ZB kaufen sollte

    a. relevanter Assetraum: alle in der relevanten Währung denominierter Wertpapiere

    b. Assetklasse: Alle Wertpapiere mit korrelierten Nettoertragsströmen

    a. + b. –> globales Portfolio: Summe aller Assetklassen im relevanten Assetraum

  25. hkaspar schreibt:

    Wenn die Zentrabank unsafe assets kauft ist das Fiskalpolitik in disguise, schliesslich geht die Zentralbank damit quasi-fiskalische Risiken ein. Auch stellt sich die Frage ist warum sie dann nicht gleich Gueter kauft um unmittelbar Knappheiten in Guetermaerkten zu erzeugen – dies erzeugt direkt Inflation, nicht indirekt (und unsicher) wie ueber Assetkaeufe.

    Ich bin hier mal ganz der Meinung von Axel F.: Fiskalpolitik sollte von der Fiskalbehoerde betrieben werden. Die Zentralbank kann in der Liquditaetsfalle assistieren indem sie Staatsschuld aufkauft (also das Geld druckt welches der Staat fuer Gueter- und Assetkaeufe ausgibt). Allerdings ist das eine gute Idee nur in Krisenzeiten, und ausserdem wohl nichtmal besonders wichtig, da in der Liquiditaetsfalle funding ohnehin fast umsonst ist.

    Soviel zur Frage ob Geldpolitik „kann“ – sie kann nur indem sie zur Quasi-Fiskapolitik wird. Ob sie „soll“ ist dann nochmal eine andere Frage:

    http://kantooseconomics.com/2011/04/06/warum-schulden-zahlen-why-debt-matters/

    • kantoos schreibt:

      @ HK

      Das siehst Du zu einseitig, glaube ich. Denn ja, sie nimmt Risiken auf sich. Aber wenn sie Staatsanleihen kauft, deren Preis drückt, damit staatliche FInanzierung billiger macht, und zudem sich das Risiko aufhalst, in Solvenzproblemen ihres Staates in ihrer Geldpolitik beschränkt zu sein, ist das auch „Fiskalpolitik“, oder zumindest keine reine Geldpolitik mehr. Und zur Safeness von assets: die ganzen AAA-rated assets haben sich eben als nicht so richtig safe herausgestellt, Und einige andere, scheinbar safe assets auch nicht.

      Also ich halte das Risiko für überschaubar. Oder sogar kleiner, denn die ZB handelt in gewisser Weise (so lange sie ihr aktuelles Gurugehabe an den Tag legt und nicht einfach stumpf NGDP level targeting betreibt) als inside trader (sie weiß mehr als der Markt). Zudem sind die Vorteile im Bezug auf Geldpolitik ohnehin weitaus wichtiger.

  26. amv schreibt:

    @ HK

    du hast recht. steht aber grundsätzlich nicht im widerspruch zu meiner sicht. denn, ‘unsafe’ asset ist nicht dasselbe wie ‘private assets’, und ‘safe assets’ ungleich ‘non-private bonds’. Sollte aktuell eigentlich keiner Erklärung bedürfen. Außerdem verbleibt beim globalen Portfolio grundsätzlich nur das systematische Risiko. Dann hätten wir schon mal kein bail-out einzelner Sektoren. Wenn die ZB besonders risikoavers sein soll, bin dafür, muss sie natürlich den Anteil des globalen Portfolios klein halten relativ zu ‘risk-free’ assets. es gibt aber keine risk-free assets. Also die am wenigsten Riskanten, gegeben dem Info-stand des Marktes. Demnach keine griechischen Bonds, sondern ggf. Daimler-Bonds. Privat vs. Nicht-Private spielt keine Rolle. Die Zeiten sind hoffentlich vorbei, dass man Staatsbonds mit risk-free assets gleichsetzte (Es gibt natürlich noch solche Bonds, Schweiz z.B.; aber case-by-case!)

  27. hkaspar schreibt:

    @ Kantoos

    Sag’s nochmal: was genau sind die Vorzuege der Geldpolitik?

    Meine These ist dass diese Vorzuege nur zum Tragen kommen wenn die Grenze zwsichen Geld- und Fiskapolitik verwischt. Praeziser, in der Liquiditaetsfalle kann Geldpolitk nur effektiv sein wenn sie quasi-fiskalisch operiert – und das effektivste waere zweifelsohne wenn die Zentralbnak Gueter (und nicht Assets) kauft.

    Was dann die Frage nach sich zieht warum man dann nicht gleich Fiskalpolitk betreibt, moeglicherweise mit geldpolitischer Unterstuetzung.

    Gruss,
    HK

    P.S.: mit „safe assets“ meine ich natuerlich ein Konzept, nicht Staatsanleihen oder AAA-rated. Geldpolitik ist nie voellig risikofrei, aber in normalen Zeiten sind die Risiken begrenzt auf credit risk, das sich weitgehend kontrollieren laesst – die Zentralbank gibt temporaer Geld heraus an solvente Schuldner gegen hochwertiges Kollalteral, auf das sie bei Bedarf noch einen haircut anwendet.

    Wenn die Zentralbank aber Assets kauft und im Portfolio haelt ist es was ziemlich anderes – dann hat sie valuation risk.

    • kantoos schreibt:

      @ HK

      Da dachte ich eben auch drüber nach: credit risk und valuation risk. Aber in einem severe slump scheint mir, da die ZB „Insider Trading“ machen kann, das valuation risk überschaubar – sofern sie prozyklische assets kauft. Und risk ist ein variance Problem, kein Problem der expectation, oder? In expectation kann dennoch eine Null dort stehen.

      „Praeziser, in der Liquiditaetsfalle kann Geldpolitk nur effektiv sein wenn sie quasi-fiskalisch operiert.“

      Also das mag eine (!) Möglichkeit sein. Leute, die level targeting nicht für eine Elfenbeinturmidee halten, weil es 1933 schon einmal funktioniert hat und theoretisch recht plausibel erklärt werden kann, sagen eher: Geldpolitik funktioniert an der ZLB über Erwartungen zukünftiger Geldpolitik. Der statische Weg, dass irgendwie das Geld ja in den Markt kommen muss (in der Extremform ist das Argument: you cannot push on a string), führt in meinen Augen genau zu den falschen Schlussfolgerungen, die auch Du ziehst. Aber ichj schreibe gerade an einem post darüber… :)

  28. rubycon schreibt:

    Sachverständiges für den kommunalen Bereich :

    http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a07/anhoerungen/2011/048/Stellungnahmen/02_-_Bundesver__komm_Spitzenverb.pdf

