Mindestlöhne in der Krise

Wenn es um eine schwere Rezession geht, könnten die Meinungen zu Löhnen kaum unterschiedlicher sein. Für manche sind rigide Löhne die Ursache des Problems, für andere Teil der Lösung. Krugman hat dies kürzlich diskutiert im Zusammenhang mit der zero lower bound, der Nullzinsgrenze, an der eine Zentralbank festhängen kann (auch wenn sie nach Meinung der ökonomischen Lehrbücher selbst an der Nullzinsgrenze noch viele Optionen hat). Dies aber ist ein Thema für einen gesonderten Eintrag.

Ein weiterer Aspekt sind gesetzliche Mindestlöhne. Warum sollten sie in der Krise ein Problem sein? Weil in den USA mit 14 Millionen Arbeitslosen die Leute mittlerweile umsonst arbeiten. Warum sollten Leute umsonst arbeiten wollen? Ryan Avent schreibt:

When long spells of unemployment are common, temporary unpaid work provides a means to maintain and improve skills while building contacts. Given stiff competition for new positions, unpaid labour allows a worker to signal his or her fitness for the job relative to applicants.

Der Mindestlohn ist hier ein Problem, denn Leute unterhalb des Mindestlohns zu bezahlen ist illegal. Ihnen gar nichts zu zahlen dagegen nicht.  Das bedeutet, nur diejenigen, die wirklich für lau arbeiten, bekommen einen Job obwohl bei geringer Bezahlung unterhalb des Mindestlohns vermutlich mehr Leute zu arbeiten bereit wären.

Es gäbe zwei sehr ähnliche Möglichkeiten, mit diesem Problem umzugehen. Ryan Avent schlägt vor:

Still, if you could get rid of the minimum wage and instead adopt a policy in which the government simply subsidises the incomes of sub-minimum wage workers up to the minimum wage level, you’d unambiguously increase employment without forcing anyone to take home less pay.

Eine andere, ähnliche Möglichkeit wäre, in einer solchen Situation eine Art Kurzarbeit für den Niedriglohnsektor einzuführen: den gesetzlichen Mindestlohn kurzfristig aussetzen, die Arbeitszeit reduzieren und aus Steuermitteln die Löhne aufstocken.

Bin ich hier der kalt-zynische Ökonom? Mitnichten. Die Schwere der Rezession abzumildern wäre Aufgabe einer fähigen Zentralbank, dann würde es vermutlich gar nicht zu solch extremen Situationen kommen. Da aber der Aufschrei über das Versagen der Zentralbank so gering ist, muss man wohl oder übel aus der Situation das Beste machen. Und in den USA scheint der Mindestlohn dem zum Teil im Weg zu stehen.

PS: Wer mehr darüber lesen will, findet die Story dahinter in diesem Artikel: Fortune – Unpaid jobs: The new normal?

Kommentare

  1. Jonas Dovern schreibt:

    „[...] and instead adopt a policy in which the government simply subsidises the incomes of sub-minimum wage workers up to the minimum wage level [...]“

    Ist das nicht exakt das, was in Deutschland durch die Hartz-Reformen implementiert wurde und unter dem Begriff „Aufstocken“ läuft?

    Den einzigen Einwand, den man dagegen haben könnte, ist, dass das Verhältnis der Verhandlungsmacht auf einigen Arbeitsmarktbereichen wahrscheinlich so ist, dass es zu deutlichen Mitnahmeeffekten kommt, d.h. dass Arbeitnehmer gezwungen werden unverhältnismäßig niedrige Löhne zu akzeptieren und sich den Rest bei der Bundesagentur für Arbeit zu holen.

  2. HAL9002 schreibt:

    Ich komme aus der Psycho-Ecke, aber folgendes ist mir aufgefallen:
    „Bin ich hier der kalt-zynische Ökonom?“ Die sich selbst gegebene Antwort „Mitnichten“ soll sich bestimmt auf „kalt-zynisch“ beziehen und nicht oder auf Ökonom, oda? ;)
    Okay; und was wäre mit der Lösung unpaid jobs zu verbieten? Ist doch naheliegend. Worin liegt denn der Vorteil unpiad jobs „aufzustocken“. Wobei aufstocken an sich ja schon ein falscher Begriff ist, da er voraussetzt, dass es einen Grundstock gibt, was bei unpaid jobs aber unwahrscheinlich ist.
    Oder Ihren Vorschlag konsquent zu ende gedacht: Kann man ein Produkt ganz kostenlos herstellen? Und was ist so ein Produkt gesellschaftlich wert. Ist das nicht Kommunismus mit einer Gewinngarantie für
    Naja, Fragen über Fragen…, bin halt kein Ökonom.

    p.s. fand den Artikel und die Problematik trotz meiner Stänkerei sehr interessant

    • kantoos schreibt:

      @ HAL

      Danke für Deinen Kommentar. Ja, es soll sich auf „kalt-zynisch“ beziehen. :)

      Das Problem in der gegenwärtigen Situation ist, dass die Firmen nicht genügend Leute zu höheren Löhnen einstellen wollen/können. Das geht wieder vorbei, deshalb geht es hier nur um temporäre Maßnahmen. Trotzdem ist es wichtig, in einer solchen Zeit so wenig Arbeitslose wie möglich zu haben.

      @ Jonas

      Ja, ich denke auch, dass es dies in Deutschland schon gibt, aber es gibt eben auch keinen Mindestlohn. Und Mitnahmeeffekte sind ein Problem, absolut. Ich bin auch kein prinzipieller Mindestlohngegener wie viele Ökonomen. Nur in einer schweren Rezession wie der in den USA nehme ich solche Mitnahmeeffekte in Kauf. Du darfst auch nicht vergessen, dass man mit Lohnkürzungen seine Mitarbeiter gegen sich aufbringt, was man auf Grund der geringen Geldbeträge nicht riskieren will. Grundsätzlich ist die Macht aber eher auf Seiten der Arbeitsgeber, das denke ich auch.

  3. Jonas Dovern schreibt:

    @ Kantoos

    Was den Anspruch der Arbeitnehmer angeht, d.h. die Höhe des Lohnes, unter dem sie es nicht machen, gibt es durch den ALG II-Regelsatz (plus Zusatzleistungen) doch sowas wie einen Mindestlohn in Deutschland.

    Aber den kann, was die Arbeitskosten angeht, ein Arbeitgeber halt unterlaufen, indem er seine Arbeitnehmer „zwingt“ Zuschüsse zu beantragen. Wie hoch dabei der Mitnahmeeffekt ist, mag ich nicht abschließend zu beurteilen. In Branchen wie dem Sicherheitsdienstgewerbe oder bei Reinigungsdienstleistungen ist aber die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer wahrscheinlich (bei der derzeitigen Arbeitslosigkeit bei diesen Qualifizierungsgraden) so schwach, dass er beträchtlich sein dürfte. Da dürfte es dann wenig ausmachen, wie „aufgebracht man gegen“ seinen Chef ist, weil der Arbeitsplatz jeder Zeit mit einem anderen besetzt werden kann.

    • kantoos schreibt:

      @ Jonas

      Ja, wenn Arbeitgeber die Leute einfach feuern können, und sie 1 zu 1 mit neuen ersetzen können, ist die Sache klar. Aber ist das wirklich so?

      Was den Mindestlohn in Deutschland angeht: es geht in den USA nicht darum, dass die Leute die finanziell reizvollste Variante wählen, sondern über das Arbeiten umsonst ihr Humankapital (im weiteren Sinne) erhalten wollen, inklusive signalling. Mit einem Lohn zwischen Null und Mindestlohn könnte man vielleicht noch mehr Leute dazu bewegen. Ein de facto Mindestlohn wie in Deutschland stünde dem nicht im Weg. Wenn es illegal ist, unterhalb des ML zu bezahlen, dann schon. Oder?

