Wie evaluiert man „Millennium Villages“?

Im Internet hat eine interessante Diskussion um die Millenniumsdörfer (MD) begonnen. Schon vor langer Zeit hatte Chris Blattman in seinem Blog darauf verwiesen, wie schwer es ist, das Millenniumsdorfprojekt zu evaluieren.

In Kürze, das Problem ist, dass wir nicht wissen,

  1. ob diese Dörfer der beste Weg sind, (knappe) Hilfsgelder auszugeben.
  2. ob sich dieses Programm auf ein ganzes Land, oder gar einen ganzen Kontinent ausdehnen lässt.
  3. ob das Gesamtprojekt besser ist als die Summe seiner Teile.

Dies wirklich zu evaluieren, ist schwer bis unmöglich. Der erste Teil betrifft eine Kosten-Nutzen-Analyse, für die man allerdings eine Kontrollgruppe untersuchen müsste und wo die Zuteilung in MDs und Kontrolldörfer zufällig erfolgt. Noch nicht mal eine Kontrollgruppe wird bei den MDs untersucht. Warum bleibt erstmal unklar.

In 2. und 3. wird es noch schwieriger. Wenn ein Projekt in einer kleinen Auswahl Dörfer gut funktioniert, gilt dies auch wenn wir das Programm auf alle Dörfer ausdehnen? Gerade ein Projekt wie die MDs, auf das die Welt schaut, wird die Regierung eines Landes versucht sein, diesem Projekt zum Erfolg zu verhelfen und seine Beamten und Lokalpolitiker entsprechend instruieren. DAS ist dann aber kein Erfolg der MD Initiative, sondern ein politischer Nebeneffekt einer UN Intervention. Dieses Problem ist kaum zu lösen.

Der dritte Punkt ist auch nach Meinung von Blattman die vielleicht interessanteste Frage in der Entwicklungspolitik zur Zeit: gibt es Interaktionen zwischen verschiedenen Maßnahmen? Ist also das MD Projekt größer als die Summe seiner Teile (Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit etc.)? Man bräuchte sehr viel Geld, um diese Frage statistisch zufriedenstellend zu beantworten

Möglich wäre also eine Gesamtevaluation nach Punkt eins, aber auch daraus lernt man nicht wirklich viel. Blattman dazu in einem späteren Eintrag:

Also, even if we looked at control villages, and saw an impact, what we would learn from it? “A gazillion dollars in aid and lots of government attention produces good outcomes.” Should this be shocking?

Ich glaube hier ist er zu skeptisch: eine Evaluation würde zumindest eine positive Obergrenze im Sinne einer Kosten-Nutzen-Analyse ergeben, also den bestmöglichen Effekt dieser MDs. Wenn dort schon herauskommt, dass der Effekt bescheiden ist, brauchen wir nicht weiter zu machen. Wenn ein deutlich positiver Effekt gezeigt werden kann, muss man sich klar machen, dass es eine Obergrenze ist — aus oben genannten Gründen.

Das war nur die Einleitung, in einem späteren Eintrag geht es dann um den neuesten Teil der Debatte.

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