    „7. Zu internationalen Erfahrungen – Kennzeichnung von Bankprodukten
    Um Fehlentwicklungen bei der Nutzung von derivativen Finanzprodukten zulasten der
    Steuerzahler zu vermeiden, sollten Möglichkeiten einer standardisierten Kennzeichnung
    der Produkte geprüft werden. Dafür käme als sachkundige Instanz wohl ausschließlich
    die BaFin in Frage. Bedingung wäre, dass die Anbieter zu einer Kennzeichnungspflicht
    angehalten werden. Dafür könnte der in Frankreich genutzte Ansatz eine Orientierung
    bieten.
    In Frankreich wurde im Jahr 2010 die „Charte de bonne conduite“ von Kommunen und Banken
    unterzeichnet (Anlage 4). In der Charta für vertrauensvolle Beziehungen zwischen den
    Banken und Gebietskörperschaften sind Grundsätze vereinbart:
    • Banken verzichten auf Angebote von zu risikoreichen Produkten
    • kein Angebot von Produkten mit kumulativen Strukturwirkungen
    • ein Risikoraster für Produkte wurde entwickelt, bei Angeboten müssen die Produkte entsprechend
    klassifiziert werden (nach Bezugsgröße und Struktur, vgl. Anlage 4 S.3)
    • Banken berücksichtigen die Wissensasymmetrie der Gemeinden bei Finanzprodukten und
    beachten dies auch bei der sprachlichen Gestaltung der Produktdokumente
    • Erläuterung und Analyse der Risiken der Produkte
    • regelmäßige Mitteilung des Marktwertes durch die Bank
    • Gebietskörperschaften verpflichten sich zur Entscheidungstransparenz bei der Schuldenverwaltung
    • Gebietskörperschaften verpflichten sich zur Information über eingesetzte strukturierte
    Produkte, Außenstände, Struktur der Produkte (zu einem Berichtswesen).

    Die Charta ist seit 1.1.2010 in Kraft und soll nunmehr in der Wirkung überprüft werden. Diese
    Erfahrungen sollten gegebenenfalls auch für Deutschland genutzt werden.
    Insbesondere die Verpflichtung für Banken ihre Produkte entsprechend einem Risikoraster
    zu kennzeichnen, sollte überprüft werden. …

    Anlage 4
    CHARTE DE BONNE CONDUITE ENTRE LES
    ETABLISSEMENTS BANCAIRES ET LES COLLECTIVITES
    LOCALES
    A l’automne 2008, certains élus locaux ont dénoncé publiquement la présence dans
    leur dette de prêts qu’ils qualifiaient de toxiques. Pour mesurer l’ampleur du phénomène, le
    ministre de l’intérieur, de l’outre-mer et des collectivités territoriales et celui de l’économie de
    l’industrie et de l’emploi ont organisé le 3 novembre 2008 une réunion entre les représentants
    des associations d’élus locaux et les principaux établissements bancaires actifs dans ce secteur.
    Au terme de cette table ronde, un accord s’est fait autour d’une double
    proposition :
    - le traitement des cas particuliers relèverait du dialogue entre la collectivité locale
    et ses banquiers ;
    - pour l’avenir une Charte de bonne conduite signée par les établissements
    financiers qui le souhaiteraient et les représentants des élus, régirait leurs rapports
    mutuels à l’occasion de la mise en place de nouveaux prêts, d’opérations
    d’échange de taux et de leur renégociation, pour éliminer les risques excessifs
    que le recours à ces produits peut comporter.
    La présente Charte a pour objet de formaliser les engagements respectifs des
    établissements bancaires et des collectivités locales qui s’accordent pour considérer que :
    - il est légitime pour une collectivité locale de développer une politique de gestion
    de la dette visant d’une part à profiter des évolutions qui lui sont ou seraient
    favorables, d’autre part à prévenir les évolutions de taux qui sont ou lui seraient
    défavorables ;
    - le recours à une Charte de bonne conduite constitue l’instrument qui permet de
    concilier au mieux le principe constitutionnel de libre administration des
    collectivités locales d’une part, et le respect des règles de concurrence entre les
    banques d’autre part ;
    - cette Charte est en outre à même d’assurer la complémentarité entre le recours à
    l’innovation financière qui a souvent permis aux collectivités locales des gains
    significatifs en matière d’intérêts financiers et leurs contraintes spécifiques liées à
    leur caractère public.
    Les signataires conviennent que la présente Charte s’applique aussi bien aux
    nouveaux prêts et aux opérations d’échange de taux qu’à leur renégociation. Elle n’a pas d’effet
    rétroactif. Elle concerne les collectivités territoriales, les établissements publics de coopération
    intercommunale et leurs syndicats.“

    Soviel zu weltweiten Portfolios und verantwortungsvollem Umgang mit diesen.

    Das soll ein Beschäftigter und Ehrenamtler in den Kommunen leisten.

  29. amv schreibt:

    @ HK

    „dann hat sie valuation risk“ … ja, als Preis für den Vorteil, nicht mehr nur über das Bankensytem agieren zu müssen (wo die Nullzinsgrenze dann ja greift). Also in normalen Zeiten von mir aus Zins- und Bankbilanzkanal. Aber in unconventional times (dysfunktionale Fristentransformation aufgrund hoher Liquiditätspräferenz des Bankensystems) brauchen wir unconventional measures. Es ging ja vorhin darum, ob die ZB grundsätzlich AD steuern kann (vs. wgn). Deswegen habe ich diese Unterscheidung nicht gemacht.

  30. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >Wenn die Zentralbank AD nicht kontrollieren kann, dann kann sie nicht nur NGDP-Level nicht targeten, sondern auch die Inflationsrate. Glaubst Du das?

    Ich glaube, dass die ZB den Geldzins targetten kann – sonst gar nichts. Sie hat damit zweifellos einen Einfluss auf die Inflationsrate – aber sie kann sie nicht als „target“ festlegen, wie das der Begriff implizieren würde.

    >a. + b. –> globales Portfolio: Summe aller Assetklassen im relevanten Assetraum

    Die ZB soll also die marginal efficiency of holding assets in Pausch und Bogen drücken und damit die marginal efficiency of holding money. Fine by me. Steigt damit auch die marginal efficiency of investing? Vielleicht. Wie lange? Solange die ZB glaubhaft machen kann, dass sie auch zukünftig alle neu auf den Markt kommenden assets abnimmt – keinen Moment länger.

  31. Alex F. schreibt:

    „3. Was Nick Rowe meinte, wenn die ZB pro-zyklische assets kauft, wirkt Geldpolitik genau in die Richtung, in die Leute es erwarten (steigenden asset Preise von prozyklischen assets), es sendet also direktere Signale.“

    Nick Rowe hat Recht, aber es geht mir nicht um potentielle Verluste von ZB Kapital. Der Verlust ist ein politischer. Die Leute hassen alles, was nach bailouts aussieht. Wenn Bernanke auf Shoppingtour geht und selektiv Aktien kauft, wird man das nicht gerne sehen.
    Diese poltische Dimension ist deshalb wichtig, weil wir unsere Geldpolitik den Leuten verkaufen müssen. Im Moment ist ja das Hauptproblem, dass es eine breite Front gegen jeden weiteren Versuch gibt, die Nachfrageschwäche mit geldpolitischen (oder auch fiskalpolitischen) Mitteln zu bekämpfen. „Billiges Geld“, „Crony Capitalism“, „nur die Banken werden gerettet“, „Assetprice Inflation, Assetblasen, Reflation=Inflation“, „Schulden kann man nicht durch neue Schulden bekämpfen“ … Selbst in diesem Blog wimmelt es von Bedenkenträgern.
    Ich glaube, dass eine Geldpolitik, die weder über die Banken noch über höhere Staatsverschuldung läuft, die größten Chancen auf Zustimmung hat. Den Leuten muss klargemacht werden, dass Geldpolitik nichts mit neuen Schulden oder neuer Kreditvergabe zu tun hat. Sie hat auch nichts mit Banken zu tun. Und sie setzt keine neue Staatsverschuldung voraus. Geldpoltik ist eine Sache zwischen den Bürgern einer Währungszone und dem Geldmonopolisten. Ein excess demand for money, den nur der Geldmonopolist beseitigen kann.