  4. Stephan schreibt:

    Welche Überraschung. Der Vollbeschäftigung steht nur der Mindestlohn im Weg. Die Lösung: Sozialismus für die Kapitalisten. Mir geht dieser Vorschlag nicht weit genug. Ich bin für die Legalisierung von Indentured Labor. Dann brauchen die Kapitalisten nicht nur 1 US$/Stunde Lohn zahlen sondern haben auch Planungssicherheit was ihr Personal für die nächsten Jahre betrifft. Das ist doch supply-side economics vom Feinsten.

    • kantoos schreibt:

      @ Stephan

      Meinst Du nicht, bevor Du solche Kommentare schreibst, solltest Du den Eintrag zu Ende lesen?! Da heißt es wörtlich:

      „Die Schwere der Rezession abzumildern wäre Aufgabe einer fähigen Zentralbank, dann würde es vermutlich gar nicht zu solch extremen Situationen kommen.“ Wenn Du das als „supply-side economics“ bezeichnest, dann weiß ich auch nicht mehr weiter… Und von „Vollbeschäftigung“ hat keiner gesprochen.

  5. matt_us schreibt:

    Mindestlohn so einfuehren, dass der mindestens 1/5 des Lohns des Geschaeftsfuehrers ist! Und tricksen mit Sub-Untenehmen gibt es auch nicht. Dann zaehlt der Lohn des uebergeordneten Unternehmens.

    Die Leute die jetzt fuer lau in Amerika arbeiten, wuerden dann trotzdem noch eingestellt – jede Wette – die Kostenbasis der Firmen die die einstellen waere ja viel kleiner.

    Arbeitsmarkt funktioniert nicht nur durch Angebot und Nachfrage. Manager die bloedsinnige Entscheidungen treffen werden ueberbezahlt, Arbeiter die die Arbeit machen, unterbezahlt.

    Nicht mal ein vernuenftiges Steuerkonzept kann solche Excesse einschraenken. Also auch hier ist der regulierende Gesetzgeber gefragt.

  6. Ludwig Büchner schreibt:

    Kantoos, obwohl es doch eines eigenen Beitrags bedürfte, um mal
    herauszuarbeiten ob niedrigere Löhne in einer Absatzkrise wirklich die
    Beschäftigung erhöhen(und ich meine jetzt „erhöhen“, nicht „erhöhen
    könnten“), stellt sich mir hier noch eine ganz andere Frage als die
    nach der Beschäftigungswirkung. Die soziologische Komponente haben Sie
    ja im Kommentar schon herausgearbeitet: Die Leute arbeiten nicht ohne
    Lohn um ihren Preis zu senken, sondern in der Phase der
    Arbeitslosigkeit um ihren Status nicht zu verlieren. Da mag es noch
    ganz andere Phänomene geben wie z.B. die Stellung innerhalb einer
    Community etc. Solche Verhaltensweisen sind doch auch in Europa in den
    sog. kreativen berufen tägliche Praxis. Die Anfängerjobs bei den
    großen und prestigeträchtigen Agenturen sind mittlerweile alle
    unbezahlt, man hört, daß sogar in manchen Ministerien schon solche
    „Praktika“ alltäglich sind. Alles Empirie.

    Das ist ja noch nicht die makroökonomische Erkenntnis per se, keine
    VWL sondern Politik.
    Wenn Sie nun aber dazu übergehen wollen, die unbezahlte Arbeit durch
    den Staat auch noch fördern und finanzieren zu lassen, damit die
    Staatsausgaben erhöhen, um Menschen irgendwie in Arbeit zu kriegen, dann
    erläutert das doch schön den theoretischen Ansatz den Sie und HK ja
    schon bei „Wer ist der beste Keynesianer“ und wahrscheinlich schon viel
    länger diskutieren. Sie erinnern sich A->B->X.

    Sie möchten also darüber nachdenken in einer Absatzkrise mittels
    Fiskalpolitik den Output zu erhöhen ?

    Und zwar in der ganzen Volkswirtschaft ?

    Habe ich das richtig verstanden ?

    • kantoos schreibt:

      @ Ludwig

      Du hast recht, in gewisser Weise überschneiden sich hier makro und mikoökonomische Aspekte. Mir ging es erstmal um letzeres – auch wenn ein Förderung seitens des Staates in gewisser Weise Fiskalpolitik ist, die ja auch zeitlich begrenzt sein soll.

      @ Stephan

      Ich wollte mich in diesem Eintrag auf die Mikroseite konzentrieren, es gibt noch andere Plan Bs, das ist richtig. Ist alles mikroökonomische in Deiner Terminologie „supply side economics“? Ich finde alle Labels übrigens überflüssig und beteilige mich auch nicht daran.

  7. Stephan schreibt:

    @Kantoos

    „Die Schwere der Rezession abzumildern wäre Aufgabe einer fähigen Zentralbank, dann würde es vermutlich gar nicht zu solch extremen Situationen kommen.“

    Hab ich nicht überlesen. Scheint mir aber nicht zentraler Bestandspunkt des Postings zu sein. Plan A: wir Quasi-Monetaristen retten die Welt. Klappt leider nicht weil die FED zu doof ist. Also brauchen wir einen Plan B. Plan B ist supply-side economics. Die Unternehmen brauchen billige Arbeitskräfte. Also subventionieren wir doch einfach die Löhne der Angestellten und Arbeiter. Warum der Unternehmenssektor einen finanziellen Anreiz braucht um Leute einzustellen ist völlig unklar. Nach Steuern sitzen die US Unternehmen auf circa 1,25 Billionen US$ Profiten. Das ist das BIP von Indien.

  8. Ludwig Büchner schreibt:

    @Kantoos

    aber, aber: …finde alle Labels überflüssig…

    http://en.wikipedia.org/wiki/Duck_test

    Nee, war jetzt nur Spass :-)

    • kantoos schreibt:

      :) Ja, in der VWL wird gerne mit Labels gearbeitet, aber nicht zur sinvollen Einordnung der Argumente, sondern zur Einteilung in Denkschulen und Ideologien. Ich finde, das steht dem Erkenntnisgewinn im Weg.

  9. Bernd Klehn schreibt:

    Bevor man mit dem Mindestlohn eingeführt oder mit der Zentralbankgeldpolitik hantiert, beide können eine dauerhafte internationale Wettbewerbsfähigkeit insbesondere im Niedriglohnsektor nicht beseitigen, würde ich das Instrumentarium der Binnenmarktabgabe (Mehrwertsteuer) und den damit zu finanzierenden Steuer- und Sozialfreibeträgen voll ausreizen um diesen Sektor auch in industrialisierten Staaten wettbewerbsfähiger zu machen und Sozialdumping entgegen zu wirken.

  10. Ludwig Büchner schreibt:

    Stefan hatte hier ja schon mal auf den Blogbeitrag von Branko Milanovic
    hingewiesen
    http://dmarionuti.blogspot.com/2011/03/inequality-and-global-crisis.html
    der mich zu einer kleinen Bemerkung inspiriert hatte:

    Ludwig: Importing things from China was a necessary prerequisite to keeping the prices lower in order to keep the wages lower. Think of it as if it was a 25 year long deflation cycle (spiral?).

    Brankos Antwort:
    „I found Ludwig’s point very interesting. I have not thought of that. But on that, quite plausible interpretation, China plays the role of the Anti-corn league. Let me explain. Removal of corn tariffs in England enables a reduction in what is called the Ricardian real wage. The real wage as we currently use the term (nominal wage/price index) remained the same, but since the wage goods become cheaper, nominal wage could go down and thus the share of wages in net product could be reduced. The repeal of corn laws had the same impact as cheap Chinese imports do today: to allow for a stagnant or even slightly increasing real wage in conditions of massive increases in net product—making thus sure that non-wage part of net income increases both in proportion and in real terms. Under such interpretation Chinese “communists” and American capitalists are indeed complementary so long as China produces sufficiently cheap goods. Once wages in China rise, that might cease. This point implies, it seems to me, a very different take on the US-China deficit/surplus by arguing that it is indeed in the interest of US capitalists that the renminbi remain undervalued (if indeed it is).“

    Darüber musste ich eine Weile nachdenken, weil Riccarian real wage
    nicht so mein alltägliches Geschäft ist. „langwellige Deflation“
    scheint aber ein praktikabler Ansatz zu sein um hier mal outside the
    box zu finden denn sie hat hat empirisch und sehr stetig
    stattgefunden, während gleichzeitig Geld- und Fiskalpolitik sich seit
    Schmidt/Reagan/Thatcher etc. an Aktionen und Eingriffen überboten
    haben ohne viel bewegt zu haben, immerhin 25 Jahre.
    Empirie scheint ja auch darauf hinzuweisen, daß Branko recht hat und
    der Zyklus ans Ende kommt, wenn uns nichts anderes mehr einfällt, als
    Menschen dafür zu bezahlen, daß sie umsonst arbeiten. Die Preise und
    Löhne können wohl anders gar nicht mehr gesenkt werden.
    Ist das aber nicht auch das Ende der Fiskalpolitik ?

