Die Zukunft der Eurozone, Baseline Scenario Edition

Das Baseline Scenario hat einen neuen Eintrag zu den Schuldenproblemen der europäischen Peripherie. Die Kernpunkte:

The fundamental flaw in these programs is the morally dubious decision to bail out the bank creditors while foisting the burden of adjustment on taxpayers. … Kazakhstan’s refusal last year to bail out its major banks, despite strong demands from the senior creditors of these banks, has proved a far more successful path. … Sovereign defaults are always contentious, but they don’t need to end in catastrophic financial collapse. … The direct impact of debt relief for Greece, Ireland and others is easily measured and managed.

Lesenswert!

Die SZ und die Wirtschaft

Wenn der USA-Korrespondent der SZ die Politik der Fed und die internationale Wirtschaft analysiert, endet das ganze so:

Auf deren Höhepunkt – dem G-20-Gipfel in Seoul – blamierte sich Obama mit Forderungen, die in ihrem Export übermächtigen Chinesen und Deutschen sollten bitteschön ihre Ausfuhren drosseln – und der US-Zentralbank brav erlauben, die Geldpresse anzuwerfen, um 600 Milliarden Dollar zu drucken. Wer solch inflationären Schaden anrichtet, muss Spott ernten: Obamas Mahnungen zu ökonomischer Vernunft, so lästern Zyniker, seien ungefähr so glaubwürdig wie einst die Appelle zur Wahrung der Menschenrechte von George W. Bush, der Abu Ghraib und Guantanamo verantwortete.

Also, dass Chinesen und Deutsche ihre Ausfuhren drosseln sollen, ist mir neu. Es ging eher um die Überschüsse der Leistungsbilanz. Obwohl auch das Unsinn ist, denn: „Die Zahlungsbilanz [heute: Kapitalbilanz] befiehlt, die Handelsbilanz gehorcht, nicht umgekehrt“ (Eugen Böhm von Bawerk). Aber geschenkt, das schnallt in der deutschen Presse kaum einer. Diese Ungleichgewichte kann man durch viele Maßnahmen ändern, und ob das erwünscht ist oder nicht, ist eine schwierige Frage, die man weder einfach negativ, noch einfach positiv beantworten kann.

Nun zur Fed. Die Fed hat durch ihr eigenes Versagen das nominale BIP (=gesamtwirtschaftliche Nachfrage, manchmal fälschlicherweise auch als “nominelles BIP” geschrieben) 10% unter den Trend fallen lassen. Das allein ist mitten in einer Wirtschaftskrise schon eine mittlere Katastrophe. Die EZB war bekanntlich keinen Deut besser und sollte schleunigst zu der Überzeugung gelangen, dass auch sie etwas ändern sollte, gerade vor dem Hintergrund der Krisen in Griechenland und Irland.

Nun versucht die Fed, ihre Fehler zu korrigieren. Zumindest halbwegs. Denn sie versucht schlicht und einfach, ihr Inflationsziel zumindest am Horizont zu sehen! Die erwartete Inflation war bis zur Ankündigung der neuerlichen quantitativen Lockerung stark gefallen — inmitten einer Wirtschaftskrise ein unhaltbarer Zustand, gerade nach einem Jahr der Deflation. Jetzt, nach dem “inflationären” Gelddrucken!, liegen die Erwartungen bezüglich Inflation (hier) über die nächsten 10 Jahre bei hyperinflationären 1,50%.

Auch von einem politischen Korrespondenten kann man erwarten, dass er zumindest annähernd die Fakten kennt, damit ein von diffusen Vorkriegs”erinnerungen” geprägtes Deutschland nicht in völliger Inflationsparanoia verkennt, was angemessene Geldpolitik ist.

HT: Herdentrieb

Irland von innen und außen

A fistful of Euros, ein interessanter europäischer Blog, schreibt über die Darstellung der irischen Krise innerhalb und außerhalb Irlands. In Kürze: von außen waren es die überdimensionierten Banken, von innen war es der aufgeblähte öffentliche Sektor. Lesenswert!

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