    „2. Wenn die Zentralbank voll mit Staatsanleihen ist, und bei Rückführung ihrer Geldpolitik diese auf den Markt schmeißen muss, kann dies zu Verschuldungskrisen führen, was eine nicht perfekt unabhängige Zentralbank dann beschränkt.“

    Auch richtig. Aber Helicopter Drops, wie ich sie mir vorstelle, hätten kein Collateral. Staatsanleihen werden überflüssig. Die Geldmenge müsste bei Überhitzung über Steuern kontrahiert werden. Die ZB bekommt das Recht Steuern zu erheben mit dem Ziel der Geldvernichtung. Die Idee kommt von den MMTlern. Spending/Tax cuts=Geldschöpfung, taxes=Geldvernichtung. Zu Accountingzwecken kann man auf die Asset Seite der ZB „Umsatzsteuereinzugsberechtigungen in Höhe von x“ schreiben. Da eh alles bloß über Erwartungen läuft, müsste man dann nur noch ein NGDP target ausgeben und wissen lassen, dass die Helicopter startklar sind. „Speak softly and carry a big stick.“

    Um so richtig die Inflationsangst zu schüren, würde ich dann noch Wagner spielen:
    http://www.youtube.com/watch?v=hP5_xTVAY_k :-)

  32. hkaspar schreibt:

    @ Kantoos

    – 1933: als jemand der sich mit Wirtschaftsgeschichte ein wenig befasst hat halte ich die 1933-Story fuer Kaese. 1933 gab die Fed die Goldbindung auf und befreite sich damit aus einem Zwang, der sie hinderte der Volkswirtschaft genuegend Liquiditaet zuzufuehren (den „golden fetters“, um mit Eichengreen zu sprechen). Aehnlich wie ein Land dass einen ueberbewerteten Wechselkurs hat und abwertet. Nachdem die Fed dies als letzte der grossen Zentralbanken tat war die Depression in den USA so besonders schlimm (Deutschland befreite sich davon unter den Nazis durch Default und Kapitalverkehrskontrolllen als Substitut fuer Abwertung – war aber auch in einer anderen Lage, da es, im Gegensatz zu den USA , extern ueberschuldet war. D.h. es konnte die Goldbindung nicht einfach aufgeben).

    Das Erwartungsgefimmel spielte keine Rolle. Das wir ex-post von den Eggertsons ueber eine voellig ungeeignete historische Situation druebergestuelpt um ihre Modelle an irgendwas aufhanegen zu koennen.

    – Erwartungen: hatten wir schon. Die Zentralbank kann nur Erwartungen erzeugen wenn sie ueber einen wirksamen Transmissionsmechanimus verfuegt der Liquiditaet uebersetzt in Gueternachfrage. Und den hat sie in der Liquiditaetsfalle nicht, es sei denn sie agiert quasi-fisklaisch (= fragt direkt Gueter nach).

    Fazit: Du sprichst von den Vorzuegen (oder praeziser: unbegrenzten Moeglichkeiten) der Geldpolitk, meinst in Wirklichkeit aber Fiskalpolitk, die selstamerwise von der Zentralbank betrieben werden soll…. ;-)

    Gruss,
    HK

    P.S.: jetzt hoer ich auf – nehme es mir zumindest vor.

    • kantoos schreibt:

      @ HK

      Ok, ich hör auch auf. Nur ein paar klitzekleine Kleinigkeiten noch:

      - 1933 wurde schon explizit ein Preislevel vorgegeben. Was Du schreibst, stimmt bestimmt auch, aber wir haben dann zwei Faktoren, und ein Ergebnis und wissen nicht, welches nun zu dem Ergebnis geführt hat, oder?

      - Deine Transmissionskanäle wundern mich insofern immer, weil die hohe Liquiditätspräferenz doch ein temporäres Phänomen ist. Wenn sich also die Erwartungen verbessern, sinkt die Nachfrage nach Geld. Warum muss ich also erstmal das ganze Geld zuführen, wenn ich über Erwartungen die Nachfrage nach Geld beeinflussen kann. So einfach ist das alles nicht.

      - Und noch eine historische Frage: 1937/38 kam es erneut zu einer Rezession. Es hieß, weil die Mindestreserven erhöht wurden (ein kontraktiver move). Nun habe ich ein paper gesehen das beschreibt, dass die Banken durch die Mindestreserve garnicht beschränkt waren. Da frage ich mich doch, warum so eine Geldpolitik dann in eine Rezession führt!? Vielleicht doch, weil es ein Signal über den zukünftigen Fed-Kurs war, that is, die Erwartungen beeinflusst hat? Ich weiß, das ist der umgekehrte Fall, dennoch ein Indiz, wie wichtig Erwartungen sind.

      Ok, jetzt hör ich aber auf. Wenn Du aufhörst.

  33. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >dass sie auch zukünftig alle neu auf den Markt kommenden assets abnimmt

    Sorry, hier muss es natürlich heißen: Investitionsgüter (also flow nicht stock)

    Womit ich mich der Frage von Kaspar anschließe: Warum sollte die ZB dann diese Güter nicht gleich direkt kaufen und erst den (zumindest in zeitlicher Hinsicht) Umweg über korrespondierende assets gehen?

    Die Antwort von Axel F scheint mir naheliegend: Weil dann tout le monde sich fragen würde, ob das Spiel überhaupt noch „Kapitalismus“ genannt werden sollte oder nicht tatsächlich nur noch „Sozialismus für Vermögensbesitzer“

  34. weissgarnix schreibt:

    @ Alex F.

    >Die Idee kommt von den MMTlern. Spending/Tax cuts=Geldschöpfung, taxes=Geldvernichtung.

    Just for the records: Die Idee kommt von Abba Lerner, und war der zentrale Baustein („functional finance“) seiner „Controlled Economy“. Geldvernichtung könnte zudem nicht nur über Steuern betrieben werden, sondern auch über die Plazierung von Zwangsanleihen. Das zentrale Feature ist aber, dass der Staat fiskalische Ausgaben DIREKT aus Geldschöpfung bestreitet.

  35. amv schreibt:

    @ wgn

    „Steigt damit auch die marginal efficiency of investing?“

    Warum sollte sie? Die ist grundsätzlich unabhängig vom Geldzins (es sei denn, du nimmst an, dass die Menge an Investitionsmöglichkeiten klein genug ist, dass eine höhere Investitionsskala zu abnehmenden realen Kapitalertragsraten führt; empirisch nicht gegeben).

    ‘Rate of Return’ Konzepte sind ohnehin problematisch (gelten nur bei einem Vorzeichenwechsel der durch Investition generierten Nettoertragsströme, s. Hirshleifer). Allgemeiner ist die Maximierung von Present Values (PV). Geringere Zinsen führen bei gegebenen Nettoertragserwartungen zu höheren PVs, wobei die PVs von kapital- und zeitintensiven Investitionsprojekten stärker steigen, als die arbeitsintensiver Investitionen. Maximierung von PV impliziert also, dass geringere Zinsen die Fixkosten-intensiven Projekte bevorzugen (denke an den zinsinduzierten Immobilienboom … denn dass Immobilienpreise stetig steigen, nahm der Markt schon vor dem Boom an).