    @Kantoos
    Ebenso „zeitlich berenzt“ wie die zeitlich begrenzten tax cuts von GWB ?
    Wir können dies natürlich als kurzfristige Aktion sehen, ich fürchte
    aber, daß wir solche subsidies wegen o.e. Zusammenhänge auf lange
    Sicht nicht mehr los werden.

    Krugman beschäftigt sich auch mit dieser Frage, das ist richtig, kommt
    aber mMn zu ganz anderen Ergebnissen.

  11. Stephan schreibt:

    @Kantoos
    >Ich finde alle Labels übrigens überflüssig und beteilige mich auch nicht daran. Und dann :) Ja, in der VWL wird gerne mit Labels gearbeitet, aber nicht zur sinnvollen Einordnung der Argumente, sondern zur Einteilung in Denkschulen und Ideologien. Ich finde, das steht dem Erkenntnisgewinn im Weg.

    Aha. Kantoos steht über den Dingen. Das ist so ziemlich der älteste Trick der Zunft den ich kenne. Ich hab keine a priori politischen, philosophischen und moralischen Einstellungen. Mir geht es rein um den ökonomischen Erkenntnisgewinn! Und ich bin völlig offen (wertneutral) zu was auch immer die neue Erkenntnis führt.

    Bullshit!

    “Whenever it is necessary to choose sides between the rich and the poor, between the powerful and the powerless, or between workers and corporations, economists are all too often of one mind: according to conventional economic theory, what’s good for the rich and the powerful is good for ‘the economy.’”

    Moshe Adler in einem Interview. Wie jeder lesen kann bin ich nicht wertneutral und habe Vorurteile wie eine soziale Gesellschaft aussehen könnte (Rawls?). Fliegt dabei die sakrosankte ökonomische Effizienz aus dem Fenster? I don’t care. Die RA Idee ist einfach nur eine weiterer Schritt in der Umverteilung von unten nach oben.

    Gegenvorschlag zu RA & Kantoos: Die US Regierung garantiert jedem arbeitswilligen Bürger einen Arbeitsplatz. Der Staat zahlt ein menschenwürdiges Gehalt plus einer Krankenversicherung. Das Problem? Nach 30 Jahren neo-liberaler Propaganda hat der Staat nicht mehr das Know-how die neuen Mitarbeiter produktiv einzusetzen.

    Egal. Das lässt sich lösen. Jeder der einmal einen National Park in den USA besucht hat käme niemals auf die Idee, dass FDR total falsch lag und die Arbeiter die diesen Park „erschaffen“ haben waren unproduktiv. Die Dividende dieser Investition wird auch 2011 wieder bezahlt.

    • kantoos schreibt:

      @ Stephan

      Du verköperst den einen Teil der ökonomischen Debatte, der mich immer geärgert hat. Der andere ist die Iedologie der Westerwelle-FDP. Ich stehe nicht über den Dingen, aber versuche mich an ernsthaftem Erkenntnisgewinn. Die Zielfunktion, um die es Dir ja geht (Rawls, Utilitarian) ist eine Sache, der Weg zur Maximierung eine andere. Beides zu diskutieren ist mir wichtig. Der enge, falsche Effizienzgedanke, den Adler vor Augen hat, führt zu nichts, da bin ich völlig auf seiner Seite. Ich gestehe Dir ja zu, dass die ökonomische Debatte in Deutschland nicht sonderlich neutral geführt wird. Aber dieser Blog soll genau in dem Punkt anders sein. Also lass doch bitte diesen Ideologieballast draußen.

  12. Stephan schreibt:

    >Also lass doch bitte diesen Ideologieballast draußen.

    Spreche ich Chinesisch? Das ist genau der Punkt. Ich habe eine Ideologie. Und ich mache sie explizit. Daraus folgen dann meine ökonomischen Schlussfolgerungen. Jeder kann dann sich für sich entscheiden ob diese Schlussfolgerungen Sinn machen oder nicht. Wenn Kommentator #1 meine Ideologie nicht teilt kann er dies kund tun. Ändert nichts an meinen Schlussfolgerungen. Er geht von anderen Annahmen aus und kommt natürlich zu anderen Schlüssen. That’s life. Das entscheiden wir dann an der Wahlurne. Und wenn Kommentator #2 meine Ideologie teilt aber zu anderen Schlussfolgerungen kommt dann müssen wir reden. Ohne dieses Disclosure ist jede Äußerung zur Ökonomie nur heiße Luft.

    • kantoos schreibt:

      @Stephan

      Das finde ich nicht! Man kann zumindest versuchen, VWL als positive Wissenschaft zu betreiben. Annahmen offen zu legen versteht sich, und dass hier einiges implizit geschieht, weiß ich. Aber ich versuche mich (und damit den Blog) von jeder Ideologie fernzuhalten. Danke aber, dass Du so offen bist.

  13. Beate schreibt:

    Ob aus den vielen Produkten ,die produziert werden auch Güter werden, ist ungewiß.
    Viele Arbeitsstunden werden aufgewandt, um Produkte zu realisieren, die dann doch nicht am Markt erscheinen. Oder sich als unverkäuflich erweisen.
    Die Gemeinkosten der Unternehmen wachsen aus diesen strukturellen Gründen stetig.
    Es gibt gar kein kausales Modell , dass die Produktion so beschreiben könnte , dass sich ein Mindestlohn berechnen ließe.

    Der Staat soll Umschulungen , Kombilohn für Alle, Ansiedlungen multinationaler Konzerne,.. finanzieren.
    Die Gewerkschaften und den Mindestlohn kleinhalten, …

    Arbeiterassoziationen, Immitations- und Innovationszyklen,… die die strukturschwachen Regionen entwickeln und den strukturstarken Regionen gleichstellen würden. Das soll der Staat auf keinen Fall finanzieren.

    Das mit dem kostenlosen Arbeiten habe ich nicht verstanden.
    Wie wird den Waren der Kauf der Käufer finanziert?

  14. matt_us schreibt:

    @kantoos
    „Man kann zumindest versuchen, VWL als positive Wissenschaft zu betreiben. Annahmen offen zu legen versteht sich, und dass hier einiges implizit geschieht, weiß ich. Aber ich versuche mich (und damit den Blog) von jeder Ideologie fernzuhalten.“

    Also, wenn Du das jetzt wirklich ernst nimmt, was Du hier sagst, kannst Du ja mal Stellung nehmen hier zu einigem was hier in den Raum gestellt wird. Das wuerde ja deine „Erkenntnisgewinne“, auf die es Dir ja anzukommen scheint, erheblich vergroessern, meine ich.

