Johnson & Boones Deutschland-Bashing

Wo die Situation in Irland und Portugal immer brisanter wird, melden sich Simon Johnson und Peter Boone zu Wort, die Gründer des Baseline Scenarios. In ihrem Project Syndicate Kommentar schreiben sie:

The Germans, responding to the understandable public backlash against taxpayer-financed bailouts for banks and indebted countries, are sensibly calling for mechanisms to permit “wider burden sharing” – meaning losses for creditors. Yet their new proposals, which bizarrely imply that defaults can happen only after mid-2013, defy the basic economics of debt defaults.

Ihnen geht es vor allem darum zu zeigen, dass selbst ein Plan, der erst ab 2013 greift schon erhebliche Konsequenzen für heutige Anleihen hat: dass nämlich der sehr wahrscheinliche Zahlungsausfall (default) in Irland und Griechenland (und Portugal) in der Zukunft und der dann nötige Abschlag auf die Schulden (haircut) die Zinsen heute schon so hoch treibt, dass ein default dadurch wahrscheinlicher wird. Allerdings war meiner Ansicht nach nicht klar, ob der neue Plan erst für Schulden gilt, die nach 2013 aufgenommen werden. Genaues weiss man eben noch nicht.

Ich denke aber, Johnson und Boone irren wenn sie glauben, der deutsche Plan wäre das wichtigste. Die Finanzmärkte wissen auch ohne Merkels Aussagen genau, dass Deutschland nicht halb Europa mit Steuergeldern retten kann. Und die Situation in Irland und Griechenland hat sich eben so entwickelt, dass selbst wenn sie bis 2015 ihre Schulden stabilisieren können, ein default sehr wahrscheinlich ist. Und dass viele Banken darüber fallen werden.

Alles das ist auch ohne Merkels Plan klar. Bin ich der einzige, der findet, dass es in der amerikanischen Blogosphäre einen Hang zu sinnlosem Deutschland-Bashing gibt? Die Analyse der beiden, die der deutschen Politik schlechte VWL vorwirft, ist selbst: schlechte VWL. Denn die Ankündigung eines deutschen Plans ist nicht sonderlich wichtig, wenn man als guter Ökonom die ganze Reihe der Anreize (politische und finanzielle) sich schon vorher hätte denken können. Hier empfehle ich Willem Buiter, der die ganze Analyse auch ohne deutschen Plan macht. Ich werde sein Papier demnächst diskutieren.

Die Schlussfolgerung von Johnson und Boone teile ich aber voll:

  1. muss die EZB, auch auf Kosten höherer Inflation, die nominalen Gesamtausgaben Europas wieder zurück auf den pre-2008 Trend bringen. Das schreiben sie zwar nicht explizit so, sie schreiben nur von quantitativer Lockerung (QE), aber das sollten sie als gute Ökonomen so wollen… :)
  2. müssen die Länder, die sowieso nicht zu retten sind (Irland, Griechenland, Portugal) jetzt restrukturiert werden.

Bei zweiterem Punkt fragt man sich aber, warum das nicht schon Anfang 2010 geschehen ist. Leider fehlt bei ihnen zudem der dritte Punkt: was macht man mit Banken? Denn viele Banken werden in die Knie gehen und auch die kann man nicht alle retten. Das war ein Punkt, der mich beim Baseline Scenario immer gestört hat: eine richtige Alternative hatten Johnson und Boone für die Banken nie anzubieten.

Trackbacks

  1. [...] kann man wiederum mit Kantoos entgegen, dass die Menschen auch so 2 + 2 zusammenzählen können, und daher der Merkelplan für die [...]

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