    In einer Welt mit knappen Ressourcen und unersättlichen Präferenzen ist eine durchschnittlich nicht-positive Nettoertragsrate des Kapitals allein auf ein AD-Slump zurückzuführen. Also sollte ein solchen Zustand nicht als Fall der ZB-Impotenz gewertet werden, sondern als Symptom von ZB-Versagen. Garantiert die ZB das AD-Level, ist Keynes’s Investitionsfalle ausgeschlossen.

  36. weissgarnix schreibt:

    @Kantoos

    >Aber auch ohne Analogien: wer die Wissenschaft VWL und ihre Implikationen als religiösen Kult oder feuilletonistischen Klamauk auffasst, dem ist nicht beizukommen, insofern geb ichs auf…

    Mein Tennislehrer sagte einmal zu mir: Wenn du wirklich spielen kannst, dann ist es scheißegal, wie der Gegner spielt und in welchem Zustand sich der Platz befindet – du wirst trotzdem gewinnen.

    In diesem Sinne…

  37. hkaspar schreibt:

    @ Kantoos

    Nur um direkt auf Deine Fragen zu antworten: in dens spaeten 20ern und 30ern loesten sich auch England, Farnkreich, Deutschland von Gold (Dtld. wie gesagt durch Devisenbewirtscahftung) und kamen alle aus der Rezession (bis auf D alle vor den USA) – ohne dass eines dieser Laender meines Wissens Preisleveltargeting eingefuehrt haette. Sondern sich schlicht erlaubten eine expansivere „normale“ Geldpolitik zu fahren als Godlbindung dies zuliess.

    Temporaer: wenn Markteilnehmer erwarten die Liquiditaetsfalle sei temporaer muessten mittel- bis langfristige Zinsen positiv sein – und dann ist die Volkswirtschaft nicht „wirklich“ in der Liquidtaetsfalle.

    Und 1937/38: eine mindestens ebenso gaengige These wie hoehere Mindestreservesaetze ist premature fiscal tighening. Aber davon abgesehen, ich bestreite ja mit keiner Silbe dass Geldpolitik in normalen Zeiten (keine Liquididtaetsfalle, keine strukturelle Ueberschuldung) ein hoechst wirksames Instrument ist, um die Nachfrage zu steuern – und dass Erwartungsbildung dabei eine kritische Rolle spielt. Nur in liquidity trap type situations halte ich die Moeglichkeiten purer Geldpolitik fuer beschraenkt.

    Unsere fundamentalere Debatte lasse ich wie versprochen blebien, verweise aber nochmal auf die Frage die weissgarnix wiederholt: warum soll die Zentralbank in der Liquiditaetsfalle eigentlich Assets kaufen – und nicht gleich Gueter? Wuerde mich schon interessieren was Du dazu meinst. Ich glaube Nick Rowe haette Sympathie fuer die Idee.

    Gruss,
    HK

    • kantoos schreibt:

      @ HK

      Also das würde ich gerne etwas praktischer haben: wie kauft die ZB Güter? Via staatlicher Verschuldung, oder? Diese zu bedienen hohe Effizienzkosten hat, oder nicht?

      Oder willst Du gleich a la Alex F. Helis losschicken, und das Geld über ZB-Steuerhohheit wieder abziehen?

      Zu 1933: war es nicht so, dass die anderen Länder die Möglichkeit der Abwertung gg dem Dollar hatten, etwas, das der USA dann nicht mehr zur Verfügung stand? Und waren 1933 nicht auch die Transmissionswege verstopft? Ich frage mich auch, inwieweit Roosevelts radikale Bankenpolitik dazu beigetragen hat, diese Wege wieder zu öffnen. Das sind keine rethorischen Fragen, Du kennst Dich besser aus. Aber vielleicht führen wir das in meinem neuen post weiter, denn der geht jetzt online – und ich ins Bett.

  38. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >Warum sollte sie?

    Wo wäre dann der Gag? Die ganze asset-Preis-Heberei for nothing?

    >Die ist grundsätzlich unabhängig vom Geldzins

    Natürlich ist sie das. Aber auch im kurzfristigen Equilibrium gleichen sich die marginal efficiencies dem Geldzins an – weil alle, die ins Geld wollen (wegen dominierender Liqui-Prämie) andere assets verkaufen. Damit fallen deren Preise, und damit fallen die Nachfragepreise von Investitionsgütern. Mit fallenden Nachfragepreisen von Investitionsgütern sinken aber auch Produktion und Beschäftigung. Das ist die Quintessenz von Kapitel 17 GT. Wenn du also die marginal efficiency of investing nicht hochkriegst, indem steigende asset-preise auch die Nachfragepreise von Investitionsgüter-Output heben, dann ist das alles vergebene Liebesmüh.

    >Allgemeiner ist die Maximierung von Present Values (PV)

    Völlig wurscht, kommt annähernd aufs Gleiche raus. Können wir gerne auch in der Variante Minsky abhandeln, führt dann lediglich zur Frage, welche Art von Kostenstruktur in der Wirtschaft dominiert.

    >Maximierung von PV impliziert also, dass geringere Zinsen die Fixkosten-intensiven Projekte bevorzugen

    OK – you just said it.

    >Garantiert die ZB das AD-Level, ist Keynes’s Investitionsfalle ausgeschlossen.

    Das war nicht der Dissens. Ich konzediere sofort zwei Dinge: 1) Wenn die ZB das AD-Niveau garantiert, dann ist – bis auf inter- und intra-sektorale Anpassungspozesse alles super 2) Wenn die ZB den Kapitalismus außer Funktion setzt, dann kann sie AD garantieren

    Ich bestreite hingegen, dass die ZB AD steuern kann OHNE den Kapitalismus außer Kraft zu setzen.

  39. Alex F. schreibt:

    @wgn
    „Just for the records: Die Idee kommt von Abba Lerner, und war der zentrale Baustein („functional finance“) seiner „Controlled Economy“. “

    „Economics of Control“ um ganz genau zu sein. Der Urgroßvater dieser Idee war aber ein deutscher Hegelianer; Georg Friedrich Knapp. Der Nachname entbehrt nicht der Ironie.

  40. rubycon schreibt:

    @ Alex F

    If you wants to be invisible

    http://video.nextconf.eu/video/1869141/algorithms-that-govern-our

    So do not try your helicopter drops with a stealth bomber

  41. hkaspar schreibt:

    @ Kantos

    Die ZB druckt Geld und kauft damit Gueter. Das ist alles. Die Liability ist Zentralbankgeld.

    1933 gaben die Laender schlicht die Goldbindung auf – was natuerlich implizierte dass sie sowohl real effektiv als auch gegenueber dem Dollar abwerteten, nachdem sich die Fed mit dem Schritt Zeit liess. 1933 werteten dann die USA real effektiv ab. Und nachdem alle abgewertet hatten war die Welt ungleich besser mit Liquditaet versorgt und kam aus der Depression..