    Ich merke leider nichts von einem Erkenntnisgewinn zu den folgenden Themen:

    a) Spekulation: wir haben Studien ueber Studien hier reingestellt, die sagen, Spekulation treibt Preise in die Hoehe – was ist dein Erkenntnisgewinn: Du glaubst immer noch man muss Rohstoffe physikalisch horten koennen, sonst gibt es keine Spekulation!

    b) Credit Default Swaps: Bringen nur Kosten fuer die Allgemeinheit, verschaerfen, oder verursachen sogar die Eurokrise. Besonders Nackte CDS sollten sofort verboten werden, aber am besten gleich. Muesste jeder dafuer sein, der einem Erkenntnisgewinn offen gegenueber steht. Ich glaub Du hast Dich da nicht positiv zu einem Verbot von nackten CDS oder CDS allgemein geauessert

    c) Wie sieht es aus mit Glauebigerhaftung in der Eurokrise. Ich hab hier was geschrieben. Bekomme unerwartet Unterstuetzung von wohl dem kluegsten Oekonom in der EZB, Bini Smaghi, von Dir kein Erkenntnisgewinn, den ich hier sehen koennte.

    d) Urlaub statt Umschuldung. Keine faire Wahl, sagst Du, anstatt mir zu sagen, der Erkenntnisgewinn ist natuerlich Urlaub!

    e) Hier diese Debatte – Du sagst, man sollte Leute fuer nichts arbeiten lassen. Ich sagte schon mal ein Verhaeltnis von 5:1 vom bestbezahltesten zum schlechtest bezahlten Mitarbeiter, waere ein oekonomisch vernuenftiges Gesetz. Haette die gleiche Wirkung (Senkung der Lohnkosten) und deshalb auch den gleichen Effekt (mehr Arbeit)

    Jetzt kommt noch dazu, dass ich hier in dem Interview von Moshe Adler lese dass der auch wieder genau das gleiche sagt. Er weist uns darauf hin das die durchschnittliche Lohspreizung in Unternehmen in den USA sagenhaft 470 sind. Also der hoechste Chef verdient 470 mal mehr als der schlechbezahlteste Arbeiter im Unternehmen. Die Wirtschaftspolitik ist gefordert, nicht nur die Oekonemen die eine Preiskurve verschieben koennen, und damit dann beweisen, dass es fuer die unteren Lohngruppen mehr Arbeit gibt, wen sie nichts verdienen.

    Ich hoffe, dass hier wenigstens ein Erkenntnisgewinn kommt.

    Oder vielleicht sind die Erkenntnisgewinne auch da, aber Du verraetst uns die nicht.

    • kantoos schreibt:

      @ matt

      Also nur weil ich Deine Meinung nicht teile, heißt das nicht, dass ich nicht an reinem Erkenntnisgewinn interessiert wäre. Über alles, was Du oder andere hier reinstellt, mache ich mir Gedanken. Deine CDS Materialien genau wie Stephans „Economics as a priesthood“. Hab ich mir alles besorgt und teilweise schon gelesen. Unbegrenzt Zeit habe ich leider auch nicht.

      „Du sagst, man sollte Leute fuer nichts arbeiten lassen“ Unsinn, sorry. Leute in den USA arbeiten für lau, das ist eine Beobachtung. Die Frage ist: warum? Dann habe ich diskutiert, warum eine zeitliche Aufhebung des Mindestlohns helfen könnte, damit die Leute EBEN NICHT für lau arbeiten müssen, und vielleicht noch mehr Leute einen Job finden, bei 14 Mio. Arbeitslosen. Dein 5:1 Vorschlag hilft hier nun überhaupt nicht weiter.

  15. matt_us schreibt:

    @kantoos

    Du musst meine Meinung nicht teilen, es genuegt schon wenn Du Dir Gedanken machst – wenn das so ist, prima.

    Dann, dass man nicht in einer Wirtschaftsraum wo die Lohnspreizung 470:1 ist auf 5:1 gehen kann, von heute auf morgen, ist logisch. Natuerlich wuerde das helfen. Habe jetzt aber keine Lust das weiter auszuarbeiten.

    Nur mal so viel dazu ( Wer sagt das Soros nicht zu etwas gut ist)

    http://ineteconomics.org/sites/inet.civicactions.net/files/INETSession7-KatePickett.pdf

    Dein Vorschlag ist mal wieder die irgend etwas zu externalisieren, hier die Kosten fuer die Arbeit, deren Gewinn sich dann die Kapitaleigner einstecken koennen. Ich weiss es ist gutgemeint, aber hier fehlt ja die Nachfrage. Um mit 14 Mio Amerikanern was vernuenftiges anzustellen. Der Staat sollte sich ein paar tolle Dinge einfallen lassen, und die Leute dann zum Mindestlohn arbeiten lassen, finanziert von einer hoeheren Unternehmenssteuer oder Vermoegensteuer oder Lohnsteuer.

    Alles wogegen ich schreibe, versucht eigentlich nur zu verhindern das Kosten externalisisert werden, und Gewinne eingesteckt werden. Darum geht es immer, wenn es darum geht irgendwelche Maerkte einzuschraenken. Die Punkte (a) bis (e), die ich oben anfuehrte, helfen genau das zu verhindern. Ich versuche mit meinen Vorschlaegen immer, dass die auch genau die Kosten tragen, die Gewinne einstecken. Darum geht es mir immer. Das ist vernuenftige Oekonomie. Daran muesste man sich eigentlich immer orientieren.

    • kantoos schreibt:

      @ matt

      Das sehe ich ähnlich. Und eine expansivere Geldpolitik, wie ich sie fordere, nicht nur in Europa, hätte eben genau den Nachfrageeffekt, den Du mit staatlichen Ausgaben versuchst zu erreichen. So weit liegen wir da nicht auseinander.

  16. Bernd Klehn schreibt:

    @kantoos

    Mich würde mal Deine Meinung (Abschätzung der Wirkungsweise) bezüglich des USA-Niedriglohnsektors, bei einer drastischen Anhebung der Mehrwertsteuer ( Binnenmarktabgabe) bei gleichzeitiger Erhöhung der Steuerfreibeträge und Sozialfreibeträge für ein noch zu schaffendes Grundsicherungssystem (Krankheit, Rente, Arbeitslosigkeit) interessieren. Müsste dieses nicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit der US-Niedriglohnsektors erheblich heraufsetzen?

    Gruß

    Bernd

  17. querschuss schreibt:

    Hallo Kantoos,
    angesichts von Rekordgewinnen der US-Unternehmen in Q4 2010, nicht nur im Finanzsektor, angesichts eines Anteils der Arbeitnehmerentgelte am nominalen BIP ganz nah am Allzeittief, angesichts einer enormen Ungleichverteilung bei den Einkommen, angesichts von 43,6 Millionen Amerikanern die offiziell unter der Armutsgrenze 2009 lebten, von 50,7 Millionen ohne Krankenversicherung 2009, 44,082 Millionen Food Stamps-Beziehern im Dezember 2010, einem jährlichen Wertschöpfungsgaps von mehreren hundert Milliarden Dollar (siehe Leistungsbilanzdefizit), explodierenden Preisen in Folge der Geldpolitik bei Energie- und Nahrungsmittelpreisen ist es mehr als zynisch, das Problem im US-Mindestlohn zu sehen oder in der Aussetzung der Mindestlöhne eine Lösung für die komplexe Problemlage der US-Ökonomie zu sehen.

    In einer Schuldenkrise ist die Stabilisierung der Einkommen und deren Ausweitung mittels realer Wertschöpfung eine fundamentale Größe zur Abwendung der Krise und nicht eine weitere Unterminierung der breiten Arbeitnehmereinkommen.

    Wenn man die Frage nach Mindestlohn die zur unbezahlter Arbeit führt stellt, kann man auch die Frage nach sozialer Marktwirtschaft oder „Sklaverei“ stellen. Es ist Aufgabe der Politik letzteres, unbezahltes Arbeiten, in Unternehmen zu verhindern.

    http://www.querschuesse.de/recovery-ist-gelungen/
    http://www.querschuesse.de/43569-millionen-unter-der-armutsgrenze/
    http://www.querschuesse.de/4408-millionen-us-lebenmittelmarkenbezieher/
    http://www.querschuesse.de/schokierende-daten/

    Steffen

    • kantoos schreibt:

      @ querschuss

      Meine Meinung zur Geldpolitik kennst Du, und dass ich die 14 Mio Arbeitslosen in den USA zum großen Teil für ein Nachfrageproblem halte, auch. Aber in ihrer Verzweiflung arbeiten die Leute in den USA umsonst, das ist eine Tatsache. Einfach verbieten hilft diesen Leuten nicht, oder? Dass die Ungleichheitspolitik der USA falsch ist, finde ich auch.