    Ich empfehle Dir Eichengreens „Golden Fetters“, oder zumindest den legendaeren Eichengreen/Sachs Artikel „Exchange Rates and Economic Recovery in the 1930s“. DeLong hat einen Link:

    http://www.j-bradford-delong.net/articles_of_the_month/eichengreen_and_sachs.html

    • kantoos schreibt:

      @ Hk

      Genau den Artikel wollte ich ohnehin nochmal lesen. Danke für den Link und den Hinweis.

      Die Liability ist ZB Geld, und die Assets? Keine? Das klingt wie die Zentralbank kauft assets und verbrennt sie öffentlich, als commitment device… Das betrifft Erwartungen aber ganz massiv (neben den direkten Wirkungen auf Nachfrage natürlich). Aber da muss ich nochmal drüber nachdenken. Viel nachzudenken nach der heutigen Diskussion. Sehr schön.

  42. amv schreibt:

    @ wgn

    ok, lass mich noch mal kurz aus meinem neoklassischen Kontext heraus argumentieren. Verstehe ich das richtig, dass Du der Ansicht bist, die Geldpolitik könne AD nicht bestimmen, weil sie keine Kontrolle über Liquiditätspräferenz des Marktes hat. Diese determiniert ja Abweichung von der Trend-Velocity. Warum soll die Zentralbank nicht deltaL mit -deltaM beantworten können, und damit AD stabilisieren?

    Nun im Keynesianischen Kontext: meine Argumentation von oben kann so übersetzt werden, dass MEC die Lage der keynesianischen Investitionsfunktion bestimmt und die Lage von Zinsvariationen nicht tangiert ist. Da hast Du zugestimmt, glaube ich. Aber dann schreibst Du:

    „Wenn du also die marginal efficiency of investing nicht hochkriegst, indem steigende asset-preise auch die Nachfragepreise von Investitionsgüter-Output heben, dann ist das alles vergebene Liebesmüh.“

    In Ch 17, jedenfalls, shiftet die Investitionsfunktion nicht! Das wäre die Investitionsfalle, but this is another battlefield. Keynes’s Investitionsfunktion ergibt sich durch eine invariante, absteigende Ordnung von Einzelprojekten nach ihrer Rentabilität. Bei gegebenem Zins definieren sich daraus Kapitalgewinne und Verluste. Und dann gibt es den Grenzfall, d.h. jene Projekte, die Return gleich Zins haben. Nur diese Grenze verändert sich mit dem realen Geldzins, aber – wieder – nicht die Lage der Kurve, die ihrerseits durch die MEC gegeben ist.

    Was passiert nun bei ‘dominanter’ Liquiditätspräferenz (Dein eigentlicher Fall). Keynes hat im Grund zwei Bestandsmärkte, Geld- und Bondmarkt, und zwei Strommärkte, Güter- und Arbeitsmarkt (wobei letzterer das allg. Gleichgewicht nicht mitbestimmt). Nach dem Walrasschen Gesetz, kann ich eines der drei relevanten Gleichgewichtsbedingungen ‘wegstreichen’ (eine ist abhängig) . Keynes streicht den Bondmarkt. Der Zins wird also bei gegebener Geldmenge durch die Liquiditätspräferenz bestimmt. Er selbst arumentiert, dass außerhalb des Spezialfalls der sog. Liquiditätsfalle (Nullzinsgrenze), Anpassungen der Geldmenge den Zins und, bei gegebener Lage der Investitionsfunktion, somit auch AD stabilisieren können. Also muss im Normalfall nicht der Kapitalismus ausgehebelt, sondern dessen Mechanismen genutzt werden. M.a.W.: Keynes Ch. 17 lässt Deine Schlußfolgerung nicht zu. Ist der Zins an der Nullgrenze, notfalls den Helikopter schicken. Die Grundlogik bleibt erhalten: ZB kontrolliert AD.

    Der Nachfragepreis des Kapitals ist nichts anderes als der Kapitalwert, den ich oben besprochen habe. Du argumentierst, dass wenn bei einem Anstieg der Liquiditätspräferenz die Leute die ihre Bonds verkaufen, und das sei kontraktiv. Selbstverständlich!!! Genau deswegen wäre es klug, wenn die ZB in diesem Fall als Kaufer dieser Assets auftreten würde, das Überschussangebot vom Markt nehmen würde, um den Assetpreis und damit den effektiven Zins zu stabilisieren (und nach Keynes die AD!). Angebot und Nachfrage …

  43. Gerald Braunberger schreibt:

    @kantoos

    1. Es ist richtig, dass die alte Debatte über NBSP-Targeting nicht die Feinheiten der heutigen besaß; Level-Targeting hat nach meiner Erinnerung damals (noch) keine Rolle gespielt. Meine Skepsis hängt vielleicht damit zusammen, dass ich jahrelang am Konstanzer Seminar teilgenommen habe, bei dem auch McCallum Stammgast war. McCallum war immer ein hochangesehener Teilnehmer, aber mit dem NBSP-Targeting konnte er damals keine Punkte machen. Aber ich bin heute bekanntlich sehr skeptisch gegenüber jeden zu hohen Ansprüchen an irgendein Targeting -. da werden wir uns aber nicht einig.

    2. Zur Geldpolitik noch eine Anmerkung. Ich sehe die neuen Ansätze und kann und will sie nicht bewerten, aber ich halte mich, wenn ich die Ausrichtung von Geldpolitik beurteilen will, vor allem an zwei Ansätze, die mir in empirischer Hinsicht als grobe Hausnummer nicht schlecht zu sein scheinen. Beide Indikatoren sind aber wohlgemerkt eher notwendige, aber nicht zwingend hinreichende (!) Bedingungen:

    - Ich halte Aggregate auch für zweischneidige Indikatoren, aber ich schaue trotzdem gerne auf die Entwicklung der Geldbasis und weiter gefasster Geld- oder Kreditmengen aus einem einfachen Grund: Es wird historisch nicht ganz einfach sein, viele Fälle zu finden, in denen eine Expansion der Gesamtwirtschaft nicht von einer Expansion monetärer Aggregate begleitet wurde (wobei die Aggregate in aller Regel vorlaufen). Man kann sich nun lange unterhalten, welche Aggregate man sich anschaut, aber der Gesamtzusammehang scheint mir offensichtlich.

    - Ich schaue (wie viele andere) auf die Zinsstrukturkurve. Wer eine theoretische Begründung haben will, kann mit Wicksell anfangen – die nachfolgende Literatur ist (zumindest für mich) unübersehbar. Da zeigt sich empirisch stark vereinfacht Folgendes: Wer eine gesamtwirtschaftliche Expansion haben will, braucht eine einigermaßen steile Zinsstrukturkurve. In diesem Sinne ist die Geldpolitik derzeit expansiv. Umgekehrt wird eine inverse Zinsstrukturkurve sehr wahrscheinlich zum Gegenteil führen. Es ist kein Zufall, dass mehrere mir bekannte deutsche Konjunkturindikatoren die Zinstrukturkurve als einen Bestandteil mit nicht niedriger Gewichtung beinhalten. Einer meiner akademischen Lehrer, Wolfgang Gebauer, wollte die Zinsstruktur gar als Zwischenziel der Geldpolitik definieren (was vielleicht zu viel des Guten war.)

    3. Es geht hier nicht um Selbstbewusstsein – mein berufliches Selbstbewusstsein leite ich sowieso nicht aus meinen bescheidenen Beiträgen zu ökonomischen Debatten (meist in Zwiegesprächen mit Ökonomen) her. Meine Erfahrung aus mehr als 20 Jahren sagt mir aber, dass Wirtschaftsjournalisten sehr vorsichtig sein sollten, sich allzu selbstgerecht in theoretische Debatten mit Fachökonomen einzulassen – da wissen die Fachökonomen einfach im Detail und manchmal auch im Grundsatz viel mehr und Wirtschaftsjournalisten können und sollten da eher etwas lernen. (Um ein Beispiel zu nennen: Ich käme als Wirtschaftsjournalist nie auf die Idee, Axel Weber öffentlich die fachliche Eignung als Gastprofessor in Chicago abzusprechen, weil er zuwenig Publikationen in A-Journals habe.) Umgekehrt scheint mir indessen, dass die im Zuge der Arbeitsteilung logische Spezialisierung der Ökonomen gelegentlich dazu führt, dass sie die praktischen und spezielle institutionenökonomischen Implikationen ihrer teilweise sehr hochgezüchteten Theorien nicht immer sehen. Da kann, nach meiner Erfahrung, ein halbwegs kundiger Wirtschaftsjournalist als Sparringspartner vielleicht hin und wieder ein klein wenig hilfreich sein. Jeder an seinem Platze: Auch hier kann Arbeitsteilung sinnvoll sein.

    Um zwei Beispiele zu nennen: Ich saß vor ein paar Jahren bei einer Konferenz der Banque de France in Paris beim Mittagessen mit Charlie Goodhart und einem namhaften deutschen monetären Makroökonomen (dessen Namen ich hier verschweige) zusammen. Der deutsche Makroökonom erzählte Goodhart begeistert, er habe kürzlich entdeckt, dass es in Deutschland Autobanken gebe und man müsse unbedingt deren zweifellos bedeutendes Gewicht für die deutsche Finanzintermediation berücksichtigen. Ich habe geschwiegen, aber, jeder, der ein wenig Ahnung von der Praxis hat, weiß, dass die Autobanken schon lange existieren und ihr Gewicht im deutschen Banksystem, gemessen an der Bilanzsumme, nicht sehr bedeutend ist. Letztes Jahr saß ich bei einer Konferenz des American Enterprise Institute in Washington mit Charlie Goodhart und einem anderen namhaften deutsche Makroökonomen (dessen Namen ich auch verschweige) zusammen. Der deutsche Makroökonom sagte, man hätte die Lehman-Krise neutralisieren können, indem man die offiziellen Börsen für Aktien, Anleihen und Devisen für ein paar Tage geschlossen hätte. Auf meinen bescheidenen Hinweis, dass Aktien, vor allem aber Anleihen und Devisen ganz überwiegend nicht über offizielle Börsen gehandelt werden, Schließungen öffentlicher Börsen damit völlig unbrauchbar wären, war seine völlig verblüffte Reaktion: „Wirklich? Davon habe ich bis heute nichts gehört.“

    Da kann man nur sagen: Good night.

    Gruß
    gb.

    • kantoos schreibt:

      @ GB

      Ok, ich sehe dass mein Humor nicht ganz durchgekommen ist. Ich wollte nur etwas scherzhaft mitspielen, weil Du Dich permanent selbst in die altmodische Ecke gestellt hast ( und „selbstbewusst“ war natürlich nicht ernst gemeint). Daher jetzt mal völlig ernsthaft.

      Du beschreibst die Arbeitsteilung genau wie ich sie mir auch vorstelle, und insofern (und das weißt Du hoffentlich) schätze ich es sehr, dass Du mit mir diese Dinge hier diskutierst (sogar aus dem Urlaub! Grüße an den Strand oder die Berghütte oder wohin auch immer). Ich habe von Deinen Kommentaren viel gelernt, und das sollte ich vielleicht einfach öfter auch so schreiben. Eine persönliche Motivation für diesen Blog ist eben auch der Wille, genau über die Dinge, die Du beschreibst, mehr zu lernen. Denn akademische VWL ist zwar ein wichtiges Bein, aber praktische Wirtschaftspolitik und institutionelles & historisches Wissen ein anderes, und man steht am besten auf beiden.

      Inhaltlich frage ich mich bei Maßen, wie Du sie verwendest immer: warum schauen sich die Leute intermediate steps an, und nicht das letztendliche Ziel, um das es geht?! Also bei der EZB Inflation, und in 2. Ordnung Auslastung? Und bei der Fed beides gleichwertig.

      Ich weiß, dass Du den Geldmengen noch eine zielähnliche Bedeutung geben würdest, aber das ist nicht die offizielle EZB-Linie, oder? Dann würde ich noch andere Maße mit einbringen, die ebenfalls nicht EZB-Linie sind, aber dennoch sinnvoll, zum Beispiel die Erwartungen zukünftiger nominaler Gesamtausgaben. Überleg mal, ob Du die Erwartungen bezüglich nominalem BSP nicht in Dein Arsenal an Indikatoren aufnehmen möchtest. Es wäre ich wichtiger Indikator, wenn man wie ich der Meinung ist, dass gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stabilisieren eine Hauptaufgabe der Zentralbank ist.

      Und Zinsen sind ein sehr komplexes Feld, wo mir eine einfache yield curve zu simpel erscheint, wenn es sich um schwere Krisen handelt (bei kleinen Rezessionen mag das anders sein). Ich habe sie mir mal angeschaut (http://www.ecb.int/stats/money/yc/html/index.en.html), da kann man sich historische yield curves ganz leicht anschauen. Durchaus interessant, wenn man mal im July 2008 anfängt. (@ HK Mir scheint, das wäre noch ein Indikator für frühe, kontraktive Geldpolitik).

      Und ich nehme einfach mal den 2. Oct 2008 in den USA, die curve (von 1 Monat bis 30 Jahre):

      10/02/08 0.21 0.63 1.21 1.45 1.62 1.91 2.68 3.13 3.66 4.28 4.16

      Was sagt mir das jetzt, diese steigende yield curve? Mir scheint, wie amv schreibt, auch die Lage und nicht nur die Steigung interessant zu sein. Aber was sagt man dann zur Lage? Eindeutig war die Geldpolitik hier dann ultra-expansiv. Oder nicht?

      Natürlich nicht. Sehr niedrige Zinsen selbst können nämlich ein Zeichen kontraktiver Geldpolitik sein (ich weiß, klingt paradox, wusste aber schon Friedman). Und selbst ein Fallen von Zinsen nach einer Zinssenkung der ZB kann ein Zeichen sein, dass die Geldpolitik kontraktiver geworden ist. Klingt alles paradox, ist aber richtig.

      Ein Indikator sollte in meinen Augen vor allem zuverlässig sein, nicht nur meistens zuverlässig, wie Zinsen, die Dich aber im Stich lassen, wenn Du es am dringendsten brauchst (vor und in einer schweren Krise). Daher wäre ich bei Zinsen als Indikator sehr vorsichtig, und würde sie zumindest mit sehr viel robusteren Indikatoren wie den Erwartungen bezüglich nominalen BSPs ergänzen, denn die lassen Dich nie im Stich (zumindest wüsste ich nicht, wie und wann).