      Wie Du das Nachfrageproblem lösen willst, bei gleichzeitigem Verschärfen der Geldpolitik, verstehe ich übrigens immer noch nicht. Deine Daten sind sehr interessant, aber ich sehe weit und breit kein Makromodell bei Dir, was zur Problemlösung beiträgt.

  18. Bernd Klehn schreibt:

    @kantoos

    „Meine Meinung zur Geldpolitik kennst Du, und dass ich die 14 Mio Arbeitslosen in den USA zum großen Teil für ein Nachfrageproblem halte, auch.“

    Die USA hat nun wirklich kein Nachfrageproblem, sondern ein Struktur und Wettbewerbsproblem und hier drängt sich die Binnenabgabe (Mehrwertsteuer) förmlich auf. Diese fällt beim Export nicht an, belastet aber den Import, der sonst nicht an den allgemeinen Aufgaben des Staates beteiligt wird. Wenn man zusätzlich etwas Gutes für den Niedriglohnsektor tun will, bietet sich hier die Steuer- und Abgabenfreistellung des Existenzminimums an. In den USA würde ich den Mindestlohn nicht antasten, ihn in Deutschland aber noch nicht einführen sondern, zuerst die Arbeitsstrafabgabe des Niedriglohnsektors (Sozialbeiträge) reduzieren. In Deutschland fallen bei 1390Euro Nettolohn bei einem Alleinstehenden 255Euro Steuern aber 981DM Sozialabgaben an.

    • kantoos schreibt:

      @ BK

      Dass die USA kein Nachfrageproblem haben, solltest Du aber schon begründen können. Die Diskussion in amerikanischen Medien diese Woche geht klar in eine andere Richtung – zu Recht, wie ich meine.

  19. Bernd Klehn schreibt:

    @ kantoos

    Dieses ist einfach, die USA haben schon wieder 45Mrd. Leistungsbilanzdefizit pro Monat. Konsumgüter werden in den USA immer noch reichlich nachgefragt, sind aber fast alles Importe. Es fehlt simpel die Produktionsbasis in der insbesondere Niedriglöhner eine Anstellung finden könnten. Wird dieses Problem nicht beseitigt und das Ausland ist nicht mehr gewillt das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, geht die Abwärtsspirale erst richtig los. Merke bei Nettoauslandsschulden und Leistungsbilanzdefiziten ist man auf Auslandshilfe angewiesen, ihr hilft keine noch so expansive Geldpolitik, sondern diese kann im Gegenteil Auslandsinvestoren verschrecken und dann ist der Schuss mit der expansiven Geldpolitik nach hinten losgegangen.

  20. Stephan schreibt:

    >Wird dieses Problem nicht beseitigt und das Ausland ist nicht mehr gewillt das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, geht die Abwärtsspirale erst richtig los.

    Wenn ich so etwas lese schlage ich immer vor die Frage um zu formulieren. Was genau muss passieren, dass das Ausland nicht mehr gewillt ist reale Güter in die USA zu exportieren? Außer dramatischer US$ Inflation fehlt mir kein Grund dafür ein.

  21. Bernd Klehn schreibt:

    @Stephan

    Die Ausländer brauchen nur zu realisieren, dass sie zwischen 2001 und 2007 am US ca. Finanzmarkt 4Billionen Dollar verloren haben. Das Finanzkasino hat das US-Leistungsbilanzdefizit bisher finanziert und die US Nettoauslandsschulden niedrig gehalten. Überraschende Weise waren es nicht China und Japan, die dort Geld verloren haben, sondern Kanada, Mexiko, Südamerika, die Ölländer, Deutschland usw., waren ganz heiß darauf dort ihr Geld zu verlieren. Japan und China, würden das Leistungsbilanzdefizit nicht finanzieren, sondern, sich solventere Märkte suchen. Ein kleiner Fehler der USA, welches die Illusion des US-, UK-, Finanzkasinos zertrümmert und die USA haben ein dauerhaftes Problem am Hals. Sie können ob der Eurokrise sehr dankbar sein.

  22. RL schreibt:

    @ Jonas Dovern

    „Was den Anspruch der Arbeitnehmer angeht, d.h. die Höhe des Lohnes, unter dem sie es nicht machen, gibt es durch den ALG II-Regelsatz (plus Zusatzleistungen) doch sowas wie einen Mindestlohn in Deutschland.“

    ALG II ist eben kein Mindestlohn! Das zu behaupten, ist einfach irreführend. Es gibt keine freie Entscheidung zwischen Job und ALG II. Der Arbeitslose muss den angebotenen Job ja auch dann antreten, wenn der schlechter bezahlt wird als ALG II, andernfalls büßt er seinen Lebensunterhalt ein. ALG II ist also keine Grenze, unter der „sie es nicht machen“. Ca. 1,4 Mio. Aufstocker „machen es“ unter dieser Grenze, und wahrscheinlich noch etliche mehr.

    Deswegen wirkt ALG II auch ganz anders als ein Mindestlohn.

  23. RL schreibt:

    @ Bernd Klehn

    „Japan und China, würden das Leistungsbilanzdefizit nicht finanzieren, sondern, sich solventere Märkte suchen. Ein kleiner Fehler der USA, welches die Illusion des US-, UK-, Finanzkasinos zertrümmert und die USA haben ein dauerhaftes Problem am Hals.

    Dass das Ausland das amerikanische Leistungsbilanzdefizit finanziert hat, hat aber auch den Dollarkurs hoch gehalten, damit amerikanische Produkte verteuert und zur Produktionsverlagerung ins Ausland geführt. Im Fall China ist das ja Regierungspolitik: Auslandswährungen kaufen, um den Renminbi niedrig zu halten, um die Produktion im Inland auszubauen.

    Wenn China und andere also aufhören, das amerikanische Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, sinkt der Dollarkurs, und Produktion wird zurück nach Amerika verlagert. Das wird natürlich ein paar Jahre brauchen, aber die USA werden dadurch kein „dauerhaftes Problem am Hals“ haben, zumindest nicht im Sinne von dauerhaft hoher Arbeitslosigkeit.

    • kantoos schreibt:

      @ RL

      Genau so ist es. Nur eine Anmerkung: sterilisierte Wechselkursinterventionen funktionieren nur, wenn sie mit Kapitalkontrollen einhergehen (was in China der Fall war). Der reine Portfolioeffekt selbst ist zu klein, um das dauerhaft durchzuhalten.

  24. Stephan schreibt:

    Das Ausland finanziert nicht das Leistungsdefizit. (Hab nicht so viel Zeit. Daher ist das folgende in Englisch. Fragen bitte nur in Arabisch!)

    Financing the Trade Deficit
    The U.S. trade deficit is directly funded from private savings and/or bank loans, including credit card loans. Public money is seldom used. The Treasury securities acquired by foreign interests are not issued to cover the trade deficit. They simply represent one option that foreigners have of investing the dollars they acquire from their trade surpluses. When foreigners prefer the option of Treasury securities over other dollar-denominated investments, their holding of public debt increases along with the trade deficit. The so-called twin deficits — budget deficit and trade deficit – are not functionally related, but they may at times respond to the same stimuli.

    How Foreigners Can Use Their Dollar Holdings

    (1) They can buy U.S. goods and ship them home for their own use or resale, which will reduce the trade deficit and help support U.S. employment.

    (2) They can invest them in US$-denominated assets including new enterprise, which will help support U.S. employment and economic growth.

    (3) They can trade them for their own or another currency in FX market, in which case US$ will simply change hands without affecting net investment in the U.S.

    (4) They can sell the US$ to their central banks, which will invest them in U.S. Treasury securities and thereby help to hold down long term interest rates.