      Gruß, Kantoos

  44. weissgarnix schreibt:

    @Alex F

    Ich sprach nicht vom Titel des Buches sondern vom Inhalt – Lerners Vision einer staatlich gesteuerten Wirtschaft, der „controlled economy“. Ursprünglich sollte das Werk ausschließlich auf sozialistische Gesellschaften Anwendung finden – die Sowjetunion unter Stalin hat ihm aber dann wohl einen Themenwechsel nahegelegt.

    Knapp ist eine völlig andere Baustelle. Man wird in seiner Theorie zwar viel zum Wesen des Geldes (als staatlich deklariertes Schuldentilgungsmittel, damit zu einem Vorläufer von Keynes’ money of account) finden, aber nichts zum Geldwert. Der bildet nun aber wiederum eine zentrale Größe bei Lerner.

  45. amv schreibt:

    @ GB (ich fühle mich mal trotzdem angesprochen, obwohl @ kantoos)

    big smile! Grundsätzlich einverstanden. ABER: Auf gar keinen Fall passt Wicksell zu Deinen Ausführungen zur Zinsstruktur. Erstens, er hatte gar keine Zinsstruktur, sondern nur die Spanne zwischen langfristigen Zinssätzen (klar wusste schon Smith das Risikoprämien höhere Zinsen implizieren, und sicher wusste Wicksell, dass Risiko und Restlaufzeiten korrelieren, aber Zinsstruktur war nicht Bestandteil seiner Theorie). Viel wichtiger aber: Bei Wicksell signalisieren Zinsspannen immer ein Ungleichgewicht. Der normale Verlauf der Zinsstruktur aber nicht. Es gilt die no-arbitrage Bedingung: Wenn ich höhere Zinsen haben möchte, muss ich ins Risiko gehen (Das machen Banken durch Fristentransformation). Eine Kreditexpansion wie bei Wicksell lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die Steigung der Zinsstruktur ist aber natürlich ein wichtiges empirisches Signal, ganz so wie Du sagst.

    Außerdem hat ein Kollege von mir in seiner Diss gezeigt, dass Änderungen der Inflationserwartung die Lageshifts der Zinsstruktur (im Gegensatz zur Steigung) maßgeblich beeinflussen. Stimmen Sie mit mir überein, dass die aktuelle Geldpolitik in erster Linie Inflationserwartungen steuert, dann ergibt sich die geldpolitische Relevanz der Zinsstruktur nicht aus ihrer Steigung.

  46. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >meine Argumentation von oben kann so übersetzt werden, dass MEC die Lage der keynesianischen Investitionsfunktion bestimmt und die Lage von Zinsvariationen nicht tangiert ist.

    Die MEC bestimmt sowohl die Lage der Investitionsfunktion als auch den Punkt auf der Kurve, der das Beschäftigungsniveau determiniert. Das ist ja im Prinzip die neoklassische Synthese bzw zunächst nur Hicks: Die MEC des Investitionsgüteroutputs ist gegeben, die MECs der verschiedenen Vermögensgüter (inkl Geld) determinieren „den“ Zins. Gibt es ein Gut mit sehr hoher MEC, dann zieht dieses die MECs aller anderen Vermögensgüter hoch. Pari passu fallen damit die Nachfragepreise der Vermögensgüter, womit wir auf der Investitionskurve nach links oben wandern, sprich: es kommt zu Unterbeschäftigung.

    Die ZB kann den Geldzins beeinflussen, damit die MEC des Geldes und damit, in einem neuen Equilibrium, die MECs aller anderen Vermögensgüter. Deren Nachfragepreise steigen, auf der Investitionskurve wandern wir nach links außen. Die ZB kann auch die MECs der Vermögenswerte direkt senken, indem sie diese auf breiter Front aufkauft. Beide Maßnahmen führen zum Erfolg solange: 1) die MEC des Geldes nicht relativ zu allen anderen am höchsten bleibt 2) ein anderes Vermögensgut nicht den Platz von Geld einnimmt (Gold, Devisen) 3) die Annahme hält, dass Löhne und Preise sticky bleiben, insbesondere die Angebotspreise von Investitionsgütern. Tun sie das nicht, dann war das Manöver zumindest teilweise umsonst, weil es gleichzeitig mit einer Verringerung der MECs zu einer Verschiebung der Investitionskurve nach rechts oben kommt. 4) Die Portfolioumschichtung über die Aktiv- und nicht die Passivseite erfolgt. Falls sich also herausstellt, dass die niedrige MEC eines assets primär durch die Art seiner Finanzierung bedingt war („Ponzi“), dann mag dieses asset auf eine höhere MEC zurückfallen, ohne dass Interventionen durch die ZB auch nur irgendwas bewegen könnten. Dies deshalb, weil bei konservativerer Finanzierung des assets eine niedrigere Bewertung relativ zum erwarteten Nettoertrag vorgenommen wird, damit die Nachfragepreise sinken, und wir uns damit automatisch auf der Investitionskurve nach links oben bewegen, sprich die Beschäftigung zurückfahren. Um das zu ändern müsste die ZB meiner Überzeugung nach in der Lage sein, die Erwartung einer dauerhaften MEC-Senkung zu verbreiten. Damit müsste sie aber gleichzeitig unvernünftige Finanzierungsstrukturen validieren (was sie in der Praxis ja teilweise auch macht).

    Das nur in aller Schnelle. Ich bleibe alles in allem skeptisch.

  47. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >auf der Investitionskurve wandern wir nach links außen.

    Sorry, muss natürlich heißen „rechts außen“

  48. amv schreibt:

    @ wgn

    Ich glaube, wir unterscheiden uns semantisch. Beispiel:

    „Die ZB kann den Geldzins beeinflussen, damit die MEC des Geldes.“

    Ich verstehe nicht ganz, was die Marginal Efficiency of CAPITAL des Geldes sein soll. MEC eines Projekts ist ja nichts anderes als der interne Zinsfuß einer Investition. Um die Rentabilität der Investition zu beurteilen, wird dieser interne Zinsfuß dem realen Geldzins gegenübergestellt. Neoklassiche Standardtheorie interpretiert den Geldzins als Opportunitätskostengröße, d.h. der relevante Geldzins zeigt die Rentabilität alternativer Anlagen an. Bei Keynes signalisiert der Zins die Knappheit des Geldes und auch hier greift die Opportunitätskosten-Logik: Der Geldzins gibt an, wieviel man einem keynesianischen Agenten zahlen muss, damit er Liquidität, und damit Sicherheit und Flexibilität aufgibt. Der Geldzins ist also nicht „MEC des Geldes“.

    „Die MEC bestimmt sowohl die Lage der Investitionsfunktion als auch den Punkt auf der Kurve, der das Beschäftigungsniveau determiniert.“

    Eine Größe kann nicht sowohl die Lage als auch die gleichgewichtige Investitionshöhe bestimmen. Während ich beim vorherigen Abschnitt von dem internen Zinsfuß eines einzelnen Projekts gesprochen habe, ist MEC bei Keynes eigentlich als der durchschnittliche interne Zinsfuß eines Projekt-Ensembles definiert. D.h. MEC gibt allein die Lage der Investment-Schedule. Der „Punkt auf der Kurve, der das Beschäftigungsniveau determiniert“ ist bei GEGEBENER MEC durch den Realzins bestimmt, den allein die Liquiditätspräferenz der Agenten bestimmt (und wenn Geld nicht mehr konstant vorgegeben, durch die Zentralbank). Richtig ist also, dass „Punkt auf der Kurve, der das Beschäftigungsniveau determiniert“ SIMULTAN durch Zins und MEC bestimmt wird.

    „Gibt es ein Gut mit sehr hoher MEC, dann zieht dieses die MECs aller anderen Vermögensgüter hoch.“

    Ich kann Dir nicht ganz folgen, muss ich gestehen. ein Gut hat kein MEC. Nur die Investition, d.h. die Verwendung eines Gutes zu investiven Zwecken hat eines. Und bei Keynes – im Gegensatz zu Fisher – ist das Ranking der Investitionsprojekte nach deren MECs vorgegeben und unabhängig von endogenen Variablen (wie dem Zins; bei Fisher ändert sich das Ranking mit dem Zins).

    Unterm Strich: bestimmt meinst Du was richtiges und ich kann es nicht richtig dekodieren. Vor allem weiß ich nicht, was Du mit „MEC des Geldes meinst“. Und da Deine Argumentation darauf aufbaut, kann ich dir schlicht nicht folgen.

    Gruß,
    amv

  49. amv schreibt:

    … meinst Du mit ‘MEC des Geldes’ den Eigenzinssatz des Geldes?

  50. weissgarnix schreibt:

    @amv

    >meinst Du mit ‘MEC des Geldes’ den Eigenzinssatz des Geldes?

    Ich schreib gleich noch was dazu. Oder morgen. Die MEC des Geldes ist der Geldzins in Geld – also wenn du so willst, der Eigenzins des Geldes. Daher ist die Unterscheidung zwischen Geldzins und MEC des Geldes akademisch. Sie ist nur im Kontext von Kapitel 17 GT wichtig, weil Keynes dort argumentiert wie ein Klassiker. D.h. er redet allgemein über „Güter“. Gleichzeitig ist Kapitel 17 aber wohl das sprachlich schlimmste von allen, daher muss man sauber trennen, ob von Geldzins, MEC bestehender Vermögenswerte (Stock!) oder MEC von Investitionsgüteroutput (Flow!) die Rede ist.

    Und nein: die Investition ist eben NICHT eine Funktion des (realen) Geldzinses!

    Demnächst mehr…

  51. amv schreibt:

    @ wgn

    ich möchte Dir keine Umstände machen. Mich interessiert zwar Deine Replik, aber wenn Du keine Zeit hast, dann fühle Dich frei, die Debatte hier erst mal auszusetzen. Finde es schon super, dass Du bisher so ausführlich entgegnet hast. Danke.

  52. Jay schreibt:

    Vielen Dank für die Antwort und die Links!

  53. rubycon schreibt:

    @ wgnx

    „…damit die Nachfragepreise sinken, und wir uns damit automatisch auf der Investitionskurve nach links oben bewegen, sprich die Beschäftigung zurückfahren.“

    Total zweidimensionale Annahme.

    Stell Dir als dritte graphische Dimension neben Zins und Output den Lohn als Preis für Arbeit vor und seine tatsächlichen Veränderungen und Schwupp gibt es andere Verschiebungen und Schnittpunkte.
    Und es gibt viele empirische Ursachen für Änderungen, die formuliert werden können (Kurvenläufe). Wie sie sich untereinander beeinflussen kann ein mathematisches Modell rechnen – aber es bleibt immer reduktionistisch unvollkommen. Und das mit multiplen Gleichgewichtsmöglichkeiten (mehreren Schnittpunkten der Kurven, Gleichungslösungen).
    Interpreten an die Front.

  54. Gerald Braunberger schreibt:

    @amv

    Klar, Wicksell hatte keine im modernen Sinne akzeptable Zinsstrukturkurvendiskussion. Das scheint mir bis heute das Problem mancher (nicht aller) Austrians zu sein, die bis auf Wicksell zurückgreifen. Mein Hinweis ist wahrscheinlich für niemanden verständlich, der nicht meine Ausbildung hatte. Wir haben bei Wolfgang Gebauer damals „Geldzins und Güterpreise“ gelesen und uns dann über viele Zwischenschritte, zum Beispiel Irving Fisher, zu einer modernen Erörterung von Zinsstrukturen durchgearbeitet. Das ist in meiner sehr verkürzten Darstellung so sicher nicht deutlich geworden.

    @kantoos

    Wir werden uns zumindest vorerst nicht einig. Aus der Tatsache, dass wir ab Herbst 2008 in den USAm eine starke monetäre Expansion der Geldbasis und eine einigermaßen steile Zinssstrukturkurve hatten, dann aber wirtschaftlich nicht viel passiert ist, schließt Du, dass diese indikatoren nichts taugen. Ich schließe daraus, dass eine Situation gegeben war, in der die Geldpolitik weitgehend impotent war aus Gründen, die ich mehrfach beschrieben habe und daher jetzt nicht wiederholen will. Ich schrieb ja ausdrücklich von notwendigen, aber nicht hinreichenden (!) Bedingungen,

    Zum NBSP-Targeting: Wer soll das der Fed glauben? Aus früheren Beiträgen habe ich den Eindruck gewonnen, dass Du mittlerweile akzeptierst, dass die Main Street der Fed nicht zwingend glaubt. Very well. Dann kam das scheinbare Gegenargument, dass mache nichts, wenn nur die Wall Street der Fed glaube. Erstens überzeugt mich das theoretisch nicht. Ist in den modernen Makromodellen der „representative agent“ nunmehr Lloyd Blankfein aus der Wall Street und nicht John Smith aus Oklohoma, wobei Lloyd Blankfein andere Erwartungen und Verhaltensweisen hat als John Smith? Hard to believe, wo doch der Finanzsektor für die Realwirtschaft eigentlich keine Rolle spielt (man hat ihn ja üblicherweise nicht einmal modelliert?). Es überzeugt mich auch empirisch nicht. Schau Dir mal die Renditen der zehnjährigen Treasuries an. Da hatten wir vor einigen Monaten einen Anstieg von rund 3 auf rund 3,5 Prozent, der als Antizipation eines ordentlichen Wirtschaftswachstums gesehen wurde. Nun haben wir, zum ausdrücklichen Ärger z.B. von Pimco, die total daneben gelegen haben, einen Rückgang der Renditen auf rund 3 Prozent gesehen, weil die amerikanische Wirtschaft weniger stark wächst (und damit die Inflationsgefahren geringer sein dürften) als erwartet. Glaubt irgend jemand, wir hätten diesen Swing nicht gesehen, wenn die Fed vor einem halben Jahr ein NBSP-Ziel vorgegeben hätte? Die Wall Street weiß doch genau, dass Konjunkturprognosen der Fed ebenso unsicher sind wie die Konjunkruprognosen der Wall Street.
    Gruß
    gb.

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