  25. Bernd Klehn schreibt:

    @ RL, kantoos

    Sie verstehen das Finanzkasino nicht. Eine Abwertung rettet vor der Höhe der Nettoauslandsschulden nicht und verschärft bei einer Auslandsverschuldung in einer Fremdwährung, welche allerdings in den USA nicht vorliegt, das Problem. Gemäß Kumulierten Leistungsbilanzdefiziten, müssten die USA heute ca. gut 10 Billionen Dollar Nettoauslandsschulden haben und wären selbst bei Abwertungen pleite. Sie weisen aber nur 3Billionen aus. Diese wichtigen 7Billionen stammen alles andere von Japan und China, sondern sind Finanzkasinogewinne. Die USA hat kein Währungsproblem, sondern ein Strukturproblem. Der Euro hat ja seit der Einführung gegenüber dem Dollar heftig aufgewertet, trotzdem hat die Bundesrepublik seit 2000, weil sie Strukturprobleme angegangen ist, die Leistungsbilanz gedreht und ab 2005 einen riesigen, übertriebenen Überschuss erwirtschaftet.

    • kantoos schreibt:

      @ BK

      „welche allerdings in den USA nicht vorliegt“. Eben.

      Zudem ist Geldpolitik mehr als das Auf- und Abwerten von Währung. Es geht vor allem um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Und die liegt in den USA weit unter dem langfristigen Trend.

  26. Bernd Klehn schreibt:

    @kantoos

    Wir werden uns bei der Analyse der Probleme der USA alles andere als einig, finden leider sogar nicht einmal einen gemeinsamen Diskussionsfaden, sodass jeder für sich daraus neue Erkenntnisse ziehen könnte. Die Nachfrage der USA musste und muss sinken solange das Leistungsbilanzdefizit so groß und deren Finanzierung gefährdet ist. Für die volkswirtschaftliche Situation ist die Nachfrage noch extrem hoch und die sich jetzt weiter aufbauende Staatsverschuldung wird die Situation in spätestens 3Jahren weiter brutal verschärfen.
    Gruß

    Bernd

    • kantoos schreibt:

      @ BK

      Wir können den Diskussionsfade wieder aufnehmen, wen Henry Kaspars Eintrag zu genau diesem Problem online geht. Vermutlich nächste Woche.

  27. Stephan schreibt:

    Skandal! Ich habe gerade meine Antwort an Bernd im Kopf komponiert und die Debatte wird verschoben. Na gut. Dann muss ich halt warten bis ich Bernd mitteilen darf, dass er keine Ahnung hat worüber er hier faselt (Ich bin ja nicht so ein Höflichkeitsfanatiker wie Kantoos).

  28. Bernd Klehn schreibt:

    @Stephan

    Die Debatte zwischen uns müssen wir nicht verschieben, an den Argumenten bin ich sehr interessiert um herauszufinden ob ich mich schamvoll aus Unkenntnis zurückziehen muss. Zu lernen bin ich zumindest bereit.

  29. rubycon schreibt:

    @ RL

    „Wenn China und andere also aufhören, das amerikanische Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, sinkt der Dollarkurs, und Produktion wird zurück nach Amerika verlagert. Das wird natürlich ein paar Jahre brauchen, aber die USA werden dadurch kein „dauerhaftes Problem am Hals“ haben, zumindest nicht im Sinne von dauerhaft hoher Arbeitslosigkeit.“

    Träumst Du noch oder fieberst Du schon?

    Strukturprobleme bei gesamtwirtschaftlicher Nachfrage unter dem langfristgen Trend durch Geldpolitik zu lösen ist schon eine richtig amerikanische Denke.
    Da wird auch HK nicht viel neues beitragen können.

    Schamvoll aus Unkenntnis zurück ziehen, weil ein Nichthöflichkeitsfanatiker wie Stephan, der die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefuttert hat, ein bischen Dollarwunschdenken brüllt gibt es hier nicht.

    Was habt ihr denn alle für US-Junk gekauft der dort Arbeitsplätze schafft?
    Oder, was sollen wir zukünftig Innovatives von dort kaufen?
    Windows und Apple lösen strukturelle Arbeitslosigkeit bestimmt nicht.
    AKW`s sind auch out.
    Auto`s aus Amerika?
    Semiconductors kommen nach den Japanausfällen aus Europa …
    Dann mal Angebote auf den Weltmarkt!

  30. Stephan schreibt:

    >»Schamvoll aus Unkenntnis zurück ziehen, weil ein Nichthöflichkeitsfanatiker wie Stephan, der die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefuttert hat, ein bischen Dollarwunschdenken brüllt gibt es hier nicht.«

    Respekt! Ich bin völlig deiner Meinung.

    Meine Anmerkung sonst: Die USA haben tatsächlich ein Problem wenn der Rest der Welt keinen Bock mehr hat 40“ Container mit Real Stuff nach USA zu verschiffen im Austausch gegen grüne digitale Ziffernblöcke. Zur Zeit kann ich aber nicht erkennen dass es diesen Trend gibt? Dass zum Beispiel Porsche es sich anders überlegt hätte und nicht „Porsche’s U.S. sales in 2010 were up 29% over 2009″ begrüsst! ???

    BTW: Auch eine interessante Frage. Die Plutokraten in den USA sind gerade schwer damit beschäftigt ihre Transport-Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen: Sales of private jumbo jets are so strong that Airbus and Boeing now have special sales forces devoted to potentates and the hyper-rich,… Porsche’s U.S. sales in 2010 were up 29% over 2009; Cadillac’s climbed 36%. Rolls-Royce sales rocketed 171%.

  31. rubycon schreibt:

    @ Stephan

    „Was genau muss passieren, dass das Ausland nicht mehr gewillt ist reale Güter in die USA zu exportieren? Außer dramatischer US$ Inflation fehlt mir kein Grund dafür ein.“

    Ist doch ganz einfach :

    Guck Dir mal unsere verrotteten Infrastrukturen an und lass uns anfangen mal so richtig zu erneuern und verbessern – das bringt Arbeit, Kohle, Ideen und wieder von vorne … Strassen, Netze, Leitungen, Schulen, moderne Häuser.
    Mit dem Ersatz der Kernkraft beginnt es … schlechte Zeiten für Besitzstandswahrer such as RWE, E.ON, ENBW oder Vattenfall.

    Lokale Investitionen wieder selber wertschöpfen – so einfach saying and doing durch die people vor Ort.
    Dann bleibt auch mal wieder ein froschgrünlackierter 911 Turbo in Deutschland hängen!

  32. rubycon schreibt:

    „Träum weiter

    Wenn deine knöchernen Finger mich umklammern
    Lang und dünn
    Beschleicht mich der Tod
    Himmel, kannst sehen, was ich sehe?

    Hey, du blasses und kränkliches Kind
    Du bist tot und mit dem Leben versöhnt
    Bist den krummen Weg nach Hause gegangen
    Begleiche dem Schicksal deine Schulden
    Du bist ein Leben lang ein Teil davon
    Was du nimmst, wird dich nicht umbringen
    Aber achte darauf, was du gibst

    Es bleibt keine Zeit zum Zögern
    Der Schmerz steht bereit, der Schmerz wartet
    Auserkoren, um uns zu belehren

    Unerwünschte, uneingeladene Sippe
    Es kriecht unter deine kribbelnde Haut
    Es lebt ohne es, es lebt in dir

    Du fühlst das Fieber steigen
    Du schüttelst dich und zuckst
    Du kannst dich überall kratzen
    Aber das wird deine Qual nicht lindern

    Kannst du ein wenig Liebe spüren?
    Kannst du ein wenig Liebe spüren?
    Träum weiter, träum weiter!

    Gib ihm die Schuld für deinen schicksalhaften Fluch
    Oh, Schande über das Universum
    Es kennt seinen Text
    Es hat sie gut einstudiert

    Es hat dich verschlungen, es hat dich heruntergezogen
    Dahin, wo es keinen heiligen Boden gibt
    Wo es keine Heiligen gibt

    Begleiche dem Schicksal deine Schulden
    Du bist ein Leben lang ein Teil davon
    Was du nimmst, wird dich nicht umbringen
    Aber achte darauf, was du gibst

    Kannst du ein wenig Liebe spüren?
    Kannst du ein wenig Liebe spüren?

    Träum weiter, träum weiter!“

    http://www.tape.tv/musikvideos/Depeche-Mode/Dream-On

    So könnte es der amerikanischen Volkswirtschaft ergehen, wenn nicht die Selbsterhaltungskräfte des normalen Bürgers erwachen.

  33. RL schreibt:

    @ rubycon

    [USA] „Oder, was sollen wir zukünftig Innovatives von dort kaufen?“

    Wir kaufen kaum innovatives aus China, und trotzdem können die sich prima auf dem Weltmarkt behaupten — wegen des Preises. Auch Deutschland verkauft auf dem Weltmarkt weniger die ganz hochinnovativen Sachen, als vielmehr solide Qualitätsprodukte zu akzeptablen Preisen.

    Die USA haben weniger ein Defizit bei den innovativen Produkten, sondern eher bei den einfachen. Die wurden in den letzten 20 Jahren in großem Umfang ins Ausland verlagert — aus Kostengründen. Ein wichtiger Kostenfaktor ist der Wechselkurs, und wenn der sich anpasst, wird auch in den USA wieder mehr produziert werden.

    „Windows und Apple lösen strukturelle Arbeitslosigkeit bestimmt nicht.“

    (1) Windows und Apple sind nur zwei Spitzen eines riesigen Eisberges von innovativen Firmen und Fachkräften in der IT. (Google, Intel, IBM, Oracle, HP …)

    (2) Dass die amerikanische Arbeitslosigkeit strukturell sei, halte ich für zweifelhaft. Das wollen Sie vielleicht mal darlegen, was für Strukturen sich so plötzlich geändert haben, dass sich die Arbeitslosigkeit in den USA in kurzer Zeit verdoppelt hat.

    „Auto`s aus Amerika?“

    In den US`A werden die ganz gern gekauft. Dazu produzieren auch etliche europäische und asiatische Autohersteller dort.

    Außerdem: IT, Biotechnologie, Chemie & Pharmazie, Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Hollywood …

    Die USA sind anpassungsfähiger als die meisten anderen Länder, und wegen ihrer natürlichen Ressourcen auch weniger abhängig von Importen. Ihren Optimismus, die USA würden in Kürze zusammenbrechen, kann ich daher nicht teilen.

    Jedenfalls nicht, solange die amerikanischen Politiker nicht kräftig nachhelfen.

  34. Beate schreibt:

    Ja , die amerikanischen Banken.

    Besitzen 55% der amerikanischen Industrie.

    Jeder US-Bürger, so Patman, ist dann als Angestellter, Schuldner oder Kunde den Finanz-Tycoons in ihren Bankpalästen hilflos ausgeliefert.

    Die Zusammenballung so großer Macht in 10 Vorstandsetagen soll keine Auswirkungen auf Lohnfindungs-, Preisfindungsprozesse, die Höhe der Unternehmenssteuern, die als Schicklich erachtete Gewinnspanne, Investitionsentscheidungen, … haben?

  35. Bernd Klehn schreibt:

    Eckdaten USA laut Bea.gov:

    Nettovermögen, 56Billionen zum größten Teil bestehend aus Häusern und Autos
    Investitionen der Ausländer in den USA 23 Billionen
    Finanzmarktverluste der Ausländer auf diese Investitionen seit 2001 5Billionen.
    Investitionen der USA im Ausland der 20Billionen. Gewinnerzielung eben die 5 Billionen plus jährliche Zinseinnahmen von ca. 120 Mrd. auf die Nettoauslandsschulden von 3Billionen.

    Das Leistungsbilanzdefizit zwischen 800 bis 450Mrd jährlich ist seit 2001 voll durch die Finanzmarktgewinne abgedeckt worden. Die entsprechenden Finanzmarktverluste sind von 2001 bis 2007 von ausländischen Privatanlegern eingefahren worden. Ab 2007-2008 auch durch ausländische Banken (IKB, HRE, Landesbanken usw. usw.)

    • kantoos schreibt:

      @ BK

      Leistungsbilanzdefizit abgedeckt durch Finanzmarktgewinne? Einem Leistungsbilazdefizit steht erstmal ein Kapitalimport gegenüber, oder? Dadurch wird er, wenn überhaupt „abgedeckt“. Und warum nur auländische Anleger Verluste gemacht haben, müsstest Du auch noh erklären.

  36. Bernd Klehn schreibt:

    Diese Tatsache können Sie unter:

    http://www.bea.gov/international/xls/intinv09_t3.xls

    errechnen.
    Bei den Verlusten handelt es sich natürlich um Relationspositionen. Also wenn ich im Ausland investiere und auf 1Mio. und 100000DM erziele und der Ausländer mit 1Mio. bei mir 200000DM habe ich einen Finanzmarktverlust von 100000DM oder 100000DM Nettoauslandsschulden, die bei gegenseitiger Auslösung des Engagements aus meinen Ersparnissen beglichen werden müssten. Es müssen immer Flows und „Stocks“ berücksichtigt werden um sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Normaler weise würde man den Ansatz tätigen: Die kumulierte Leistungsbilanzen entsprechen dem Nettoauslandsguthaben/-schulden, da ja bereits Zinseinnahmen in der Leistungsbilanz berücksichtigt sind. Dieses ist aber absolut nicht der Fall, da in dieser Gleichung Bewertungsänderungen der „Stocks“ nicht berücksichtigt sind. Abweichungen von obiger Summe kann man praktischer weise als Finanzmarktgewinne oder Verluste bezeichnen.

    • kantoos schreibt:

      @ BK

      Alles klar, aber Deine Terminologie ist gewöhnungsbedürftig: Einen einfachen Kapitalexport als „Finanzmarktverlust“ zu bezeichnen ist irreführend. Zudem ist der Gewinn, der gemacht wird, nicht entscheidend, sondern WAS damit gemacht wird? Zieht der Ausländer es ab? Investiert er es wieder im Land?

      Die Bewertungsänderungen verändern natürlich auch die Positionen des Inlands vs. Ausland, das stimmt.

  37. Bernd Klehn schreibt:

    Sie können die internationalen Finanzmarktgewinne der USA seit 1960 auch noch genauer berechnen:

    Sie entnehmen der Leistungsbilanz seit 1960 http://www.bea.gov/international/xls/table1.xls die Summe ohne Zinseinnahmen. Dieses Defizit beträgt 9.687.689 Mio Dollar, setzen als Verzinsung, die jeweils aktuellen 5jährigen US-Staatsanleihenzinsen an (ergibt sicherlich eine Summe größer 15Bio.) und ziehen davon die im Augenblick ausgewiesenen Nettoauslandsschulden von ca. 2,7Bio. ab.

  38. Bernd Klehn schreibt:

    Übrigens diese ca. 15 Bio müssten als Nettoauslandsschulden ausgewiesen werden, wenn die Ausländer für ihre Überschüsse ausschließlich US-Staatanleihen gekauft hätten, so wie es vorwiegend die Japaner und China getan haben. Man sieht bei dieser Art der konservativen Investition der Ausländer wären die USA längst pleite.

  39. Bernd Klehn schreibt:

    Oder was Sie aus der Leistungsbilanz noch ablesen können, dass die USA seit 1970 ein Strukturproblem haben, welches auch durch IBM, Micosoft und Google uws. in keinster Weise beseitigt wurde und ab 2001 eskalierte, in dem die Ausländer wie verrückt den USA (nochmals nicht Japan und China) trotz Zentralbankniedrigzinsen fast sämtliche weltweiten Ersparnisse aufgedrängt haben, um sie dort zwangsläufig zu verlieren. Die Strukturprobelme sind in keinster Weise angegangen, sondern das Finanzkasino ist über 2008 heftig hinwegerettet worden.

  40. Ludwig Büchner schreibt:

    @Kantoos
    Mir ist gerade aufgefallen, daß Sie auf meine Frage ausgewichen sind:
    „Sie möchten also darüber nachdenken in einer Absatzkrise mittels
    Fiskalpolitik den Output zu erhöhen ?“

    Die Antwort hätte ich aber gerne !

  41. topi schreibt:

    Oh man, die armen Amerikaner, werden vom bösen Mindestlohn zur lohnlosen Arbeit gezwungen.

    Wie schön wäre es doch, sie könnten für 3 Dollar arbeiten!

    Das hat natürlich überhaupt keinen Einfluss auf das sonstige Lohngefüge, nein, wie könnte es denn?

    Natürlich bräuchte es ganz klare Regeln, unbezahlte Arbeit (in kommerziellen Unternehmen) zu unterbinden. Dass die Unternehmen nicht bezahlen könnten, ist mit einem Blick auf die Gewinne schlicht als Unsinn zu bezeichnen.

    Die von dir beklagte Nachfrage entwickelt sich wie, wenn Menschen unbezahlt arbeiten?

    Ach so, wir haben ja dafür die Unternehmensgewinne, deshalb Investitionen; oder vielleicht doch nicht?

  42. topi schreibt:

    @ kantoos

    Aber mal zu deiner Geldpolitik.

    Du beklagst oben die ungleiche Verteilung, und propagierst zur Krisenbekämpfung ungehemmte Geldpolitik. Frage: wie wirkte denn die beispielgebend lockere Geldpolitik auf die Verteilung?

    • kantoos schreibt:

      @ topi

      Ich finde es unmöglich, dass Leute unterhalb des Mindestlohns arbeiten. Daher ist es eben auch nicht meine first-best Lösung. Aber wenn Geldpolitik sich außer Stande sieht, das Nachfrageproblem zu bekämpfen, und die Fiskalpolitik politisch unmöglich ist (ob sie ökonomisch viel bringt, spielt das keine Rolle mehr), dann muss man sich bei 14 Mio. Arbeitslosen Gedanken machen, was man tun kann. Und wenn Leute umsonst arbeiten, würde ich ihnen gerne trotzdem etwas zahlen, vielleicht ist die staatliche Aufstockung nicht so unrealistisch. Ich versuche nur zu überlegen, was man im Interesse der Arbeitslosen tun kann. Viele diskutieren unrealistische Utopien, das ist zwar auch interessant, aber darum ging es mir hier nicht.

      Die Geldpolitik soll für stabile gesamtwirtschaftliche Nachfrage sorgen, das ist alles .

      http://kantoos.wordpress.com/2011/01/12/was-ist-gesamtwirtschaftliche-nachfrage/

      2003-05 hätte sie restriktiver sein sollen, jetzt sehr viel expansiver. Auf die Einkommensverteilung wirkt eine adequate Geldpolitik insofern sehr positiv, als sie Arbeitslosigkeit verhindert. Reallöhne können kurzzeitig unter Druck kommen, aber bei sonst 14 Mio. Arbeitslosen in den USA ist dies das kleinere Übel.

  43. Stephan schreibt:

    @topi
    Jetzt kommen auch noch diese @weisgarnix Keynesianer hier her und stören die Quasi-Monetaristen Idylle. Das geht ja gar nicht. Habt ihr keine eigene Plattform außer dem neuen @weisgarnix Ansatz: Ich-lese-das-Internet-zu-Ende! Mal schauen wann ich fertig bin?

  44. rubycon schreibt:

    @ RL

    „Die USA sind anpassungsfähiger als die meisten anderen Länder, und wegen ihrer natürlichen Ressourcen auch weniger abhängig von Importen. Ihren Optimismus, die USA würden in Kürze zusammenbrechen, kann ich daher nicht teilen.“

    Is nich mein Optimismuss! Eher das Gegenteil denn, wer „profitiert“ von Zusammenbrüchen?

    Aber von „einem“ erlernten Beruf, Arbeitsplatz nicht auskömmlich leben zu können, weil die Arbeitsmarktstrukturen und eine aussenwirtschaftlich beeinflusste Handels-, Zahlungs-, Kapital-, Leistungsbilanz, das mit ihren Stocks and Flows beeinflussen ist kein volkswirtschaftlich erstrebenswertes Ziel. Das bei steigenden Gewinneinkommen. Was sind 200 Mio. Amis gegen 600 Mio. Europäer binnenwirtschaftlich oder langfristig gegen die Asiaten …
    Das Argument erlerntes Wissen ist nach fünf bis sieben Jahre veraltet dient auch nur dazu diese Schiene zu bedienen und notwendige Fortbildungen zu individualieren – aus reiner Ablehnung der Kostenträgerschaft.

    Ansonsten bleibt die sektorale Beschäftigungsanalyse im Zeitreihenvergleich, was für Deutschland durch die bewusste Veränderung / Fälschung konterkariert bzw. erschwert wird. Ausdruck die monatliche politische Präsentation dieser Zahlen durch den jeweils verantwortlichen Arbeitsminister, -ministerin und die zuständige Fachbehörde, wie immer sie auch firmiert – Amt, Anstalt, Agentur …

    Unsere geplante Reform der Gemeindeordnung sieht in Anpassung an die stabilitätsorientierte EU-, Bundes-, Landesschuldenwirtschaft weiterhin die Orientierung am gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht vor !
    Eine konkrete Auseinandersetzung mit deren, meinen Zielwerten hier im Blog scheint wegen mangelnder Kompetenz oder willenlicher Verengung auf Preisniveaustabilität reduzierter common sense oder Einsicht beschränkter wissenschaftlicher Beherrschbarkeit?.
    Up to the front ihr New Economists!

  45. rubycon schreibt:

    Wenn Europa mit steigenden Zinsen erstmal anfängt zu boosten und endlich bürgersinnvolle Wachstumspotentiale erschliesst, dann kann sich die US-Banker-Society auf einiges gefasst machen – QE und Inflation go home.
    Niemals mehr wird der Euro von destruktiven Dollar-Apologeten zerstört werden.
    Koste es Lügen ohne Ende – that is for sure.

    No more manipulating US-Rating
    No more to big to fail
    No more badbanks
    No more bad deregulation

    mehr Freihandel statt Protektion
    mehr Wettbewerb statt Spekulation
    mehr Mindestlöhne statt Hungerlöhne
    mehr Binnenmarkt statt Konzentrierung (Mono-, Oligopole)
    mehr Verteilung statt Hortung
    mehr Langfristigkeit statt Kurzatmigkeit
    mehr Transparenz statt Verschleierung
    mehr Einfachheit statt Kompliziertheit
    mehr Fantasie statt Eindimensionalität
    mehr Eigenkapital statt Steuergelder
    mehr Kapitalbesteuerung statt Arbeitsbesteuerung

    Europa ist Gemeinschaft nicht Kontostand.

  46. rubycon schreibt:

    Utopienverweigerer, Visionenvorhalter schaffen Währungsverträge und Laufzeitenverlängerungsgesetze von denen sie sich später nur noch mit Verfassungs- und Gesetzesbruch verabschieden wollen.
    Was ist das für ein einbahnstrassenmäßiges Denk- und Handlungsschema?
    Da hilft auschliesslich Offenlegung dieser machtschematischen eindimensionalen Strukturen und Entfernung der auf Grundlage dieses Musters unehrlichen, unglaubwürdigen, nichtvorbildichen und nichtgemeinschaftsfähigen Akteure von Verantwortungstätigkeiten unseres Gesellschaftssystems (Wirtschaft, Politik, Recht und Kultur).
    Die konnten es nicht und die werden es nicht können – das ist eine Basiserkenntnis der betroffenen Bevölkerung.
    Realitäten dokumentieren Verweigerer.
    Lernwilligkeit setzt Lernfähigkeit voraus, die nicht nur darzustellen bzw. zu kommunizieren sondern zusätzlich messbar umzusetzen und erfolgreich zu praktizieren sind.
    Das passiert zur Zeit. Modernität…

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